Guten Morgen Habenix,
du schreibst: „Die größte frage die sich mir stellt ist:
Warum können nicht alle menschen an gott glauben“
Und Ernst Ellert II in seiner 1. Antwort schrieb: „Vielleicht weil er aufgehört hat den armen und schwachen beizustehen.......“
Ich möchte versuchen, es Dir über einen anderen Weg zu erklären und hoffe es regt dich an, darüber nachzudenken.
Als Beispiel nur kurze Momente aus dem Lebenslauf meines Vaters.
Geboren 1921 in Königsberg (Neumark) hatte er als einziges Kind ein unbeschwertes Leben führen können und wurde durch seine Eltern streng evangelisch (wie es damals üblich war) erzogen. Die Stationen seiner Jugend bis 1939 lasse ich Mal weg. Ende 1939 wurde er in die Wehrmacht eingezogen, in eine Panzerbrigade und durfte für „Führer, Volk und Vaterland“ dienen.
Ein Umstand des Krieges „bewirkte“, daß er als Panzerfahrer einen kleinen Teil Europas „kennenlernen“ durfte. Wien, Paris…heute für uns selbstverständlich.
Für ihn war es damals zur damaligen Zeit in Wien, Paris zu sein, etwas „ganz besonderes“.
Die „Umstände“ der damaligen Zeit bewirkten, dass er nach Osten verlegt wurde, an die russische Ostfront, zu Beginn des Jahres 1943 verletzt wurde und in sowjetische Kriegsgefangenschaft kam.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Stalingrad
Bei wikipedia liest es sich dann so: „Die meisten Soldaten stellten Ende Januar/Anfang Februar 1943 die Kampfhandlungen ein und gingen in Kriegsgefangenschaft,… Von den rund 110.000 Soldaten der Wehrmacht und verbündeter Truppen, die in Gefangenschaft gerieten,
kehrten nur rund 6000 in die Heimat zurück.“
Mein Vater war einer von den rund 6000 übriggebliebenen, die in die „Heimat zurück“ kehren durften.
Entlassen wurde er aus russischer Kriegsgefangenschaft zu Beginn des Jahres 1950, da war er 29 Jahre alt, seit seinem 18. Lebensjahr „ständig unterwegs“, endlich wieder in der Heimat angekommen.
Vor dem Einzug in den Krieg hatte auch mein Vater, wie jeder andere Soldat auch, einen Eid zu schwören, der wie folgt lautet:
„„
Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“
Aus der Gefangenschaft zurück hat er dem Glauben an Gott völlig abgeschworen, uns Kindern, von christlichen Dingen soweit es ihm möglich, ferngehalten.
Natürlich hatten wir als Kinder auch kurzzeitig immer wieder Mal Kontakt zu Dingen, welche den Glauben an Gott betrafen. Die 10 Gebote waren uns bekannt geworden und wir hatten als Kinder ebenso mitbekommen, daß in anderen Familien zu Tisch „gebetet“ wurde.
Also bat ich meinen Vater, der seinen Lebenshumor nicht verloren hatte, als 6-jähriger an einem sonntäglichen Mittagstisch doch bitte ein Gebet aufzusagen. Nach einem kurzen „wieso, weshalb, warum“ gab er dann folgenden Tischspruch von sich: „Lieber Herr Gott, komm sei unser Gast und segne was du uns bescheret hast. Wir woll’n weder trocken Brot, noch grünen Hering, sondern was du frißt und H. Göring.“
Anschließend gab es belehrende Worte seinerseits und das Thema hatte sich völlig erledigt.
Ich habe mir erlaubt ein paar Briefe meines Vaters, gerichtet an seine Eltern, geschrieben aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, hier einzustellen.
Sie sind in ihrem Wortlaut fast immer identisch, wie auch in ihrer Formulierung, darin auch sehr kurz und von "unverfänglichen" Inhaltes.
Da mein Vater sein Leben lang ausschließlich in Sütterlin schrieb, werde ich 2 Briefe hier für Alle lesbar, wiedergeben.
„
15.12.1946
Meine lieben Eltern!
Wie geht es Euch?
Mir gesundheitlich gut, sonst erträglich.
Warte so auf Eure Post. In einer Woche Weihnachten.
Seid herzlichst gegrüßt liebe Eltern, Euer Sohn Reinhard.“
„
10. November 1948
Liebe Eltern!
Wie geht es Euch?
Mir erträglich, bis auf den Hunger. Aber Hauptsache gesund.
Schreibt öfter Briefe. Ich dreißig Worte.
Herzlichste Geburtstags- Weihnachts- und Neujahrsgrüße u. Glückwünsche.
Euer Sohn Reinhard.“
Es gibt dann noch einen 2-seitigen Brief, den damals ein Kamerad von ihm, aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen, an die Elter meines Vaters schrieb. Dort erfuhren sie zum 1. Mal mehr über ihren Sohn. (Es war die Situation vieler Gefangener in sowjetischer Kriegsgefangenschaft)
...Jahre später...
Meine Mutter, die nach dem Krieg ebenfalls ihren Glauben ablegte, wollte immer Mal, gemeinsam mit meinem Vater, nach Moskau, oder Leningrad wie es damals genannt wurde, in den Urlaub.
Die Antwort meines Vaters auf ihren Wunsch: „ Mich
kriegst du dort nie wieder hin – fahr allein, wenn du magst“. Sie hat es nie getan.
Mein Vater hatte dann 1953, aus Gefangenschaft "längst" zurück, seinen ehemaligen Kameraden in Leipzig besucht. Damals gab es keine Smartphones mit Googel-Maps Funktion, er hatte noch nicht einmal einen Stadtplan von Leipzig. Und bei der Suche nach der Straße seines Kameraden traf er eine „alte Frau“ und fragte sie, im hochdeutsch, nach der „Lützschenaer“ Straße.
Die Frau überlegte, überlegte, und überlegte und musste verneinen, nein die kenne sie nicht.
Er bedankte sich bei ihr begab sich weiter auf die Suche, als kurz darauf die Frau aufgeregt zurück kam und meinen Vater im tiefsten sächsischen fragte: „ Sie meinen die Litzscheeeeener Straße?“
End gut- alles gut! ???

Zur Bedingung des Raum und der Zeit gehört ganz unbedingt ,die absolute Bedingungslosigkeit von Raum und Zeit. Werden Raum und Zeit an Bedingungen geknüpft sind sie endlich, mit einem Beginn und einem Ende.
Bearbeitet von Quante am 03.07.2017 um 12:58 Uhr.