Glaube, Atheismus, Sinn des Lebens.... Na gut, ich möchte auch ein paar meiner Gedanken beisteuern.
Zunächst zum Sinn des Lebens vielleicht
:-)
Das Leben ist für mich wie eine Art Feuer. Der einzige Sinn besteht darin, dafür zu sorgen, dass es nicht verlischt. Darum geben wir es von Generation zu Generation weiter und darum haben wir a) so einen starken Selbsterhaltungstrieb und b) so einen starken Arterhaltungstrieb. Zum Selbsterhaltungstrieb gehören auch die Nahrungsaufnahme und da es für jeden einzelnen von uns müßig wäre, jeden Tag fischen zu gehen, Getreide anzubauen, Obst zu suchen usw., haben wir uns im Kollektiv eine Arbeitsteilung vereinbart. Jeder tut das, was er am besten kann und wozu er die meiste Lust hat. Die Arbeitsergebnisse werden untereinander getauscht - also Obst gegen Fisch, Getreide gegen Feuerholz usw. und da dies schon seit sehr langer Zeit nicht so einfach vom Aufwand her auszugleichen ist, hat man das Geld als Wertmaßstab erfunden. Dafür arbeiten wir. Wer aber arbeitet, der muss sich auch regenerieren und der braucht etwas zur Entspannung: Bücher, Reisen, Kunst, Musik... Das alles produzieren und konsumieren wir, damit wir dem einzigen Sinn des Lebens nachkommen können - das Leben zu erhalten und weiterzugeben.
Glaube:
Mit der Aufgabe, das Leben zu erhalten und zu beschützen, haben wir uns evolutionär am schnellsten zu einer höheren, "vernunftbegabten" Spezie entwickelt. Wir konnten Erfahrungen nicht nur speichern, sondern auch auswerten und verarbeiten. Damit wuchs unser Gehirn auch von seiner Leistungsfähigkeit soweit an, dass es Sprache und Datenverarbeitung entwickeln konnte. Diente die Sprache anfangs vielleicht nur dazu, Freund und Feind unterscheiden zu können, so hat sie sich im Laufe der Jahrtausende so komplex entwickelt, dass ein umfangreicher Meinungsaustausch über sich und die Umwelt stattfinden kann. Das Gehirn wuchs mit der Evolution und bekam neue Funktionen. Das Stammhirn, welches für Art- und Selbsterhaltung zuständig ist (befindet sich oberhalb der Halswirbel) ist faktisch bei allen Lebewesen vorhanden. Man nennt es auch "Reptiliengehirn", weil die dort abgelegten Funktionen schon bei Fisch und Vogel, Eidechse und Frosch vorhanden sind. Die Evolution hat aber dafür gesorgt, dass einige Tiere eine besondere Stelle in der Ernährungskette eingenommen haben und über Angriff oder Flucht entscheiden mussten. Dafür entwickelte sich das Zwischenhrin, das bereits bei Säugetieren und anderem höheren Getier ziemlich ausgeprägt ist. Es kann Artverhalten auswerten und zwingt zur Flucht, wenn alle anderen der gleichen Art auch fliehen. Wie ich schon schrieb, hat sich der Mensch am schnellten durch die Evolution gequält und noch einen sehr wichtigen Gehirnbereich entwickeln können, der bei den Tieren nicht (oder noch nicht) vorhanden ist: das Großhirn. Im Großhirn finden erstmalig in die Zukunft gerichtete Denkoperationen statt. Es gestattet uns nicht nur zu Rechnen und in die Zukunft zu planen, sondern eben auch eine komplexe Verständigung durch Sprache zu entwickeln. Die Sprache führt zu komplexem Informationsaustausch zwischen den Individuen der Spezie "Mensch" und damit auch zur Fragestellung und Reflektion der Welt. Klar, dass nach der Frage "Was ist eigentlich hinter dem Wald?" auch irgendwann folgt "Was ist hinter dem Horizont?", "Warum ist es mal hell und mal dunkel, warum ist es mal kalt und mal warm?" und "Wo komme ich her?". Manche dieser Fragen konnte man schnell beantworten, andere dauerten etwas länger und bei einigen haben wir noch keine verifizierbare Antwort. Vielleicht haben sich die ersten Menschen überlegt: "Hmm, ich kann ein Feuer machen, das kann man weiter sehen, als ich rufen kann. Wie groß aber muss der Kollege sein, dessen Feuer die ganze Welt beleuchtet?"
Vielleicht hat man auf diese Weise ein Überwesen als Joker auf viele offene Fragen geschaffen? Die unterschiedliche Verteilung der Intelligenz bringt es aber mit sich (ist auch heute noch gut zu beobachten), dass die einen etwas eher, die anderen etwas später glauben. Wer also aus Beobachtungen der Welt die richtigen Schlüsse ziehen konnte, der hat andere glauben machen können was er wollte. Das schönste Beispiel dafür ist eine Sonnenfinsternis. Die Sonne, das hatte man ja irgendwann mal festgestellt, ist lebenswichtig. Sie hat einen Zyklus durch die Erdrotation, den man von seiner Länge her gut einschätzen kann. Wenn jetzt also mitten am Tag die Sonne verschwand, konnte das nichts gutes verheißen. Wer also den Lauf der Sonne und des Mondes kannte, der wusste um die Entstehung der Sonnenfinsternisse und konnte diese nicht nur voraussagen, sondern er konnte seine Mitmenschen auch verarschen indem er zum richtigen Zeitpunkt sagte: "Ich bin mächtig genug, um die Sonne zu verdunkeln". So etwas beeindruckt natürlich. Solche hoch gebildeten Scharlatane konnten damit aber auch alle möglichen Gerüchte säen - auch das von einer Gottheit. Ist Euch schon einmal bewusst geworden, dass es im Laufe der Jahrtausende an den verschiedenen Orten der Erde auch immer unterschiedliche Gottgeiten gab? Der Glaube an einen bestimmten Gott oder eine Göttergruppe wird aber innerhalb der Familie und Gemeinde von Generation zu Generation weitergegeben. Würde man einfach damit aufhören, seinem Kind etwas von einem Gott zu erzählen, dann wäre jede theistische Religion wohl nach zwei, drei Generationen ausgestorben.
Ich komme zum Schluss. Glaube ersetzt das sichere Wissen (jetzt nicht nur auf Religion bezogen). Solange niemand weiß, dass er an einem bestimmten Tag sterben wird, glaubt er an ein sehr langes Leben. Solange niemand weiß, dass sein/e Partner/in fremd geht, glaubt er an dessen Treue. Solange niemand weiß, dass es keinen Gott gibt, glaubt er an dessen Existenz. Schlimm ist nur, wenn der Glaube zum Fanatismus wird und sich gegen jegliche Argumente verschließt.
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