(quote)Aber das Umgekehrte gilt nicht: Nicht alles, was existiert, hat Masse.(/quote)
Das heißt also, es soll etwas geben, das da ist / existiert/ sichtbar ist / ... allerdings gleichzeitig aus keinem Material besteht? Ich kann mir das einfach nicht erklären...
Du scheinst immer noch "Masse" mit etwas wie "Materiemenge" gleichzusetzen. Das ist aber nicht das Konzept, das heute unter dem Begriff "Masse" verstanden wird. Masse ist eine Eigenschaft eines Systems, so wie z.B. auch seine elektrische Ladung.
Wenn wir z.B. den Atomkern betrachten, dann stellen wir fest, daß der Atomkern eine
geringere Masse hat als die Nukleonen (also Protonen und Neutronen), aus denen er besteht (diesen Effekt nennt man Massendefekt). Geht also beim "Zusammensetzen" eines Kerns Materie verloren? Gewiß nicht, denn alle Protonen und Neutronen sind ja noch da, ja es ist sogar in einem gewissen Sinne noch mehr da, nämlich eine Kraft, die sie zusammenhält, und die durch Austauschteilchen vermittelt wird, die so genannten Pionen. Dennoch ist die Masse geringer. Um einen Atomkern zu beschleunigen, brauchst Du eine geringere Kraft, als Du bräuchtest, um die darin enthaltenen Nukleonen zu beschleunigen, wenn sie nicht im Kern gebunden wären. Und wenn Du das Atom auf eine Waage legst, dann zeigt sie weniger an, als wenn Du das mit den Nukleonen tust (natürlich gibt es keine Waagen, die in der Lage wären, einzelne Atome zu wiegen, aber das ist ein rein praktischen Problem; 10
23 Atome zu wiegen ist kein Problem).
Umgekhrt kann aber die Masse eines Systems auch größer sein als die Masse seiner Teile. Betrachten wir z.B. einen heißen Hohlraum. Aufgrund der Hitze ist er mit Licht gefüllt. Wie gesagt, haben Photonen keine Masse, aber dennoch trägt das Licht im Hohlraum zur Masse bei.
Masse ist nicht das Gleiche wie Materie. Masse ist eine Eigenschaft eines Systems. Es ist nur so, daß im uns unmittelbar zugänglichen Bereich die Masse wesentlich größer ist als alle sonstigen auftretenden Energien, und daher kann man in diesem Bereich die Massen einfach aufaddieren (weil die Beiträge anderer Energien einfach vernachlässigbar klein sind).
Zitat:
Dieses ruhende Objekt von dem du erzählt hast, muss doch " da sein " .
Nun, da Licht niemals ruht (und dasselbe auch für alle anderen masselosen Teilchen gilt), wäre dieses Argument ohnehin aufs Licht nicht anwendbar. Allerdings ist auch Licht "da". Es hat Energie und Impuls, und alles, was Energie und Impuls hat, ist ganz offensichtlich "da".
In der Tat sind es auch Energie und Impuls, mitttels derer man überhaupt feststellen kann, daß ein Objekt "da ist": Ein Objekt, mit dem man keine Energie und keinen Impuls austauschen kann, ist schlichtweg nicht nachweisbar. Man kann es nicht sehen (dazu müßte es Licht reflektieren, das bedeutet aber einen Impulsaustausch mit Licht), man kann es nicht tasten (dazu brächte es eine Kraft, also wiederum einen Impulsaustausch), man kann es nicht hören (Impulsaustausch mit dem Trommelfell), man kann es nicht als Wärme spüren (Energieaustausch mit dem Körper), und man kann es auch nicht messen (Austausch von Energie und/oder Impuls mit dem Meßgerät).
In der Tat ist einer der wichtigsten Formalismen der Physik zur Beschreibung von Systemen, der Hamilton-Formalismus, letztlich eine Methode, um das Verhalten eines Systems vollständig aus seiner Energie herzuleiten.
Zitat:
Alles was existiert, zeichnet sich doch dadurch aus, dass es eine Form hat, dass es sich vom Nichts abhebt, unterscheidet. Wenn es sich jedoch vom Nichts unterscheidet, muss es etwas anderes sein als Nichts.
Nein. Elementarteilchen (also die grundlegenden Bausteine der Materie) haben nach heutiger Kenntnis keine Form (bzw. sie sind "punktförmig", haben also keine Ausdehnung). Form kommt erst dadurch zustande, daß aus diesen Teilchen Strukturen aufgebaut sind. Die Form der Atome wird dadurch bestimmt, daß die Elektronen in bestimmter Weise mit dem Kern wechselwirken. Die Form des Kerns spielt hierfür höchstens sehr indirekt eine Rolle (da der Atomkern selbst zusammengesetzt ist, hat er selbstverständlich auch eine Form), und Elektronen sind ohnehin nach bisherigem Kenntnisstand "formlos".
Allerdings hat die Form mit der Masse überhaupt nichts zu tun. Elektronen haben, wie gesagt, keine Form, aber durchaus eine Masse.
Zitat:
Wenn jetzt Nichts keine Masse besitzt, dann muss doch das existierende Objekt Masse besitzen.
Diesen Schluß verstehe ich nicht. "Wenn jetzt Nichts keinen Verstand besitzt, dann muß doch das existierende Objekt Verstand besitzen." Hat also das Elektron einen Verstand?
Zitat:
Sonst könnte ich es ja auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen.
Hier währen wir wieder beim Lich
^^
Alles ein Teufelskreis ...., und für mich unverständlich.
Man kann ein Objekt prinzipiell nicht auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen.
:-)
Entweder es hat eine Masse, dann bleibt seine Geschwindigkeit immer unterhalb der Lichtgeschwindigkeit, oder aber es ist masselos, dann hat es bereits Lichtgeschwindigkeit, kann also logischerweise nicht auf diese beschleunigt werden.
Zitat:
(quote)Eine andere Betrachtung ist, daß die Masse die kleinste Energie angibt, die ein Teilchen haben kann (E=mc²). Photonen können eine beliebig geringe Energie haben (die Energie eines Photons ist proportional zu seiner Frequenz, und die kann beliebig klein sein). Da seine Energie also nach unten nicht bzw. nur durch Null begrenzt ist, ist seine Masse also Null (das ist es, was man mit "masselos" meint).(/quote)
Das versteh ich nicht. Hat ein Photon auch eine Frequenz? Ich dachte nur Wellen haben eine Frequenz.
Nun, Licht hat bekanntlich eine Frequenz (klar, es ist ja auch eine elektromagnetische Welle). Nun "besteht" aber Licht aus Photonen. Die Energie dieser Photonen hängt mit der Frequenz des Lichts zusammen (E = h·f, wobei h das Plancksche Wirkungsquantum ist). Insofern kann man durchaus sagen, daß das Photon eine Frequenz hat, da sich Licht dieser Frequenz genau aus solchen Photonen (und nur aus solchen Photonen) "zusammensetzt". Mit Photonen anderer Energie bekommt man Licht anderer Frequenz.
Die (sprachliche) Beschreibung des Lichts ist deshalb so kompliziert, weil das Licht
eigentlich weder Teilchen noch Welle ist, sondern wir haben ein Quantenfeld. Das Quantenfeld ist aber etwas, das es in unserer Erfahrungswelt nicht gibt. Nun verhalten sich Quantenfelder unter bestimmten Umständen so, wie wir es von Teilchen erwarten würden, und unter bestimmten anderen Umständen so, wie wir es von Wellen erwarten würden. In den Fällen, in denen sich das Licht "teilchenartig" verhält, sprechen wir von Photonen. In den Fällen, in denen sich das Licht "wellenartig" verhält, sprechen wir von elektromagnetischen Wellen. Ähnliches gilt auch für alle anderen Quantenfelder, z.B. Elektronen: Zum Teil kann man sie als Teilchen betrachten, zum Teil kann man sie als Wellen behandeln ("Materiewellen"). Und in bestimmten Fällen müssen beide Aspekte berücksichtigt werden, etwa beim Doppelspaltexperiment: Die Durchquerung der Spalte kann man sehr gut mit dem Wellenbild beschreiben, damit bekommt man dann die Interferenz. Das Auftreffen auf dem Schirm hingegen wird gut mit dem Teilchenbild beschrieben, damit bekommen wir dann den lokalen Auftreffpunkt.
Zitat:
Oder meinst du die Schwingung des Photons?
Nein, ich meine jene Eigenschaft des Photons, die die Frequenz der elektromagnetischen Welle bestimmt, die "aus" diesen Photonen "besteht".
Zitat:
Wenn Photonen allerdings noch schwingen und sie sich gleichtzeitig mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, dann muss sich das Photon doch mit Überlichgeschwindigkeit bewegen !!
Oder bezeichnet die Lichtgeschwindigkeit die Geschwindigkeit eines Protons. Also die " Geschwindigkeit" seiner Frequenz plus die Geschwindigkeit " mit der es sich fortbewegt " ?
Da Photonen nicht schwingen, erübrigen sich diese Überlegungen.
Zitat:
Aber wenn du dann sagst, die Energie eines Protons sei proportional zu seiner Frequenz, würde das ja bedeuten, dass mit abnehmender Energie die Geschwindigkeit des Protons abnimmt!?!
Das kann ja nicht sein.
Du meinst wohl, eines Photons (die Geschwindigkeit eines Protons, ein Kernbaustein, nimmt in der Tat ab, wenn seine Energie abnimmt, aber ich glaube nicht, daß Dich das überrascht
:-)
)
Die Energie eines Photons hat nichts mit seiner Geschwindigkeit zu tun (die ist ja immer c). Sie hat etwas mit seinem Impuls zu tun (sie ist proportional zum Impuls), aber beim Photon bedeutet ein geringerer Impuls nicht eine geringere Geschwindigkeit (im Gegensatz zu massebehafteten Teilchen). Es ist einfach so, daß Licht geringerer Frequenz aus Photonen geringerer Energie "besteht". Und diese Frequenz (und damit die entsprechende Energie) kann beliebig klein sein.
Zitat:
Die andere Möglichkeit wäre, dass wenn die Frequenz abnimmt, die Geschwindkeit des Protons zunimmt, " mit der es sich fortbewegt " !
Wenn diese Geschwindigkeit also zunehmen würde, würde das Proton allerdings nicht an Energie verlieren !!!!
Das würde heißen , Protonen sind nicht in der Lage Energie abzugeben. Wie kann dann aber Licht zum Beispiel die Erde erwärmen ?
Sollte sich damit erübrigt haben.
Zitat:
Wenn Licht Energie in Form von Wärme abgibt, besitzt es logischerweise weniger Energie.
Weniger Energie bedeutet entweder weniger Masse, oder niedrigere Geschwindigkeit !?
Nein, geringere Frequenz des Lichts. Sofern das Licht nicht ohnehin vollständig absorbiert wurde (was bei der Erwärmung der Regelfall ist). Ein Beispiel für eine Energieabgabe ist der Compton-Effekt: Hier wird ein Photon an einem Elektron gestreut (anschaulich: es stößt das Elektron). Dabei gibt es Energie (und Impuls) ans Elektron ab. Das gestreute Licht hat dann eine dementsprechend geringere Frequenz, bewegt sich aber weiterhin mit Lichtgeschwindigkeit weiter.
Zitat:
Da wir das mit der Geschwindigkeit ausschließen können, muss es an Masse verlieren.
Nein. Es hat ja gar keine Masse, die es verlieren könnte. Es verliert Energie und Impuls (aber anders als bei Teilchen mit Masse bedeutet ein geringerer Impuls keine geringere Geschwindigkeit).
Zitat:
Wäre das dann Energiegewinnung durch Masseverlust, wonach derzeit so intensiv geforscht wird?
Nein. Energie"gewinnung" durch Masseverlust tritt bei Kernfusion und Kernspaltun auf (bei Kernfusion ist es direkt der oben beschriebene Massendefekt; bei Kernspaltung beruht der Energiegewinn darauf, daß der Massendefekt bei sehr großen Kernen wieder abnimmt.
Zitat:
Dadurch könnte ich doch Licht "energiefrei" machen!? Das würde bedeuten, dass die Amplitute der Lichtwelle gleich Null ist, oder das Photon an Geschwindigkeit verliert !? Beides ist doch nicht möglich?
Wenn man Licht "energiefrei" macht, dann ist es weg. Man könnte das natürlich auch dadurch beschreiben, daß die Amplitude der Lichtwelle Nulll ist: Eine Welle mit Amplitude Null ist schlicht und einfach keine Welle mehr. Die Amplitude ist ja (im Wellenbild) die maximale Feldstärke; Amplitude Null bedeutet also maximale Feldstärke Null, oder kurz: kein Feld.
Zitat:
Das heißt beide Modele sind hier nicht zu gebrauchen.
Mit welchem Model erklöre ich mir dann diese Eigenschaft von Licht, Energie abzugeben?
Nun, wenn man es mikroskopisch mit Feynman-Graphen betrachtet, dann wird ein Photon mit einer bestimmten Energie vom Elektron absorbiert, und dafür ein Photon mit einer anderen Energie emittiert. Das Elektron behält die Energiedifferenz. Oder anders gesagt: Letztlich gibt es bei der Wechselwirkung von Photonen mit geladenen Teilchen (z.B. Elektronen) nur Absorption (Photon verschwindet, das Teilchen bekommt seine Energie und seinen Impuls) und Emiison (das Teilchen gibt einen Teil seiner Energie und seines Impulses an ein neu gebildetes Photon ab). Allerdings würde durch die Absorption des Photons die Masse des Teilchens geändert, was nicht sein darf, deshalb existiert der Zwischenzustand nur virtuell und muß sofort wieder korrigiert werden (durch Aussendung eines passenden anderen Photons, oder auch durch Wechselwirkung mit einem dritten Teilchen, z.B. mit dem Atomkern im Atom).
Zitat:
(quote)Das ist die Ätherhypothese. Die ist aber heute praktisch tot: Wenn es einen Äther gäbe, dann sollte man ihn nachweisen können. Genauer: Man sollte den "Ätherwind" nachweisen können, genauso, wie man normalen Wind (Luftbewegung) an Schallwellen nachweisen kann. Alle Experimente, die dies versucht haben, sind gescheitert.(/quote)
Aber das kann doch nachgewiesen werden. Wieso kann das nicht die Energie sein, die Licht überträgt?
Eine Schallwelle ist doch auch nur eine größere Masse Energie, die sich eben von dem Normalzustand der z.b Luft unterscheidet. Eigendlich benutzt auch hier die Energie nur das vorhandene Medium, um sich "fortzubewegen" .
Bei Licht kann es doch ähnlich sein.
Wir können es vlt. nur noch nicht richtig nachweisen.
Der Ätherwind müßte das Licht mittragen, so wie der normale Wind den Schall mitträgt. Das heißt, durch den Ätherwind müßte das Licht sich in unterschiedliche Richtungen unterschiedlich schnell ausbreiten. Und das kann man nachmessen; Michelson und Morley wollten genau das tun: Messen, wie schnell sich die Erde durch den Äther bewegt (also gewissermaßen den "Fahrtwind" der Erde messen). Herausgekommen ist aber, daß kein solcher Ätherwind zu finden war. Demnach kann es den Ätherwind nicht geben.
Die denkbaren Auswege, z.B. die Mitführungshypothese, nach der der Ätherwind auf der Erde deshalb nicht nachweisbar ist, weil der Äther mit der Erde mitgeführt wird (so ähnlich wie man im Auto den Fahrtwind nicht bemerkt, weil die Luft im Auto mitgeführt wird) konnten ebenfalls widerlegt werden: Dann müßte sich nämlich der Ätherwind über das Licht nachweisen lassen, das von den Sternen kommt (das stammt ja von außerhalb der Erde).
Zitat:
(quote)Das nennt man dann Absorption; dieses Licht ist danach einfach nicht mehr da.(/quote)
Sry. hab diese Erklärung erst jetzt gesehen. Ist ja eigendlich die Antwort auf meine obigen Fragen.
Aber die Fragen bleiben trotzdem aktuel.
Denn wie kann das Licht einfach Energie abgeben, ohne dass es eben wir oben gefragt langsamer wird?
Der Dreh ist, daß die Energie nicht von der Geschwindigkeit, sondern vom Impuls zusammenhängt. Für Teilchen mit Masse hängt nun der Impuls wiederum von der Geschwindigkeit ab, so daß eine Abhängigkeit der Energie von der Geschwindigkeit herauskommt. Für masselose Teilchen ist das jedoch nicht so; diese bewegen sich bei jedem Impuls gleichermaßen mit Lichtgeschwindigkeit.
Und bei der Absorption ist das Photon danach einfach nicht mehr da. Es gibt in dem Sinne eigentlich nicht Energie ab, sondern es verschwindet und hinterläßt seine Energie dort, wo es verschwunden ist.