Hallo Claus,
kurze Rückfrage:
Allein der Begriff "Frequenz" oder der Vorgang des "Sehens" erfordert ja, dass für den Beobachter Zeit vergeht. In einem einzigen Punkt wäre das ausgeschlossen.
Hat denn die Absorptionsphase eines Photons eine zeitliche Ausdehnung? Klassisch-relativistisch betrachtet
1 erreicht mich doch in einem konkreten Zeitpunkt
t genau die Information, die in einem anderem (einzigen) Moment
t' ausgesendet wurde? Das soll kein Gegenargument sein - sondern tatsächlich eine Frage
:)
Aber nochmal zurück zur Frage optische oder "tatsächliche" Sicht:
Zitat:
[optische Betrachtungsweise]
Hier habe nun ich wieder Schwierigkeiten, zu verstehen, wie du das meinst. Wie gesagt: ich oute mich als Anhänger der "optischen" Wahrheit. Für mich erfolgt die Umkehr im Inertialsystem des Erdzwillings im Jahr 3018 und in dem des Flugzwillings im Jahr 3006.
Also ich meinte das so: der Erdzwilling stellt fest, dass er im Jahre 3018 die Umkehr des Flugzwillings beobachtet. Die Uhr des Flugzwillings zeigt 3006 an. Welche Aussagen könnte er nun treffen?
1. der Flugzwilling kehrt im Jahre 3006 seiner Zeit um.
2. der Flugzwilling kehrt im Jahre 3018 der irdischen Zeit um.
3. die Beobachtung der Umkehr findet im Jahre 3018 irdischer Zeit statt.
Darüber, dass Aussage 1 berechtigt ist, stimmen wir beide überein. Meine These war nun, dass der Erdzwilling die Aussage 2 nicht treffen kann. Er könnte zwar mit recht sagen, er
beobachtet im Jahre 3018, dass der Erdzwilling umkehrt. Aber auf welcher Grundlage kann er das beobachtete Geschehen überhaupt in direkten Bezug zum Zeitpunkt der Beobachtung im Bezugssystem der Erde setzen?
Er könnte vll. so argumentieren: da ab dem Jahre 3018 die Signale blauverschoben sind, kehrt er auch erst im Jahre 3018
wirklich um. Wirklichkeit bzw. das, was momentan passiert, definiert er somit ohne Lichtlaufzeit. Er definiert das als (optisch) gleichzeitig, was er im Moment der Beobachtung sieht. Vorher kann schließlich keiner wissen, ob er nicht evtl. von Aliens gekapert worden wäre (um das Beispiel mal aufzugreifen
;-)
).
Kann er das denn aber auch dann noch im Augenblick der Beobachtung? Das Licht aus dem Jahre 3006 der Flugzwillingszeit erreicht ihn doch nur deshalb im Jahre 3018 der Erdenzeit, weil auf dem Weg zwischen Aussenden am Umkehrpunkt und Eintreffen beim Erdzwilling im Jahre 3018 nichts mehr passiert ist? Auf halber Strecke könnte auch ein böswilliges Anti-SRT-Alien sitzen und Licht mit entsprechend blauverschobener Frequenz aussenden, welches nur simuliert, dass die Uhr des Flugzwillings 3006 anzeigt? Oder es könnte die Lichtsignale einfach mutwillig absorbieren. Dann müsste der Erdzwilling konsequenterweise zum Schluß kommen, der Flugzwilling verschwindet im Jahre 3018? Ein ganz besonders fieses Alien würde die absorbierten Signale vll. sogar rotverschoben und zeitversetzt reemittieren, so dass der Flugzwilling im Umkehrpunkt überhaupt nicht wendet?
Das war aber eigentlich nur zum Thema "Wirklichkeit und optische Täuschung". Viel wichtiger ist die Frage: -> der Erdzwilling weiß als Anhänger der SRT, dass sich Licht nur mit endlicher Geschwindigkeit ausbreitet. Wie vereint er die endliche Lichtausbreitung mit seiner Vorstellung? Er nimmt den Moment der Emission als gegenwärtig an (nicht im zeitlichen, sondern im physikalischen Sinne von
gegenwärtig =
wirkend).
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Hmm. Je länger ich nun schon darüber nachdenke und je intensiver ich versuche, Gegenargumente zu finden, umso sinnloser erscheint mir meine eigene Herangehensweise. Welche Bedeutung haben räumliche und zeitliche Abstände, wenn der Raumzeit-Abstand die invariante Größe ist? Aus optischer Sicht ist alles gegenwärtig, was keinen raumzeitlichen Abstand besitzt. Das ist physikalisch weitaus sinnvoller als rechnerisch mit Gleichzeitigkeit anhand von Koordinaten zu hantieren. Weder verstößt die optische Sicht gegen die Endlichkeit der Lichtausbreitung noch verletzt sie die Relativität der Gleichzeitigkeit. Was gegenwärtig (wirkend) ist, hängt in jedem Fall vom Beobachter ab.
Tut mir leid für den langen Text und die abrupte Wendung. Aber nachdem ich fast eine halbe Nacht damit verbracht hab, wollt ich dann doch nicht einfach so wieder alles löschen
;-)
mfG,
parad0x
1 Im Rahmen der Quantenphysik würde man vermutlich sagen, dass wenn man den Ort exakt bestimmt, Impuls und somit auch Frequenz in ihrem Rahmen unbestimmt sind. Aber dann könnte man ja stattdessen auch mit diskreten Zeitmomenten argumentieren.
remember: 21 is just half of the truth...
Bearbeitet von Parad0x am 30.07.2009 um 04:34 Uhr.