Lieber Chaoslee, Deine Frage ist sehr berechtigt, weil Naturwissenschaften die Metaphysik zur Grundlage haben. Diese Grundlage ist der Glaube an die Ursache für das, was beobachtbar ist, also für Phänomene. Wenn ich diese Aussage begründen soll, so weise ich hin auf meine Beiträge, in denen ich zu dem Zusammenhang von Natuwissenschaft und Metaphysik Stellung genommen habe:
Beitrag-Nr. 1849-345 und
Beitrag-Nr. 1849-361. Wie denkst Du über diese Beiträge?
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Hey Waldkauz,
hast Du mich ja tatsächlich in dieses Forum zurückgelockt
:)
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Über deine Antwort freue ich mich sehr.
Deine beiden Beiträge, auf die du verlinkt hast, gefallen mir sehr gut. Wenn auch kompliziert geschrieben, finde ich die Unterscheidung, die Du machst, zwischen "Beobachtungen" (ich formuliere das mal aus der Sicht eines Subjektes) und "den Dingen" bei dir "die Ursachen", sehr treffend
:)
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Da kann man viel drauf aufbauen.
Ich sehe das genau wie Du: Platon z.B. hatte ein Weltbild in welchem er zwischen den Dingen in der "materiellen Welt" und ihren Originalen in der "Ideenwelt", von denen sie Abbilder sind, unterschied. Diese Ideenwelt war für ihn im übrigen auch eine Art von "Göttlichkeit".
Tatsächlich war Platon von den Religionen seiner Zeit nicht wirklich weit entfernt, und hat auch das Christentum mitgeprägt, wenn ich mich nicht stark irre.
Und man kann so weit gehen, und ich tu das ebenso, solcherlei metaphysisches Weltbild "Religion" zu nennen.
Die Physik beschäftigt sich, wie Du es auch formuliert hast, mit der "materiellen Welt" in diesem Beispiel.
Sie beobachtet Dinge, vergleicht Dinge und zieht daraus Schlüße auf weitere Dinge.
Dabei beachtet sie aber nicht, dass die Dinge in der "materiellen Welt" in direktem Bezug zu ihren Originalen in der "Ideenwelt" stehen.
Wenn ich mich darauf beschränke, nur Dinge zu beobachten, dann kann ich ohne Zuhilfenahme einer extrapolierten Logik keine Schlüße auf irgendwas ziehen.
Die Physik hat aber einen Bezug zu ihrer persönlichen "Ideenwelt", mancher Jünger mag das bloß nicht zugeben.
Sie vergleicht, sie zählt, sie erwartet. Das sind ihre Götterwesen: Vergleich, Zahl, Erwartung. Eine Dreifaltigkeit
:D
(tschuldigung).
Diese Drei sind Annahmen, Axiome, auf denen das gesamte konventionelle Denkschema beruht.
Zitat:
Erklärungen für Theorien und Phänomene beruhen letzten Endes immer auf Glaube, weil das zu Grunde liegende nicht direkt erkennbar ist und ein unmittelbarer Zugang zu den Dingen fehlt.
Der Fachbegriff hierzu ist übrigens "transzendental"
:)
. Und ich stimme Dir zu.
Der Kniff an der Sache ist, dass wir mit eben dieser unserer Art zu denken, die Art, auf die wir denken, durschauen müssten, und das fällt in der Tat nicht leicht. Es ist wie mit diesem Mann, der das ganze Universum in einem Sack mit sich trägt (sich selbst mit eingeschloßen).
Es ist mathematisch ausgedrückt eine Denkleistung ², weil sie sich selbst beinhaltet.
Eine Lösungsmethode ist aber, einfach auf eine entferntere Ebene der Betrachtung zu abstrahieren:
Verzweifle nicht daran, dass der Mann sich selbst herumträgt, sondern nimm das so hin und schon fallen Dir Dinge auf, wie, dass alles absolute, das bleibt, die Subjektivität ist; Deine Eindrücke und Deine Überzeugungen. So war es jedenfalls bei mir.
Dazu noch ein hübsches Zitat: "Verwirrend sieht es aus und doch wohnt darin eine Ordung/ Siehst du es mit dem richtigen Abstand, bekommt alles eine Struktur/ Doch wenn Du in die Tiefe schaust, wird Dir schwindlig werden"(ohne Autor).
Ein paar Gedanken noch:
Mancher Physiker behauptet von sich, die Problematik von der unergründbaren Letztbegründung erfasst zu haben, und in Konsequenz nur noch "Theorien aufzustellen, die solange als wahr, oder >>wahrscheinlich<< gelten, bis sie widerlegt werden, Vertretern begegnet man auch hier.
Es gab sogar mal einen Theoretiker, der diese Methode verkehrt herum vorschlug: Willkürliche Theorien werden aufgestellt und versucht zu widerlegen. Doch auch bei dieser Methode wird die "Nähe zur Wahrheit" gesucht.
Vorallem die letztere gibt sich doch stark, wie eine empirisch zu bekräftigende Metaphysik: Eine These über die Welt, die aber transzendentes beinhaltet, wird aufgestellt und durch Beobachtungen und die Dreifaltigkeit der Physik wird versucht diese zu verifizieren/ falsifizieren.
Grotesk daran finde ich nur, dass, obwohl Menschen garnicht hoffen, Wahrheit zu finden, sie trotzdem weiter nach Wahrscheinlichkeit suchen. Sprich: Theorien gelten ja eh immer nur als temporär gültig, und trotzdem wird weiter nach Theorien gegrübelt.
Es klingt ein wenig so an wie "Wenn ich mein Ziel eh schon nicht erreichen kann, will ich doch lieber weiterlaufen, als das zu akzeptieren.".
Anderer Gedanke:
In meiner Signatur habe ich ein Zitat von Friedrich Nietzsche.
Nietzsche war es auch, der den Gedanken hatte einen Übermenschen zu erschaffen, der zwei Extreme überwinden sollte.
Das eine Extrem ist die Grundhaltung des Nihilusmus, einer Grundhaltung, die aus der Verzweiflung über die Sinnleere unserer Welt heraus entsteht. So wie oben genannte Methode der Wahrscheinlichkeitssuche, des reinen Fortschritts wegen z.B. . (Ich weiss, dass das provokant wirkt, aber ich lasse es trotzdem so stehen.)
Das andere Extrem ist die Grundhaltung, die er grob "Christentum" schimpfte, auch wenn ich nicht meine, dass man das so übertragen muss oder sollte. Gemeint ist eine Grundhaltung des Bückelns vor den eigenen Regeln, erschaffen aus der Angst über die Sinnleere unserer Welt heraus.
Beide sind seiner Meinung nach nicht die richtigen; die oberen können nicht leben; die unteren können nicht frei sein.
Sein Übermensch soll die Leistungen der beiden Haltungen vereinen, ohne ihre Fehler anzunehmen. Er soll also Verzweiflung und Angst überwinden und trotzdem frei und auf menschliche Art lebendig sein. (Von den Geschichten wie dem Willen zur Macht seh ich hier mal ab.)
Soviel dazu, aber es führt doch zu dem Gedanken, dass Menschen eine Sehnsucht haben, Leere auszufüllen, indem sie Sachen erklären. Offenbar empfinden Menschen Leere als bedrohlich, ich denke sie fühlen sich ohnmächtig bei dem Gedanken, dass da etwas sei, das sie nicht kontrollieren können.
Noch mehr will ich jetzt nicht schreiben
:)
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Gute Nacht und frohes Grübeln
"Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne die, welche ihre eigene Tugend erfinden - sie hassen den Einsamen. "