Zitat:
Das Verhältnis zweier Bewegungen zueinander gibt die Zeit her.
Wie du das meinst, ist mir nicht ganz klar. Bei einer Bewegung setze ich schon Zeit voraus, da es sich um eine Änderung der Lage handelt.
Die Differentialgleichungen, die wir zur Beschreibung von Bewegungen benutzen haben doch diese Form df(t)/dt. (Und es geht hier ja ganz offensichtlich nur um die "Zeit in der Natur" bzw. in der klassischen Physik. Zumindest scheint Quark kein Verständnis für das Problem der psychologischen Zeit zu haben.)
Hallo Quark,
Zitat:
Sie gilt nur für Beobachter innerhalb des Universums, die Sache mit dem Herr Rauschebart hast du nicht bedacht, wie?
Nein, sie gilt auch für den Herr Rauschebart... das ist auch der Grund, warum manche Menschen die Unbestimmtheitsrelation (wie sie Heisenberg genannt hat... da ist nämlich nichts unscharf, was dann ein Beobachterproblem wäre) gerne untergraben wollen, bzw. wollen sie zeigen, dass es eine noch grundlegendere Theorie gibt, in der diese Unbestimmtheit nicht mehr vorkommt. Das sind dann solche Theorien mit verborgenen Parametern, von denen noch keine erfolgreich war.
Mal angenommen, es wäre so... dann würde der Herr Rauschebart nicht alles wissen, bzw. könnte er die Welt gar nicht beobachten, ohne auch ein Teil von ihr zu sein. Die relationalen Sichtweisen haben sich noch nie besonders gut mit Rauschebart vertragen, weil solche "Weltvorstellungen" eben bedeuten, dass es kein Außen dieser Welt gibt... oder anders formuliert, die Welt sieht je nach Blickwinkel nicht nur anders aus, sondern ist auch anders... es würde also diesen einen Blick, wie ihn Rauschebart/Gott auf die Welt hat, nicht geben.
PS: Die newtonsche Physik und die Vorstellung vom absoluten Raum und der Zeit... vertragen sich sehr gut mit Rauschebart. Der Determinismus im übrigen auch. Dies liegt daran, dass solche Sichtweisen mit diesem "Gottesblick" auf die Welt vereinbar sind.
Daher ist auch das festhalten an solchen Sichtweisen verständlich... es gibt wohl nichts schöneres für einen Menschen, als durch Naturwissenschaft (Zu Newtons Zeiten nannte man es noch Naturphilosophie) die Welt mit Gottes Augen betrachten zu können.
Auf diese Weise eignet man sich die Welt intellektuell an, was ja auch Macht bedeutet. So viel also dazu, warum diese Art von Wissenschaft mit Religion gut vereinbar war.
Zitat:
Die müsste doch irgendwann langsamer laufen, offensichtlich kann da aber nicht die Zeit langsamer vergangen sein als bei einer Referenzuhr.
Vielleicht beschäftigst du dich einfach mal mit der Relativitätstheorie und zwar nicht populärwissenschaftlich.
Zitat:
Was brauche ich den die Vergangenheit, etwas das ich doch ohnehin nicht verändern kann. Ich kann mich auch nicht erinnern das sich Fotos verändert haben. Für uns ist Zeit praktisch unötig.
Vielleicht erkenne ich einfach nicht die Genialität hinter deinen Gedanken... aber auf mich wirkt das, was du sagst, irgendwie unverständlich und dumm.
Hallo Sedna,
Zitat:
Zeit ist ein erfundener Begriff der Menschen, um alltagsbedingte Dinge verstehen zu können, wie das vergehen eines Jahres, Monats, Tags
Na ja, der Begriff der Zeit hat primär eher etwas mit einer menschlichen Erfahrung zu tun, die dadurch zustande kommt, dass er ein autobiographisches Gedächtnis hat und eine Identität, die eng mit seiner Vergangenheit, an die sich der Mensch zum Teil sehr klar und vor allem willkürlich erinnern kann, zusammenhängt. Der zweite Punkt ist, dass ich das Zukünftige erahnen kann, dass ich weiß, dass ich später jemanden Besuche und dass ich irgendwann bei ihm sein werde und das ich irgendwann beim ihm gewesen sein werde.
Aber dabei muss man beachten, dass ich das Zukünftige nur dadurch erahnen kann, weil ich eine Vergangenheit habe, aus der ich gelernt habe. Das Gehirn organisiert sich durch Erfahrung und jede Erfahrung setzt diese psychologische Stuktur der Zeit voraus.
Die 6 Zeitformen in unserer Sprache spiegeln diese Erfahrung sehr gut wieder.
Was mich an der Diskussion hier stört ist auch das gleiche Problem wie damals, als Quark sich so stur gestellt hat, nämlich die Tatsache, dass Wörter und Begriffe nicht das gleiche sind und das ein Substantiv nicht immer automatisch auch ein Begriff ist, also nicht jedes Wort ein Symbol für einen Begriff darstellt, sondern auch ein Name sein kann, oder eine natürliche Art und so weiter.
Und das verschiedene Begriffe durch ein einziges Wort symbolisiert werden können.
Zitat:
Wie nun wohl schon jeder hier gemerkt hat, lässt sich Zeit nur in Bezug auf Bewegung definieren.
Wie? Diese beiden Begriffe verweisen wechselseitig aufeinander... wie willst du denn Bewegung definieren? Wie willst du Veränderung denken ohne den Übergang von Möglichkeit zu Faktizität?
Wenn du sagst, eine Varibale a verändert sich... dann kann sie ja wohl kaum eine Konstante sein, also schreibst du, sie wäre eine Funktion von b.... a = f(b)
Und b kannst du zum Beispiel definieren als Element einer geordneten Menge B (alles andere wäre sinnlos). D.h. die Relationen "<",">" und "<=", ">=" werden verwendet. (geordnete Menge: 1,2,3,4,5... die jeweils Zeitpunkten entsprechen.)
In der klassischen Physik zum Beispiel ist die "Zeit" nichts weiter als eine solche geordnete Menge, in der Regel ist es der Raum der reellen Zahlen, also "t Element R".
Und zu jedem Element "t" in R wird durch die Funktion "f(t)" dem "a" ein Wert zugeordnet.
Die 1 Ableitung von "f(t)" nennen wir "Geschwindigkeit", die 2 Ableitung "Beschleunigung". Je nach Problem, welches wir behandeln, könnte die Geschwindigkeit aber auch "Änderung der Wachstumsrate" bedeuten...
Diese Art von "Zeit" als der reelle Raum der Zahlen kann mit Uhren gemessen werden... hier ist eine Zeitspanne einem Abstand, also einer Länge auf der Zahlengeraden, äquivalent. (Aber dies bedeutet nicht, dass Zeit tatsächlich mit einer Länge identisch ist... in der Relativitätstheorie sind zeitliche und räumliche Abstände etwas unterschiedliches.)
Die "Zeit"-Messung: Ich brauche dazu nur einen periodischen Vorgang und eine Vorrichtung, die diese Perioden zählt... das nennt man dann eine Uhr.
Die Bewegung der Erde ist solch ein Vorgang... eine Periode entspricht einem Jahr. Und die "Erde" zählt diese Perioden, in Form von Ablagerungen im Eis an den Polen oder Bäume in Form ihrer Jahresringe. Die "Erde" bzw. das Leben auf der Erde speichert so auch einen Teil der Vergangenheit... nur so kann einem die Erde etwas über die früheren Zeiten "erzählen".
Man erkennt an diesem Prinzip der Uhr auch deutlich, dass es ohne Gedächtnis für uns auch keine Zeit geben würde. Ohne Gedächtnis würde es aber auch kein Lernen geben... und wir wären dann auch keine Menschen. Wir brauchen uns also auch nicht zu wundern, dass unsere phänomenale Zeit die Struktur hat, die sie hat.
Letztendlich stellt man mit Fragen nach der Zeit auch Fragen nach dem Menschen.
Bearbeitet von Andre am 24.10.2006 um 15:40 Uhr.