PS: Das Revolutionäre an Bohrs Ansicht war auf jeden Fall, dass er als erster auf den Gedanken kam, dass Information, die wir suchen, aber nicht finden, Information sein kann, die gar nicht existiert. Einstein kam dieser Gedanke überhaupt nicht.
Hallo Grtgrt,
mir erhellt nicht, was die Kopenhagener Interpretation mit “Information, die wir suchen, aber nicht finden“ zu tun hat.
Meines Wissens ist die Essenz der Kopenhagener Interpretation die Erkenntnis von Max Born, das die Quantenmechanik
probalistisch und nicht deterministisch ist.
M.f.G. Eugen Bauhof
Hallo Eugen,
natürlich ist auch richtig, was Du über die Kopenhagener Interpretation sagst. In
Wikipedia liest man:
Zitat:
Die Kopenhagener Deutung ist eine Interpretation der Quantenmechanik. Sie wurde um 1927 von Niels Bohr und Werner Heisenberg während ihrer Zusammenarbeit in Kopenhagen formuliert und basiert auf der von dem Nobelpreisträger Max Born vorgeschlagenen Bornschen Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Wellenfunktion.
Gemäß der Kopenhagener Interpretation ist der Wahrscheinlichkeitscharakter quantentheoretischer Vorhersagen nicht Ausdruck der Unvollkommenheit der Theorie, sondern des prinzipiell indeterministischen (unvorhersagbaren) Charakters von quantenphysikalischen Naturvorgängen.
Erst der zweite Absatz dieses Zitats — der zu Unvollkommenheit vs Unbestimmtheit — ist der, auf den ich mich beziehe:
Einstein, Podolsky und Rosen argumentierten, dass die Quantenmechanik (als Theorie) nicht vollständig sei, weil sie gewisse Information — von der sie glaubten, dass sie existieren müsse — nicht zu finden gestattet.
Wie Bohr zunächst nicht beweisen konnte, wie sich dann aber Jahrzehnte später mit Hilfe der Bellschen Ungleichung und entsprechender Experimente doch zeigen ließ,
existiert jene Information aber gar nicht.
Das also ist die Tatsache, an die ich erinnern wollte:
Wer Information sucht, muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass sie gar nicht existiert.
Bohr scheint das in dieser Deutlichkeit niemals explizit gesagt zu haben, aber einige seiner (oft wenig klaren) Äußerungen deuten darauf hin, dass er diese Möglichkeit zu leugnen nicht bereit war. Er hat sie instinktiv als wichtig erachtet. Die kommende Entwicklung seiner Wissenschaft sollte ihm recht geben.
Guter Beleg hierfür ist ja auch Heisenbergs Unschärfe-Relation und ihre Deutung: Jene Unschärfe, so dachte man zunächst, sei darauf zurückzuführen, dass die Messung den Zustand des gemessenen Objekts ein klein wenig stört. Mit anderen Worten: Man dachte, es wäre da Information, aber sie würde in Folge des ersten Teiles der Messung zerstört (man kann zueinander komplementäre Größen, Ort und Impuls etwa, nicht gleichzeitig messen, man kann sie nur nacheinander feststellen; aber schon wenn man die erste misst, interagiert die Messapparatur mit dem zu messenden Quantenobjekt).
Heute denkt man, dass auch ohne die Folgen der Messung der Zustand des Quantenobjekts in dem Maße unbestimmt ist, in dem Heisenbergs Relation das anzeigt. Mit anderen Worten: Beliebig genaue Information zum Zustand des Objekts existiert gar nicht,
auch nicht vor Beginn der Messung — und so spricht man heute nicht mehr
von U n s c h ä r f e , sondern stattdessen von U n b e s t i m m t h e i t .
Nebenbei: Gewisse Rechnungen, den Elektron-g-Faktor vorherzusagen (den man ja auch gut messen kann) zeigen, dass es sich
zumindestens überwiegend tatsächlich um eine Unbestimmtheit, denn eine Unschärfe handeln muss.
Gruß, grtgrt
Bearbeitet von Grtgrt am 15.06.2013 um 14:21 Uhr.