Auch die negativen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen sehe ich. Immer mehr müssen z.B. Krankenhäuser wirtschaften, führen unnötige Therapien und Operationen durch, um die eigenen Einrichtungen gewinnbringend auszulasten. Viele Patienten werden dabei in Unwissenheit darüber gelassen, dass sie in anderen, auf ihre Erkrankungen spezialisierten Einrichtungen, besser aufgehoben wären.
Den Zusammenhang zur momentanen Coronakrise kann ich allerdings nicht erkennen.
Trotzdem sind Aspekte interessant. Eigentlich ebenfalls ein Gegner der Privatisierung wirtschaftlich hervorragend geführter stattlicher Unternehmen der Grundversorgung, nur, weil sie Gewinn abwerfen könnten, ist im Krankenhausbereich der staatliche Einfluss trotz Privatisierung über die Krnkenhausplanung und die Investitionskosten zu Gunsten der Sozialkassen nach wie vor eindeutig gegeben. Wichtig für die die laufenden Kosten deckenden Sozialkassen ist die Wirtschaftlichkeit des Krankenhausbetriebs. Darüber hinaus gehende Vorsorge sollte und muss in der Verantwortung des Staates liegen und von diesem, also den Steuerzahlern, finanziert werden. Das wird unter Corona nur deutlicher.
Mir ist die Entwicklung vom früheren, unwirtschaftlichen Selbstkostendeckungsprinzip, wonach die Sozialkassen fast jeden Schmarren mit überlangen Verweildauern zu zahlen hatten, noch bekannt. Allerdings führte dies positiv damals zu geringeren Belastungen der Pflegekräfte, weil sich der Aufwand pro Patient zeitlich strecken ließ. Innovationen und die Auseinandersetzung über die für den Patienten besten OP-Methoden, über die der Chefarzt nach seinem Gutdünken unter dem Mantel der Therapiefreiheit entscheiden kann, bleiben mangels Auseinandersetzung jedoch eher auf der Strecke. Dieses System möglicher Misswirtschaft war unter dem medizinischen Fortschritt keineswegs haltbar, weil so von den Sozialleistungsträgern nicht mehr finanzierbar. Hochgerüstete Kampfsysteme zum Nachweis und Gegenbeweis nötiger Koste waren die Folge und wurden auf beiden Seiten hochgefahren.
Letztlich hat man sich in abgewandelter Form auf ein in den USA eingeführtes System einheitlicher Fallpauschalen geeinigt, welches nicht die alten, aber neue Nachteile mit sich bringt. Schafft man, wie letztlich erfolgt, keine Untergrenzen, wird nun überall gespart an den Kostenfaktoren und an der Aufenthaltsdauer, was irgendwann Imageprobleme auslösen und nachteilige Folgen haben könnte. Da ist es völlig egal, ob es sich nun um einen staatlichen oder privaten Betreiber handelt. Der Private bekommt es vielleicht leichter in den Griff, weil er die Chefarztverträge so gestaltet, dass er und nicht der Chefarzt den aus den folgenden Spezialisierungen zu erzielendem Überschuss einstreicht, der dann, wenn es optimal läuft, wieder in das Krankenhaus reinvestiert werden kann. Es ist nämlich so, dass der klamme Staat mit seinen Investitionen stets zögerlich agiert und die Krankenhäuser gezwungen wären, ein Gerät länger zu warten, als es wirtschaftlich sinnvoll wäre. Da ist es von Vorteil, wenn der Krankenhausträger aus leichten Gewinnen in die Bresche springen kann, um diese zu sichern.
Natürlich spielen Zielvorgaben eine Rolle, die die kritisierten Auswüchse ermöglichen. Hier kann jedoch der Staat über die Krankenhausplanung gegensteuern. Es setzt aber auch den mündigen Bürger voraus, der nicht alles glaubt, was ihm ein weißer Herrgott vorsagt, sondern zu einer Zweitmeinung schreitet. Im Prinzip sehe ich in der Konzentration unter Fachleuten, für die die Sache Routine ist, einen erheblichen Vorteil. Wenn ein Konzern, wie ich einen kenne, der mehrere Therapieformen beherbergen kann, auch noch Patientennachbefragungen durchführt und diese analysiert, um die beste Methode herauszufiltern, ist dies sicherlich besser, als würde jeder Landkreis sein eigenes Haus betreiben (und nicht wissen, was sein Chefarzt so tut).
Wenn die örtliche Politik dann auch noch meint, ihnen wohlgesonnene Politologen, Soziologen oder gleich Politiker an die Spitze eines Krankenhauses zu berufen, führt dieses zu einem System der Selbstbeweihräucherung, wie ich es auch kennenlernte, weil das ganze Haus nur bestrebt sein muss, der politischen Reputation der Leitung und ihrer politischen Ausrichtung zu dienen, was zu Systemen führt, wie sie z.B. im Beschaffungswesen der Bundeswehr mit ungeheurem Beraterunwesen aktuell noch zu diskutieren ist: Ausdruck persönlicher Unfähigkeit, durch die Politik gefördert, völlig egal welcher Partei! Parteipolitik hat m.E. in Unternehmen, ob privat oder staatlich, nichts zu suchen. Privat ist es noch ein gravierender Unterschied, ob ein Unternehmer oder eine Aktiengesellschaft der Betreiber ist.
Die Vergangenheit ist über die Gegenwart verbrauchte Zukunft.