Dieser Begriff der subjektiven Realität ist nicht von Einstein, sondern von mir, stützt sich aber auf die Einsteinsche Erkenntnis über die nichtexistente Gleichzeitigkeit und die Unzulässigkeit einer Gottesperspektive.
Zitat:
Wenn ich das Gastmahl von Platon lese, dann gehört das Bewusstsein, dass er schon vor langer Zeit gestorben ist, mangels Gleichzeitigkeit angeblich nicht mehr zu meiner subjektiven Realität.
Es ist mir völlig schleierhaft, wie du zu dieser Folgerung gelangst... begreifst du dieses "Bewusstsein" etwa als eine Art von Sinneseindruck? Und was hat das mit dem Autor zu tun? Ich kann dir absolut nicht folgen.
Was ist daran so schwer zu verstehen? Ich definiere eine Wahrnehmungsreaität, in der alles real ist was zu den Sinnes-Eindrücken (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen usw.) gehört, die das Individuum zum gegenwärtigen Zeitpunkt erfährt. Da steckten noch keine Folgerungen, noch keine Interpretationen usw. drin - schlicht und einfach die Summe der Eindrücke. Im Falle deines Buches, wären das die visuellen Eindrücke von der aufgeschlagenen Buchseite.
Und nun sage ich, dass es keine zeitlichen Unterschiede zwichen den verschiedenen Eindrücken gibt, diese also alle gleichzeitig wahrgenommen werden (wir könnten jetzt noch darauf eingehen, dass die 'komplette' Wahrnehmung aller Sinne auch ein Intervall braucht um wahrgenommen zu werden, aber das ist erstmal unwesentlich).
Das bedeutet diese subjektive Realität kennt erstmal keine Zeit.
Wie wir aber sicher übereinstimmen werden, umfasst die subjektive Realität nicht die gesamte mögliche Wahrnehmungsrealität.
Das bedeutet bestimmte, existente Konfigurationen der 'objektiven Realität' befinden sich außerhalb des 'Blickfelds' der subjektiven Realität.
Zum Beispiel ist ein stilles Objekt, dass hinter dir steht von dir nicht zu erfahren -> kein Eindruck -> Nicht Bestandteil der subjektiven Realität.
Nun stelle ich das Modell auf, dass es sich mit der Zeit genauso verhält - dass die Impressionen die nur in Zukunft oder Vergangenheit erfahren werden können, genauso existent sind, wie das Objekt hinter dir - nur außerhalb deines subjektiven Blickfelds.
Damit lässt sich das gesamte Raumzeit-Kontinuum der Eindrücke als einheitlich existentes Gebilde betrachten, von dem wir immer nur Ausschnitte in unserer subjektiven Realität geboten bekommen.
Und nun könnten wir aufgrund unserer Erinnerungen die Vermutung aufstellen, dass sich der Blickwinkel unserer subjektiven Realität nicht nur räumlich verschieben lässt, sondern auch zeitlich verschiebt.
Ich halte das für ein ziemlich praktisches Modell.
>Warum sollte der Mensch, im Rahmen seiner beschränkten evolutionären Entwicklung, geistige Fähigkeiten entwickelt haben, um komplexe temporale Paradoxien korrekt zu erfassen?
Bearbeitet von Chemo am 11.11.2006 um 15:27 Uhr.