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Wie definiert sich Information als 3. Grundgröße der Natur?

Thema erstellt von Grtgrt 
Beiträge: 1.566, Mitglied seit 7 Jahren
 

Über sieben verschiedene Informationsbegriffe

Zwischenergebnisse auf dem Weg hin zu einer Antwort auf die Frage: Was ist Information im Sinne der Natur?



Information wird heute — neben Materie und Energie — vielfach als eine dritte Grundgröße angesehen (Brockhaus, S. 657). Information, als Begriff, scheint nicht auf andere Größen zurückführbar zu sein. Dennoch ist der Informationsbegriff fundamentaler Baustein aller Kommunikationsprozesse.


1. Der semantische (zwischen-menschliche) Informationsbegriff

Hier versteht man unter Information korrektes Wissen, welches man sucht, findet oder mitgeteilt bekommt.
Zwischen dem semantischen und dem nachrichtentechnischen Informationsgehalt einer Nachricht besteht KEINE wie auch immer geartete Beziehung:


2. Der nachrichtentechnische Informationsbegriff

Der Informationsgehalt einer Nachricht ist die Zahl binärer Entscheidungen, die man benötigt, eben diese Nachricht von einer ebenso komplexen anderen zu unterscheiden.

Da jede Nachricht eine Folge von Zeichen ist, kann auch jedes Zeichen als so eine Nachricht aufgefasst werden. Da nicht alle Zeichen mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftreten, liegt es nahe, ihren Informationsgehalt mit der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens zu gewichten. Werden diese Produkte aufsummiert, so erhält man eine Zahl, die man nach Shannon als mittleren Informationsgehalt, Informationsdichte oder auch als Entropie der Nachricht bezeichnet.


3. Der sprachwissenschaftliche Informationsbegriff

Er verfeinert den semantischen Informationsbegriff dahingehend, dass neben Syntax und Semantik einer Nachricht auch noch deren Pragmatik Gegenstand der Betrachtung sein kann: Es kann vorkommen, dass unterschiedliche Empfänger ein und derselben Nachricht ihr unterschiedliche Information entnehmen (Pragmatik = empfängerspezifische Sicht auf semantische Inhalte).


4. Der kybernetische Informationsbegriff

Zunehmende Ordnung bedeutet zunehmende Information: Information ist das, was den Unterschied ausmacht.
Wo kybernetischer Informationsgehalt zunimmt, reduzieren sich Entropie und nachrichtentechnischer Informationsgehalt (und umgekehrt).
Die Kybernetik (das Wort bedeutet eigentlich „Steuermannskunst“) abstrahiert reale Systeme hinsichtlich gewisser Eigenschaften und Verhaltensweisen zu Modellen — die man dann kybernetische Systeme nennt — und untersucht deren Struktur und Verhalten.

Informationgehalt im kybernetischen Sinne (Synonym: Ordnung) informiert und ist daher das Gegenteil von Unordnung, die nur nachrichtentechnisch vorhandene, NICHT informierende Information darstellt).


5. Der naturwissenschaftliche Informationsbegriff

Er wurde wesentlich geprägt durch Carl-Friedrich von Weizsäcker (Physiker und Philosoph) und kennzeichnet sich so:

Ein Telegramm enthält Information. Ist die nun als etwas Materielles oder Bewußtseinsinhalt? Antwort: weder noch:
  • Die Druckerschwärze auf einem per Fax versandten Papier ist verschieden von der Druckerschwärze des beim Empfänger ankommenden Exemplars: "Information ist gerade das, was beiden Zetteln gemeinsam ist" (Weizsäcker 1974).
  • Ähnliches gilt für den (pragmatischen) Inhalt jeder Nachricht: Das, was der Absender gedacht hat, kann verschieden sein von dem, was der Empfänger denkt. Dennoch ist beiden etwas gemeinsam. Eben das ist Information.
Und daraus folgert Weizsäcker:

"Man beginnt sich daher heute daran zu gewöhnen, daß Information als eine dritte, von Materie und Bewußtsein verschiedene Sache aufgefaßt werden muß. Was man damit entdeckt hat, ist an neuem Ort eine alte Wahrheit. Es ist das platonische Eidos, die aristotelische Form, so eingekleidet, daß auch ein Mensch des 20. Jahrhunderts etwas von ihnen ahnen lernt." (Weizsäcker 1974)


6. Der biologische Informationsbegriff

Weizsäcker findet den Gebrauch des Informationsbegriffs in Zusammenhang z.B. mit dem Chromosomensatz "völlig legitim" (Weizsäcker 1974), obwohl hier niemand spricht oder einem anderen Menschen etwas mitteilt. Spannende Frage also:

Wie lässt sich Information jenseits der menschlichen Sprache verstehen?


Und wie lässt sich verstehen, dass die Natur ganz offensichtlich Information erzeugt, wo doch gilt:

» Information ist nicht etwas, was auf der Straße herumliegt so wie Kieselsteine, sondern
Information wird erzeugt; und sie wird erzeugt nur von denjenigen, welche imstande sind, in Begriffen zu denken. «
(Weizsäcker 1973)



7. Der physikalische Informationsbegriff

Wäre so einer schon erarbeitet, müsste er wohl mindestens den biologischen und den kybernetischen verallgemeinern (und gemeinsame Wurzel beider sein).
Nicht vergessen sollte man: Auch auf der Ebene physikalischer Systeme treten Phänomene der selbstorganisierten Strukturbildung auf, die weit mehr auf Freiheitsgrade zurückzuführen sind als auf ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis.

Somit scheint Information die Grundlage aller Selbstorganisation zu sein.



Siehe auch: Capurro, wo u.A. berichtet wird, wie Weizsäcker den Begriff "Evolution" einordnet:

Die moderne Naturwissenschaft basiert nicht nur auf dem Begriff der Erfahrung, sondern auch auf dem der Evolution.


Was bedeutet Evolution?


Antwort: Evolution ist "Vermehrung der Menge an Form", oder anders formuliert: ein "Anwachsen der Information" (Weizsäcker 1973).

Und: "Information ist nur, was Information erzeugt." (Weizsäcker 1974).



Auch der großen Frage, wie Bewusstsein entsteht, ist Weizsäcker (allerdings ohne Ergebnis) nachgegangen:


» Das Bewußtsein taucht in der Evolution aus dem Meer des Unbewußtseins auf.
Ist also doch Form das Zugrundeliegende und Bewußtsein eine ihrer Ausprägungen? «

» Aber wie kann Form Bewußtsein erzeugen? Ist sie selbst geistig? Was könnte man damit meinen? «

(Weizsäcker 1992)



Gebhard Greiter (grtgrt)
 

Nachtrag (am 15.2.2013):

In seinem Buch "Die Evolution des Geistigen" weist Thomas Görnitz darauf hin, dass jedes physikalische Objekt — als Träger von Information —

  • zugängliche und auch
  • nicht zugängliche Information (Entropie)

trägt bzw. tragen kann. Wichtiger Teil seiner zugänglichen Information ist die Information darüber, an welcher Stelle im Universum es sich befindet.

Allgemeiner: Genau der Teil seines Zustandes, den die Natur uns (im Prinzip wenigstens) zugänglich macht, ist Träger seiner zugänglichen Information.


Wie Görnitz auf den Seiten 156-158 seines Buches zeigt, kann berechnet werden, wie groß die Entropie eines Objekts ist:

Zitat von Görnitz:
 
Wenn man sich ein Schwarzes Loch mit dem Materiegehalt unseres Universums denkt, so hätten beide gleiche Dichte und Ausdehnung. Ließe man nun noch ein Teilchen in das Schwarze Loch fallen, so würde des Teilchens zuvor zugängliche Information unzugänglich und damit zu berechenbarer Entropie.

Mit diesem Gedankenexperiment konnte ich zeigen, dass dann beispielsweise einem Planck-Black-Hole, dessen Entropie in unserem Kosmos 1 Bit ist, insgesamt etwa 1062 QuBits entsprechen (deren Menge zuvor als Menge unverborgener Information mit der Entropieformel nicht berechenbar war).

Für ein Proton [als Informationsträger] ergibt sich so, aus den heutigen astronomischen Beobachtungsdaten, ein Wert von 1041 QuBits.

Das liegt sehr nahe am früher von C.F. v. Weizsäcker vorgeschlagenen Wert von 1042 QuBits.
 


Interessant ist auch, was er auf Seite 172 sagt:

Zitat von Görnitz:
 
Entropie ist Information, die unbekannt ist, entweder weil eine Kenntnisnahme zu aufwändig oder zu uninteressant wäre (wie beispielsweise das Schicksal eines einzigen Atoms in einem Gas).

Entropie ist — salopp gesagt — Informationsmüll, wie Akten nach dem Schreddern: alle Buchstaben sind noch da, aber man kann nichts damit anfangen. Man muss sie aber los werden, um Platz für Neues zu schaffen.

Problematisch an dieser seiner Aussage aber ist, dass sie nicht unterscheidet zwischen
  • Information, die man  i g n o r i e r t , und
  • Information, die uns prinzipiell  u n z u g ä n g l i c h  ist (wie etwa die in einem Schwarzen Loch oder die in Daten, zu denen die Natur uns noch keinen Decodierungsschlüssel zur Verfügung gestellt hat).

 
Beitrag zuletzt bearbeitet von Grtgrt am 02.08.2013 um 19:34 Uhr.
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Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1948-1:
Information wird heute — neben Materie und Energie — vielfach als eine dritte Grundgröße angesehen (Brockhaus, S. 657). Information, als Begriff, scheint nicht auf andere Größen zurückführbar zu sein. Dennoch ist der Informationsbegriff fundamentaler Baustein aller Kommunikationsprozesse.

"Information ist nur, was Information erzeugt." (Weizsäcker 1974).

Auch der großen Frage, wie Bewusstsein entsteht, ist Weizsäcker (allerdings ohne Ergebnis) nachgegangen:

» Das Bewußtsein taucht in der Evolution aus dem Meer des Unbewußtseins auf.
Ist also doch Form das Zugrundeliegende und Bewußtsein eine ihrer Ausprägungen? «

» Aber wie kann Form Bewußtsein erzeugen? Ist sie selbst geistig? Was könnte man damit meinen? «

(Weizsäcker 1992)

Download PDF-Datei zum Thema "Information"

Infos bei welt.de

Information bei Rafael Capurro

Information, wie auch Materie und Energie, ist auf eine andere Größe zurückführbar, welche ein Absoluta ist und einen Anfang weder hat noch haben kann.

Dieses Absoluta ist das Fundament für alles, was existiert, also für Geist, Bewusstsein, Materie, Energie, Information.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Gregor Lämmer am 07.11.2012 um 08:08 Uhr.
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Gregor Lämmer schrieb in Beitrag Nr. 1948-2:
Information, wie auch Materie und Energie, ist auf eine andere Größe zurückführbar, ...

Schön, aber auf welche denn nun genau?

 
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Gregor Lämmer schrieb in Beitrag Nr. 1948-2:
Information, wie auch Materie und Energie, ist auf eine andere Größe zurückführbar, welche ein Absoluta ist und einen Anfang weder hat noch haben kann.

Dieses Absoluta ist das Fundament für alles, was existiert, also für Geist, Bewusstsein, Materie, Energie, Information.

Hi, Gregor!

Das ist doch - wenn du deine Aussage so stehen lassen möchtest - völlig inhaltsleer! Mal davon abgesehen, dass es "Absoluta" als Substantiv nicht gibt, und es - wenn es es gäbe - feminin oder ein Plural wäre.

Das Einzelene aus dem Allgemeinen abzuleiten hat nun einen denkbar geringen Informationswert. Denn wenn mit Allem alles gesagt ist, was wäre im Einzelnen neu? Das ist ein Problem des deduktiven Schließens.
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Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
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Gott schenkte uns den großen Datenspeicher Universum.
Darauf sind alle Naturgesetze gespeichert in Form von Existierendem, Strukturen und Bewegungen.
Es ist an uns zu lesen, was geschrieben steht.
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Beitrag zuletzt bearbeitet von Wrentzsch am 07.11.2012 um 19:04 Uhr.
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Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1948-3:
Schön, aber auf welche denn nun genau?

Hierbei darf jeder seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich wollte nur zum Nachdenken anregen.

. . . welche ein Absoluta ist und einen Anfang weder hat noch haben kann.
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Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-4:
Das ist doch - wenn du deine Aussage so stehen lassen möchtest - völlig inhaltsleer!

Nein. Das ist eine philosophische Erkenntnis.

Hierbei darf jeder seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich wollte nur zum Nachdenken anregen.

. . . welche ein Absoluta ist und einen Anfang weder hat noch haben kann.
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Wrentzsch schrieb in Beitrag Nr. 1948-5:
Es ist an uns zu lesen, was geschrieben steht.

Das ist weise gesprochen.

Hierbei darf jeder seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich wollte nur zum Nachdenken anregen.
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Information

Nun gut, Information. Ein schwieriges Gebiet. Ich denke, es macht es nicht einfacher, dass wir uns bereits auf einer bestimmten Ebene der Information befinden, wenn wir hier über „Information“ diskutieren, nämlich auf der Ebene, in denen wir Begriffen eine Bedeutung beimessen, denn gewöhnlich sehen wir doch in Information etwas, was uns Bedeutung vermittelt. Etwas, was Bedeutung hat, kann auch einen Wert haben („Wert“ nicht im Sinne von „wertvoll“, sondern eher von „messbar“). Information ist also eigentlich eine Unterscheidungsmöglichkeit. Nur, wenn Information vermittelt, dass ein „Dieses“ anders ist, als ein „Jenes“, ist sie eine „nützliche“ Information. Wobei „nützlich“ eigentlich schon zu einer anderen Ebene gehört, nämlich zur Ebene der Interpretation von Information.

Wie ist nun die grundlegende Ebene, die kosmische Ebene zu sehen? Wenn ich das richtig sehe, beginnt mit Thermodynamik die Betrachtung von Information auf diese Weise, als die Beschreibung eines Systems in bestimmten Zuständen. Da sich die Thermodynamik mit Systemen beschäftigt, die aus ungeheuren Anzahlen von Teilen bestehen – z. B. die Moleküle in einem bestimmen Volumen von Gas – ist die Information, die daraus gewonnen wird, statistischer Natur.

Das Beispiel ist bekannt: In einem Behälter befindet sich Gas, dass durch eine Abtrennung auf einer Seite des Behälters gehalten wird. Das System „Gas“ befindet sich - auf den gesamten Behälter bezogen - in einen ausgezeichneten Zustand. JEDE Änderung des Zustandes – in dem nämlich die Trennwand entfernt wird – ist vom ursprünglichen Zustand unterscheidbar. Hat der ursprüngliche Zustand die Wahrscheinlichkeit „eins“, dass sich alle Moleküle in einer Hälfte des Behälters befinden, so geht die Wahrscheinlichkeit gegen „null“, je länger die Trennwand entfernt ist (sie wird aber nie „null“ werden).

Wenn das Gas sich im gesamten Behälter verteilt hat, wird sich jede Änderung des Zustandes makroskopisch nicht mehr ermitteln lassen, da wir nicht in der Lage sind, die Wege der einzelnen Moleküle zu verfolgen. Die Information über den tatsächlichen Zustand ist eine rein statistische Information, und das Ganze nennen wir Entropie, das heißt, die Entropie gibt uns eine Information über die Wahrscheinlichkeit eines Zustandes, und diese Wahrscheinlichkeit wird über Vektoren in einem so genannten Phasenraum dargestellt (drei räumliche und eine zeitliche Angabe oder „Freiheitsgrade“, das multipliziert mit der Anzahl der beteiligten Teilchen, das ist anständig groß!).

Und diese Art der Berechnung auf den gesamten Kosmos erweitert ergibt den wahrscheinlichen Zustand (die Information) über eben den Kosmos, beginnend mit dem Urknall, der demzufolge in einem Zustand sehr niedriger Entropie begonnnen haben muss (und mit dieser Annahme gehen einige Probleme einher, das ist aber ein anderes Thema).

Nach meiner Ansicht ist aber der Zustand eines Systems vollkommen unabhängig davon, ob ein Beobachter das System wahrnimmt oder nicht, aber erst durch die Beobachtung des Zustandes formt sich Information, ganz im Sinne von „in-form-ieren“, nicht überraschend halte ich also Information nicht für eine Grundgröße der Natur.
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Beitrag zuletzt bearbeitet von Henry am 08.11.2012 um 14:39 Uhr.
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Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-9:
... erst durch die Beobachtung des Zustandes formt sich Information, ganz im Sinne von "in-form-ieren".

Kann man wirklich sagen, dass Information erst durch Betrachtung eines Zustandes entsteht?


Mir scheint, Zustand ist Darstellung von Information, und ihn zu betrachten, ist ein Weg, ihm einen Teil dieser Information zu entlocken, sie also nach anderswo hin zu übertragen, wodurch dann dort neuer Zustand — als Kodierung dieser und anderer Information — entsteht.

Auf diese Weise wäre auch nachvollziehbar, dass Weizsäcker sagt:

Information ist nur, was Information erzeugt.


Mir also scheint vernünftig zu sagen:

Zustand ist kodierte Information.


Man könnte dann weiterfragen:

Sind Energie und Masse nicht einfach nur Information in verschiedener Kodierung?


Wenn ja, wäre Information die EINZIGE Grundgröße der Natur (!).


 
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µchip schrieb in Beitrag Nr. 495-1:
 
Wenn ich einen durch eine Trennwand unterteilten Behälter auf der einen Seite mit Stickstoff und auf der anderen mit Sauerstoff fülle, ist doch die Tatsache, dass die Gase getrennt vorliegen, auch eine Information. Warum "darf" sie einfach verschwinden, wenn ich die Trennwand rausnehme und die Entropie walten lasse?

Antwort:

Information ist Spiegelbild des Zustandes. Wird die Trennwand herausgenommen, mischen sich die Gase, es kommt dann also zu einem neuen Zustand (und auch dazu, dass die alte Information ungültig wird, sich also durch neue zu ersetzen hat).

 
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Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1948-10:
 
Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-9:
... erst durch die Beobachtung des Zustandes formt sich Information, ganz im Sinne von "in-form-ieren".

Kann man wirklich sagen, dass Information erst durch Betrachtung eines Zustandes entsteht?


Mir scheint, Zustand ist Darstellung von Information, und ihn zu betrachten, ist ein Weg, ihm einen Teil dieser Information zu entlocken, sie also nach anderswo hin zu übertragen, wodurch dann dort neuer Zustand — als Kodierung dieser und anderer Information — entsteht.

Auf diese Weise wäre auch nachvollziehbar, dass Weizsäcker sagt:

Information ist nur, was Information erzeugt.


Mir also scheint vernünftig zu sagen:

Zustand ist kodierte Information.


Man könnte dann weiterfragen:

Sind Energie und Masse nicht einfach nur Information in verschiedener Kodierung?


Wenn ja, wäre Information die EINZIGE Grundgröße der Natur (!).


 

Man könnte alles Mögliche sagen:)! z. B., dass zu einer Codierung jemand gehört, der entcodiert. Ich bin der Überzeugung, dass Information erst durch einen Betrachter zu Information wird.
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Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-12:
...zu einer Codierung jemand gehört, der entcodiert...

Gerade diese Aspekt spricht dafür, dass eine Information mindestens in einem Doppelpack: Information und der sie deutet auftritt. Wenn man überlegt, dass eine Information muss von jemanden erzeugt werden, dann wird das Bild noch komplexer: es muss ein Verbund der Dreier sein.


Zitat:
Ich bin der Überzeugung, dass Information erst durch einen Betrachter zu Information wird.
Die Bedingtheit der Information von dem Betrachter gilt auch in Gegenrichtung. Der Betrachter wird von Information erzeugt. Wäre keine Information, würde kein Betrachter entstehen. Im Grunde sind es komplementären Großen. Ähnelt der Frage nach Henne-Ein-Primäre...
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Wer nicht manchmal das Unmögliche wagt, wird das Mögliche nie erreichen
Beitrag zuletzt bearbeitet von Irena am 09.11.2012 um 09:48 Uhr.
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Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1948-10:
 
Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-9:
... erst durch die Beobachtung des Zustandes formt sich Information, ganz im Sinne von "in-form-ieren".

Kann man wirklich sagen, dass Information erst durch Betrachtung eines Zustandes entsteht?


Mir scheint, Zustand ist Darstellung von Information, und ihn zu betrachten, ist ein Weg, ihm einen Teil dieser Information zu entlocken, sie also nach anderswo hin zu übertragen, wodurch dann dort neuer Zustand — als Kodierung dieser und anderer Information — entsteht.

Auf diese Weise wäre auch nachvollziehbar, dass Weizsäcker sagt:

Information ist nur, was Information erzeugt.


Mir also scheint vernünftig zu sagen:

Zustand ist kodierte Information.


Man könnte dann weiterfragen:

Sind Energie und Masse nicht einfach nur Information in verschiedener Kodierung?


Wenn ja, wäre Information die EINZIGE Grundgröße der Natur (!).


 

Vielleicht sollten wir die eher philosophische Frage erst mal hintan stellen,ob erst der Beobachter die Information schafft.

Aber überleg mal etwas anderes: Was heißt es denn, dass in dem Beispiel mit dem Gaskasten sich das Gas nahezu gleichmäßig verteilt, also Entropie wirkt? Es geht doch effektiv Information verloren! Falls das Universum wirklich so tickt, dass sich letztlich alles in (Wärme-) Energie umwandelt, kann die Vermutung, das in der Energie Information gespeichert ist, nicht zielführend sein.
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Beitrag zuletzt bearbeitet von Henry am 09.11.2012 um 09:53 Uhr.
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Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-14:
 
Was heißt es denn, dass in dem Beispiel mit dem Gaskasten sich das Gas nahezu gleichmäßig verteilt, also Entropie wirkt? Es geht doch effektiv Information verloren! Falls das Universum wirklich so tickt, dass sich letztlich alles in (Wärme-) Energie umwandelt, kann die Vermutung, das in der Energie Information gespeichert ist, nicht zielführend sein.

Man muss das differenzierter sehen, denn mehr und mehr gleichmäßige Verteilung des Gases führt
  • zwar zu einer ABNAHME von Information im kybernetischen Sinne,
  • aber zu einer ZUNAHME von Information im nachrichten-technischen Sinn.

Abstrahiert man also von der Form, in der Information im System steckt, könnte man sagen: Am Informationsgehalt insgesamt ändert sich gar nichts (weswegen ich denn auch an den Erhaltungssatz für Information als Parallele zum Energie-Erhaltungssatz sehe).

grtgrt
 
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Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-12:
 
Man könnte alles Mögliche sagen: z. B. dass zu einer Codierung jemand gehört, der entcodiert. Ich bin der Überzeugung, dass Information erst durch einen Betrachter zu Information wird.

Hi Henry,

warum willst du die Sache komplizierter machen, als sie ist: Tatsache ist doch
  • es gibt durch Codierung festgehaltene Information
  • ebenso wie durch Decodierung extrahierte Information.

Weizsäcker sagt: Information im naturwissenschaftlichen Sinne ist der Durchschnitt beider (siehe Punkt 5 in Beitrag 1948-1).

Vielleicht wäre übermittelte Information ein treffenderes Wort für diesen Durchschnitt.

Gruß, grtgrt
 
Beitrag zuletzt bearbeitet von Grtgrt am 09.11.2012 um 12:05 Uhr.
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Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1948-16:
 
Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-12:
 
Man könnte alles Mögliche sagen: z. B. dass zu einer Codierung jemand gehört, der entcodiert. Ich bin der Überzeugung, dass Information erst durch einen Betrachter zu Information wird.

Hi Henry,

warum willst du die Sache komplizierter machen, als sie ist: Tatsache ist doch
  • es gibt durch Codierung festgehaltene Information
  • ebenso wie durch Decodierung extrahierte Information.

Weizsäcker sagt: Information im naturwissenschaftlichen Sinne ist der Durchschnitt beider (siehe Punkt 5 in Beitrag 1948-1).

Vielleicht wäre übermittelte Information ein treffenderes Wort für diesen Durchschnitt.

Gruß, grtgrt
 

Ich will überhaupt nichts komplizieren, ich will nur physikalische Bedingungen vom Beobachter losgelöst betrachtet wissen, soweit es geht objektiv. (Mir ist bewusst, dass wir als Beobachter Teil des Kosmos sind, deshalb so weit es möglich ist.)
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Über Zerfall und Evolution


Sei S ein in sich abgeschlossenes, sich selbst überlassenes System, welches von einem Zustand z1 in einen Zustand z2 gerät.

Nehmen wir an, dieser Zustandsübergang sei atomar, seine Ursache also ein Elementarereignis (d.h. das spontane Entstehen eines Paares virtueller Elementarteilchen bzw. Kollision und Neuaufteilung von Elementarteilchen).

Nach Beitrag 1948-15 ist jeder Zustand z von S eine Mischung aus

  • Ordnung einerseits (Synonym: z.O = Form = kybernetischer Informationsgehalt) und
  • Unordnung andererseits (Synonym: z.U = Entropie = nachrichtentechnische Informationsdichte).

Den Fall z1.O = 0 mal ausgenommen, gibt es stets sehr viel mehr Zustände des Systems, die ungeordneter sind als Zustand z1. Da zudem jedes Elementarereignis absolut zufälliges Ergebnis hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weniger geordneten Zustand z2 führt größer als die, dass z2 geordneter als z1 ist.

Mit anderen Worten:

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zustandsübergang Zerfall bewirkt, ist größer als die, dass er evolutionär wirkt (d.h. zu mehr Form bzw Ordnung führt).


Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Evolution zur Folge hat eben NICHT Null.


 
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Grtgrt schrieb in Beitrag Nr. 1948-18:
 

Über Zerfall und Evolution


Sei S ein in sich abgeschlossenes, sich selbst überlassenes System, welches von einem Zustand z1 in einen Zustand z2 gerät.

Nehmen wir an, dieser Zustandsübergang sei atomar, seine Ursache also ein Elementarereignis (d.h. das spontane Entstehen eines Paares virtueller Elementarteilchen bzw. Kollision und Neuaufteilung von Elementarteilchen).

Nach Beitrag 1948-15 ist jeder Zustand z von S eine Mischung aus

  • Ordnung einerseits (Synonym: z.O = Form = kybernetischer Informationsgehalt) und
  • Unordnung andererseits (Synonym: z.U = Entropie = nachrichtentechnische Informationsdichte).

Den Fall z1.O = 0 mal ausgenommen, gibt es stets sehr viel mehr Zustände des Systems, die ungeordneter sind als Zustand z1. Da zudem jedes Elementarereignis absolut zufälliges Ergebnis hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weniger geordneten Zustand z2 führt größer als die, dass z2 geordneter als z1 ist.

Mit anderen Worten:

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zustandsübergang Zerfall bewirkt, ist größer als die, dass er evolutionär wirkt (d.h. zu mehr Form bzw Ordnung führt).


Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Evolution zur Folge hat eben NICHT Null.


 

Du musst etwas ganz Entscheidendes berücksichtigen, denn die Beschreibung rein thermodynamisch ist nur die halbe Miete: Die Gravitation! Sie wirkt dem "allgemeinen Zerfall" entgegen.;-)
Signatur:
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Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
Der Mensch lebt einmal. Dann nicht mehr.

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Henry schrieb in Beitrag Nr. 1948-12:
 
Ich bin der Überzeugung, dass Information erst durch einen Betrachter zu Information wird.

Hallo Henry,

wenn jemand aus einem Systemzustand "Information" X entnimmt, die durch nichts und niemand dort reingelegt wurde, dann ist X reine Phantasie, Desinformation also.

Genau deswegen scheint mir dein Modell in die Irre führend (also NICHT sinnvoll).

Beste Grüße,
grtgrt
 
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