Willkommen in Manus Zeitforum
InformationenAnmelden Registrieren

Erweiterte Suche

Wende(l)stein

Thema erstellt von Stueps 
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Leute,

ich möchte heute ganz bewusst etwas politisches - natürlich auch physikalisches - hier posten.

Seit ca. 2005 (mit Vorbereitung seit ca. 1996) wurde in Greifswald ein neuer Fusionsreaktor gebaut:

http://www.mpg.de/8209921/Wendelstein_7_X (sehr sehenswert)

Er hat insgesamt bisher ca 1 Mrd. Euro gekostet.

Was meint ihr? Gerechtfertigt, oder Verschwendung von Steuergeldern?
Übernehmen wir uns intellektuell? Können wir die Gefahren für unsere Umwelt hier abschätzen?

Was spricht für die Nutzung der Fusionsenergie?
Was dagegen?

Beste Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Stueps am 03.07.2014 um 03:20 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Jede technische Neuentwicklung ist zunächst ein Verlustgeschäft.
Egal ob Elektrizität, Luftfahrt, Automobil etc. bevor eine Sache (produktiv) arbeitet ist zunächst einmal viel Gehirnschmalz und natürlich Geld erforderlch.

Und was ist mit den Forschungprojekten, die nie einen wirtschaftlichen Gewinn bringen, man denke an Astronomie, die "nur" dazu dient, neues Wissen zu erlangen. Oder an CERN, eine Anlage, die Unmengen an Energie benötigt, nur damit wir wissen, ob es Quarks, und Higgs-Teilchen etc. gibt.

Was brachte uns die Raumfahrt und die Mondlandung, ausser dass ein paar Astronauten die größte Kilometerpauschale einsacken konnten(bitte nicht wörtlich nehmen) und ein paar Steine als Souvenier von ihrem "Ausflug" mitgebracht hatten.

Man muss unterscheiden ob ein Forschungsobjekt einen Energetischen Nutzen, einen ökologischen, ökonomischen oder "nur" einen wissenschatlichen Nutzen, also neue Kenntnisse über Natur, Physik etc. bringt

Beim Bau eines (Versuchs-)Fusionsreaktors kann man, neben Erkenntnissen über die Eigenschaften einer Fusion, auch noch einen energetischen Nutzen erwarten, wenn auch nicht in absehbarer Zeit, so doch vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.
Selbst eine mögliche Erkenntnis, das man Fusion vielleicht niemals zur Energiegewinnung nutzen kann, ist doch letztendlich ein wissenschaftlich sinnvolles Ergebnis.

Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-1:
Seit ca. 2005 (mit Vorbereitung seit ca. 1996) wurde in Greifswald ein neuer Fusionsreaktor gebaut:
.
.
Er hat insgesamt bisher ca 1 Mrd. Euro gekostet.
Wenn ich dabei daran denke, was der neue Beliner Flughafen bisher gekostet hat, und es ist noch kein Ende abzusehen.
Dagegen ist der Versuchsreaktor doch ein echtes "Schnäppchen"

Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-1:
Was spricht für die Nutzung der Fusionsenergie?
Was dagegen?
Dafür spricht ein nahezu unbegrenzter Vorrat an "Brennstoff", denn der benötigte Wasserstoff ist auf der Erde im Wasser reichlich vorhanden.(H2O)
Die Umwandlung von "normalem" in schweren Wasserstoff (Deuterim, Tritium) in ausreichender Menge müsste dafür natürlich gelingen.
Es entstehen bei der Fusion Gammaquanten. und freie Neutronen, die eine mögliche Gefahr darstellen (Neutronenstrahlung)
Wikipedia/Kernfusion

Ansonsten entstehen, soweit mir bekannt, keinerlei radioaktiven Abfallprodukte.
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
Beitrag zuletzt bearbeitet von Hans-m am 03.07.2014 um 12:57 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Hans-m,

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-2:
Und was ist mit den Forschungprojekten, die nie einen wirtschaftlichen Gewinn bringen, man denke an Astronomie, die "nur" dazu dient, neues Wissen zu erlangen. Oder an CERN, eine Anlage, die Unmengen an Energie benötigt, nur damit wir wissen, ob es Quarks, und Higgs-Teilchen etc. gibt.

Was brachte uns die Raumfahrt und die Mondlandung, ausser dass ein paar Astronauten die größte Kilometerpauschale einsacken konnten(bitte nicht wörtlich nehmen) und ein paar Steine als Souvenier von ihrem "Ausflug" mitgebracht hatten.

hier interessiert mich dein Standpunkt. Meinst du, dass Astronomie, CERN und Raumfahrt letztlich nur unsere Neugier befriedigen, und deshalb die enormen Kosten nicht gerechtfertigt sind?
Oder dass diese Kosten gut und sinnvoll investiertes Geld in unsere Zukunft sind?

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-2:
Selbst eine mögliche Erkenntnis, das man Fusion vielleicht niemals zur Energiegewinnung nutzen kann, ist doch letztendlich ein wissenschaftlich sinnvolles Ergebnis.

Diesen Standpunkt teile ich. Jedoch denke ich schon, dass mittelfristig Fusionsreaktoren gebaut werden, die gewinnbringend arbeiten.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-2:
Die Umwandlung von "normalem" in schweren Wasserstoff (Deuterim, Tritium) in ausreichender Menge müsste dafür natürlich gelingen.

Soweit ich weiß, stünden genügende Mengen Lithium dafür zur Verfügung, und die für die Umwandlung in Tritium benötigte Technologie existiert schon. Da habe ich mich aber noch nicht genau belesen.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-2:
Ansonsten entstehen, soweit mir bekannt, keinerlei radioaktiven Abfallprodukte.

Wohl nicht so wie bei Kernspaltungsreaktoren. Das benötigte Tritium ist meines WIssens nach radioaktiv, aber wohl nicht so "agressiv" wie beispielsweise Plutonium.

Also hat Kernfusion enorme Vorteile gegenüber Kernspaltung, ist aber auch nicht gänzlich ungefährlich. Sollte man diesen Weg weiter gehen, oder lieber gleich auf die direkte Nutzung der Energie des Fusionsreaktors setzen, der ca. 150 Mio km von uns entfernt ist?

Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-3:
hier interessiert mich dein Standpunkt. Meinst du, dass Astronomie, CERN und Raumfahrt letztlich nur unsere Neugier befriedigen, und deshalb die enormen Kosten nicht gerechtfertigt sind?
Oder dass diese Kosten gut und sinnvoll investiertes Geld in unsere Zukunft sind?

ich denke, dass jedes Wissen, das wir heute vielleicht als unnütz oder unwichtig betrachten, eines Tages von Vorteil sein könnte.
Auserdem kann jede (unnütze) Erkenntnis uns Motivieren weiteres Wissen zu erlangen, das uns dann von Nutzen sein könnte.

Ich denke hier z.B an die Suche nach externen, bewohnbaren Planeten.
Dieses Wissen nützt uns heute relativ wenig, weil diese Planeten für uns (noch) unerreichbar sind.
Aber es kann uns anspornen neue effektivere Antriebe und schnellere Raumschiffe zu entwickeln.
Dann wäre dieses Wissen für uns wieder von Nutzen.

Welchen Nutzen uns die im CERN erworbenen Kenntnisse bringen, kann ich nicht beantworten, aber wie bereits gesagt: Heute unnötiges Wissen, kann uns morgen von Vorteil sein.

Zitat:
...oder lieber gleich auf die direkte Nutzung der Energie des Fusionsreaktors setzen, der ca. 150 Mio km von uns entfernt ist?

Da bin ich ganz Deiner Meinung
Die Sonne liefert uns mehr Energie, als wir je verbrauchen könnten. Keine Rückstände, keine Schadstoffe etc.
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 578, Mitglied seit 13 Jahren
Hi Stueps, 1 Mrd. Euro für ein Forschungsprojekt (zu viel??).

Nun, Geld hat ja für sich genommen selbst keinen eigenen Wert, es ist lediglich ein Mittel verschiedene Werte in einen gewissen Einklang, in eine Art Übereinstimmung zu bringen, von daher auch der Begriff Tauschcharakter.
Nun aber zum Projekt.

E=mc²

In Anlehnung an diese Formel möchte ich es wie folgt formulieren, die Energie, welche uns in der Zukunft zur Verfügung steht, ergibt sich aus dem betriebenen Aufwand in der Vergangenheit im Verhältnis zu unseren daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Denn die Energie die wir nutzen wollen, ist ja als Potential schon vorhanden, die Frage ist nur WIE machen wir sie uns nutzbar.

Ich denke nicht, daß die vom Menschen eingeleitete künstliche Kernfusion der gangbare Weg ist, die Energieprobleme zu lösen, es wird immer mehr Energie benötigt diesen Prozeß in Gang zu bringen und kontinuierlich am Laufen zu halten, als nutzbare Energie dabei herauskommt.
Aber in der Raumfahrt könnte die Kernfusion für den Antrieb eine Rolle spielen, insofern ist die bisher „verbrauchte“ Milliarde eine sinnvolle Investition in die Zukunft, denn würden wir auf Forschung verzichten, bedeutet dies, auf neues Wissen, neue Erkenntnisse verzichten zu wollen.
Signatur:
Zur Bedingung des Raum und der Zeit gehört ganz unbedingt ,die absolute Bedingungslosigkeit von Raum und Zeit. Werden Raum und Zeit an Bedingungen geknüpft sind sie endlich, mit einem Beginn und einem Ende.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 739, Mitglied seit 9 Jahren
Hallo Hans

Der Stoff aus dem das Denken ist – Was die Sprache über unsere Natur verrät.

Steven Pinker schreibt im gleichnamigen Buch

Kapitel: Die Flucht aus der Höhle

Beim Versuch, den Dingen auf den Grund zu gehen, können wir neue Metaphern entdecken und sie kombinieren,
um auf diese Weise noch innovativere und komplexere Metaphern und Analogien zu bilden.

Die Intuitionen, dass Ideen entweder auf reale Dinge in der Welt verweisen oder an ihnen vorbeizielen und dass
Überzeugungen in Bezug auf die Welt entweder der Wahrheit entsprechen oder nur Glaubenssache sein können,
kann uns dazu bringen, unsere Analogien daraufhin zu überprüfen, ob sie ein getreues Abbild der Welt sind,
irrelevante Einzelheiten auszusondern und uns auf die erhellenden zu konzentrieren.

Es erübrigt sich zu sagen,
dass diese Kombination
von Fähigkeiten niemanden
von uns mit einem Mechanismus ausstattet,
der laufend Wahrheiten ausspuckt.

Weil Meinungsverschiedenheiten im täglichen Leben mit einem möglichen Gesichtsverlust verbunden sind,
drehen sich unsere höflichen Interaktionen um Themen, über die sich alle “vernünftigen“ Menschen einig sind,
wie das Wetter, die mangelnde Effektivität der Bürokratie und das schlechte Essen im Flugzeug oder der Mensa.
– Fertig Auszug Pinker

In diesem Sinne – Wir haben Föhn.
Auch schön – windig.

lg Harald

Politik und Freunderlwirtschaft wird aber schon bald
erneut versuchen einen neuen Flughafen zu bauen.

Viel Glück
Signatur:
Es gibt nur eine Zeit - die aktive und die passive Gegenwart - und Gravitation
ist die Antwort der Gegenwart auf die Einwirkung vergangener Wichtigkeiten.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Hans-m,

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-4:
ich denke, dass jedes Wissen, das wir heute vielleicht als unnütz oder unwichtig betrachten, eines Tages von Vorteil sein könnte.
Auserdem kann jede (unnütze) Erkenntnis uns Motivieren weiteres Wissen zu erlangen, das uns dann von Nutzen sein könnte.

ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass jedes vernünftig und solide erworbenes Wissen irgendwann nützlich sein wird. Wie du schon anmerkst: Wenn man weiß, wie etwas nicht geht, ist das für die Zukunft enorm wertvoll.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-4:
Welchen Nutzen uns die im CERN erworbenen Kenntnisse bringen, kann ich nicht beantworten, [...]

Hier wird Grundlagenforschung betrieben. Aus deren Wissen wird später fast jeder Wissenschaftszweig profitieren.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-4:
Die Sonne liefert uns mehr Energie, als wir je verbrauchen könnten. Keine Rückstände, keine Schadstoffe etc.

Ja, ich bin der Meinung, dass die direkte Nutzung der Sonnenstrahlung schnellstens unsere Primär-Energiequelle werden sollte. Aber auch hier wieder Vorsicht:

Wir brauchen hierfür seltene Erden, deren Gewinnung schwierig ist, und z.B. in China sehr zu Lasten der Umwelt geht, obwohl es in diesem Ausmaß nicht nötig wäre. Aber da siegt wieder die Profitgier.

Hallo Quante,

Quante schrieb in Beitrag Nr. 2161-5:
Hi Stueps, 1 Mrd. Euro für ein Forschungsprojekt (zu viel??).

Nun, Geld hat ja für sich genommen selbst keinen eigenen Wert, es ist lediglich ein Mittel verschiedene Werte in einen gewissen Einklang, in eine Art Übereinstimmung zu bringen, von daher auch der Begriff Tauschcharakter.

ja, das ist recht gut formuliert.

Quante schrieb in Beitrag Nr. 2161-5:
In Anlehnung an diese Formel möchte ich es wie folgt formulieren, die Energie, welche uns in der Zukunft zur Verfügung steht, ergibt sich aus dem betriebenen Aufwand in der Vergangenheit im Verhältnis zu unseren daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Auch hier bin ich geneigt, dem zuzustimmen.

Quante schrieb in Beitrag Nr. 2161-5:
Ich denke nicht, daß die vom Menschen eingeleitete künstliche Kernfusion der gangbare Weg ist, die Energieprobleme zu lösen, es wird immer mehr Energie benötigt diesen Prozeß in Gang zu bringen und kontinuierlich am Laufen zu halten, als nutzbare Energie dabei herauskommt.

Ein gutes Argument: In Zukunft wird wohl Tritium benötigt, welches erst in Kernkraftanlagen erbrütet werden muss, wenn ich richtig informiert bin. Und da würde sich "die Katze in den Schwanz beißen". Da ich strikt gegen die kommerzielle Nutzung der Atomenergie bin (wir bekommen sie nie vernünftig in den Griff, von der "Abfallgeschichte" ganz zu schweigen), wäre dies für mich persönlich ein Argument gegen die Nutzung der Fusionsenergie (die Sonne natürlich ausgenommen ;-) ).
Allerdings kenne ich die "Gesamtrechnung" nicht, heißt, die freigesetzte Energie aus gesteuerten Fusionsprozessen ist so enorm, dass sie den vorherigen Aufwand aufwiegen könnte.

Quante schrieb in Beitrag Nr. 2161-5:
Aber in der Raumfahrt könnte die Kernfusion für den Antrieb eine Rolle spielen, insofern ist die bisher „verbrauchte“ Milliarde eine sinnvolle Investition in die Zukunft, denn würden wir auf Forschung verzichten, bedeutet dies, auf neues Wissen, neue Erkenntnisse verzichten zu wollen.

Ja, das sehe ich auch so. Auch das kann m.E. langfristig nur ein Zwischenschritt sein, denn in fernerer Zukunft wird es wohl auf die "ultimative" Energiegewinnung hinauslaufen: Materie-Antimaterie-Reaktionen. Auch wenn das noch absolute Zukunftsmusik ist, und wir diese Form der Energiegewinnung momentan für vollkommen unrealistisch halten (woher ausreichend Antimaterie bekommen, wo sie lagern, wie sie kontrolliert zur Energiegewinnung führen???), werden die Erkenntnisse aus der Fusions-Forschung uns hoffentlich eines Tages sehr von Nutzen sein. Will sagen: Man muss auch mal über den Tellerrand hinausschauen.
Und da ist mir 1 Mrd. € in Greifswald investiertes Geld wesentlich lieber als 1 Mrd. €, die beispielsweise eine US - Kriegswaffenlobby in die schmutzigen Finger bekommt.

Beste Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Quante schrieb in Beitrag Nr. 2161-5:
Ich denke nicht, daß die vom Menschen eingeleitete künstliche Kernfusion der gangbare Weg ist, die Energieprobleme zu lösen, es wird immer mehr Energie benötigt diesen Prozeß in Gang zu bringen und kontinuierlich am Laufen zu halten, als nutzbare Energie dabei herauskommt.

Fakt ist: Kernfusion ist eine Exotherme Reaktion.
Bei dem Vorgang wird immer mehr Energie rauskommen, als reingesteckt wird.
Entscheident ist der Wirkungsgrad, und der war bei allen technischen Entwicklungen zunächst relativ bescheiden.
Die Dampfmaschine z.B lag bei etwa 5%, moderne Dampfturbinen, die das gleiche Energiemedium, Dampf, nutzen liegen bereits bei über 80%.
Wenn man einen Vorgang erst einmal im Griff hat, dann kann man sich um die ständige Optimierung kümmern.

Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-7:
Ein gutes Argument: In Zukunft wird wohl Tritium benötigt, welches erst in Kernkraftanlagen erbrütet werden muss, wenn ich richtig informiert bin.
Vielleicht benötigen wir Tritiom nur im "Anfangsstadium" der Kernfusion. Sobald die Sache einmal läuft reicht vielleicht normaler Wasserstoff, denn in der Sonne funktioniert es ja auch mit normalem Wasserstoff. Deuterium und Tritium sind dort nur zu einem geringen Anteil vorhanden.
Bei der Fusion geben Tritium und Deuterim ihre "überschüssigen" Neutronen wieder ab, so dass diese wiederum den nächsten, nocht nicht fusionierten Wasserstoffatomen zu Verfügung stehen.
Bei der Kettenreaktion würde der Prozess fortlaufend sein eigenes Tritium und Deuterim produzieren, es muß nur heiss genug sein, und der Druck muss stimmen, wie auf der Sonne, und das ist derzeit noch ein unlösbares Problem.

Zitat:
Ja, ich bin der Meinung, dass die direkte Nutzung der Sonnenstrahlung schnellstens unsere Primär-Energiequelle werden sollte. Aber auch hier wieder Vorsicht:
Wir brauchen hierfür seltene Erden, deren Gewinnung schwierig ist, und z.B. in China sehr zu Lasten der Umwelt geht, obwohl es in diesem Ausmaß nicht nötig wäre. Aber da siegt wieder die Profitgier.

Richtig foruliert, wir brauchen wir sie.
Wir verbrauchen sie nicht, sondern gebrauchen die seltenen Rohstoffe.
So lange die Solarzelle in Betrieb ist, sind die Elemente darin gebunden und sollten sie eines Tages defekt sein und entsorgt werden, so lassen sich die seltenen Rohstoffe recykeln. Die Rohstoffe befänden sich in einem Kreislauf, ähnlich wie Autos, die verschrottet, engeschmolzen und wieder zu Stahl verarbeitet werden. Es ginge letztendlich nichts verloren.
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
Beitrag zuletzt bearbeitet von Hans-m am 07.07.2014 um 13:11 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Hans-m,

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-8:
Fakt ist: Kernfusion ist eine Exotherme Reaktion.

Diesen Begriff kenne ich nur aus der Chemie. Ich bin mir gar nicht sicher, ob er hier angewendet werden sollte. Aber egal, du meinst:

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-8:
Bei dem Vorgang wird immer mehr Energie rauskommen, als reingesteckt wird.

Hier muss ich Quante unterstützen:
1. Energie kann weder erschaffen noch vernichtet werden.
2. Es sind also die Gesamtumstände zu betrachten.

Es darf also nicht nur der isolierte Fusionsvorgang betrachtet werden, geht man das Thema von der ökonomischen Seite an.
So ein Reaktor muss gekühlt werden (nicht das Gas selbst, aber die Magnetspulen, die das Plasma einschließen). Es muss Tritium erzeugt/konzentriert werden. Das Plasma muss auf viele Millionen Grad aufgeheizt werden (das Plasma ist so dünn, dass die Gesamtenergieausbeute heutzutage noch eher bescheiden ist).
Dies sind nur einige Faktoren, die die Bilanz der aufzuwendenden Energie in die Höhe treiben. Du schreibst richtig, dass der Wirkungsgrad einer Maschine eine entscheidende Rolle spielt. So halte ich Quantes Einwand, ob sich das jemals bilanztechnisch rechnen wird, für berechtigt.
Allerdings denke ich auch, dass man diese Probleme vielleicht lösen kann, so dass sich der gesamte Aufwand doch rechnet.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-8:
Vielleicht benötigen wir Tritiom nur im "Anfangsstadium" der Kernfusion. Sobald die Sache einmal läuft reicht vielleicht normaler Wasserstoff, denn in der Sonne funktioniert es ja auch mit normalem Wasserstoff. Deuterium und Tritium sind dort nur zu einem geringen Anteil vorhanden.

Sie sind meines Wissens nach (bin zur Zeit zu faul, das genau nachzulesen) bei den heutigen Verfahren aber dringend nötig. Deuterium ist wohl nicht das Problem. Eher Tritium, aber dieses Problem ist auch nicht unlösbar. Tritium braucht man m.E. fortwährend. Bitte berichtigt mich, wenn ich etwas Falsches schreibe, ich bin einfach noch zu unbelesen.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-8:
So lange die Solarzelle in Betrieb ist, sind die Elemente darin gebunden und sollten sie eines Tages defekt sein und entsorgt werden, so lassen sich die seltenen Rohstoffe recykeln.

So sollte es eigentlich sein. Setzen wir auf Solarenergie für die Zukunft, müssen wir allerdings noch Einiges aus den Böden holen und aufbereiten. Und das geschieht in den Haupterzeugerländern (insbesondere China) nicht gerade umweltfreundlich.

Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Stueps am 07.07.2014 um 16:31 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-9:
Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-8:
Fakt ist: Kernfusion ist eine Exotherme Reaktion.

Diesen Begriff kenne ich nur aus der Chemie. Ich bin mir gar nicht sicher, ob er hier angewendet werden sollte. Aber egal, du meinst:

Exotherm bedeutet, dass bei der Reaktion Energie abgegeben wird. genau genommen heisst es, dass Energie in Form von Wärme abgegeben wird.
exergon wäre hier treffender.

Wikipedia: Exergone_und_endergone_Reaktion
Ich "leihe" mir den Begriff hier mal aus der Chemie aus, ob´s definitionsmäßig korrekt ist, weis ich nicht, aber was ich damit meine ist hoffentlich verständlich.

Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-9:
Es darf also nicht nur der isolierte Fusionsvorgang betrachtet werden, geht man das Thema von der ökonomischen Seite an.
So ein Reaktor muss gekühlt werden (nicht das Gas selbst, aber die Magnetspulen, die das Plasma einschließen). Es muss Tritium erzeugt/konzentriert werden. Das Plasma muss auf viele Millionen Grad aufgeheizt werden (das Plasma ist so dünn, dass die Gesamtenergieausbeute heutzutage noch eher bescheiden ist).

Ich erlaube mir mal den Vergleich mit dem Otto- oder Dieselmotor. (4-Takter)
Hier muss ich zunächst Energie aufwenden. Ich muss das Luft-Treibstoffgemisch zunächst Ansaugen, bei der Abwärtsbewegung des Kolbens.
Dann muss ich es verdichten bei der Aufwärtsbewegung. Dann folgt der der eigentliche Arbeitstakt, bei dem, nach der Zündung des Gemisches, der Kolben durch den Explosionsdruck nach unten gedrückt wird. als letztes erfolgt das Ausstoßen der Verbrennungsgase bei der Aufwärtsbewegung.
Letztenedes habe ich bei den 4 Takten des Motors 3 Takte, bei denen ich Energie reinstecken muss und nur 1 Takt bei dem Energie "rauskommt".
Trotzdem funktioniert der Verbrennungsmotor und gibt genug Energie ab, um damit ein Fahrzeug oder sonstige Maschinen anzutreiben.
Die Gesamtenergiebilanz über alle 4 Takte gerechnet ist somit exorgon
Auch der Verbrennungsmotor muss gekühlt werden, das Kühlwasser und das Öl werden ständig umgepumpt, was die Nutzenenergie des Aggregates schmälert. Trotzdem dient er seit Jahrzehnten als Antriebsmaschine.

Bei der Fusion sehe ich die Gesamtenergiebilanz in ferne Zukunft ähnlich. Kühlung, Magnetfeld etc. schmälern den Anteil an Nutzenergie, aber das Gesamtergebnis bleibt positiv.
Ausserdem könnte mittels der Magnetspulen die Nutzenergie abgeführt werden.
Die Fusion erhitzt die Spulen, in den Spulen würde Dampf erezugt, der einersets die Spulentemperatur ansenkt und andererseits Turbinen antreibt.
Bei Wasser läg die Spulentempeartur bei 100-200°C je nach Dampfdruck.
Vielleicht wäre auch ein anderes Kühlmittel möglich, das bei niedrigeren Temperaturen verdampft und somit die Betriebstemperaturen der Spulen noch weiter absenkt.

Rechne doch mal zum Vergelich die Energiebilanz bei Kernkraftwerken.
Von der Uran- bzw Plutoniumgewinnung, dem Bau und Betrieb der Kraftwerke, dem Strahlenschutz, der Zwischen- und Endlagerung der abgebrannten Brennstäbe. Die Gesamtbilanz über alle Faktoren bleibt positiv, Es würde niemand so ein Kraftwerk betreiben, wenn er dabei draufzahlen müsste.

Da wäre mir doch ein funktionsfähiges Fusionskraftwerk, das nahezu rückstandslos (ausser Helium) arbeitet, viel lieber.

Zitat:
Sie sind meines Wissens nach (bin zur Zeit zu faul, das genau nachzulesen) bei den heutigen Verfahren aber dringend nötig. Deuterium ist wohl nicht das Problem. Eher Tritium, aber dieses Problem ist auch nicht unlösbar. Tritium braucht man m.E. fortwährend. Bitte berichtigt mich, wenn ich etwas Falsches schreibe, ich bin einfach noch zu unbelesen.

Hier vertraue ich der Sonne, die es geschafft hat normalen Wasserstoff zu nutzen, und das könnte auch für den Fusionsreakter eines Tages möglich sein. Schliesslich werden bei der Fusion genug Neutronen frei, die den normalen Wasserstoff ständig in Tritiom umwandeln würden.
Aber bevor wir laufen können, sollten wir erstmal gehen lernen, heisst, am Anfang werden wir wohl noch Trituim brauchen.
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
Beitrag zuletzt bearbeitet von Hans-m am 08.07.2014 um 11:33 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Hans-m,

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
ch "leihe" mir den Begriff hier mal aus der Chemie aus, ob´s definitionsmäßig korrekt ist, weis ich nicht, aber was ich damit meine ist hoffentlich verständlich.

ja, ist es.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Bei der Fusion sehe ich die Gesamtenergiebilanz in ferne Zukunft ähnlich. Kühlung, Magnetfeld etc. schmälern den Anteil an Nutzenergie, aber das Gesamtergebnis bleibt positiv.

Eben das bleibt abzuwarten. Aber ich sehe das ähnlich.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Ausserdem könnte mittels der Magnetspulen die Nutzenergie abgeführt werden.

Ich glaube, hier verwechselst du etwas.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Die Fusion erhitzt die Spulen, in den Spulen würde Dampf erezugt, der einersets die Spulentemperatur ansenkt und andererseits Turbinen antreibt.
Bei Wasser läg die Spulentempeartur bei 100-200°C je nach Dampfdruck.

Das ist falsch. Die Spulen müssen auf ein paar Kelvin über dem Nullpunkt heruntergekühlt werden, um ein Magnetfeld zu erzeugen, das stark genug ist, das Plasma einzufangen. Supraleitung ist das Stichwort.
Mittels Magnetspulen wird auch keine Nutzenergie abgeführt. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird momentan mittels des Plasmas auf ganz konventionelle Weise Wasser erhitzt, mittles des Dampfes werden dann althergebrachte Turbinen angetrieben.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Da wäre mir doch ein funktionsfähiges Fusionskraftwerk, das nahezu rückstandslos (ausser Helium) arbeitet, viel lieber.

Auch da bin ich persönlich noch vorsichtig. Kernkraftwerke wurden seinerzeit auch als Wunderwaffen gegen Energieknappheit und bester Ersatz für fossile Brennstoffe angepriesen. Erst die Praxis belehrte uns eines Besseren.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Hier vertraue ich der Sonne, die es geschafft hat normalen Wasserstoff zu nutzen, und das könnte auch für den Fusionsreakter eines Tages möglich sein. Schliesslich werden bei der Fusion genug Neutronen frei, die den normalen Wasserstoff ständig in Tritiom umwandeln würden.

Ich kenne mich noch zu wenig aus, aber wir können die Sonne nicht mit Fusionsreaktoren auf der Erde vergleichen. Unsere Reaktoren brauchen sehr viel höhere Plasmatemperaturen als die Sonne. Außerdem werden wir niemals einen so hohen Druck wie im Inneren der Sonne, wo die Fusion abläuft, erzeugen können. Deshalb wird wohl auch in ferner Zukunft nicht auf überschweren Wasserstoff verzichtet werden können. Es kann natürlich sein, dass ganz andere Wege mit ganz anderen Elementen zur Erzeugung einer Fusion gegangen werden.

Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-11:
Das ist falsch. Die Spulen müssen auf ein paar Kelvin über dem Nullpunkt heruntergekühlt werden, um ein Magnetfeld zu erzeugen, das stark genug ist, das Plasma einzufangen. Supraleitung ist das Stichwort.

Ich wusste nicht, dass die Spulen supraleitend sein müssen. Ich bin von "normalen" Spulen ausgegangen, die den Reaktor umgeben.
Diese hätte man aus Hohlleitern herstellen können, die im Innern Wasserdurchflossen sind.

Zitat:
Auch da bin ich persönlich noch vorsichtig. Kernkraftwerke wurden seinerzeit auch als Wunderwaffen gegen Energieknappheit und bester Ersatz für fossile Brennstoffe angepriesen. Erst die Praxis belehrte uns eines Besseren.

Aber bei der Fusion gibt es kein radioaktives Abfallprodukt das irgendwo "entsorgt" werden muss und Zigtausendjahre Halbwertszeit hat.

Zitat:
Unsere Reaktoren brauchen sehr viel höhere Plasmatemperaturen als die Sonne
Ich glaube nicht, dass höhere Temperaturen benötigt werden als im Sonneninnern, denn dort findet die Fusion statt.
Das Problem ist, dass es kein Material gibt, das den Temperaturen standhält. Selbst eine Wärmeisolierung, mit allen bisher bekannten Werkstoffen, würde einfach schmelzen oder verbrennen.
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
Beitrag zuletzt bearbeitet von Hans-m am 10.07.2014 um 15:18 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Hans-m, ganz schnell:

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Ich glaube nicht, dass höhere Temperaturen benötigt werden als im Sonneninnern, denn dort findet die Fusion statt.

Temperatur im Sonneninneren: ca. 15 Mio K.

Plasmatemperatur im Fusionsreaktor (Deuterium-Tritium): ca. 100 Mio K (soll das Plasma allein brennen, sind ca. 150 Mio K nötig).

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Das Problem ist, dass es kein Material gibt, das den Temperaturen standhält.

Ist auch nicht nötig: Plasma ist ionisiertes Gas, gehorcht also dem Elektromagnetismus. Die sehr starken Magnetfelder besagter supraleitender Spulen halten das Plasma also "berührungsfrei" auf Position. Das Plasma berührt die Wände des Hohlraumes, in dem es fließt, also niemals, funktioniert alles.

Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Stueps am 10.07.2014 um 19:30 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-13:
Hallo Hans-m, ganz schnell:

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Ich glaube nicht, dass höhere Temperaturen benötigt werden als im Sonneninnern, denn dort findet die Fusion statt.

Temperatur im Sonneninneren: ca. 15 Mio K.

Plasmatemperatur im Fusionsreaktor (Deuterium-Tritium): ca. 100 Mio K (soll das Plasma allein brennen, sind ca. 150 Mio K nötig).
Warum reichen auf der Erde nicht die 15 Mio K ? ist es weil wir hier nicht den Druck erzeigen können, der im Sonneninnern herrscht?
Zitat:
Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Das Problem ist, dass es kein Material gibt, das den Temperaturen standhält.

Ist auch nicht nötig: Plasma ist ionisiertes Gas, gehorcht also dem Elektromagnetismus. Die sehr starken Magnetfelder besagter supraleitender Spulen halten das Plasma also "berührungsfrei" auf Position. Das Plasma berührt die Wände des Hohlraumes, in dem es fließt, also niemals, funktioniert alles.

Grüße

Hier verwechselst Du Ursache und Wirkung

Eben weil kein Material die Temperaturen aushällt müssen wir das Plasma im Magnetfeld einschließen.
Gäbe es ein hochtemperaturbeständiges Material, so könnten wir die Reaktion in einem (einfachen gesagt) "gemauerten Ofen" ablaufen lassen.
Dann bräuchten wir kein Magnetfeld, keine supraleitenden Spulen und keine aufwendige, energiefressende Kühlung.
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Hans-m,

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-14:
Warum reichen auf der Erde nicht die 15 Mio K ? ist es weil wir hier nicht den Druck erzeigen können, der im Sonneninnern herrscht?

Ja. In der Sonne laufen jedoch Proton-Proton-Reaktionen ab (also Fusion von "normalem" ionisierten Wasserstoff zu Helium). Dies ist auf der Erde noch sehr viel schwieriger zu bewerkstelligen, als Reaktionen mit Deuterium und Tritium. In der Sonne läuft die Fusion auch über einen extrem langen Zeitraum, betrachtet man viele Teilchen. Es dauert dort also im Durchschnitt extrem lange, bis sich zwei Protonen zu einem Heliumkern verbinden. Erst die ungeheure Vielzahl der Sonnenteilchen lässt im Durchschnitt genügend Teilchen fusionieren, so dass die Sonne erstrahlt.
Ist kompliziertes Zeug das alles. Beschäftigt man sich damit, tauchen Begriffe wie Wirkungsquerschnitt und Einfangquerschnitt auf. Will man es genau verstehen, empfiehlt sich ein Studium.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-14:
Hier verwechselst Du Ursache und Wirkung

Nein.

Du selbst hast geschrieben:

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Ich glaube nicht, dass höhere Temperaturen benötigt werden als im Sonneninnern, denn dort findet die Fusion statt.
Das Problem ist, dass es kein Material gibt, das den Temperaturen standhält. Selbst eine Wärmeisolierung, mit allen bisher bekannten Werkstoffen, würde einfach schmelzen oder verbrennen.

Das hat nichts mit Ursache und Wirkung zu tun, sondern mit Problemen und Lösungen dieser. Ich schrieb lediglich, dass das Plasma nicht mit Werkstoffen in Berührung kommt.

Stellt man es also geschickt an, gibt es kein Werkstoff-Problem.
Ich habe bisher nichts verwechselt, sondern du:

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Ausserdem könnte mittels der Magnetspulen die Nutzenergie abgeführt werden.
Die Fusion erhitzt die Spulen, in den Spulen würde Dampf erezugt, der einersets die Spulentemperatur ansenkt und andererseits Turbinen antreibt.
Bei Wasser läg die Spulentempeartur bei 100-200°C je nach Dampfdruck.


Grüße
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Stueps am 11.07.2014 um 10:05 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-15:
Das hat nichts mit Ursache und Wirkung zu tun, sondern mit Problemen und Lösungen dieser. Ich schrieb lediglich, dass das Plasma nicht mit Werkstoffen in Berührung kommt.

Stellt man es also geschickt an, gibt es kein Werkstoff-Problem.

Hier erlaube ich zu widersprechen:

Das Plasma kommt nicht mit dem Werkstoff in Berührung, weil es nicht damit in Berührung kommen darf.
Man muss daher ein Magnetfeld aufbauen, damit es nicht mit dem Werkstoff in Berührung kommen kann.
Würde das Magnetfeld kollabieren, und das Plasma käme an die Reaktorwand, dann würde diese in kürzester Zeit verdampfen oder verbrennen.
Selbst wenn die Fusion dann augenblicklich stoppen würde, wäre das Plasma noch heiss genug alle Werkstoffe zu zerstören.

Ich wiederhole nochmals:
Zitat:
Eben weil kein Material die Temperaturen aushällt müssen wir das Plasma im Magnetfeld einschließen.
Gäbe es ein hochtemperaturbeständiges Material, so könnten wir die Reaktion in einem (einfachen gesagt) "gemauerten Ofen" ablaufen lassen.
Dann bräuchten wir kein Magnetfeld, keine supraleitenden Spulen und keine aufwendige, energiefressende Kühlung.

Selbst wenn es uns gelingen würde einen Werkstoff herzustellen, der 100 000 °C oder 1 Mio °C aushält ,so müsste dieser ständig gekühlt werden, um nicht zu überhitzen.
Käme das Plasma damit in Berührung, so würde die Kühlung dem Plasma dann ebenfalls so viel Wärme entziehen, dass die Fusion im Aussenbereich zum Stillstand käme.
Günstigsten falls würde der Plamakern weiter reagieren, wenn er groß genug wäre, aber im Randbereich wäre "Tote Hose"
Ein Reaktor mit 1000 m (hypothetisch) Durchmesser würde dann vielleicht funktionieren, und es käme zu verschiedenen Wärmezonen, von aussen beginnend bei Werkstofftemperatur des Mantels bis hin zum Kern bei Fusionstemperatur. Dann wäre genügend heisses Plasma im Innern vorhanden, um die Fusion in Gang zu halten.

Zusammenfassend kann man sagen:
Im Kern muss es heiss genug sein, damit die Fusion in Gang bleibt, "drumherum" muss es kalt genug sein, damit der Reaktormantel nicht verbrennt. Und das geht zur Zeit leider nur mit dem aufwendigen Magnetfeld.

Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-15:
Ich habe bisher nichts verwechselt, sondern du:

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-10:
Ausserdem könnte mittels der Magnetspulen die Nutzenergie abgeführt werden.
Die Fusion erhitzt die Spulen, in den Spulen würde Dampf erezugt, der einersets die Spulentemperatur ansenkt und andererseits Turbinen antreibt.
Bei Wasser läg die Spulentempeartur bei 100-200°C je nach Dampfdruck.
Hier war ich davon ausgegangen, dass die Spulen, wenn sie nunmal da sind, als Wärmetauscher dienen könnten, die die Reaktionswärme abführen und nutzbar machen könnten.
Das dem nicht so ist hatten wir aber bereits geklärt, weil die Spulen Supraleitend sein müssen und nur bei geringen Kelvingraden arbeiten
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
Beitrag zuletzt bearbeitet von Hans-m am 11.07.2014 um 12:42 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
avatar
Beiträge: 3.260, Mitglied seit 14 Jahren
Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Das Problem ist, dass es kein Material gibt, das den Temperaturen standhält.

Das Problem ist, dass Hans-m kein Wasser atmen kann.

Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-16:
Man muss daher ein Magnetfeld aufbauen, damit es nicht mit dem Werkstoff in Berührung kommen kann.

Er atmet daher Luft und passt auf, dass die Lunge nicht mit zu viel Wasser in Berührung kommt.

Also:

Es gibt kein Problem.

Oder ist Luft statt Wasser atmen ein Problem für dich?
Signatur:
Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Stueps am 11.07.2014 um 20:37 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-17:
Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-12:
Das Problem ist, dass es kein Material gibt, das den Temperaturen standhält.

Das Problem ist, dass Hans-m kein Wasser atmen kann
.
.

Was bitteschön hat Wasseratmen mit Kernfusion zu tun?

Entweder widerlege meine Ausführung, schreibe einen sinnvollen, verständlichen Beitrag, oder lass es einfach!

Wenn Meine Argumente hier ins lächerliche gezogen werden, wenn Stueps keine verständliche Erklärung für seine "Gegenargumente" aufführt, dann sehe ich keinen Sinn darin hier noch ernsthafte Antworten niederzuschreiben.



Einen Versuch starte ich noch:

Was würde Deiner Meinung nach passieren, wenn man das Plasma nicht in ein Magnetfeld sondern in einen Reaktor aus festem Material einschliessen würde?
Bist Du nicht der Meinung, das heisse Plasma würde die Reaktorwände verbrennen oder verdampfen?
Und würde man die Wände mittels Kühlung auf unkritische Temperaturen herunterkühlen, würde dann dem Plasma, bei Berührung der Wände, nicht zu viel Wärme entzogen, so dass die Fussion zu Stillstand käme?

Wikipedia: Fusion mittels magnetischenEinschlusses
Zitat von Wikipedia:
Plasma lässt sich nicht in materielle Gefäße einschließen, da es bei Berührung mit den kalten Wänden sofort so stark abkühlen würde, dass der Plasmazustand beendet wird.

Wikipedia: Kernfusionsreaktor
Zitat von Wikipedia:
Ein Aufschaukeln auf zu hohe Temperaturen durch vermehrte Fusionen und dadurch weiteres Aufheizen ist nicht möglich, da das konstante Magnetfeld nicht in der Lage ist, das damit verbundene Aufblähen des Plasmas zu verhindern; das Plasma würde dann sofort auskühlen, insbesondere bei Kontakt mit der Gefäßwand. Die erwünschte Fusionsrate ist so mittels der jeweils vorgegebenen Magnetfeldstärke einstellbar und bleibt damit bei gleichbleibender Temperatur und gleichbleibender Brennstoffnachfüllung konstant.

Nun bin ich gespannt auf Deine sinnvolle Antwort
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
Beitrag zuletzt bearbeitet von Hans-m am 13.07.2014 um 10:32 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.307, Mitglied seit 9 Jahren
Hans-m schrieb in Beitrag Nr. 2161-18:
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 2161-17:

Das Problem ist, dass Hans-m kein Wasser atmen kann
.
.

Was bitteschön hat Wasseratmen mit Kernfusion zu tun?

Entweder widerlege meine Ausführung, schreibe einen sinnvollen, verständlichen Beitrag, oder lass es einfach!

Wenn Meine Argumente hier ins lächerliche gezogen werden, wenn Stueps keine verständliche Erklärung für seine "Gegenargumente" aufführt, dann sehe ich keinen Sinn darin hier noch ernsthafte Antworten niederzuschreiben.

Hans,

Du verstehst die Ironie nicht - es gibt nichts zu widerlegen, weil es das Problem nicht gibt bzw. von dir zu einem gemacht wird. Es ist einfach nur ein Faktum, das es keine Materie gibt, die Temperaturen wie in einem Fusionsreaktor widerstehen könnte. Deshalb ist ein Grübeln darüber so sinnlos wie darüber, ob man Wasser atmen kann.
Signatur:
Herr Oberlehrer

Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
Der Mensch lebt einmal. Dann nicht mehr.

(Donald Duck)
Beitrag zuletzt bearbeitet von Henry am 13.07.2014 um 10:29 Uhr.
[Gäste dürfen nur lesen]
Beiträge: 2.996, Mitglied seit 11 Jahren
Henry schrieb in Beitrag Nr. 2161-19:
Es ist einfach nur ein Faktum, das es keine Materie gibt, die Temperaturen wie in einem Fusionsreaktor widerstehen könnte.

!!! Aber es ist doch genau das, was ich die ganze Zeit sage!!!


!!!! Und deswegen benötigen wir ein Magnetfeld !!!!
Signatur:
Wer jung ist, meint, er müsste die Welt retten :smiley8:
Der Erfahrene erkennt, dass er nicht alle Probleme lösen kann
:smiley3:
[Gäste dürfen nur lesen]
In diesem Forum dürfen nur Mitglieder schreiben. Hier kannst du dich anmelden
Zum Seitenanfang Nach oben