Hallo, Memphis!
Eine Antwort auf deinen
Beitrag Nr. 2213-20 erst jetzt, weil ich hoffte, es würde vielleicht jemand anderes auf das Thema eingehen. Nun, scheint nicht so.
Im Großen und Ganzen macht Sinn, was du schreibst. Allerdings mit ein paar kleinen Einschränkungen.
Zunächst liefert Hubble einfach nur Beobachtungsdaten. Über die Beobachtungdaten ist die Theorie, dass sich der Kosmos ausdehnt, die schlüssigste, weil sie mit anderen Daten in Übereinstimmung gebracht werden kann, z. B. die Verteilung der Element im All oder die Beobachtung, dass sehr alte Sterne im Wesentlichen nur aus Wasserstoff bestehen, in jüngeren dagegen auch schwere Elemente nachgewiesen werden.
Nicht richtig ist deine Vermutung, aus diesen Daten allein ließe sich eine beschleunigte Expansion ablesen. Es lässt sich schließen, dass es eine Expansion gibt, und zwar aus dem Grund, den du falsch interpretierst: Eine jeweilige Verdoppelung der Entfernungen, die sich aus der Rotverschiebung errechnen lässt. Die korrekte Annahme ist folgende: Die Galaxien sind deshalb immer weiter ins Rote verschoben, je entfernter sie von uns sind, weil sie schon von Beginn an weiter entfernt waren. Der Raum zwischen uns und den Galaxien vergrößert sich in dem Maße, in dem bereits Raum zwischen uns und den Galaxien vorhanden ist. Weil sich ALLE Entfernung in einer gleichen Zeitspanne z. B. verdoppeln, sind automatisch weiter entfernte Raumbereiche nach einer gleichen Zeitspanne weiter entfernt als nähere. Dabei ist die Expansionsrate eine stetige und keine beschleunigte.
Eine beschleunigte Expansion hat man aus anderen Gründen festgestellt, dabei spielen die sogenannten „Standardkerzen“, also Objekte, bei denen bestimmte physikalische Abläufe stets gleich sind, eine Rolle.
Noch ein Wort zu der „Tulpe“ in deiner Graphik. Die Graphik stellt das sich immer weiter öffnende Universum seit dem Urknall dar. Jetzt versuchst du, mit dieser Graphik zu erläutern, was man von der Erde aus sieht. Aber das ist zum Scheitern verurteilt, denn die Graphik stellt das Universum quasi in einer Sicht „von außen“ dar. Das ist natürlich nicht möglich, weil es bzgl. des Universums als Ganzem kein Außen gibt. Wohlgemerkt, nicht die Darstellung an sich ist nicht richtig, sondern deine Interpretation.
Was man von der Erde bzw. von JEDEM Punkt des Universums aus beobachten kann, wird ebenfalls z. B. mithilfe einer solchen Graphik dargestellt, aber der Lichtkegel – um den handelt es sich dann – geht vom Beobachter aus, das heißt, dort, wo du den Big Bang lokalisierst, befindet sich der jeweilige Beobachter, und von jedem Beobachter aus öffnet sich der Lichtkegel zur Vergangenheit hin, zum Big Bang.
Das hört sich erst einmal paradox an, weil das All in Richtung Vergangenheit immer kleiner wird. Aber es ist so, dass ALLE Maßstäbe gleichermaßen betroffen sind, Abstände sind relativ. Und der Blick in die Vergangenheit endet nicht in einem Punkt, sondern auf einer Fläche, die durch den Zeitpunkt gekennzeichnet ist, zu dem der Kosmos "durchsichtig“ wurde, nach der so genannten Rekombination. Ein Teil dieser Fläche ist das, was der jeweilige Beobachter sehen kann, und es gibt für alle Beobachter einen bestimmten Winkel, unter dem sie auf diese Fläche schauen. Es gibt im Prinzip unendlich viele Punkte (Beobachter), von denen ein Lichtkegel aufgespannt ist, manche überlagern sich, manche treffen sich nie, diese Bereiche werden nie vom jeweils anderen gesehen werden können. Und was an Information auf der Randfläche des Lichtkegels z. B. zu uns gelangt, ist das, was wir in der Kosmischen Hintergrundstrahlung messen können, weiter können wir nicht an den Anfang blicken (was elektromagnetische Wellen angeht).
Du musst bedenken, dass der Blick in die Vergangenheit immer breiter werden muss, weil erst mit dieser „Reise“ in die Vergangenheit immer mehr Objekte – mehr Raum - in das Blickfeld des Beobachters geraten. Zum Beispiel siehst du nach einer Sekunde den Mond, aber nach acht Minuten kommt die Sonne dazu, nach einigen Stunden das gesamte Sonnensystem, nach dreißigtausend Jahren das Licht vom Mittelpunkt der Milchstraße usw.. Das ist aber nur die eine Hälfte der Geschichte, der Vergangenheitslichtkegel, es gibt(?) auch die Zukunft, und das wird mit einem zweiten Kegel dargestellt, der sich in Richtung Zukunft öffnet. Der Ort des Beobachters liegt auf der Gegenwartsebene, dort, wo sich Vergangenheits- und Zukunftslichtkegel treffen.
Innerhalb des Vergangenheitskegels liegen alle Ereignisse, über die wir etwas erfahren konnten, wenn sich die Information nicht mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, also z. B. Objekte wie Kometen oder Schallwellen. Anders gesagt sind all das Ereignisse, die ein Ereignis in der „Jetztzeit“ des Beobachters beeinflussen können (und umgekehrt). Der Informationsbereich auf der Kegelfläche selbst ist gegeben durch die entfernteste Raumregion, von der uns Information mit Lichtgeschwindigkeit erreichen konnte, und die fernste Raumregion ist die Region, die zuallererst vom Licht durchdrungen werden konnte (siehe oben, Kosmische Hintergrundstrahlung). Und das Ereignis wiederum liegt ca. 13.7 Milliarden Jahre vor jetzt. Alles, was außer halb des Lichtkegels liegt, liegt jenseits jeder Erfahrbarkeit.
Im Inneren des Zukunftskegels liegen alle Orte, von denen aus sich Ereignisse in Zukunft beeinflussen können, wiederum auf dem Rand die Information, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet.
Das Leben ist zu ernst, um es nur ernst zu nehmen.
Bearbeitet von Henry-Dochwieder am 22.07.2015 um 13:11 Uhr.