Weiter geht´s, ich würde mich über mehr Beteiligung freuen.
Deshalb hole ich heute weiter aus, um euch hoffentlich abzuholen.
Wir alle haben was aufzuschreiben.
Es kommt Kontext, dieser mündet in einer konkreten Geschichte, die sich absolut exakt so ereignet hat.
Mein Zukunftsplan als 15-jähriger - von meinen Lehrern (1987?) konkret so erfragt - war folgender:
Ich möchte mir gern soviel Hubba Bubba wie möglich kaufen können, eine Quarzuhr tragen, und die beste Stereoanlage der Welt kaufen können, um endlich
Venom: Eine Kleine Nachtmusik volle Pulle hören zu können. Hier leider nur eine sehr schlechte Live-Version, ich hab auf die Schnelle nix anderes gefunden. Das Original-Album ist der Hammer, hab ich immer bei Toralf und Heiko gehört.
Dazu musste ich natürlich in den Westen.
Ich dachte mir folgenden Plan aus:
Den Führerschein machen, LKW-Fahrer werden, um dann Fahrten ins Nichtsozialistische Ausland (BRD) zu tätigen.
Bei der ersten Gelegenheit dort bleiben, mir eine Arbeit dort suchen, um mir Hubba Bubba und die Monsteranlage zu kaufen. Im Osten war das alles viel zu schwierig, Ich hatte keine Westverwandtschaft.
Also antwortete ich den Lehrern, dass ich gern in die Landwirtschaft gehen möchte, um Getreide und Kartoffeln für unser Volk zu machen, damit wir alle immer genug zu Essen haben.
Das hat dann geklappt, ich wurde Facharbeiter für Pflanzenproduktion, in dieser Lehre war der Führerschein für Lkw (und automatisch Pkw) inbegriffen - was das erste Ziel auf meiner Etappe darstellte.
Mir fallen da gleich weitere Geschichten ein, aber die vielleicht später.
Mein Plan war dann 1990 obsolet, die Wende war da.
Mit Beendigung meiner Lehre wurde ich dann arbeitslos (LPG gab es nicht mehr) und es wurde alles zu Westgeld, welches ich nicht hatte. Das war auf den Tag genau der 01.07.1990.
Vollkommen orientierungs- und arbeitslos (man teilte mit mit, dass es den Beruf "Facharbeiter für Pflanzenproduktion" ab sofort nicht mehr gibt) suchte ich Arbeit.
In Meck-Pomm.
Ich schrieb und schreibe bis heute gern.
Im "Readers Digest" stieß ich auf eine Werbeanzeige, die Leute suchte, die sich gegen Geld zu Leuten ausbilden ließen, Werbeanzeigen in Zeitschriften schreiben.
Das fand ich toll!
Ich machte gegen (für mich sehr) viel Geld die "Fernakademie", und lernte Werbetexter. Die "Akademie" war wirklich toll.
Ich schrieb z.B. als Hausaufgabe einen Werbeslogan für Schuppenshampoo:
"Nimmt Ihre Schuppen nicht auf die leichte Schulter!"
Zu dieser Zeit schlossen sich auch in Holland die ABN Bank und die Amro Bank zusammen, und alle Filialen benötigten neue Schilder draußen.
Ich war dann in der Firma tätig, die diese neuen Schilder in Süd-Holland montierte.
Dieser Job war dann vorbei, und ich brauchte neue Arbeit.
Zurück in Neubrandenburg stellte ich mich in eine Telefonzelle der Post (Oststadt, Juri-Gagarin-Ring), schnappte mir das Telefonbuch,
und rief alle Werbefirmen an, um mir einen Job zu suchen.
Schon beim zweiten Telefonat hatte ich Erfolg:
Sowas wie Werbetexter gäbe es bei uns nicht, aber wir suchen Verkäufer.
Kann ich, mach ich, super! Scheißegal!
Ich bekam ein Büro, einen niegelnagelneuen Ford Fiesta, und Aufträge zugeteilt.
In Altentreptow sollte ich dann einen Kunden besuchen am Nachmittag.
Ich hatte noch ein wenig Zeit, und legte mich zu einem Mittagsschläfchen auf die Couch.
Ich trug zu diesem Zeitpunkt immer noch meine "Sportbrille Marke DDR" - es gab nur dieses eine Modell -, und wachte auf.
Meine Sportbrille war kaputt, ein Bügel war abgebrochen. Ich suchte wie verrückt den Bügel, fand ihn aber nicht.
Egal, schnell zum Kunden, dort ohne Brille Werbegespräch.
Der Kunde schaute mich immer wieder interessiert an, ich hatte den Eindruck, dass er leicht irritiert wirkte.
Es stellte sich heraus, dass der Kunde mich in meiner Jugend und meinem Auftreten nicht so recht ernst nehmen konnte - das Verkaufsgespräch blieb ergebnislos.
Zurück nach Neubrandenburg musste ich tanken, fuhr an die nächste Tankstelle, steckte die Pistole in das Tankloch, drückte den Hebel, und es kam kein Sprit.
Ich probierte es dann noch vierzehn mal - Hebel auf die eine, dann auf die andere Weise drücken - nix passierte. Ich hatte echt alles gegeben.
Ich schaute mich um, und entdeckte dann hinter der Fensterscheibe des Tankshops einen Handwerker, der offensichtlich Maler war - und völlig fassungslos:
Die Tanke sei doch noch gar nicht fertiggebaut, was ich denn hier zum Teufel versuche?
Ich kratzte mich kurz an meinem rechten Ohr, und stellte fest, dass der vermisste Brillenbügel die ganze Zeit dort sichtbar - außer für mich - dort gesessen hatte.
Beste Grüße
Diese Welt gibt es nur, weil es Regeln gibt.
Bearbeitet von Stueps am 16.04.2025 um 21:55 Uhr.