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Der Begriff Zeit

Thema erstellt von Argon 
Argon
HI

ich muss für die Schule zwei aufgaben zum Thema zeit lösen
1.Was stellst du dir unter dem begriff "zeit" vor ?
2. Stelle eine liste von 10 Sprichwörtern
und 10 Redewendungen zum thema "zeit" zusammen
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
1. Zeit ist meiner Meinung nach die Veränderung eines räumlichen Sachverhaltes. Durch diese Veränderung entsteht ein Sachverhalt "vorher" -- und ein Sachverhalt "nachher". Wenn sich im Raum absolut nichts, gar nichts, verändern würde, gäbe es die Dimension Zeit nicht.

2.
a)
- Gut Ding braucht Weile.
- Zeit ist Geld.
- Mit Geduld und Spucke fängt man eine Mucke.
- ...

b)
- auf Zeit spielen
- schlechte Zeiten
- sich Zeit nehmen
- der schnellste aller Zeiten
- alles zu seiner Zeit
- das hat Zeit
- sich Zeit lassen
- das waren noch Zeiten
- ...

Mit besten Grüßen
Ihr Hausaufgabenautomat
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Korrektur:

Ersetze besser das Wort "Sachverhalt" durch "Situation".

(Ein "Sachverhalt" ist eigentlich schon an sich ein zeitlicher Vorgang, denke ich. Ein fallender Apfel ist ein Sachverhalt. Ein Schnappschuß davon hingegen eine Situation.)
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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Welch unübersehbares Schindluder treiben wir mit unserer Sprache !
Mit Hilfe ihrer fünf (?) Sinne nehmen die Menschen - sicher nur begrenzte - Informationen aus ihrer Umwelt wahr, denken mehr oder weniger darüber nach und erfinden dann ein Wort für ihre "Erkenntnis" um sich anderen Mitdenkern darüber verständlich machen zu können !

Aber damit beginnt das große Dilemma, denn fast allen, insbesondere abstrakten Begriffen (Worten) die man sich eigentlich zur Verständigung erst geschaffen hat, mangelt es an einer allgemeingültigen, anerkannten Definition!
Ein Musterbeispiel von vielen sind die Worte "Wahrheit" und "Wirklichkeit"
Ganze Generationen von Philosophen, Amateurdenkern und Sprachwissenschaftler haben sich bemüht diesen Worten eine unmißverständliche, eindeutige Bedeutung zu verschaffen .....es ist bis heute nicht gelungen und ich befürchte, es wird uns auch nie gelingen !

Liest man aber natur oder geisteswissenschaftliche Abhandlungen, so kann man sich nur fassungslos an den Kopf fassen, wie oft und großzügig sich dort Autoren auf angebliche Wahrheiten und Wirklichkeiten ihrer Ausführungen berufen, insbesondere die Religion scheint alle "Wahrheit" für sich gepachtet zu haben !

Betrachtet man das Wort "Zeit" vom diesem Aspekt aus, so stellt sich nicht die Frage "was ist die Zeit" - das impliziert doch schon, daß es "die Zeit" als feminines Ding(wort) tatsächlich gibt - sondern für welche Informationen unsere beschränkten Sinneswahrnehmung haben wir das Wort "Zeit" erdacht ?
Darüber gibt es eigentlich eine ganz akzeptable Aussage die da in Kurzfassung lautet:

"Zeit ist im allgemeinen Sinn der Begriff für eine Abfolge oder eine Periode, in der eine Handlung oder ein Ereignis stattfindet."

Das heißt doch nichts anderes, mit Hilfe unsere Sinne haben wir "festgestellt", daß alle Materie in uns und um uns herum sich permanent verändert, sich also in unterschiedlichsten Bewegungen befindet !

Ordentlich wie (hoffentlich die meisten!) Menschen nun einmal sind, haben sie sich ein Ordnungssystem geschaffen, um diese vielfältigen materiellen Bewegungen und Veränderungen im Raum in den Griff zu bekommen !

Und dieses Ordnungssystem, mit seinen Maßeinheiten, die wir als Ableitung von astronomischen Bewegungen alle kennen, hat man schlicht und einfach "ZEIT" genannt !
Damit gibt es "die Zeit" objektiv überhaupt nicht, sondern nur als subjektives Hilfsmittel das uns insbesondere in der Physik die Interpretation unserer Erkenntnisse erleichtert !

Das bedeutet aber auch, ohne Bewegung/Veränderung kein Hilfsmittel "Zeit" und ich wäre dankbar, wenn mir jemand sagen könnte, wovon ein Beobachter aus einem andern Bezugssystem heraus "Zeit" ableiten sollte, wenn es keine Bewegung gäbe ! Wer also glaubt von einer Uhr "Zeit" abzulesen der irrt, er liest lediglich an der Bewegung der Zeiger ein selbstgestricktes Meßergebnis ab !

Gleiche Überlegungen könnte man auch mit dem "Licht" anstellen ! Objektiv gibt es kein Licht ! Licht ist lediglich das subjektive empfinden eines winzigen Frequenzbereiches der elektromagnetischen Strahlung, der ausschließlich im menschlichen Gehirn auf eine immerhin faszinierende Art und Weise in ein erkennbares Farbspektrum umgewandelt wird !
Als es noch keine Menschen gab und wenn es einst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Menschen mehr geben wird, wer sollte dann Bewegung als Zeit und elektromagnetische Strahlung als Licht empfinden ??

Horst
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Horst, du widersprichst dir doch.

Einseits sagst du, es gibt keine genau Definition von bestimmten Begriffen wie Wahrheit. Und kurz darauf schreibst du folgendes.

Zitat: "Liest man aber natur oder geisteswissenschaftliche Abhandlungen, so kann man sich nur fassungslos an den Kopf fassen, wie oft und großzügig sich dort Autoren auf angebliche Wahrheiten und Wirklichkeiten ihrer Ausführungen berufen."

Woher willst du wissen, wie sie das genau meinen? An der Sprache allein zeigt sich dies nämlich nicht. In bestimmten Werken der Sozialwissenschaft wird darauf manchmal auch hingewiesen, dass man sich bestimmter sprachlicher Formulierungen bedient, weil es einfach ist, weswegen der Leser gebeten wird, dies nicht zu vergessen.

Konstruktivisten würden z.b. gerne stets sagen: Ich meine, Ich denke etc. Aber dies würde dem Stil ziemlich schaden.

Zitat:
--
Gleiche Überlegungen könnte man auch mit dem "Licht" anstellen ! Objektiv gibt es kein Licht ! Licht ist lediglich das subjektive empfinden eines winzigen Frequenzbereiches der elektromagnetischen Strahlung, der ausschließlich im menschlichen Gehirn auf eine immerhin faszinierende Art und Weise in ein erkennbares Farbspektrum umgewandelt wird !
--

Licht wird oft als Synonym für elektromagnetische Strahlung benutzt. Von daher ist deine Aussage "Objektiv gibt es kein Licht" sehr sehr schwammig. Warum bist du hier nicht wie weiter oben beim Begriff der Zeit mit der Analytischen Philosophie herangegangen?

Und warum "ausschließlich im menschlichen Gehirn?" Die anderen Säugetiere / Tiere sind wohl blind?

Das Farbspektrum wird vom Gehirn konstruiert/erfunden. Es wird nichts umgewandelt.

Zitat:
--
Als es noch keine Menschen gab und wenn es einst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Menschen mehr geben wird, wer sollte dann Bewegung als Zeit und elektromagnetische Strahlung als Licht empfinden ??
--

Andere Lebewesen?

Zitat: "Zeit ist im allgemeinen Sinn der Begriff für eine Abfolge oder eine Periode, in der eine Handlung oder ein Ereignis stattfindet."

Und wenn das jemand unbefriedigend findet? So wie das formuliert ist, impliziert es, dass Zeit eine Art "Kontainer" ist bzw. ein Hintergrund vor dem sich das Geschehen abspielt. ;)
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Beiträge: 51, Mitglied seit 17 Jahren
Hardy sagte, wenn sich absolut nichts verändern würde, könnte man sagen, die Dimension Zeit gibt es nicht. Ich sage, die Dimension Zeit gibt es immer. Man könnte doch auch messen, wie lange der Zustand der Veränderungslosigkeit dauert. Selbst wenn er unendlich sein sollte, so wäre das eine Zeitspanne, die nie angefangen hat und die nie aufhört, aber man könnte sie beispielsweise unterteilen und sagen, sie existiert schon, z.B. drei Minuten und noch viel länger. Das wäre dann doch ein Zeitabschnitt, oder nicht?
Signatur:
Nur der Wurm kennt den wahren Kern des Apfels.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Womit würdest Du die Dauer der Veränderungslosigkeit messen wollen, Akribator, wenn alles still stünde? Wenn sich in der Welt absolut nichts mehr verändern würde, dann würden ja auch die Innereien Deines Meßgerätes, ebenso Dein Fühlen und Dein Denken, völlig still stehen. Das, was wir Zeit nennen, würde dann nicht mehr sein. Es gäbe keinen Unterschied zwischen Minute und Jahrtausend, zwischen schnell und langsam. Diese Begriffe hätten somit keine Bedeutung mehr.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
P.S.: Wie willst Du eine Zeitspanne, die null Dauer hat, in Minuten unterteilen, Akribator?

0 / 1 Jahr = 0

0 / 1 Minute = 0

In was auch immer Du die Null unterteilen willst, Du verleihst damit der Null keine Dimension (keine Ausdehnung).
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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Hallo Hardy

ich bin mir nicht so recht im Klaren, was du mit deiner mehr oder weniger berechtigten, kritischen Argumentation zum Ausdruck bringen wolltest !
Aber verlieren wir uns doch mal nicht in Details darüber!

Gehe ich recht in der Annahme, daß “Zeit” für dich “etwas(!)” konkret existierendes, also materiell nachweisbares ist, d.h. du könntest nicht nachvollziehen, “Zeit” nur als abstraktes Denkkonstrukt, als Hilfsmittel zu betrachten!

Wäre dem so, dann müßtest du dich fragen lassen, was wiegt denn eine Minute und welche Dimensionen hat sie ! So absurd diese Frage auch erscheinen möge, ist sie für mich aber das Kriterium, ob ein Begriff abstrakt oder konkret ist !
Ziemlich eindeutig und überzeugen hat schon Newton eine Aussage zur “Zeit” gemacht.

>„Und Zeit ist keine Sache sondern ein "Maß der Dauer"(!!), das selbst nicht meßbar ist sondern definiert werden muß. Maße existieren nicht sondern sie gelten, sind also etwas vom Verstand Gesetztes. Erst eine zweckmäßig definierte Größe setzt uns in die Lage, so etwas auszuführen, was "Messung" genannt werden kann, mit der wir uns ein quantitatives Wissen aneignen können!“<

Ich wundere mich, warum nach dieser rationalen Aussage noch immer ein solches Mysterium um den Begriff “Zeit” veranstaltet wird !

Das “Maß der Dauer“ setzt doch voraus Bewegung/Veränderung und die Frage nach „Zeit“ sollte demzufolge nicht lauten: „Was ist Zeit?“ sondern welchen Vorgang in der Natur bezeichnen wir als „Zeit?“
Wie würdest du darauf antworten ?

Gruß Horst
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Zitat: " Ich wundere mich, warum nach dieser rationalen Aussage noch immer ein solches Mysterium um den Begriff “Zeit” veranstaltet wird ! "

Gerade Newton hat doch Raum und Zeit als Entitäten behandelt.

Zitat: "„Was ist Zeit?“ sondern welchen Vorgang in der Natur bezeichnen wir als „Zeit?“ "

Nichts anderes verstehe ich unter diese Frage. Ein Maß für Veränderung. Die Frage nach der Zeit ist für mich eine Frage nach der Veränderung...(den Begriff "Vorgang" kann ich mir ohne Veränderung nur schwer vorstellen) Und dies läuft meist darauf hinaus, dass wir feststellen, dass unsere Umwelt sich in einem Nichtgleichgewicht befindet.
Das Weltall ist kalt und die Sonne heiß... dass sind die Bedingungen für Selbstorganisation auf der Erde. Was die "Uhr antreibt" ist ja auch nur ein Ausgleichsvorgang. Wenn die Batterie leer ist, steht die Uhr. ;)

So einfach ist es aber nicht. Selbst wenn Raum und Zeit z.b. von einer bestimmten fundamentalen Ebene der Beschreibung aus nicht wirklich wären, sind sie deswegen ja noch lange keine Illusionen. "Wasser" verliert auch seine vertrauten Eigenschaften, wenn es von molekularer Ebene aus betrachtet wird.

Tschüss, André
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren
Hallo Horst,

ich bin etwas verwirrt; kann es sein, daß Dein Beitrag Nr. 532-9 sich auf Beitrag Nr. 532-5 von André bezieht?

(Wobei ich bei André wiederum vermute, daß er "horst w." mit "Horst" verwechselte. Offensichtlich haben wir gerade zweierlei Horsts im Forum?)

Cheers,
|-|ardy
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Beiträge: 683, Mitglied seit 17 Jahren

Horst schreibt:
Zitat:
Das “Maß der Dauer“ setzt doch voraus Bewegung/Veränderung und die Frage nach „Zeit“ sollte demzufolge nicht lauten: „Was ist Zeit?“ sondern welchen Vorgang in der Natur bezeichnen wir als „Zeit?“
Wie würdest du darauf antworten ?



Meine Antwort:

Das “Maß der Dauer“ setzt Bewegung/Veränderung voraus. Dasjenige, was wir als Zeit bezeichnen, wird erzeugt durch Bewegung/Veränderung. Wo keine Bewegung/Veränderung ist, gibt es auch keine Zeitdauer zu messen.

Die Anwesenheit igendeines veränderlichen Objekts, sei es ein pulsierendes Herz, ein blitzendes Gehirn oder eine Kuckucksuhr, bringt Bewegung/Veränderung in den Raum, und bringt damit auch Zeit in den Raum. Bei einem totalen Weltstillstand, bei dem all das fehlte, bei dem selbst Newtons absolute "Hintergrund-Weltuhr" fehlte (seine Theorie war wohl ohnehin falsch), dann gäbe es keinerlei Bewegung/Veränderung, und somit keine Voraussetzung, um irgendeine Zeitdauer herzustellen, geschweige denn zu messen.

Das Herstellen, das Messen, sind Prozesse. Prozesse sind veränderlich, sie involvieren Zeit.

Cheers,
|-|ardy
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Beiträge: 60, Mitglied seit 17 Jahren
Zeit als Veraenderlichkeit ist Nichtwissen gepaart mit Veraenderung. Denn alle Dinge sind bereits anders und eine Veraenderung zu sehen, bedeutet, die obligatorische Andersartigkeit passiv zu erkennen. Wenn aber schon immer alles anders ist, ist Zeit als Unverwirklichtes Potential das, was man nichts nennen kann. Auch das nichts ist, eben nie vorhanden. Aber immer gleich.
man koennte sagen, es gibt ueberhaupt keine Dinge, die in einer Reihe stehen, es gibt nur ein Ding, das immer anders ist. Dadurch, dass es immer anders ist, ist es immer gleich, denn es ist ja *immer* irgendwas, ob anders oder blau. Solange sich alles veraendert, ist es ein und dasselbe. Zeit als Veraenderlichkeit ist also nur irgendetwas im unendlich vielem, das immer anders ist.

Liebe Gruesse

Boris
Signatur:
Ehe lebensspendende Wesen redewendende Esel knebeln, fehlen nebenstehende Gesetze erhebende Regelpfleger jenen.
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Ne, nicht Zeit als Veränderlichkeit, sondern als Maß für lokale Veränderung. In einem System im thermodynamischen Gleichgewicht würde es keine irreversiblen Prozess geben, womit auch jede Art von denkbaren Uhren unmöglich wären, ebenso wie Lebewesen mit einer nahezu konstanten Körpertemperatur, was ja eine Voraussetzung dafür ist, dass Lebewesen Zeiträume einschätzen können.

Zitat: "Dadurch, dass es immer anders ist, ist es immer gleich, denn es ist ja *immer* irgendwas, ob anders oder blau. Solange sich alles veraendert, ist es ein und dasselbe. "

Das ergibt für mich keinen Sinn.. vor allem ist es aber widersprüchlich. Das sich etwas verändert, bedeutet, dass es nicht ein und dasselbe ist. "Irgendetwas" ist doch nur ....

Das ist ähnlich dem, als wenn ich sagen würde.... dadurch, dass Lebewesen leben, sind sie immer gleich, denn sie "leben" ja alle, ob groß oder klein. Und solange sie leben, sind sie ein und dasselbe.

Tschüss, André
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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Hallo Andre

Zunächst bitte ich um Nachsicht wegen der Namensverwechslung.
Meine Antwort 532-9 bezog sich auf Andre 532-5

Du schreibst,
>“Gerade Newton hat doch Raum und Zeit als Entitäten behandelt.”<

Den Hinweis auf Newton kann ich nicht nachvollziehen, da Newton die Zeit eben nicht als Entität - also eine Sache - ansieht, sondern im Gegenteil, Zitat:

Newton:
>„Und Zeit ist keine(!) Sache sondern ein "Maß der Dauer"(!), das selbst nicht meßbar ist sondern definiert werden muß. Maße existieren nicht sondern sie gelten, sind also etwas vom Verstand(!) Gesetztes......”<

Das heißt doch nichts anderes; “Zeit” ist eben nur ein abstrakter Begriff, eine Idee, ein vom Verstand erdachtes Hilfsmittel zur Koordinierung der durch Beobachtung aufgenommenen Informationen über das Bewegungschaos der Materie im Raum ! Wir haben uns dazu ein Ordnungssystem geschaffen, das wir “Zeit” nennen und für das wir uns Maßeinheiten geschaffen haben !

Wenn denn nach deiner Auffassung “Zeit” konkret als Sache existieren würde, wäre meine Frage nach Gewicht und Dimension doch durchaus berechtigt ...oder solltest du Informationen über das Gewicht eines “Stückchens Zeit”, z. B. eines Tages haben ? :-))

Über eines sind wir uns ja einig, nämlich die Kriterien und Voraussetzungen für die Anwendung unseres erdachten Ordnungssystems “Zeit” mit ihren Maßeinheiten, ist doch zwingend das vorhanden sein materieller Bewegung/Veränderung ! Ohne Bewegung gäbe es nichts zu messen !!

>“Selbst wenn Raum und Zeit z.b. von einer bestimmten fundamentalen Ebene der Beschreibung aus nicht wirklich wären, sind sie deswegen ja noch lange keine Illusionen. “<

Übrigens hängt dazu passend hängt über meinem PC ein Zitat von Albert Einstein, das mich immer wieder zum grübeln anregt !

“Für uns überzeugte Physiker sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur eine Illusion, wenn auch eine sehr zählebige Illusion “

Gruß Horst




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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Hallo Horst,

Zitat: “Für uns überzeugte Physiker sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur eine Illusion, wenn auch eine sehr zählebige Illusion “

Diese hängt nur mit Einsteins Sichtweise zusammen... nicht umsonst hat Karl Popper Einstein manchmal scherzhaft Parmenides genannt. Die SRT und ART implizieren nach geltender Meinung der Wissenschaftsphilosophie aber kein starres parmenideisches Sein, in dem jede Veränderung eine Illusion wäre.

Bei Newton kann ich dir nicht ganz zustimmen, da ich nämlich die Diskussion um Newton und Leibniz kenne, ebenso wie die zwischen Clarke und Leibniz.

Newton hat Raum und Zeit als Bühne betrachtet, vor der sich der Geschehen abspielt. Für Relationisten wie mich ist das absurd, da ich Raum und Zeit nicht als Entitäten betrachte.
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Sorry für die Tippfehler ;)
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Beiträge: 762, Mitglied seit 16 Jahren
Hallo Andre

>“Newton hat Raum und Zeit als Bühne betrachtet, vor der sich der Geschehen abspielt. Für Relationisten wie mich ist das absurd, da ich Raum und Zeit nicht als Entitäten betrachte.”<

Ja aber Newton doch auch nicht, wie du anfänglich behauptest hast, ja was denn nun ?

Wenn Newton das “Raum-Zeit -Geschehen” nur als ein Bühne betrachtet, dann ist er ja auch wie du ein Relationist .....er hat sich als Gedankenexperiment eine Bühne als Bezugssystem “außerhalb” von Ereignissen geschaffen.

Nur, auf dieser Bühne wird er nichts beobachten können, weil Raum ohne materiellen Inhalt nicht sichtbar ist und ohne bewegte(!) Materie das Ordnungssystem “Zeit” nicht angewendet werden kann ! Es fehlt also das wesentlichste auf Newtons Bühne, nämlich die Darsteller, die Materie als Schauspieler !

Und wenn für dich Raum und insbesondere “Zeit” keine Entitäten sind - für mich ja auch nicht - dann stellt sich doch die Frage, was sind sie dann ??

Eben doch nur ein immaterieller abstrakter Begriff, Hilfsmittel der Verstandes um eine Erkenntnis anschaulich erklären zu können !

Und ich wiederhole mich ungern, aber von keiner der Vielzahl der Uhrenkonstruktionen liest du die “Zeit” ab, immer(!) rechnest du eine spezielle Bewegung mit Hilfe des willkürlich geschaffenen Ordnungssystems “Zeit” in eine bestimmte Maßeinheit wie Stunde und Minute um !

Gruß Horst
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 17 Jahren
Na ja, Newtons Physik spricht aber eben eine ganze andere Sprache. Und wenn Newton ein Relationist wäre, warum hat dann Leibniz eine Gegenposition zu ihm eingenommen?

In seiner Physik werden Raum und Zeit als Entitäten behandelt. Sie stellen eine Bühne dar, die unabhängig von irgendetwas existiert und vor der sich alles Geschehen abspielt.

Die Frage ist doch, wie es zu der Zeitstruktur kommt? Warum Veränderung und wie kann sich etwas verändern? Warum der "Zeitfluss"?

Ich weiß auch nicht, wie du darauf kommst, ich könnte denken, man könne Zeit von einer Uhr ablesen .Vielleicht unterstellen wir uns gegenseitig eine falsche Bedeutung dieses Begriffes?

Veränderung muss etwas wirkliches sein, da es eine Bedingung dafür ist, dass ich Erfahrungen machen kann. Wenn Einstein sagt, Zeit wäre eine Illusion, meint er damit, jede Form von Veränderung wäre nur eine Illusion.
Er kann dies sagen, weil ein bestimmter Zustand der Welt sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit vollständig festlegt. (Die SRT ist dieser Sichtweise im übrigen neutral gegenüber.. d.h. sie spricht weder dafür, noch dagegen.)
So etwas wie wirklicher Zufall wäre etwas sehr störendes in diesem Bild. Dann könnte man "Zeit" (im Sinne von Veränderung) nicht mehr als Illusion abtun.

Ein anderer Punkt ist, dass die Zeit lokal "fortschreitet" und ich dieses Voranschreiten nicht beeinflussen kann. Subjektives Zeitempfinden ist von Prozessen im Organismus abhängig.
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Ebenfalls
Frage:
wie groß muss ein Raum mindestens sein, bis durch Veränderungsstillstand keine Zeit mehr vergeht?

Ich schätze, diese Größe ist nicht definiert. Das heisst, ich könnte beispielsweise zu Hause ein "Aquarium" haben, innerhalb dessen sich nichts verändert. Kein radioaktiver Zerfall, keine Zellalterung, keine Entropie - nichts dergleichen. Dann hieße das, innerhalb dieses Aquariums herrscht Zeitstillstand. Ich als aussenstehender Beobachter hüpfe im Haus herum, singe und tanze und habe eine Zeitblase in meiner Wohnung. Ich könnte mir das Aquarium unter den Arm klemmen und mit meiner Zeitblase einen Spaziergang durch den Stadtpark unternehmen.
So.
Was aber mit einem Raum von der Größe eines Aquariums funktioniert, müsste auch mit einem wesentlich kleineren Raum klappen. Bevor ich mich jedoch hinunter denke in die kleine Welt der Teilchen, denke ich mich hinauf in den großen weitgehend leeren Raum des Universums.
Das Universum ist bekanntlich ziemlich groß und die Anzahl der Teilchen, die sich etwa in einem Kubikmeter Universum befindet ist bekanntlich ziemlich klein. Wir kartografieren nun das Universum und teilen es ein in Quadranten von der Größe - beispielsweise - eines Kubikmikrometers. Wie viele Billiarden Kubikmikrometer, in denen nichts drin ist, was sich verändern könnte kommen auf jeden Kubikmikrometer mit einem Teilchen? Keine Ahnung, aber mit Sicherheit eine ganze Menge. Wahrscheinlich so viele, dass man sagen könnte: die Anzahl der Räume im Universum, in denen Veränderungsstillstand herrscht übertrifft die Anzahl der Räume, in denen sich etwas verändert um ein Vielfaches. Per Saldo hieße das, das Universum verändert sich nicht, es herrscht Zeitstillstand.
Ja, und noch etwas: man könnte den Raum, in dem Veränderungsstillstand herrscht per Definition so auslegen, dass er überall dort anzutreffen ist, wo keine Teilchen sind. Er würde jedes einzelne Teilchen quasi umschließen. Dann hätte jedes einzelne Teilchen seine eigene Zeit. Dies würde bestenfalls die Theorie erklären, wonach es keine Gleichzeitigkeit gibt, aber nicht die Relativität der Zeit.

Mir gefällt das alles nicht...

Danke, ebenfalls
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