Gestern auf dem Parkplatz
Ich fahre vor den Supermarkt auf der Suche nach dem idealen Parkplatz (die Rentner haben schon eingekauft), lasse den Blick schweifen, routinemäßig und jobbedingt fällt mir ein weißer Transporter mit estnischem Kennzeichen auf, vor dem drei junge Männer herumlungern.
(Wegen "Parkplatz" fällt mir gerade ein frauenfeindlicher Witz ein, den ich auf´s Äußerste verurteile: Frauen parken nicht, Frauen hören einfach auf zu fahren.)
Einen guten Parkplatz gefunden, sortiere ich die Pfandflaschen im Kofferraum; da ruft der eine Bengel von dem weißen Transporter, ob ich Englisch verstehe - auf Englisch.
Ich sage weltgewandt und bescheiden: "A little bit."
In gebrochenem Deutsch erklärt der Junge mir, dass er und seine anderen Jungs eine Band aus Estland sei (ein Land far away from here, in dem viel Alkohol getrunken würde), und (zusammengefasst) ich mir aussuchen könne, was ich für eine CD von ihm kaufen könne: Grunch mit Gitarren, Jazzig, Experimental und das andere, was ich vergessen habe. Alles seine Band natürlich. Sie hätten für jeden was.
Ich frage (mich selbst nicht wiedererkennd), was denn so eine CD kostet, und er sagt, was du willst. Ich sage, für drei Euro nehm ich die experimentelle, er sagt, da sind 18 Tracks drauf. Ich (mich immer weniger wiedererkennend!!! gerade meines Jobs wegen!!!!!!) zeige ihm den Inhalt meines Portemonnaies, zwei Fünfzig-Euro Scheine und drei 1-Euro Münzen, und sage ihm, ich hab nicht mehr Klein.
Er: "You can change it"
Ich zu ihm: "Give me twenty minutes (bin ja keine Frau), and we will see."
Ich kaufe mein Quinoa, Gemüse und Tofu ein (das ist die einzige Lüge in diesem Bericht), lade alles in den Kofferraum, bringe den Einkaufskorb zurück,
inzwischen ganz heiß drauf, eine junge Band zu unterstützen, quatscht der Bengel natürlich einen anderen voll. Der kauft nix, ist ein (seiner Kleidung nach) schwer arbeitender Handwerker, hat wahrscheinlich nur noch Zeit für Helene Fischer, falls er mal Musik zu hören bekommt.
Ich zu dem jungen Mann: "I give you ten euro for the experimental CD!".
He says: "Ok!"
Der Handel ist ok, er verzieht sich zum weißen Bus, wo seine Kumpels stehen, ich steige in mein Auto, und packe die CD aus.
Was vielleicht noch witzig ist: Sekunden nach dem Deal fiel mir ein, dass ich ja seit vielen Jahren keinen CD-Player mehr habe.
Was vielleicht dann noch ein bisschen witziger ist:
Sekunden
hiernach fiel mir ein: Mein Auto hat ja einen CD-Player, den ich noch nie benutzt habe!
Puh!
CD reingepackt, gehört, und dann doch Glück gehabt: sie haben mir keinen CD-Rohling verkauft, mich nicht beschissen, meine mir nicht erklärliche Blauäugigkeit nicht ausgenutzt, es ist Musik, die mir gefällt, und mir einen Zehner wert ist:
https://www.youtube.com/watch?v=crUtIF5zTzo
Ich habe recherchiert, und die Band macht das wohl schon seit einigen Jahren, ist wohl unter "ach ja, die alte Parkplatz-Band" bekannt. Sie haben wohl so einige CD´s unter die Leute gebracht. Sollen auch live toll sein.
Ich für mich, um mir das auch schönreden zu können, verbuche meine Blauäugigkeit unter Folgendem:
Ich mache sowas normalerweise nie. Mein Unbewusstes hat aber gewusst: das geht in Ordnung so.
Sie ist mächtig, die Intuition. Alles bestimmend.
Beste Grüße
https://www.youtube.com/watch?v=VwriLCqtVicDiese Welt gibt es nur, weil es Regeln gibt.
Bearbeitet von Stueps am 02.10.2020 um 10:01 Uhr.