Max Tegmark
LEBEN 3.0
Tegmark gibt einen persönlichen Ausblick auf die
künstliche Intelligenz.
Dass er sich damit beschäftigt hat, wird im Buch klar. Dass er kein Idiot ist, auch. Dass er visionär denkt, klar, geschenkt.
Zeiträume über Milliarden Jahre abzudecken - spekulativ natürlich - ist neu.
Dass sich ein gestandener Physiker sowas traut, alle Achtung!
Wahrscheinlich ist ihm seine Reputation als Physiker inzwischen scheißegal, einfach weil er als solcher nicht mehr seine Brötchen verdienen muss.
Jetzt kann er machen, was er will, und er tut es anscheinend.
Und er ist immer noch ein Verfechter schärfster Logik, denkt alles konsequent durch. Und das merkt man diesem Buch an.
Tegmark erklärt grob, was KI (Künstliche Intelligenz) ist, unterscheidet bemerkenswerterweise kaum zwischen
maschinellem Denken und KI (worauf alle heutigen "Experten" rumhacken, zwar derzeit zurecht, aber eben nicht konsequent zu Ende gedacht), und gibt einen Überblick über den heutigen Stand.
Erklärt, ob und wann es zur
technologischen Singularität kommen könnte, und ab wann wir "Kohlenstoffsäcke" (sinngemäß aus "Raumschiff Enterprise") dann überflüssig sind.
Tegmark deckt sowohl physikalische als auch gesellschaftliche Gesichtspunkte ab, dezentralisiert uns Menschen, indem er uns als Entwicklungsschritt vermutet, und gibt sogar unserer Generation Hoffnung:
Ein Entwicklungszweig der KI könnte sein, dass wir unser Denken, unser Sein in eine radikal andere Form überführen, die wir beinahe ewig erhalten können. Denn unser Denken ist nicht an Substanz gebunden, sondern an Organisation. Der Gedanke macht keinen Unterschied, ob er auf Kohlenstoffbasis oder auf Siliziumbasis als Einsen und Nullen gedacht wurde. Ein Gedanke ist ein Gedanke.
Und für uns ist unsere Welt nur in Gedanken vorhanden, sonst nirgendwo.
Tegmark weist ausdrücklich darauf hin, dass es die Naturgesetze erlauben (und da wird ihm jeder seriöse Physiker zustimmen), eine KI zuzulassen. Und, dass, wenn wir schon mal hier sind, an diesem Entwicklungspunkt, es vermutlich auch passieren wird.
Mein Gedanke, im Forum nachlesbar (ich glaube 2005), dann nach meiner Wahrnehmung immer öfter in den Medien aufgetaucht:
Wir sind Kinder des Universums. Aus keinen anderen Stoffen und Regeln gemacht, denken wir über das Universum nach. Denken wir über das Universum nach, heißt das streng logisch, dass das Universum über sich selbst nachdenkt. Sich begreifen will.
Und da es uns gibt, heißt das, dass das Universum zu radikalen Mitteln greift (Tegmark geht in diesem Buch auch über die Unwahrscheinlichkeit unseres Seins als Menschen ein, behauptet sogar, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass wir mit dieser Intelligenz allein im gesamten Universum sind).
Und unter diesem Gesichtspunkt wird das Universum, weil es eben die Naturgesetze erlauben, diese radikale Intelligenz, diese sich exponentiell vervielfachende Intelligenz realisieren.
Tegmark beleuchtet noch Einiges mehr.
Lesetipp!
Beste Grüße
Diese Welt gibt es nur, weil es Regeln gibt.
Bearbeitet von Stueps am 09.08.2019 um 22:50 Uhr.