Die Existenz und Kirchentage
Die Aussage: „Ich denke, also bin ich“ ist meines Erachtens nicht weiter hinterfragbar. Wenn wir nicht in Solipsismus ertrinken wollen, muss gelten, das außer dem denkenden Objekt (also außer mir z. B.) eine Außenwelt existiert, zumindest müssen andere „Ichs“ außer dem meinem existieren. Es findet aber ein Austausch zwischen all den „Ichs“ statt, was sich ohne ein „Etwas“, in das alle „Ichs“ eingebettet sind, nicht erklären ließe, zumindest muss es aber als ein „Außen“ Information geben, wenn sich all die „Ichs“ darüber einigen wollen, dass sie einander verstehen. Das, was ich als dies oder jenes Beschreibe, muss eine Entsprechung in dir haben. Selbst dann, wenn also die Information über ein „Etwas“ außerhalb nur in einem „Ich“ selbst entsteht, muss erklärt werden, wie die Entsprechungen in all den anderen „Ichs“ zustande kommen Woher weißt du, dass ich von einem Baum rede? Doch nur, weil dir zumindest das „Konzept Baum“ bekannt ist. Wenn wir annehmen wollen, es gäbe nur eine Horde denkender „Ichs“ sind wir in echter Erklärungsnot, die einzig sinnvolle Alternative ist die Existenz einer Außenwelt.
Rein logisch betrachtet wäre es möglich, dass es nur ein denkendes „Ich“ gibt. Dann ist die Außenwelt ein inneres Spiel, das mich davor bewahrt, vor Einsamkeit verrückt zu werden – oder aber wir sind Gedankensplitter eben eines bereits verrückt gewordenen, manche nennen ihn dann Gott.
Ich ziehe die nettere Variante vor und nehme hin, nicht zu wissen, warum „etwas ist und nicht nichts“.
Wir charakterisieren Objekte dadurch, dass wir Aussagen über sie treffen in der Form, dieses oder jenes habe die und die Eigenschaften. Wir individualisieren Objekte, in dem wir sie auf unterschiedliche Eigenschaften prüfen, und wir fassen Objekte mit gleichartigen Eigenschaften zu Klassen zusammen. Aussagen sind – sprachlich betrachtet – Sätze der Form „Subjekt – Prädikat“, also irgendetwas, worüber wir eine Aussage machen, hat die und die Eigenschaften (das Objekt der Betrachtung ist also im sprachlichen Zusammenhang des Satzes das Subjekt, das Prädikat sagt, was ich über das Objekt aussage).
Es ist also eine Aussage (ein Satz) z. B.: Der Baum hat Blätter, oder der Baum hat eine Rinde oder der Baum ist aus Holz. Ich kann auch sagen: Der Baum hat Borkenkäfer, aber das ist eine Aussage über diesen bestimmten Baum und nicht notwendig für die Bestimmung des Baumes als Baum. Alle unterschiedlichen Bäume haben Eigenschaften, die sie zu Bäumen machen, an dieser „Baumheit“ können wir sie erkennen. Wie wir als Menschen die „Baumheit“ erkennen, wie wir also das Einzelne verallgemeinern oder auch aus dem Allgemeinen das Einzelne erkennen, hat wohl in erster Linie mit der Neurophysiologie zu schaffen, davon hab ich keine Ahnung, Vielleicht sind wir einfach so „konstruiert“, das wir nicht umhinkönnen, in den Dingen Muster zu erkennen, dass wir die Welt einfach einordnen müssen, um sie zu bewältigen.
Das Problem mit der Aussage, was ein Baum für Eigenschaften hat, beginnt dort, wo ich ihm die Eigenschaft der Existenz zuordne, ich also sage: Der Baum ist existent, so wie ich ja sagen kann: Der Baum ist groß. Nur: das dieser Baum groß ist, macht ihn individuell, er unterscheidet sich z. B. von den Bäumen in der Umgebung durch seine Größe, oder ist ein Mammutbaum, die sind immer groß. Das er existent ist, macht in NICHT individuell, denn die „Eigenschaft existent“ müssen ALLE Bäume erfüllen, ja, JEDES OBJEKT muss diese Eigenschaft erfüllen. Was ist aber, wenn wir den Baum all seiner individuellen Eigenschaften entkleiden? Keine Blätter, keine Borke, keine Zellulose usw.? Es bleibt doch – nichts!
Wenn wir nicht in die Falle tappen wollen, alles für „nichts“ zu erklären, bleibt m. E. nur, die Aussage der Form „Etwas hat Existenz (oder ist existent) ist auf die Existenz von Objekten nicht anwendbar, die „Subjekt – Prädikatform“ ist nicht anwendbar. Ein Baum hat nicht die Eigenschaft der Existenz, wenn ich das dennoch in dieser Form behaupte, ist es eine Tautologie.
Das sprachlich-logische Konstrukt der Subjekt-Prädikatform ist auf Aussagen über die Existenz nicht sinnvoll anzuwenden. Das „etwas ist“, ist evident, aber die Aussage „die Existenz ist“, oder „das Sein ist“ verbietet sich wohl, das „Seiende“ kann schließlich nicht Element „alles Seienden“ sein, wenn wir nicht alles „nichten“ wollen.
Das Sein ist evident, aber nicht logisch begründbar.
Und die nichtisomorphen Existenzen am Rande von Allem treffen sich in Tempeln und auf Kirchentagen und schauen einander in die Augen – und erkennen sich.
Der Titel ist aber nicht ganz ernst gemeint, das Thema ist zu ernst, um es nur den Tiefdenkern zu überlassen.
Herr Oberlehrer
Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
Der Mensch lebt einmal. Dann nicht mehr.
(Donald Duck)