Dieser interessante Gedanke, nämlich die Frage, was ein Gedanke ist, verbindet philosophische und naturwissenschaftliche Elemente. Meine Gedanken und Anmerkungen dazu sehen wie folgt aus (Achtung, wird lang aber dafür hoffentlich verständlich):
Vergleicht man Gehirn und Computer, so findet man Übereinstimmungen und auch gravierende Unterschiede.
Zunächst die Unterschiede
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Das Gehirn ist kohlenstoffbasiert, den Computer würde ich eher in die Siliziumtechnologie einordnen (bezogen auf Transistoren und Mikrochips)
Während für das Gehirn Energie aus der Verbrennung von Kohlenhydraten gewonnen wird, funktioniert der Computer rein mit Elektrik und da ist es egal, ob der Strom durch Wasserkraft, Wind, Kohle oder solar gewonnen wird.
Das Gehirn arbeitet nur kontinuierlich, solange es mit Energie versorgt wird. Unterbleibt die Energieversorgung für einen bestimmten Zeitrum, zerstört es sich quasi, wobei ein Computer auch nach einem Jahr Stromausfall wahrscheinlich wieder starten und arbeiten kann.
Die Speicherung von Informationen ist bei einem Gehirn aus meiner Sicht daher eher nur so lange möglich, wie das Gehirn arbeitet, also mit Energie versorgt wird (dazu aber gleich noch ein gegenteiliger Gedanke). Die Festplatte eines Computers behält ihre Informationen, auch wenn der Computer ausgeschaltet wird. Der größte Unterschied zwischen Gehirn und Computer besteht damit also darin, dass das Gehirn Computer und Speicher in einer festen Einheit ist, während bei einem Computer die befehlsverarbeitende Zentraleinheit und der Speicher durchaus getrennt sein können. Dabei muss man auch noch Betriebssystem (das immer zum Computer gehört), Anwendungen und Daten unterscheiden.
Ich sehe den nächsten Unterschied in der Art der Speicherung von Informationen: Während das Gehirn (meiner Meinung nach) analog speichert, dafür aber in einer dreidimensionalen Matrix, kann ein herkömmlicher Computer nur digital und zweidimensional speichern. Die neueste Generation soll wohl außer "0" und "1" auch noch einen dritten Zustand beherrschen, aber da kenne ich mich nicht aus.
Trotz all dieser Unterschiede (Liste ist längst nicht vollständig) sind aber Gehirn und Computer ähnlich:
Beide benötigen Informationen, welche sie über Interface aufnehmen und auch ausgeben:
Augen - Kamera, Scanner
Ohren - Mikrofon
Haut / Finger - Wärmesensoren, Tastatur, A/D-Wandler etc.
Mund - Lautsprecher, Drucker
In beiden läuft jeweils ein Betriebssystem - beim Gehirn im Stammhirn (verantwortlich für Atmung, Herzschlag, Art- und Selbsterhaltungstrieb, Hunger etc.) und im Computer in einer mehrstufigen Kombination aus BIOS, ROM und eigentlichem Betriebssystem (Windows, Linux usw.)
Während sich das "Betriebssystem" im Gehirn nach einem biologischen Bauplan selbst erzeugt (Beginn ist wahrscheinlich bei der Befruchtung der Eizelle), ist das Betriebssystem beim Computer von außen veränderbar.
Bevor ich nun noch auf den "Gedanke" als eigentlichen Kern des Themas eingehe, vielleicht noch eine kurze Anmerkung zur Beständigkeit des Speicherverhaltens des Gehirns im Zusammenhang mit dem Tod: Dass sich die gespeicherten Informationen nach dem Sterben verflüchtigen, ist der schnellen und natürlichen Zersetzung des Gehirns im Tod geschuldet. Auch die Informationen auf einer Festplatte gehen im Laufe der Zeit verloren, wenn die Magnetisierung nachlässt. Meine Vermutung: Wenn man ein Gehirn nach dem Tod sofort so konservieren könnte, dass es sich nicht zersetzt, so kann man vielleicht in der Zukunft auch aus einem toten Gehirn Informationen auslesen, wenn man die Kombinationen der Abermilliarden Synapsenverbindungen decodieren kann. Apropos Synapsen...
Was ist nun meiner Meinung nach ein Gedanke? Wie ich oben schon aus meiner Sichtweise dargelegt habe, erfolgt die Speicherung von Informationen im Gehirn in einer dreidimensionalen und relativ chaotischen Matrix. Während sich beim Computer ein Befehl oder eine Information immer aus einer festen Anzahl von Bits ergibt (z.B. die acht Bit "01010011" = 183 dezimal = "S" als Buchstabe im Computer), wird die Information im Gehirn in Form von Verbindungen von benachbarten Synapsen gespeichert. Dabei kann eine Synapse aber mehr oder auch weniger als sechs Nachbarsynapsen haben (also oben, unten, vorn, hinten, rechts und links). Schräg unten kann noch eine sein oder schräg rechts noch zwei usw. Je nachdem, wie diese Synapsen nun miteinander "verdrahtet" sind, ergibt sich ein ganz bestimmter Teil einer komplexen Information. Während beim Computer eben immer nur acht, sechzehn oder 64 Bit einen Informationsteil darstellen, können das bei einem Gehirn Hunderte wenn nicht gar Tausende "Bits" sein und die sind auch nicht starr, sondern wechseln ihre Verbindungen. Bleiben sie starr, ist das eine Erinnerung. Findet hingegen ein Wechsel statt, dann könnte das meiner Meinung nach ein Gedanke sein, der mehr oder weniger flüchtig ist...
Soweit vielleicht erst einmal meine Gedanken dazu.
Vielleicht sollte ich meine Beiträge als Taschenbuch veröffentlichen, weil ich mich nie kurz fassen kann
:rofl:
Wenn man sein Essen mit jemandem teilt, hat man danach selbst etwas weniger.
Teilt man aber sein Wissen, hat man hinterher noch genau so viel, der andere aber etwas mehr als vorher.