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Theologie & Naturwissenschaft

Thema erstellt von Tomm 
Tomm
Da habe ich gestern oder vorgestern im SPIEGEL über den aktuellen Chef-Kirchenhistoriker (im Vatikan tätig, auch ein Deutscher; sein offizieller Titel ist mir entfallen, sein Name auch) gelesen. Und er sprach davon, dass Theologie und Naturwissenschaften wunderbar miteinander auskämen, wenn sie sich an ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich hielten, wobei er den jeweiligen wie folgt definierte: Die Naturwissenschaft erklärt, wie die Welt entstanden ist, die Theologie, warum. Abgesehen davon, dass der Naturwissenschaftler lediglich auf "Know-how" reduziert wird, fernab jedweder Sinnstiftung, kann ich mich beim besten Willen nicht an eine Religionsstunde oder auch Predigt erinnern, in der ich etwas über die Motivation Gottes für seine Schöpfung erfahren hätte. Und über das Wie auch nichts. Denn wie man Himmel und Erde schöpft, wäre sicherlich nicht uninteressant zu erfahren. Anders gesagt: Warum fiel Gott nichts Besseres als der Urknall ein (nach heutigem Mainstream), und welche theologische Rechenakrobatik kann mir erklären, wie man sieben Tage (oder waren's sechs, der siebte Tag war Feierabend) auf die Tatsache umrechnet, dass sich die Schöpfung ständig neu erfindet?

Was mich zudem wundert, ist die Definition der Theologie nach Wikipedia:

Die (christliche) Theologie versteht sich als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Quellen des Glaubens (Biblische Theologie und Historische Theologie), der systematischen Analyse und Darstellung des Glaubens (Systematische Theologie, (siehe auch: Religionsphilosophie), besonders Fundamentaltheologie und Dogmatik) und der Glaubenspraxis (Praktische Theologie)

Ist das eine offizielle Definition, oder hat die Beelzebub selbst geschrieben? Wie dem auch sei, ich kriege das nicht mit dem Weltenstehungserklärungsanspruch der Theologie gemäß dem Chef-Kirchenhistoriker in Einklang. Oder stelle ich mich nur saublöd an?
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 15 Jahren
Ich finde, du siehst es ganz richtig... bei dem Tätigkeitsbereich der Theologie sehe ich nicht, warum hier dieser Anspruch erhoben wird - mehr als Metaphysik kann es doch gar nicht werden? Da könnte ich dann auch einfach die klassische Philosophie befragen.
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Beiträge: 362, Mitglied seit 14 Jahren
Es ist wieder ein listiger Versuch der Verliererin Kirche ein Patt zu erzeugen, indem sie aus der totalen Verweigerungshaltung heraustritt um mit geheuchelter Toleranz die Wissenschft dazu zu bringen, sich mit einem Kompromiss zufriedenzugeben.
Ein Versuch das Unaufhaltsame hinauszuzögern. Die Naturwissenschaft wird nicht mehr zurückstecken und anhalten wird sie auch nicht.
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>Warum sollte der Mensch, im Rahmen seiner beschränkten evolutionären Entwicklung, geistige Fähigkeiten entwickelt haben, um komplexe temporale Paradoxien korrekt zu erfassen?
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Beiträge: 77, Mitglied seit 14 Jahren
Seid mir gegrüßt,



Zitat:
Die Naturwissenschaft erklärt, wie die Welt entstanden ist, die Theologie, warum.

Damit kann er(Historiker) ja eigentlich nur meinen, das die Gläubigen auf dieser Welt "Gott" dienen.
Somit kann die Aussage dafür sorgen das die Gläubigen sich mit der Naturwissenschaft
abfinden, für Anhänger der Wissenschaft ist sie aber irrelevant.

Stimme euch dreien voll und ganz zu.

mfg Solicatis
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Und nun die Muppetshow....
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Hallo Tomm,
Zitat:
...kann ich mich beim besten Willen nicht an eine Religionsstunde oder auch Predigt erinnern, in der ich etwas über die Motivation Gottes für seine Schöpfung erfahren hätte.
Tja, der Reli-Unterricht ist auch nicht mehr das, was er mal war...

"Gott schuf den Meschen zu seinem Bilde" hat Luther übersetzt.

Heute würde man wohl eine etwas andere Sprache verwenden, etwa:

"Gott schuf den Menschen als sein Gegenüber"

Ich finde, hier wird schon etwas über die Motivation Gottes bzw. über den Sinn der Schöpfung ausgesagt.

Beitrag zuletzt bearbeitet von Claus am 29.11.2006 um 22:13 Uhr.
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Beiträge: 77, Mitglied seit 14 Jahren
@Claus

Das sehe ich nicht wirklich so...
Jemand nach seinem Bilde schaffen kann sicherlich die Gesamtheit bedeuten.
Damit würde er Götter schaffen. Doch sind wir das? Oder war das sein Ziel?
Ich denke nicht.
Es gibt vielleicht einige Menschen die sich mit Göttern gleichstellen, aber jene sind es am wenigsten.
Ich vermute das es hier "lediglich", um das Antlitz also das Aussehen, und die Vielfältigkeit handelt.
Die Vielfältigkeit im denken und handeln. Wobei der Gedanke unbegrenzt und das Handeln immer
umfangreicher ist/wird.

Nach seinem Bilde und seinem Gegenüber kann ich daher nicht gleichstellen.

Sicherlich ist das aber alles Interpretationssache wie auch das Buch.

Wir Menschen sind in der Lage auch das Eindeutigste falsch bzw zu unserm Vorteil oder Nachteil zu interpretieren.

Die Wirklichkeit ist niemals greifbar.

Liebe Grüße Solicatis
Signatur:
Und nun die Muppetshow....
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 15 Jahren
Zitat: "Ich vermute das es hier "lediglich", um das Antlitz also das Aussehen, und die Vielfältigkeit handelt."

Gut möglich. Ich habe es immer so verstanden, dass es sich auf den Begriff "Mensch" bezieht... der sich nicht am Antlitz festmachen lässt... bezogen auf seine mentalen Fähigkeiten.

Beitrag zuletzt bearbeitet von Andre am 30.11.2006 um 13:11 Uhr.
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Beiträge: 2.221, Mitglied seit 13 Jahren
Das hebräische Wort für 'Bild' bedeutet wohl tatsächlich eher "Abbild" oder "Plastik eines Bildhauers"

Von Theologen habe ich dagegen schon häufiger den Vergleich mit dem "Gegenüber" gehört.

Ich glaube, dass die Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott darin besteht, dass der Mensch in der Lage ist, emotionale Beziehungen - sei es zu Gott selbst oder zu anderen Menschen - aufzubauen. Hier gibt es dazu auch noch einige interessante Überlegungen:


http://forum.ref.ch/thread.php?threadid=3534&bo...

Zumindest drückt der Text aus, dass wir Gott - in welcher Weise auch immer - ähnlich sind, so wie ein Bild dem Original ähnlich ist und ich glaube, dass man hier schon von einer Intention Gottes sprechen kann, weil er diese Ebenbildlichkeit so gewollt hat.
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