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Über die Quelle vieler Missverständnisse

Thema erstellt von Grtgrt 
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Beiträge: 2.939, Mitglied seit 15 Jahren
Hallo alle miteinander und guten Tag.
Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1942-1:
Eine Meinung Platons war: Alles sinnlich Wahrnehmbare ist nur unvollkommenes und daher recht fragwürdiges Abbild der Wirklichkeit.
Hier EINE mögliche Anwendung dieser Erkenntnis:

Wenn ich Platons Höhlengleichnis neben das stelle, was Niels Bohr uns über der Physiker Möglichkeiten sagt, die Natur zu verstehen (siehe 1896-52), so scheint mir klar:
Beider Beispiele sind treffende Illustration ein und derselben Erkenntnis, die da wäre:

Zu wörtlich genommene Beobachtung führt an der Wahrheit vorbei.
Was wir registrieren, ist schon allein deswegen ein meist nur unvollkommenes Bild der eigentlichen Sache.
(...)
Mathematische formulierte Wahrheiten sind die einzigen, die man nie zu wörtlich und auch nie zu wenig wörtlich nehmen kann.
Platons Höhlengleichnis so habe ich vermutet würde es an Aktualität mangeln. Nun hat aber unser verehrter Mitautor Grtgrt im Forum einen Link plaziert, vielen Dank dafür, dessen Inhalt ein völlig neues Licht auf das antike Weltbild des großen Philosophen wirft. Last mich jetzt und hier ein wenig davon erzählen. Viel Spass dabei.

Der aktuelle Platon und sein Höhlengleichnis.
Die wenig wissenden nehmen ja nicht an, das es über die alltägliche Medienunterhaltung hinaus, noch anderes gibt was man wissen sollte. Das wir (man) nicht alles weiß hat uns Sokrates schon vermittelt. Er wusste auch das er nichts weis. Gibt es denn nun ein "höheres Wissen? Etwas das man unbedingt wissen sollte? Wer glaubt letztlich an ein wirklich höheres Wissen? Sollte jemand davon anfangen wird er meist sehr schnell als ein Betrüger oder Scharlatan entlarvt.

Ein höherer Bewusstseinszustand? Das kann doch nicht sein, oder doch? Von denen die wissen weis man, das sie die, die weniger wissen, die Unwissenden nennen. Nimmt ein Unwissender nun die Witterung eines Wissenden auf, so kann es vorkommen, muss aber nicht, das der Unwissende den Wissenden fragt: Was hast Du mir denn an höherem Wissen zu vermitteln? Nun sag schon, damit ich auch wissend werde. Der Wissende, oder auch der Weise ist am Rande seiner Kräfte und verzweifelt. Er versucht dem Unwissenden zu erklären das man einen höheren Bewusstseinszustand nicht erklären kann, man muss ihn erleben. So meint der Unwissende völlig erleichtert "also doch nichts dran an der Weisheit, wust ichs doch!" und geht seiner Wege.

Was muss sich Platon gequält haben als er der Menschheit die vielleicht wichtigsten Zeilen der Geschichte geschenkt hat um zu erklären worin die Weisheit verborgen und wo das höhere Wissen zu finden ist. Ihr kennt es alle selbst, das Höhlengleichnis. Alle mit dem Rücken zum Eingang und nur Schatten sehen. Einem gelingt es einen kurzen Blick auf die "echte" Welt zu erhaschen, ihr wisst schon, die mit dem Licht. (von Erleuchtung??) Als er nach der "Wiederverhaftung" den anderen erzählt was er "draußen" gesehen hat, ist für die anderen sofort klar: der ist "durchgeknallt", den hat der Wahnsinn da draußen erwischt. Wenn dem das passiert ist, so meinen sie bestimmt, bleiben wir besser da weg, und hier in der Höhle wo es sicher ist. Hier in der Höhle wird man nicht wahnsinnig.

Versteht ihr das? Derjenige, der nun ein Wissender geworden ist, kann ja nicht erklären was Licht ist. Wie soll er es bewerkstelligen hier zuverlässig Auskunft zu geben? Und der Wunsch: "Erläre es uns doch ohne Licht" lässt sich nicht umsetzen. Der Wissende verzweifelt und für die anderen ist deutlicher denn je... der ist irre geworden, ein Lügner wenn nicht sogar schlimmer.

Aber was hat das mit aktuellen Begebenheiten in der Gegenwart zu tun?... werdet Ihr jetzt fragen.
Es gibt die Höhle mit den Schatten noch. Es kann auch erklärt werden selbst wenn man das Wort "Licht" nicht verwendet. Es geht auch ohne. Das mit der Höhle ist Vergangenheit und angekettet ist auch niemand mehr. Die Höhlenwand ist einem Display oder auch altdeutsch Monitor gewichen. Dort sitzen die nichtangeketteten und starren ihrem Rechner ins Herz und noch tiefer. Sie starren nicht nur, nein schlimmer sie leben zum Teil schon in ihm. Daten, Pixel, Icons, SAPs, Protokolle, Bits und Byts, Identnummern und Zahlen, Zahlen, Zahlen und nochmal Zahlen. Dieses alles ist die "neue" Höhlenwand.

Man klickt auf Pixeln herum die dann die Welt in Zahlen verwandeln. Alles ist minimierbar und das es kein Licht gibt wissen sie Leute auch schon. Das Lager zum Beispiel hat sich verwandelt. Es gibt keine Hallen mehr, keine Regale, keine Stapel oder Kisten. Es gibt nur noch den Lager-Bestand. Manager sind mit der tatkräftigen Unterstützung von Informatikern und Mathematikern die größten Welt-Reduzierer. Sie reduzieren die Menschen auf eine Human-Recource und die Welt auf ihre Minimalbestandteile. Wir leben in einer welt in der vorsätzlich, mit Absicht also alles in Zahlen und Daten gesehen wird. Als Bit, Byte, Ziffer oder Zahl. Die wirkliche Welt ist zu komplex heist es schon mal als Begründung. Die Manager möchten alles noch viel weiter reduzieren und wenn doch mal jemand etwas erklären möchte heist es sogleich: "Keep it simple and stupid!"

Wenn heutzutage jemand den reduzierenden etwas näherbringen will das nicht reduziert ist stößt er auf massives Unverständnis.
"Und wie drückt sich das in Zahlen aus?" wird man gefragt.
Die Nachbarin himmelt den Nachbarn im Aufzug an, sie überwindet sich und fragt, ob er nicht mal mit ihr essen gehen würde.
Darauf er: "Wieviel macht das in Wellenpaketen?"

Alles lebenswerte auf dieser Welt geht zu Grunde wenn man nicht darauf aufpasst.
Von "Anmut" über "Liebe" bis zur "Zuversicht" ist nichts in Zahlen, Daten oder auch sonst minimiert fassbar.
Man kann nur darüber sprechen oder besser noch es leben.

Die modernen Höhlenbewohner sagen dann
"ach, sieh an, der Arme, er kann es nicht in Zahlen und Daten sagen. Er muss wahnsinnig geworden sein."

Platon könnte heute auf die Idee kommen das die Höhlenbewohner noch tiefer in die Höhle gegangen sind.
Dorthin wo die deutlichen Schatten nur noch äußerst verschwommen an die Bilder von weiter vorn erinnern.
Die deutlichen Schatten haben eine Verwandlung durchgemacht und sind zu undeutlichen Zahlen geworden.


Mit den besten Grüßen.
Ernst Ellert II.
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Deine Zeit war niemals und wird niemals sein.
Deine Zeit ist jetzt und hier, vergeude sie nicht.
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Beiträge: 1.698, Mitglied seit 14 Jahren
Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1942-36:
Ich bin nicht der Meinung, dass meine "Bemühungen" hier ins Leere laufen.

Dass nicht alles, was ich so von mir gebe, auf fruchtbaren Boden fällt, erstaunt mich gar nicht. Das ist normal, und das wussten schon die Autoren der Bibel, wo ja unter anderem (in Neuen Testament) explizit darauf hingewiesen wird, dass nicht alle Saatkörner auf fruchtbaren Boden fallen.

An solchen Vergleichen und Anspüchen kann man wachsen.
Und es ist normal, wenn bis dorthin wird die eine oder andere Seifenblase auf fruchtbaren Boden fällt
und dann zerplatzt. Da kann ja der Boden nichts dafür und dass er zu schade ist für eine Seifenblase,
kann die ja nicht wissen.

Und so komme ich zum gleichen Ergebnis:
Ernst schrieb in Beitrag Nr. 1942-41:
Derjenige, der nun ein Wissender geworden ist, kann ja nicht erklären was Licht ist. Wie soll er es bewerkstelligen hier zuverlässig Auskunft zu geben? Und der Wunsch: "Erläre es uns doch ohne Licht" lässt sich nicht umsetzen. Der Wissende verzweifelt und für die anderen ist deutlicher denn je... der ist irre geworden, ein Lügner wenn nicht sogar schlimmer.

Mfg
Thomas
Signatur:
Ich bin begeistert!
Beitrag zuletzt bearbeitet von Thomas der Große am 16.02.2013 um 19:58 Uhr.
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Beiträge: 1.566, Mitglied seit 10 Jahren
 
Hi Ernst,

deinen Beitrag 1942-41 habe ich mit großem Vergnügen gelesen. An dir scheint, wenn nicht ein Dichter, so doch ein sehr guter Kommentator verloren gegangen zu sein.

Als wirklich perfekt würde ich den Beitrag aber erst dann einordnen, wenn du auch in Orthographie noch sattelfest wärest und deswegen z.B. an Stelle von


Er wusste auch das er nichts weis.

korrekter
Er wusste auch, dass er nichts weiß.


geschrieben hättest.

Ich fände das besser, da man als Leser sonst vielleicht doch den Verdacht bekommen könnte, es schriebe hier jemand, der nicht weiß, dass er nichts (oder zu wenig) weiß.

Beste Grüße,
grtgrt

Kleiner Tipp: LEO weiß alles.

 
Beitrag zuletzt bearbeitet von Grtgrt am 17.02.2013 um 22:09 Uhr.
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Beiträge: 2.939, Mitglied seit 15 Jahren
Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1942-43:
 
Hi Ernst,

deinen Beitrag 1942-41 habe ich mit großem Vergnügen gelesen. An dir scheint, wenn nicht ein Dichter, so doch ein sehr guter Kommentator verloren gegangen zu sein.

Als wirklich perfekt würde ich den Beitrag aber erst dann einordnen, wenn du auch in Orthographie noch sattelfest wärest und deswegen z.B. an Stelle von


Er wusste auch das er nichts weis.

korrekter
Er wusste auch, das er nichts weiß.


geschrieben hättest.

Ich fände das besser, da man als Leser sonst vielleicht doch den Verdacht bekommen könnte, es schriebe hier jemand, der nicht weiß, dass er nichts (oder zu wenig) weiß.

Beste Grüße,
grtgrt

Kleiner Tipp: LEO weiß alles.

 
Hi Grtgrt und guten Abend.
Wer, wie Du es praktizierst, festgefügte Begriffe unserer Sprache, nach gut dünken, als Deine persönliche Synonym-Variante missbrauchst, so wie hier...
Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1961-48:
Hi Ernst,

ich betrachte den Begriff » predigen « als ein Synonym von » anderen immer wieder eindringlich sagen «.

Gruß, grtgrt
 
...der sollte wegen einem einzigen Komma, in einem ellenlangen Text, nicht soviel Staub aufwirbeln und webspace verschwenden.
Da ich mir durchaus bewusst bin nichts oder nicht alles zu wissen, wirkt Dein Vorwurf äußerst unwürdig und im höchsten Maße lächerlich.

Mit bedauernden Grüßen.
Ernst Ellert II.

P.S.: LEO weiß wohl doch nicht alles, oder wie erklärt sich dort Deine Synonym-Wahl? Und sollte nicht nach einem Komma das Wort "das" mit doppel-"s" geschrieben werden??
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Deine Zeit ist jetzt und hier, vergeude sie nicht.
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Beiträge: 1.566, Mitglied seit 10 Jahren
 
Ernst Ellert II schrieb in Beitrag Nr. 1942-44:
... Und sollte nicht nach einem Komma das Wort "das" mit doppel-"s" geschrieben werden??

Da hast du natürlich recht – habe es oben ausgebessert (und den Fehler vorher tatsächlich übersehen).

Gruß, grtgrt
 
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Beiträge: 2.939, Mitglied seit 15 Jahren
Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1942-45:
 
Ernst Ellert II schrieb in Beitrag Nr. 1942-44:
... Und sollte nicht nach einem Komma das Wort "das" mit doppel-"s" geschrieben werden??

Da hast du natürlich recht – habe es oben ausgebessert (und den Fehler vorher tatsächlich übersehen).

Gruß, grtgrt
 
Das ist bei Dir nichts neues Grtgrt.
Andere bewerfen, mit Spot, Hohn oder Häme. Dann bemerken das es ein Selbsttor war und alles "radieren"!
Die einen schreiben was sie denken und stehen auch dazu, oder sie stellen etwas richtig in einer Ergänzung.
Die anderen beschränken sich aufs nachträgliche manipulieren und unkenntlich machen der eigenen Meinung.
Das hat aber mit Dir nichts zu tun, nur mit dem was der Volksmund Rückgrat nennt.

Mit ausgebesserten Grüßen.
Ernst Ellert II.
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Beiträge: 875, Mitglied seit 11 Jahren
Od(e) an die Höhlenbären

Schaut man aus der Höhle oder wird sogar
Eingeladen außerhalb derselben
etwas die Füße zu vertreten,
dann hat das nichts mit Minder- oder Mehrwissen zu tun.

Man kann sich dann sicherlich auch nicht beim Millionenrad anmelden und mit Fragenbeantworten brillieren.
Meine Empfehlung - immer schön in der Höhle bleiben, sonst wird man umgehend als Schlimmer od(er) Lügner entlarvt.

mlg Harald
Signatur:
Es gibt nur eine Zeit - die aktive und die passive Gegenwart - und Gravitation
ist die Antwort der Gegenwart auf die Einwirkung vergangener Wichtigkeiten.
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