Hallo Hans-m,
genau so sehe ich das auch.
Ich will noch ergänzen, dass nicht nur unser Wortschatz nichts dafür hergibt, dass außerhalb unserer Raumzeit etwas existiert, sondern auch der derzeitige Stand der astronomischen Forschung gibt nichts dafür her, dass außerhalb unserer Raumzeit etwas existiert. Es ist alles nur hochspekulativ.
Wir haben schon große Mühe, das zu verstehen, was sich innerhalb unserer Raumzeit abspielt. Welchen Erkenntnisgewinn soll es bringen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die höchstwahrscheinlich niemals verifiziert werden können?
M.f.G. Eugen Bauhof
Hi, Eugen!
Das Schöne an hochspekulativen Angelegenheiten ist, dass man immer etwas dazu sagen kann, also will ich mich nicht ausnehmen!
Du schreibst sinngemäß: „Uns fehlt der Wortschatz, um über ein `Außerhalb der Raumzeit` zu sprechen“. Dem kann ich mich nur eingeschränkt anschließen. Wir haben schon den nötigen Wortschatz, nur sind die Wörter in ihrer Bedeutung naturgemäß schon belegt.
Was uns also tatsächlich fehlt, sind in der Diskussion eindeutige Hinweise, wie und in welchem Zusammenhang wir Wörter / Begriffe verwenden wollen. Das ist nicht immer leicht, ganz klar, nur ist es wahrscheinlich noch schwieriger, neue Begriffe zu entwickeln, von neuen Wörtern ganz zu schweigen.
Verwirrend unübersichtlich wird es, wenn bestehende Begriffe in ihrer Bedeutung nicht auf den üblichen Inhalt im entsprechenden Zusammenhang überprüft oder - ganz nach Belieben - mit neuer, willkürlicher Bedeutung gefüllt werden. Und geradezu absurd lächerlich wird es, wenn weder Bedeutung noch Zusammenhang verstanden werden – ich denke da - rein zufällig, selbstverständlich - z. B. an eine Verbindung von „Semantik“ und „Viele-Welten-Theorie“.
Historisch bedingt meint „Universum“ alles, was uns umschließt, und „Kosmos“ meint etwas Geordnetes. Bis weit in das letzte Jahrhundert hinein verstand man das Universum als statisch und zumindest zeitlich unendlich, und da alles wohlgeordnet erscheint, ist „Universum“ und „Kosmos“ ohne Probleme synonym verwendbar.
Die Schwierigkeiten begannen mit der Allgemeinen Relativitätstheorie und später dann mit der Vorstellung, das Universum könnte einen Anfang haben (einen Anfang ohne Schöpfung). Die ART sorgte dafür, dass die Raumzeit ein „etwas“ ist, das sich verändern kann, und die Galaxienflucht, beobachtet durch Hubble, brachte uns den Urknall, also einen möglichen Anfang.
Noch hatten wir „Alles“ und davor „Nichts“, über das sich allenfalls philosophische Betrachtungen anstellen ließen. (Hier haben wir im Übrigen die rein semantische Bedeutung eines Begriffes, nämlich das „Nichts“, das durch die Verwendung als ein „Etwas“ zu beliebten Paradoxa führt; wobei doch die Einsicht, „das Nichts“ kann nicht real „ ein Etwas“ sein so nahe liegend ist.)
Noch ließ sich die Annahme eines „Außerhalb des Universums“ als ein semantischer Irrtum verwerfen. Aber im Hintergrund lauerte die Gefahr: Die Quantenmechanik, oder besser gesagt die Quantenfeldtheorie (die die SRT mit einbezieht), die uns erklärt, dass auch das Vakuum nicht „nichts“ ist, sondern „etwas“, gefüllt mit Energie. Der historisch zu verstehende Begriff „Vakuum“ bedeutet „leerer Raum“. Die Quantenfeldtheorie zeigt uns aber, dass ein wirklich leerer Raum eine reine Fiktion ist, selbst wenn es keine (klassischen) Teilchen gäbe, wäre der Raum noch mit einem Feld „gefüllt“, das seinerseits nicht keine Energie haben kann, sondern stets um „Nullenergie schwankt“. Diese Schwankungen sind die berühmten „Vakuumfluktuationen“.
Noch haben wir jetzt ein nicht leeres Vakuum, aber einen Raum darum. Da kommt plötzlich der Urknall! Laut Standardtheorie beginnt mit dem Urknall ALLES, er ist auch der Beginn von Raum und Zeit. Wir legen also das Vakuum nach „außen“ und lassen das Universum als Vakuumfluktuation beginnen. Somit haben wir unser Universum, das „Alles“ beinhaltet, und ein unbestimmtes „Etwas“, das Vakuum, das nun nicht mehr einfach „leerer Raum“ bedeutet, sondern so etwas wie „die Abwesenheit bestimmbarer Objekte und Felder sowie die Abwesenheit von Raum und Zeit“.
In diesem Sinne ist unser Universum „Kosmos“, also „geordnetes Weltall“, und es ergibt sich die Möglichkeit, dass es weitere, vielleicht unendlich viele Vakuumfluktuationen gibt, die zu den unterschiedlichsten Universen führen könnten. Eine große Schwierigkeit bereitet immer noch die Struktur der Raumzeit selbst, daher sind konsistente Theorien über mögliche Variationen derselben nicht möglich, das ist auch etwas, woran die Stringtheorie scheitert (zumindest für diesen Bereich einer möglichen Anwendung). Man kann nicht sagen, wie der Raum und / oder die Zeit tatsächlich entstehen, solange man nicht weiß, was sie sind. So gesehen ist zwar das Urknallmodell erfolgreich, aber es erklärt bei Weitem nicht alles, und Alternativen sind durchaus im Umlauf (die aber natürlich Raum und Zeit ebenfalls nicht erklären können).
Man kann aber durchaus ein „Koordinatensystem“ dergestalt erstellen, dass es ein „Außerhalb“ berücksichtigt, was anderes sind die elf oder 20 oder was weiß ich wie viel Dimensionen der Stringtheorie auch nicht – nämlich Koordinatensysteme, die sich unserer Anschauung entziehen.
Die so genannte „Viele-Welten-Theorie“ war eine Reaktion auf die Vorstellung, es gäbe einen „Wellenkollaps“ der Wellenfunktion „Ψ“. Diese Wellenfunktion ist eine quantenmechanische Zustandsbeschreibung eines „Teilchens“ oder eines Feldes zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Quantenmechanik sagt aus, dass z. B. Ort und Spin eines Elektrons den Zustand dieses Elektrons vollkommen beschreibt. Allerdings sind Ort und Spin in Abhängigkeit voneinander nicht genau bestimmbar – je genauer ich den Ort bestimme, desto weniger weiß über den Spin und umgekehrt. Diese Situation wird für den Ort durch Ψ(x)² als Wahrscheinlichkeit für den Aufenthalt des Elektrons beschrieben. Der Aufenthalt wird durch die Beobachtung (Messung) bestimmt, das ist dann der „Kollaps“ der Wellenfunktion, der Aufenthalt wird „real“, aber die Überlegung war, was geschieht mit all den anderen Orten, an denen sich das Elektron der Wahrscheinlichkeit nach hätte „realisieren“ können? Und hängt der Aufenthaltsort tatsächlich davon ab, DASS das Elektron beobachtet wird?
Hier muss ich einflechten, dass Ψ nicht die dynamische Entwicklung eines Zustandes beschreibt, sondern nur den Zustand zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Die Wahrscheinlichkeit bezieht sich ausschließlich auf das „mathematische Modell Wellenfunktion“. Die Entwicklung, also z. B. die Bahn, die ein Elektron durchläuft, wird durch die Schrödinger Gleichung beschrieben. Das bedeutet: Ab dem Zeitpunkt der Messung ist die Entwicklung des Zustandes definitiv determiniert und nicht mehr „wahrscheinlich“. Nichts desto trotz wird die „Überlagerung“ der verschiedenen Wahrscheinlichkeiten nach mancher Interpretation für real gehalten.
Eine Lösung für das Problem, was mit all den Wahrscheinlichkeiten nach der Beobachtung geschieht, war das „Pfadintegral“ durch Richard Feynman, nach dem z. B. das Elektron auf seiner Bahn ALLE MÖGLICHEN Wege durchläuft, sich aber ein Großteil der Wege gegenseitig „auslöschen“ und auf die Art ein „klassischer Weg“ für das Elektron zustande kommt.
Das Model der „Viele-Welten“ versucht nun, die Frage nach dem, was mit den Wahrscheinlichkeiten geschieht, dadurch zu beantworten, dass es postuliert, JEDE Wahrscheinlichkeit wird durch die Messung real. Jede Messung bewirkt also eine Aufspaltung der Welt in immer neue „Welten“, die sich durch Winzigkeiten unterscheiden. Löst man nun die Wechselwirkung der Teilchen untereinander von den Beobachtern und von Messungen und nimmt die Dekohärenz als Wirkmechanismus, so ist diese Verzweigung ein ständig vonstatten gehender Prozess. Bezieht man dann noch die Quantenfluktuationen mit ein, so ist es kein weiter Weg mehr, die „Viele-Welten“ als neue, ständig entstehende Universen zu interpretieren.
Ein letztes noch: Nach der Theorie entstehen durch die Quantenfluktuationen immer Teilchen- Antiteilchen-Paare. Sollte das für Universen nicht auch gelten, hat nicht wenigstens unser Universum einen „Anti-Partner“?
So, das war´s! Bemerkung: Ich habe hier nicht meine Ansicht über Viele-Welten, Pfadintegrale oder Universen wiedergegeben, ich wollte nur darlegen, wie sich das eine oder andere darstellt.
Herr Oberlehrer
Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
Der Mensch lebt einmal. Dann nicht mehr.
(Donald Duck)