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Der Begriff Zeit

Thema erstellt von Argon 
Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Hallo Ebenfalls,

Du bist jetzt, wenn ich es richtig sehe, an dem Punkt angelangt, wo wir defineren müssen, was "Veränderung" eigentlich ist.

Wenn Du die gesamte Welt in viele kleine autarke Zellen einteilst, so klein, daß in ihnen selbst keine Veränderung geschieht, dann herrscht innerhalb dieser Zellen wohl in der Tat ein Veränderunsstillstand. Und damit kommt jetzt die Definition des Begriffs "Veränderung" in's Spiel:

Meine Definition:

Damit Veränderung existieren kann, bedarf es stets an mindestens drei Raumpunkten. (Im folgenden meine ich den Begriff "Punkt" als mathematisch unendlich kleiner Punkt.)

Fall 1:
Bestünde die Welt aus einem einzigen Punkt, so würde sich in der Welt niemals etwas verändern.

Fall 2:
Bestünde die Welt aus nur zwei Punkten, so würde sich ebenfalls niemals etwas verändern. -- Gut, die zwei Punkte, so könnte man einwenden, könnten doch durchaus ihren Abstand zueinander verändern(?) -- Nein, das könnten sie nicht. Jeder Abstand, den sie einnähmen, würde sich nicht vom vorigen Abstand unterscheiden! Anwesend sind (in diesem Fall) ja nur zwei unendlich kleine Punkte, aber keine Flecke! Nur Punkte! Wäre es ein Fleck, dann gäbe es zwar wohl einen flächenartigen Größenbezug, der mit dem Punkteabstand verglichen werden könnte (vergleichen heißt messen). Aber in einer Zwei-Punkte-Welt gibt es keinen Fleck! Denn ein Fleck wäre ja eine Fläche aus vielen angesammelten Punkten. -- Also: In in einer Zwei-Punkte-Welt gibt es keine Veränderung, da es kein Bezugssystem für Veränderung gibt; sprich, kein Maß für Zeit.

Fall 3:
Erst wenn die Welt aus mindestens drei Punkten besteht, kann Veränderung stattfinden. Der dritte Punkt, egal welcher, steht dann als Bezugspunkt zur Verfügung, wenn die anderen beiden Punkte ihren Abstand verändern. Somit können veränderliche Formen entstehen. (Zweidimensionale Formen. Das heißt, nebenbei: Eine drei-dimensionale Form benötigt mindestens vier Punkte).

Und nun zurück zu Ebenfallsens Theorie: Wenn die Welt in autarke Zellen geteilt ist, innerhalb jener keine Veränderung stattfindet, heißt das noch lange nicht, daß die Welt deshalb stillsteht. Denn in so einem Fall geht es meiner Meinung nach zu bedenken, wie diese besagten autarken Zellen ihren Abstand zueinander verändern! Wenn diese Zellen unendlich klein sind, und wenn mindestens drei Stück davon existieren in der Welt, dann können sie -- im Verbund -- Zeit erzeugen.

Die Zeit ist nicht absolut, sie ist relativ.*

Zeit ist Abstandsveränderung. Abstandsveränderung benötigt, um zu existieren, immer mindestens drei Punkte (mathematisch unendlich kleine Punkte).

Cheers,
|-|ardy

*) Wäre die Zeit nicht relativ, würde beispielsweise das GPS-Navigationssystem nicht funktionieren. Die GPS-Satelliten altern ("ticken") bekanntlich langsamer als die GPS-Empfänger auf der Erde: Ihre Atomuhren ticken unterschiedlich schnell (Allgemeine Relativitätstheorie: Die Satelliten erfahren weniger Erd-Gravitation, weil sie sich in einem hohen Orbit befinden). Würde man diesen Effekt nicht mit den einsteinschen Formeln kompensieren, würde die Navigation um Dutzende von Metern "falschgehen" (die Navigation basiert auf Laufzeitmessungen von Radiowellen ["Licht"], muß also enorm genaue Uhren verwenden). Dank jener Berechnungen geht die Navigation jedoch richtig. Es gibt also offenbar keine newtonsche absolute "Hintergrund-Weltuhr". Alles ist relativ. Um nur ein Beispiel zu nennen.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Korrektur: Die GPS-Satelliten altern ("ticken") bekanntlich schneller ...
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Ebenfalls
...hmmmm....muss ich noch drüber nachdenken.
Spontan halte ich diese Aussagen jedoch für sehr gewagt.

Danke, ebenfalls
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Nicht vergessen, daß eine eventuell vorhandene Person, die die beiden Punkte einer Zwei-Punkte-Welt beim Abstandvariieren beobachtet, aus selbiger Zwei-Punkte-Welt im selben Moment eine Viele-Punkte-Welt macht; denn diese Person wäre ja dann der dritte Punkt (um nicht zu sagen, ein ganzer Batzen von Punkten).

Also nicht vergessen, das eigene Dasein in diesen Modellen abzuziehen.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 17 Jahren
Hi Hardy,
ich hab anläßlich deiner letzten Posts ein bißchen gegrübelt und dabei zum ersten Mal Schopenhauers Satz; " Materie ist Kausalität " verstanden.

Drei Punkte reichen nämlich bei weitem nicht aus, um Zeit zu erzeugen.
Deine drei Punkte müssen sich gesetzmäßig verhalten. Dieses Gesetz muß mathematisch formulierbar und mit einer Größe t parametrisierbar sein.
D.h: wir brauchen Kausalität.
Dann aber werden deine drei Punkte zu Dingen - ja sogar zu materiellen Dingen, sprich zu Punktteilchen.
Brauchen wir einen an sich seienden Raum in dem diese Teilchen sich befinden?
Bis jetzt würd ich sagen: Ja wir brauchen diesen Raum.
Wenn wir aber eine Wechselwirkung zwischen den Teilchen und einem ebenfalls zu fordernden Beobachter einführen, können wir auf den an sich seienden Raum verzichten.

Ich fasse zusammen. Wir brauchen:
1. einen Beobachter
2. drei Teilchen
3. Wechselwirkung.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Hehe. Ich wußte es. Ich wußte es. Beim Stichwort "Beobachter" wird Zara einsetzen.

Ich bin anderer Meinung. Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit, Wechselwirkung und einen Beobachter hinzuzufügen, um Zeit zu erzeugen.

Wechselwirkung und Beobachtung, so sie überhaupt das sind, wofür Du sie hälst, sind ja so gesehen selbst wiederum "Drei-Punkt-Veränderlichkeiten". Denn sie sind ja selbst wiederum zeitliche Prozesse. Wenn Du also Wechselwirkung und Beobachtung als Voraussetzung für Zeiterzeugung bezeichnest, dann wäre das so, als wenn man auf die Frage, wer Aphrodite erschuf, antworten würde, sie sei von Zeus erschaffen worden; Zeus sei die Voraussetzung für die Existenz von Aphrodite -- und auf die berechtigte Frage, wer, -- wenn doch alles kausal sein soll --, denn Zeus erschaffen habe, soll es dann heißen, hier, ausgerechnet hier, sei Schluß in der kausalen Kette, einfach weil es so schön in's Märchenbild paßt. Warum soll gerade da Ende sein?

Du behauptest, jeder Vorgang in der Welt sei magisch erzeugt; ohne Magie könne sich nichts bewegen. Magie sei der Anfang aller Dinge. Es bleibt jene Frage offen; die Frage, die Du nie beantworten wirst, und der Du stets ausweichst, nämlich: Wodurch entsteht denn dann Deine Magie, wenn doch alles kausal sein soll; wenn alles einen magischen Verursacher oder Beobachter brauchen soll; wo, frage ich Dich, verursachelt und beobachtelt in dieser kausalen Kette dann die Ur-Ur-Magie wiederum die Ur-Magie, und diese wiederum Deine Magie? Wo ist Schluß? Wenn das eine unendlich kausale Kette sein soll, warum nicht gleich beim ersten Kettenglied einfach sagen: Es ist, wie es ist -- ob mit oder ohne Beobachter.

Aber insgeheim wissen wir ja die Antwort: Reine romantische Wunschtraum-Psychologie. Denn an Deiner Intelligenz kann es nicht liegen. Die ist zu hoch.

|-|
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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Hardy:
>“Wenn diese Zellen unendlich klein sind, und wenn mindestens drei Stück davon existieren in der Welt, dann können sie -- im Verbund -- Zeit erzeugen.(!)”<

zarat:
>“Drei Punkte reichen nämlich bei weitem nicht aus, um Zeit zu erzeugen(!)”<
(Und wer erzeugt die Punkte ??)

Schmunzel, schmunzel, ein Sack voll Punkte wird aber doch wohl reichen ........und was wird dann wohl 1 m³ von dem “Erzeugnis(!)” Zeit wiegen oder gar kosten ?
Und wieviel Punkte im Gehirn werden wohl nötig sein um “Geist” zu erzeugen ??

Aber Spaß beiseite, “Zeit”, “Geist”, “Seele” und viele Worte unseres Vokabulars sind doch immaterielle, abstrakte, also nur gedachte Begriffe, sie existieren nicht konkret als Sache, als Entität !
Nach welchen Kriterien also könnte man die genannten Denkkonstrukte danach beurteilen, ob sie Realität sind oder nicht ?

Horst
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Zitat:
--
Aber Spaß beiseite, “Zeit”, “Geist”, “Seele” und viele Worte unseres Vokabulars sind doch immaterielle, abstrakte, also nur gedachte Begriffe, sie existieren nicht konkret als Sache, als Entität !
--

Da bin ich mir dir einer Meinung... aber beziehen sich Begriffe / Vorstellungen nicht auf etwas anderes? Kann man einfach sagen, dass, worauf sich der Begriff "Zeit" bezieht, existiert nicht? Es sind für mich so eine Art "Platzhalter".
Davon abgesehen sind Begriffe immer immateriell und gedacht, andererseits finden im Gehirn chemische und andere Prozesse statt, die (zumindest in meinem Weltbild) mit dem Denken identisch sind, nur aus einem anderen Blickwinkel.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Horst,

das, was ich als Zeit bezeichne (und freilich ist das nur eine geistige Abstraktion), wiegt nichts und kostet nichts. Erstens: Zeit ist meines Erachtens ein Bestandteil von Raumzeit. Ohne Raum, keine Zeit. Das ist wie Max und Moritz. Die gibt es nur im Zweierpack. Und zweitens: Raumzeit ist freilich nicht so etwas wie ein universum-weites absolutes Hintergrundobjekt im newtonschen Sinn, sondern offenbar eine 4-dimensionale Kategorie unseres Sinnesapparates; Raumzeit ist, das sehe ich wie Kant, eine Anschauungsform. Die Anschauung formt, filtert, bereitet auf, damit unser Geist, in der ansonsten überwältigenden Informationsflut seiner Umwelt, sich zurecht findet. Die Qualia blau oder rot gibt es nur in meinem Geist. Wohl kaum gibt es außerhalb meiner Sinne so etwas wie Bläue oder Röte. Möglicherweise verhalten sich jene Kerlchen, die wir Photonen nennen, auf eine ganz bestimmte Weise, und zwar so, daß in unserem Geist Farbe empfunden wird. Aber wie diese Kerlchen mit Raum umgehen, ob sie vielleicht sogar selbst den Raum erzeugen, das alles wissen wir nicht. Unsere Anschauungsform filtert zuviel aus, um auch das noch zu begreifen. Schließlich ist unsere Anschauungsform zunächst auch nur zum Beerensammeln und Jagen konzipiert. Wenn die Anschauungsform durch Drogen oder Krankheit verfälscht wird, wird auch die Anschauungsform entsprechend abweichen. Diese Anschauungsform ist nur fähig, vier Dimensionen aufzubereiten. Weitere Dimensionen sind deshalb für unseren Geist sinnlich nicht darstellbar, sie können nur symbolisch abstrahiert werden.

Zeit ist Abstandsveränderung, ist Verformung. Dazu bedarf es mindestens an drei Punkten. Gerne dürfen es auch 300 Kartoffelsäcke sein. Aber drei Punkte ist Minimum. Und ob die Veränderung an sich nun Magie oder Kraft oder sonst was braucht, um in Gang zu kommen, oder ob die Veränderung als solche vielleicht bereits Magie ist, ist eine völlig andere Frage, Zara.

Desweiteren halte ich die Frage, was real sei und was nicht, für ein Scheinproblem. Das, was ist, ist. Ein Traum ist ein Traum. Eine Rose ist eine Rose. Ein Schmerz ist ein Schmerz. Ein Anblick ist ein Anblick. Ein Ton ist ein Ton. Ein Universum ist ein Universum. Eine Wiederholung ist eine Wiederholung. Eine Spiegelung ist eine Spiegelung.

Ist ein Gefühl real oder nur eine Illusion? Weder noch.

Ein Gefühl ist ein Gefühl.

Eine Wahrnehmung ist eine Wahrnehmung.

Veränderung ist Veränderung.

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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 17 Jahren
Wenn wir nur drei Punkte haben, wie haben wir diese drei Punkte?
Als Punkte auf einem Blatt Papier? In der Vorstellung? - dann hast du den Raum gratis dabei.
Wenn wir den Raum von Anfang an weglassen, muss es eine Größe geben, die von den Punkten oder den Beobachtern als Raum interpretiert wird. Lassen wir den Beobachter weg, dann müssen die Punkte sich spüren. Das ist Wechselwirkung! Diese Wechselwirkung muss kausal sein, um sowas wie Zeit entstehen zu lassen.
Wir haben:
Drei Punkt-Teilchen
Wechselwirkung
Kausalität.
Das Ganze kann dann von einem Beobachter als in Raum und Zeit befindlich interpretiert werden.

Raum und Zeit nennt Kant Formen der Anschauung. Die Raumzeit ist etwas völlig anderes - nämlich ein theoretisches Konstrukt. Meinetwegen ein Modell der Wirklichkeit.

Zur Magie an anderer Stelle mehr.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Meine Sichtweise (ob Ei oder Huhn, das eine bedingt das andere):

Die Anwesenheit des Drei-Punkte-Gebildes ist Raum per se.

Die Verformung des Drei-Punkte-Gebildes ist Zeit per se.

Von mir aus, wie wär's damit: Die Verformung des Drei-Punkte-Gebildes ist möglicherweise "Kraft" per se. Aber wie soll man dann "Kraft" verstehen? Wenn wir die Wie-Fragen unbedingt weiterspinnen müssen, so wäre "Kraft" als Voraussetzung für Verformung nur eine Verschiebung der vorigen Wie-Frage; denn dann muß ich auch fragen: Wie entsteht Kraft? Etwa durch Potential? Gut, wie entsteht dann Potential? Etwa durch Kraft? Durch Wechselwirkung? Wie entsteht Wechselwirkung? Etwa durch sogenannte Gesetzmäßigkeiten? Wie entstehen Gesetzmäßigkeiten? Etwa durch die Anwesenheit von Kraft? Oder etwa durch die Anwesenheit von Anwesenheiten? Oder durch die Magie? Wenn alles Magie braucht, wie ensteht dann Magie selbst? Etwa ohne Magie? Einfach so? Ja, warum nicht. Warum sollte dann nicht auch eine Verformung gänzlich ohne Magie auskommen, wenn nicht alles auf Magie angewiesen ist?

Zum lexikalischen Teil unserer Unterhaltung: Ich sehe das so:

Raum und Zeit sind Anschauungsformen.
Raum und Zeit sind theoretische Konstrukte.
Raum und Zeit sind abstrakte Begriffe.

Raumzeit ist eine Anschauungsform.
Raumzeit ist ein theoretisches Konstrukt.
Raumzeit ist ein abstrakter Begriff.

Ich sehe da kein kategorisches Entweder-Oder, sondern letztendlich immer dasselbe, unter verschiedenen Etiketten.

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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 17 Jahren
Wenn wir nur Punkte haben, müssen diese Punkte einander mehr oder weniger stark "fühlen".
Je stärker ein Punkt einen anderen spürt, umso näher ist er. Tatsächliche Bewegung kann es ja nur geben, wenn die Punkte in einem vorgegebenen Raum gelagert wären, aber das wollen wir ja vermeiden. Über diesen Mechanismus können die Punkte mehrdimensionale Räume simulieren.
Statt den anthropozentrischen Begriff "Fühlen" zu benutzen, könnte man auch von Informationstransfer sprechen. Aber wo soll diese Information kodiert sein? In einem einzelnen Punkt? Im System der Punkte? Ganz woanders?
Im Moment ist mir der Begriff "Fühlen" noch verständlicher, ich sollte aber versuchen ihn informationstheoretisch auszudrücken.

Leibniz saß auch schon vor unserem Problemchen. Seine Punkte waren Monaden. Er brauchte unendlich viel von ihnen. Ihren Informationstransfer, das einander Fühlen, konnte er sich nur als praestabilisiert vorstellen. So einfach können wir es uns heute nicht mehr machen. Vielleicht kann man sagen, sie seien nichtlokal korreliert?
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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Andre:
>“Da bin ich mir dir einer Meinung... aber beziehen sich Begriffe / Vorstellungen nicht auf etwas anderes? Kann man einfach sagen, dass, worauf sich der Begriff "Zeit" bezieht, existiert nicht?”<

Natürlich kann man das sagen, wenn unter ”existieren” kein(!) konkretes materielles Objekt zu verstehen ist !
Vorstellungen und Gedanken sind das aber definitiv nicht, sie sind das Ergebnis einer elektrochemischen Reaktion unseres Gehirns auf Informationen aus unserer Umwelt !

Oder so gesagt, die Idee, die Vorstellung, der Gedanke existieren aus genanntem Grund “irgendwie” in unsrem Gehirn, aber das, vorauf sich der Gedanke bezieht muß nicht zwingend auch außerhalb unsrer Einbildung existieren!

Ich kann mir zwar den Klabautermann, den lieben Gott oder die Zeit “irgendwie” vorstellen, aber bedeutet das dann auch deren tatsächliche Existenz .....wohl kaum ? Und so betrachtet ist “Zeit” eben nur die Bezeichnung für ein selbstgestricktes, physikalisches Ordnungssystem in unserem Kopf.

Für mich gibt es aus diesem Dilemma nur eine Lösung - solange mir niemand eine bessere anbietet - eine Vorstellung ist nur dann konkret existent, wenn sie als materielles Objekt physikalisch nachweisbar ist !

Hardy, zur “Raumzeit”, was immer das sein soll ......wo bleibt da die Materie oder wie kommt die Zeit in eine Raum in dem sich mangels Materie NICHTS(!) bewegt ?

Gruß Horst
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Zara, ich glaube, prästabilisierte Harmonie brauchen wir hier nicht. Eigentlich überhaupt nicht.

Ich würde sagen, das Fühlen der Distanzen, die Form-Information, steckt bereits in der Punkte-Konstellation selbst. Wenn ich meine, voraussetzen zu müssen, daß die Distanzen gefühlt, bzw. in einem separaten Informations-Medium gespeichert werden müssen, damit eine Distanz erst zur Distanz wird, kann ich ebenso einen Umkehrschluß anbieten; nämlich daß die gefühlte Distanz, also dieses Gefühl allein, sich dann ergibt, sobald besagte Punkte-Konstellation anwesend ist.

Das ist so ähnlich wie die Frage, was das Hirnfleisch für eine Konstellation einnehmen müsse, damit Gefühl anwesend wird. Ist es zu kalt oder zu warm, zu trocken oder zu naß, zu verformt oder nicht, geht das Gefühl flöten. Braucht das Hirnfleisch Gefühl, um sein zu können? Oder umgekehrt: Braucht das Gefühl Hirnfleisch, um sein zu können? Warum nicht einfach so: Das Hirnfleisch braucht Hirnfleisch, um Hirnfleisch sein zu können. Den gleichen Satz kann ich auf den Begriff Gefühl oder Distanz anwenden. X braucht X, um X sein zu können. Form braucht Form, um Form sein zu können. Etc.

Horst, Materie ist in meinen Augen ebenso abstrakt wie Energie. Materie ist ein Etwas, das größer ist als unendlich-klein; sprich: es hat Ausdehnung. Diese Ausdehnung ist mindestens 3-dimensional. Üblicherweise nennen wir diese 3 Dimensionen Raum-Dimensionen. Materie ist Raum. Raum ist Materie. Ich bin nicht der Auffassung, daß es Raum ohne Materie geben kann. Ein Loch im Käse ist nicht materie-frei. Ein Loch ist erst dann ein Loch, wenn um das Loch herum Materie anwesend ist. Ich kann also nicht sagen, in diesem Käseloch sei ein materie-freier Raum. Denn solange der Käse das Loch umzäunt, ist Käse, also Materie, anwesend. Die Anwesenheit von Materie ist der Bezugspunkt für Raum. Fehlt jeglicher Bezugspunkt, gibt es auch keinen Raum, sondern nur das blanke Nichts. Raum und Nichts betrachte ich nicht als dasselbe. -- Die vierte Dimension nenne ich Zeit. Sie ist die Ausdehnung der Formenvielfalt ein und derselben Materie, bzw. ein und derselben "Raumausstattung". Womöglich gibt es weitere Dimensionen im Weltgefüge.

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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Eigentlich heißt es ja prästabiliert ;-)
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Beiträge: 726, Mitglied seit 17 Jahren
Hallo Hardy,

ich sehe bei Deiner "Punkte-Zeit" ein großes Problem: Sie setzt voraus, daß Punkte eine Identität haben. Sprich, daß Du sagen kannst "der Abstand dieser beiden Punkte hat sich geändert." Genau das ist aber nicht möglich! Einfaches Beispiel: Ich sitze im ICE im Speisewagen, vor mir eine Tasse Kaffee. Als der Kaffee ein wenig abgekühlt ist, steht die Tasse immer noch vor mir. Frage: Befindet sie sich noch am selben Ort (weil sie immer noch im selben Abstand vor mir steht) oder nicht (weil der Zug sich ja inzwischen weiterbewegt hat; von der Bewegung der Erde will ich jetzt gar nicht anfangen)? Wo ist also jetzt der Punkt, an dem sich meine Kaffeetase vor einer Sekunde befunden hat? Ist er jetzt immer noch da, wo sich meine Kaffeetasse befindet? Oder ist er über den Gleisen "an der Stelle", an der sich die Kaffeetase zuvor befunden hat? Oder vielleicht ist er mit dem Autofahrer mitgefahren, der vorhin gerade auf der Straße neben dem Bahngleis in die entgegengesetzte Richtung gefahren ist? Kurz: Man kann nicht den Abstand von Punkten zu verschiedenen Zeiten vergleichen, weil es "denselben Punkt zu einer anderen Zeit" so nicht gibt.

Und noch ein Problem habe ich: Mir scheint, diese Herangehensweise impliziert auch eine absolute Zeit. Denn wie sonst will man "x hat sich geändert" von "x hat sich nicht geändert" unterscheiden? Das geht nur, wenn wir ein universelles "Jetzt" haben, so daß wir sagen können: "jetzt ist es so, und jetzt ist es anders." Es ist aber kein Problem, in der ART zwei "Zeitscheiben" einzuführen, die in einem Raumgebiet unterschiedlich, in einem anderen jedoch identisch sind. Und umgekehrt natürlich auch nicht für zwei überall unterschiedliche Zeitschaiben. Somit ist "x hat sich geändert" keine wohldefinierte Aussage mehr (denn sie hängt von der willkürlichen Festlegung von Zeitscheiben ab).
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Hi Timeout,

Dein Einwand hat mich nachdenklich gestimmt. Und berechtigt ist er wohl auch. Wenn Zara das ähnlich gemeint hat, nämlich daß die [/i]Veränderungsinformation[/i] nicht in der Drei-Punkte-Konstellation gespeichert werden könnne, sondern in irgendetwas zusätzlichem, dann habe ich jetzt auch Zara verstanden -- und muß ihm zustimmen.

Also fassen wir zusammen und gehen einen Schritt weiter:

Ein Punkt erhält seine Identität durch seine Position relativ zu den anderen beiden Punkten. Wenn die Abstände sich verändern, verliert der Punkt seine Identität; er bekommt eine neue Identität. Bei dieser Veränderung geht Information verloren. Die alte Identität ist verloren. Es muß also so etwas wie ein Gedächtnis her, das Geschichte schreibt, das alte Identitäten protokolliert.

Sind wir uns so weit einig?

Wenn so etwas wie ein Protokoll notwendig ist, um Zeit zu erzeugen, dann sind Zeitreisen zurück zu alten Identitäten (sprich Vergangenheit) -- ich traue mich kaum, es zu sagen -- vielleicht doch irgendwie möglich. Denn das hieße ja, daß die Vergangenheit nicht wirklich passé ist. Und ich denke dabei nicht an Vergangenheitsreisen anhand von Besuchen in Ruinen oder Museen, sondern an "leibhaftige" Vergangenheitsreisen (ohne den Leib der Gegenwart aufzugeben. Parallel also. Denn ansonsten hätten wir ja immer noch das leidige Problem mit jenem Paradoxon).

Also, wie sieht das Protokoll aus? Moment mal. Reicht es nicht aus, wenn nur (zeit-quantisiert) die vorige Konstellation gespeichert wird, um Zeit herzustellen? Spontan sage ich: Ja, das reicht. Und damit wären Vergangenheitsreisen leider doch nicht möglich. Denn die Geschichte wäre dann zu kurz, um zu reisen. Die Reise würde nur eine Planckzeit dauern. Jedenfalls gäbe es dann ein Vorher und ein Nachher.

Ich werde mal weiter darüber nachdenken, wieviel weitere Punkte es bedarf, um Zeit zu erzeugen. Ich sehe ein, drei sind zu wenig.

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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Hallo Hardy

>“Horst, Materie ist in meinen Augen ebenso abstrakt wie Energie. Materie ist ein Etwas, das größer ist als unendlich-klein; sprich: es hat Ausdehnung. Diese Ausdehnung ist mindestens 3-dimensional.”<

Das kann nicht nachvollziehen. Wenn deiner Meinung nach Materie “abstrakt” ist, dann kann sie eben nur ein Denkkonstrukt sein und kann als solches ja praktisch keine Ausdehnung und vor allem keine Masse haben ! Sowie du das darstellst ist Materie ein dreidimensionaler Gedanke, was immer das sein mag!

Das Kriterium vom Materie ist doch eben, daß sie als konkretes(!) “Etwas” eine Masse und eine Ausdehnung besitzt, also meßbar ist, und sich eben deshalb nach e = mc² in Energie umwandeln läßt !

Und was dein Beispiel mit dem Loch im Käse anbetrifft. so könnte man dieses durchaus auch mit dem dem physikalischen Begriff “Vakuum” als materiefrei bezeichnen, mal abgesehen davon, ob es ein absolutes Vakuum überhaupt gibt !
Wenn du allerdings die materielle Luft im Käseloch meinst, dann kann ich dir recht geben !

>“Ich werde mal weiter darüber nachdenken, wieviel weitere Punkte es bedarf, um Zeit zu erzeugen. Ich sehe ein, drei sind zu wenig.”<

Hardy, wenn dir die “Erzeugung von Zeit” gelungen ist, sollten wir für die Produktion dafür eine Aktiengesellschaft gründen, ich könnte mir vorstellen, daß bei dem heutigen Bedarf an Zeit dieser Aktienkurs in schwindelnde Höhen steigen wird ! Und alle Beteiligten an dieser Diskussion stellen wir als Aufsichträte ein !!!! :-))

Gruß Horst















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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Aktien langweilen mich :-)

Horst, jetzt halte Dich doch nicht immer an diesen Begrifflichkeiten auf.

Versuch doch mal zu verstehen, was ich meine, und nicht, was ich tratsche.

Ich -- will nicht Zeit zustande bringen. Ich denke nur darüber nach, wie Zeit zustande kommen könnte.

Zur Masse: Wie stellst Du Dir Masse vor? Denkst Du, wenn Du ein Materieteilchen spaltest, siehst Du so etwas wie eine Schnittfläche, so etwas wie eine massive farbige Wand, vielleicht sogar mit Sägekratzern dran? So, als ob man eine Billiardkugel durchsägt hätte?

Ich meine, schlußendlich kann alles, was ist, nur eines sein: pure Information. Bzw. pures Ereignis.

Masse? Was soll das sein?

Realität? Was soll das sein?

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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Realität ist für mich dasjenige, was ist.

Was dieses Sein jedoch ist, weiß ich nicht.

(Und Heidegger, der Poet, wußte es garantiert auch nicht. Der drehte sich auch nur im Kreis, mit seinen ewigen Gedichten über das Sein.)

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