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Was ist Bewußtsein ?

Thema erstellt von Zara.t. 
Beiträge: 2.061, Mitglied seit 13 Jahren
Mich würde interessieren, ob sich das "Blockuniversum" eurer Meinung nach mit der "Entscheidungsfreiheit" des Menschen vereinbaren lässt. Obwohl das zunächst widersinnig scheint, meine ich ja:

Selbst, wenn das Universum vollständig als "Block" determiniert ist, so könnten wir dennoch an seiner Gestaltung beteiligt sein.

Die "Freiheit" eines handelnden Individuums besteht m.E. nicht deshalb, weil die Zukunft noch "offen" ist, sondern vielmehr deshalb, weil das Individuum die Zukunft als noch offen empfindet und darüber hinaus - was viel wichtiger ist - an deren Gestalt(ung) beteiligt ist.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Claus,
wenn wir an der Gestaltung des Blockuniversums beteiligt wären, dann nicht als Teil dieses Blockuniversums, wenn wir an der Gestaltung des Blockuniversums beteiligt wären, dann müßten wir zusätzlich eine Außer-Blockuniversums- Existenz führen. (als Seele, Geist, immaterielles Wesen....)
Als materielles System in diesem Blockuniversum haben wir keine Freiheit. Und ich wage zu behaupten:
Bewußtsein kann von einem materiellen System als Element eines Blockuniversums nicht erzeugt werden.
Dies ist die Kernbehauptung dieses Threads.


zara.t.

Beitrag zuletzt bearbeitet von Zara.t. am 29.04.2008 um 10:04 Uhr.
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Beiträge: 3.182, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo zara.t.,

wenn ich das richtig verstanden habe, ist dieses Blockuniversum ein statisches 4D-Gebilde. Wir hatten über so ein Universum schon mal an anderer Stelle spekuliert.

Ein paar Fragen habe ich:

Wenn dieses Blockuniversum statisch ist, dann kann von einem inneren Bestandteil kein Bewusstsein erzeugt werden. Habe ich deine Behauptung so richtig verstanden?
Dies würde ja so von der reinen Logik Sinn machen, da in einem statischen System keine Veränderung stattfindet und auch nicht stattfinden kann.
Trotzdem verfügen wir ja über ein Bewusstsein!
Kann es nicht sein, dass dieses von einer niederen Ebene aus möglich ist? Also von der Ebene des dynamischen 3D-Universums, welches in einem statischen 4D-Universum eingebettet ist? Dann wäre doch immerhin eine begrenzte Willensfreiheit möglich.

Oder führt mein Beitrag völlig an eurer Diskussion vorbei (hab nur die letzten drei oder vier Beiträge gelesen)?
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Ein Universum, welches zufällig entsteht und zufällig ein Phänomen namens Humor hervorbringt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Nehmen wir mal , gewisse Systeme innerhalb des Blockuniversums könnten Bewußtsein erzeugen. Dann müßte dieses Bewußtsein Epiphänomen sein. Soll heißen, es könnte seinerseits nicht auf das Blockuniversum einwirken. Dies würde nämlich den Energieerhaltungssatz verletzen. (und noch einige Erhaltungssätze mehr)
Ich behaupte aber im Gegenzug, Bewußtsein kann auf physikalische Systeme "wirken". Allerdings nicht qua physikalischer Wechselwirkung, nicht durch Energietransfer, nicht kausal. Darüber wird zu sprechen sein.

Es gibt auch keine Theorie, die beschreiben könnte, wie Systeme eines Blockuniversums Bewußtsein erzeugen sollen. Deshalb meine zweite Behauptung:

Bewußtsein ist kein Produkt des Einsteinschen Blockuniversums.

Wir müssen uns der Quantentheorie zuwenden. Dann aber werden wir, wenn wir am Ball bleiben, sehen, daß auch die heutige Form der Quantentheorie nicht ausreicht unser Problem zu lösen. Aber ich vermute sie kann uns einen gangbaren Weg weisen. Es gibt bereits verallgemeinerte Fassungen der Quantentheorie, die nicht nur auf physikalische Systeme anwendbar sind. Diese "Weak Quantum Theories" www.anomalistik.de/Walach_WQT.pdf könnten uns weiterhelfen.
Soviel muß ich jetzt schon verraten: Ich glaube, daß nicht Neurowissenschaftler das Problem Bewußtsein lösen werden, sondern Quantentheoretiker.

Dritte Behauptung: Bewußtsein ist ein Quantenphänomen.


zara.t.
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Beiträge: 2.061, Mitglied seit 13 Jahren
Interessant, zara.t. Ich werde dieses Thema aufmerksam verfolgen, obwohl ich aus zeitlichen Gründen nicht versprechen kann immer auch "diskussionsmäßig" am Ball zu bleiben :-)

Aber ich würde zunächst gern noch etwas Stueps´s Einwand untersuchen:
Zitat:
Dies würde ja so von der reinen Logik Sinn machen, da in einem statischen System keine Veränderung stattfindet und auch nicht stattfinden kann.
Trotzdem verfügen wir ja über ein Bewusstsein!
Kann es nicht sein, dass dieses von einer niederen Ebene aus möglich ist? Also von der Ebene des dynamischen 3D-Universums, welches in einem statischen 4D-Universum eingebettet ist? Dann wäre doch immerhin eine begrenzte Willensfreiheit möglich.
Das sehe ich auch so. Es könnte doch sein, dass Bewusstsein durch eine begrenzte Menge "dreidimensionaler Schnitte" (wie soll ich es ausdrücken?) innerhalb des 4-D Blocks gebildet wird.

Die für das Bewusstsein nötige "Veränderung" wäre dann eben einfach "schon da" - (was natürlich aus 4-D Sicht bedeuten würde, dass es in Wahrheit gar keine Veränderung gibt). Aber das ist ja nicht schlimm. Denn entscheidend ist, dass es aus der 3-D-Sicht solche Veränderung gibt. Und das Bewusstsein (zumindest dasjenige, was uns bekannt ist) existiert ja auf der 3-D Ebene.

Sicherlich ist das Blockuniversum vollständig determiniert. Ich müsste sogar einsehen, dass Entscheidungsfreiheit auf der 3-D-Ebene in Wahrheit Illusion ist. Aber das stört mich nicht, weil ich meine, dass es nicht auf Entscheidungsfreiheit ankommt, sondern darauf, dass das Individuum (mit seinem Bewusstsein) irgendwie an der Gestalt des 4-D-Blocks beteiligt ist.

Der Einfluss des Willens (oder des Bewusstseins?) auf die Gestalt eines Körpers ist entscheidend. Und dieser Einfluss bildet die für uns so wertvolle "Entscheidungsfreiheit", an der wir (m.E. berechtigterweise) festhalten wollen.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Veränderung und damit Zeit, die wir wahrnehmen könnten, ergibt sich in einem Blockuniversum nur, wenn sich etwas "Fremdes" nicht zum Blockuniversum gehöriges durch dasselbe bewegt.
Wir können einen Lichtkegel außerweltlichen Lichtes betrachten, der entlang der Weltlinie eines komplexen Systems läuft und diesen Lichtkegel außerweltlichen Lichtes mit Bewußtsein identifizieren.
Vergleichbar wäre ein Film, der durch einen Projektor läuft und dadurch erst "zum Leben" erweckt wird.
Aber was ist damit gewonnen? Im Prinzip gar nichts. Wir mußten eine zusätzliche Zeit einführen und eine außerweltliche Entität (Seele, Bewußtsein) Aber gerade dieses Bewußtsein und die Zeit des Bewußtseins will ich theorieimmanent und innerweltlich beschreiben.

zara.t.

Beitrag zuletzt bearbeitet von Zara.t. am 30.04.2008 um 10:49 Uhr.
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Beiträge: 3.182, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Claus,


Zitat:
Der Einfluss des Willens (oder des Bewusstseins?) auf die Gestalt eines Körpers ist entscheidend. Und dieser Einfluss bildet die für uns so wertvolle "Entscheidungsfreiheit", an der wir (m.E. berechtigterweise) festhalten wollen.

Dies halte ich für einen sehr guten Ansatz.
Ach in einem determinierten Blockuniversum muss die Zukunft m. E. noch nicht passiert sein. Sie ist zwar festgelegt und ergibt sich aus den dynamischen Vorgängen im 3D-Universum, aber Zukunft ist immer noch Zukunft.

Zara.t.,

quantenmechanische Vorgänge sind nicht determiniert. Gilt das auch für das Blockuniversum?
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"Auch in einem determinierten Blockuniversum muss die Zukunft m. E. noch nicht passiert sein. Sie ist zwar festgelegt und ergibt sich aus den dynamischen Vorgängen im 3D-Universum, aber Zukunft ist immer noch Zukunft."

Eben nicht. Für jedes von dir aus betrachtet zukünftige Ereignis kannst du einen von dir aus betrachtet gleichzeitigen Beobachter finden für den dein zukünftiges Ereignis bereits Vergangenheit ist. Einzige Einschränkung: Dein zukünftiges Ereignis darf nicht im Zukunfts-Lichtkegel dieses Beobachters liegen. Deshalb spricht man ja von einem Blockuniversum. Alles bedingt sich gegenseitig und muß deshalb immer als Ganzes gegeben sein.

Wenn wir nun die Quantentheorie hinzuziehen sieht die Sache ein wenig anders aus.

zara.t.
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Beiträge: 2.061, Mitglied seit 13 Jahren
Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 117-611:
"Auch in einem determinierten Blockuniversum muss die Zukunft m. E. noch nicht passiert sein. Sie ist zwar festgelegt und ergibt sich aus den dynamischen Vorgängen im 3D-Universum, aber Zukunft ist immer noch Zukunft."

Eben nicht. Für jedes von dir aus betrachtet zukünftige Ereignis kannst du einen von dir aus betrachtet gleichzeitigen Beobachter finden für den dein zukünftiges Ereignis bereits Vergangenheit ist.
Ok, ok, man muss vielleicht besser sagen: Zukunft ist für jeden Einzelnen selbst immer noch Zukunft, denn der von dir herangezogene andere Beobachter, für den diese Zukunft bereits Vergangenheit ist, kann mit Ersterem nicht "rechtzeitig" in Verbindung treten, um ihn beispielsweise vor dessen Zukunft zu warnen .

Es ist m.E. ganz schön schlau eingerichtet, dass wir uns mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit bewegen. Wir sind insoweit frei, unsere Zukunft im Rahmen der Kausalität zu gestalten. Auch im bzw. trotz des Blockuniversum(s).
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Es ist m.E. ganz schön schlau eingerichtet, dass wir uns mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit bewegen. Wir sind insoweit frei, unsere Zukunft im Rahmen der Kausalität zu gestalten. Auch im bzw. trotz des Blockuniversum(s).


Insoweit? Wie weit?
Im Blockuniversum ist alles bereits geschehen. Es ist fertig. Es bildet einen monolithischen Block. Allerdings ist es in seiner monolithischen Ganzheit kontingent - soll heißen, es hätte auch ein ganz anderer Block verwirklicht werden können. Außerweltlich, aus der Position eines Weltenschöpfers betrachtet, gab es die Freiheit ein anderes Universum zu schaffen. Vom Innern des Blockuniversums aus gibt es keine Freiheit mehr.


Die drei Zeitformen "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" haben im Einsteinschen Blockuniversum keine Bedeutung mehr. Seine zeitliche Struktur resultiert aus der Kausalität. Daraus kann man aber weder Vergangenheit noch Zukunft noch Gegenwart ableiten.
Jede Weltlinie kann als Funktion ihrer Eigenzeit dargestellt werden. Ihre Länge entspricht ihrer Eigenzeit. Je weiter einer ihrer Punkte vom Ursprung entfernt ist umso "später" (Uhrzeit) ist es an diesem Punkt der Weltlinie. Aber kein Punkt dieser Weltlinie ist vor einem anderen dadurch ausgezeichnet, daß da gerade "Jetzt" wäre!

zara.t.

Beitrag zuletzt bearbeitet von Zara.t. am 05.05.2008 um 10:23 Uhr.
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Beiträge: 1.375, Mitglied seit 11 Jahren
Hallo Zara.t.,
Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 117-607:
Es gibt auch keine Theorie, die beschreiben könnte, wie Systeme eines Blockuniversums Bewußtsein erzeugen sollen. Deshalb meine zweite Behauptung: Bewußtsein ist kein Produkt des Einsteinschen Blockuniversums.
Ich habe deinen Beitrag kommentiert und dafür ein neues Thema eröffnet. Siehe hier: Beitrag-Nr. 1177-1

M.f.G. Eugen Bauhof

Signatur:
Der Kluge lernt aus allem und von jedem,
der Normale aus seinen Erfahrungen,
und der Dumme weiß alles besser.
Sokrates.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Bauhof am 29.09.2009 um 11:49 Uhr.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Quantentheorie.
Was ist das Neue, das Charakteristische an der Quantentheorie?
1. manche Größen wie etwa die Energie eines harmonischen Oszillators oder einer elektromagnetischen Welle können nicht mehr in beliebig kleine Portionen geteilt werden. Sie können nur als unteilbare Quanten gemessen werden.
2. die wichtigste quantisierte Größe ist die der Wirkung. Wie überhaupt der Begriff der Wirkung überragende Bedeutung in der neuen Physik gewonnen hat. Das Quant der Wirkung wird Plancksches Wirkungsquantum h genannt. Eine grundlegende Naturkonstante.
3. Das Zugrundeliegende sind keine Objekte mehr, keine Dinge, keine Teilchen, sondern Zustände und Operatoren. Diese bilden nicht abelsche Kommutatoralgebren. Daraus resultieren unter anderem Unschärferelationen.
4. Quantensysteme sind nichtlokal und atemporal. Sie sind in der Regel verschränkt. Verschränkung ist das grundlegend Neue, das in der klassischen Physik Undenkbare. Eine magisch zu nennende Qualität.

Nicht verschwindende Kommutatoren drücken die Tatsache aus, daß für die Messwerte der betroffenen Observablen die Reihenfolge in der ich sie messe eine Rolle spielt. Ob ich zuerst den Ort und dann den Impuls oder zuerst den Impuls und dann den Ort eines Quantensystems messe macht einen Unterschied in den Messergebnissen.

Quantensysteme werden durch sog. Zustandsfunktionen beschrieben. Die berühmte Schrödingersche Wellenfunktion ist nur ein Spezialfall.
Diese Zustandsfunktionen sind linear superponierbar. Sprich: Man kann sie addieren. Ein Zustand kann sich aus einer Superposition elementarer Zustände zusammensetzen. Mathematisch ausgedrückt: die Zustände bilden einen Vektorraum (genauer: einen Hilbertraum)
Das hat ganz, ganz wichtige Konsequenzen.
Nämlich: ein Quantensystem ist als Vielzahl von MÖGLICHKEITEN gegeben. Es liegt sozusagen in der Möglichkeitsform vor. Es ist nicht so, daß wir nur nicht wüßten in welchem Zustand ein Quantensystem tatsächlich vorliegt, daß sich also die Unschärfen und Superpositionen nur auf das Nichtwissen eines Beobachters bezögen, nein die Quantenrealität selbst ist offen, ist unentschieden, ist Möglichkeitsform. Die ganz große Frage lautet deshalb: Wie wird aus der Möglichkeitsform (Potentialität ) Faktizität?

Oder allgemeiner: Welche physikalische Realität liegt der Quantentheorie zugrunde?

zara.t.

Beitrag zuletzt bearbeitet von Zara.t. am 05.05.2008 um 15:20 Uhr.
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Beiträge: 1.385, Mitglied seit 11 Jahren
Hallo Zara.t.

Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 117-613:
Die drei Zeitformen "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" haben im Einsteinschen Blockuniversum keine Bedeutung mehr. Seine zeitliche Struktur resultiert aus der Kausalität. Daraus kann man aber weder Vergangenheit noch Zukunft noch Gegenwart ableiten.

es werden in diesem Thema interessante Überlegungen angestellt. Sich einen Überblick zu verschaffen und nicht bereits Gesagtes zu wiederholen ist aber wegen der Vielzahl der Beiträge kaum möglich.
Zu der obigen Äußerung will ich deshalb nur anmerken, daß ich mir an anderer Stelle überlegt hatte, es sei sinnvoll, "Zeit" unabhängig von Kausalität als "Dauer einer (konkret) oder aller (allgemein) Veränderung(en) zu definieren. Die Begriffe Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wären dann keine Zeitformen mehr,sondern müßten mit Hilfe von abgeschlossenen, laufenden oder noch nicht begonnenen Geschehensabläufen definiert werden ( wie dies im sprachlichen Bereich geschieht). Die Frage, ob "Zeitreisen" möglich sind, müßte dort erörtert werden, wo sie m.E. hingehört, ob nämlich kausale Geschehensabläufe instantan umgekehrt ( Vergangenheit) oder instantan beschleunigt (Zukunft) werden können.
Ich habe noch eine Frage zur Klärung für mich. Liege ich richtig, wenn ich annehme, daß es hier im Kern um die Frage geht, wie kann unser unstrittig vorhandenes, immaterielles Bewußtsein aus dem Materiellen ( Masse/Energie) entstehen ? Ein Antwort erwarte ich nicht, wenn ich die Sache so ungefähr verstanden habe.

MfG Harti
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Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. A.E.
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Beiträge: 1.375, Mitglied seit 11 Jahren
Hallo Zara.t.,
Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 117-615:
Die ganz große Frage lautet deshalb: Wie wird aus der Möglichkeitsform (Potentialität ) Faktizität? Oder allgemeiner: Welche physikalische Realität liegt der Quantentheorie zugrunde?
Deine Ausführungen zu den Punkten 1 bis 4 deines Beitrags sind mir bekannt und du hast sie auch verständlich dargestellt. Ich hoffe mal, auch den anderen Forenteilnehmern sind diese Darlegungen verständlich. Wenn nicht, dann unbedingt nachfragen, falls etwas unklar ist. Denn deine Ausführungen sind die Grundvoraussetzung für die weitere Diskussion zu diesem Thema.

Nun zu deinen Fragen:
Wie aus der Potentialität Faktizität wird, hat meines Wissens noch niemand zufriedenstellend erklärt. Eine Erklärungs-Möglichkeit wäre die Dekohärenz-Theorie. Ob den beobachtbaren Quantenphänomenen überhaupt eine tieferliegende physikalische Realität zugrunde liegt, wird von der Mehrheit der Fachleute bezweifelt. Nur David Bohm und einige wenige andere glauben daran, das den Quantenphänomenen eine tieferliegende physikalische Realität zugrunde liegt. Die Mehrheit der Physiker teilt diese Meinung nicht.

Hast du einen eigenen Vorschlag, wie aus der Potentialität Faktizität wird?

Sehr problematisch wird es, wenn man mit Hilfe der Quantentheorie das menschliche Bewusstsein erklären will. Ich kenne hierzu nur den Versuch von Roger Penrose [1], [2]. Dieser Versuch wurde aber von der wissenschaftlichen Gemeinschaft der Physiker bisher nicht angenommen.

Mit freundlichen Grüßen
Eugen Bauhof

[1] Roger Penrose
Computerdenken. Des Kaisers neue Kleider oder die Debatte um Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und die Gesetze der Physik.
Heidelberg 1991, Spektrum Akademischer Verlag
ISBN=3-89330-708-7
http://www.science-shop.de/artikel/589874

[2] Roger Penrose
Schatten des Geistes. Wege zu einer neuen Physik des Bewusstseins.
Heidelberg 1995, Spektrum Akademischer Verlag
ISBN=3-86025-260-7
http://www.zvab.com/index.do

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Beitrag zuletzt bearbeitet von Bauhof am 29.09.2009 um 11:49 Uhr.
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Harti schrieb in Beitrag Nr. 117-616:
Liege ich richtig, wenn ich annehme, daß es hier im Kern um die Frage geht, wie kann unser unstrittig vorhandenes, immaterielles Bewußtsein aus dem Materiellen ( Masse/Energie) entstehen ? Ein Antwort erwarte ich nicht, wenn ich die Sache so ungefähr verstanden habe.

Ich will plausibel machen, daß es gar keine Antwort geben kann, weil meiner Meinung nach Materie eben kein Bewußtsein erzeugen kann. Hätte ich recht, stünde nicht weniger als die gesamte Standarttheorie der Evolution des Universums zur Debatte, welche verkürzt lautet: Aus den Folgeprodukten eines Urknalls entstanden Raum und Zeit und Energie/Materie. Die Materie bildete immer komplexere Systeme, diese wurden lebendig, manche bildeten Nervenzellen und Gehirne aus. Diese Gehirne sollen auf wundersame Art und Weise Bewußtsein erzeugen. Bewußtsein wäre also ein spätes und äußerst seltenes Produkt der Evolution von Materie.

Ich will die Fragen Was ist Materie? Was ist Zeit? stellen und kritisch untersuchen.
Ich will den gängigen Reduktionismus in Frage stellen.
Ich will ganz grundlegende Glaubensinhalte der Moderne in Frage stellen...
um eine Antwort auf die Frage dieses Threads "Was ist Bewußtsein" möglich zu machen.

zara.t.
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Beiträge: 2.061, Mitglied seit 13 Jahren
Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 117-613:
Insoweit? Wie weit?

Insoweit im Sinne von daher, das zuvor Gesagte berücksichtigend.

Ich hatte zuvor Folgendes ausgedrückt:

1. Wir sind an der Gestalt des 4-D-Blockunsiversums beteiligt.
2. Im 3-D-Universum kennen wir unsere Zukunft nicht.

Meine These: Genau das macht unsere Freiheit aus.

Deine Gegenthese lautet ja
Zitat:
Im Blockuniversum ist alles bereits geschehen. Es ist fertig. Es bildet einen monolithischen Block.

Meine Kritik an dieser Gegenthese ist, dass sie ausschließlich von einer Gesamt-Sicht (d.h. man blickt gewissermaßen "von außen" auf das gesamte 4-D-Universum) ausgeht. Dabei spielt sich Bewusstsein (zumindest so wie wir es kennen) doch im 3-D-Universum ab!

Aussagen wie "[es] ist alles bereits geschehen" oder "es ist nicht mehr abänderbar", die du als Argumentation gegen eine eventuell bestehende Freiheit verwendest, setzen ihrerseits Zeitlichkeit voraus und haben im 4-D-Universum keinen Sinn, wie du ja selbst sagtst:
Zitat:
Die drei Zeitformen "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" haben im Einsteinschen Blockuniversum keine Bedeutung mehr.

Insoweit nehme ich erst einmal deine Behauptung so hin:
Zitat:
Nehmen wir mal , gewisse Systeme innerhalb des Blockuniversums könnten Bewußtsein erzeugen. Dann müßte dieses Bewußtsein Epiphänomen sein. Soll heißen, es könnte seinerseits nicht auf das Blockuniversum einwirken.
Allerdings ist mir noch nicht einsichtig, warum das so sein müsste.
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Beiträge: 3.182, Mitglied seit 14 Jahren
Ich sehe das ähnlich.

Auch in einem determinierten Blockuniversum kann ein Bewusstsein als Mitgestalter dieses Universums tätig sein. Denn dieses Blockuniversum hat eine Gestalt! Und für diese sind gewisse Faktoren verantwortlich. Und da wir unsere Umwelt bewusst gestalten, ist unser Bewusstsein für die Gestalt unseres determinierten Blockuniversums ein Mitfaktor.

Beispiel: ein von Menschenhand geformter Tonkrug kann im Blockuniversum ein fest determinierter Zustand sein. Dieser wurde zu einem Zwecke bewusst geschaffen. Und hier manifestiert sich meiner Meinung nach eine begrenzte Willensfreiheit unseres Bewusstseins.
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Hallo Claus,
ein Bewußtsein, das in den Verlauf eines Blockuniversums verändernd eingreift, verletzt zB den Energieerhaltungssatz.
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Das ist mir nicht klar. Warum sollte das so sein? Nehmen wir Stueps Beispiel:

Wenn ich jetzt und hier etwas veranlasse (z.B. einen Krug töpfere), so bewege ich bestimmte Materialien, z.B. Ton und Wasser, von einem Ort zum anderen und gestalte damit eine Form, den Tonkrug. Das alles geschieht unter Energieerhaltung.

Hinterher habe ich einen Krug, den ich gestaltet habe.

Im unveränderlichen Blockuniversum stellt sich dieses "Geschehen" grundsätzlich ganz genauso dar: An einem bestimmten Schnitt des Blockuniversums (nennen wir diesen einmal 3-D-Ebene zum Zeitpunkt t1) sehe ich die Materialien Sand, Ton und Wasser weit an verschiedenen Orten verstreut; an einem späteren Schnitt t2 sehe ich diese Materialien wohlgeordnet.

Weder ist damit m.E. der Energieerhaltungssatz verletzt noch ist es der 2. Hauptsatz (denn in jedem Schnitt t des Blockuniversums ist die Energiesumme dieselbe und mit dem wohlgordneten Tonkrug im Schnitt t2 sind andere Bereiche des Blockuniversums verbunden, die nun weniger geordnet sind).

Einziger Unterschied ist m.E. der, dass ich (der ich den Raum als dreidimensional und die Zeit als vergehend empfinde), von "Gestaltung" spreche, während der 4-D-Betrachter die (unveränderliche) "Gestalt" (als Ganzes) wahrnehmen würde.

In dem hier betrachteten Zeitintervall t1 - t2 wäre jedoch auch für einen von außen auf das Ganze blickenden 4-D-Betrachter erkennbar, dass in diesem Fall ich die Ursache für die Ordnung der Materialien zum Tonkrug bin.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Claus,
der springende Punkt ist: du hattest keine Wahl!
Du konntest nur diesen einen Tonkrug formen und keinen anderen.
Hätte dein Bewußtsein tatsächlich die Freiheit gehabt einen anderen Tonkrug zu wollen und deine Hände dahingehend zu manipulieren, daß sie einen anderen Tonkrug formen, wäre in einem Einsteinschen Blockuniversum der Energieerhaltungssatz verletzt worden. Du hättest die Neuronen deines Gehirns mit "außerweltlicher" Energie zwingen müssen anders zu reagieren, als sie es nach den deterministischen Gesetzen des Blockuniversums getan hätten.
Wenn man auch die Q.Th. berücksichtigt sieht die Sache natürlich anders aus.
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