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Was ist Bewußtsein ?

Thema erstellt von Zara.t. 
Beiträge: 683, Mitglied seit 14 Jahren
Der Geist schwebend im OP-Saal; werden da lediglich die alten Sinneserfahrungen aus dem Gedächtnis des Schwebenden visuell neu aufbereitet? Ist so eine Vision beeinflusst durch die vorangegangene Lebenserfahrung des Schwebenden? Schließlich weiß der Schwebenden aus Erfahrung, wie sein Gesicht von oben wohl aussehen muss.

Deshalb wäre es in diesem Zusammenhang doch auch mal interessant, sich vorzustellen, wie so eine außerkörperliche Vision wohl in einem neugeborenen Schwebenden zustandekommen kann, der kaum ein paar Sekunden alt ist, also nicht auf Erfahrung* zurückgreifen kann. Ich habe letztes Jahr irgendwo im Forum ein paar Zeilen dazu angedeutet (aus praktischer Erfahrung).

*) Apropos: "...nicht auf Erfahrung zurückgreifen kann" --
Manche werden jetzt vielleicht vorschlagen, die Erfahrung mag über eine Reinkarnation weitergegeben worden sein. Ich halte Reinkarnation im Steinerschen Sinne oder in sonstigen religiösen Sinne für extrem unwahrscheinlich, wegen ihren widersprüchlichen Argumenten und wegen ihrer unglaubwürdigen, offenbar der Fantasie entspringenden Detailgetreue.

Ich glaube, die "Erfahrung" darüber, wie der eigene Körper geformt ist, also das eigene Körpergefühl, diese "Erfahrung" wird wohl genetisch übertragen. Ergo ist die erste Visualisierung des eigenen Körpers keine Sinnes-"Erfahrung", sondern ein Wissen vorprogrammiert im Geist. Für dieses Visualisierung ist wohl kein äußerliches Licht nötig. Übrigens dieses "Körpergefühl" bezeichne ich als "Ich-Gefühl", als Selbst-Bewusstsein. Vermutlich hat jedes komplexe, gehirnbesitzende Lebewesen dieses Körpergefühl, dieses Selbst-Bewusstsein, dieses Ich, diese Welt 2, diesen Geist .. und was dieses Phänomen sonst noch für Namen bekommen hat in den letzten 3000 Jahren.

Auf wiederluege,
|-|ardy
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 14 Jahren
Hi |-|ardy,

ja, da hast du ganz recht, dieses Körpergefühl hat jede höhere Lebensform, also mindestens alls Säugetiere.
Sie haben auch ein Ich-Bewusstsein, nur kein Selbstbewusstsein - ein reflektierendes Selbst -, also kein Denken über das Denken, was der Mensch hauptsächlich wegen seiner Sprache kann und der damit verbundenen Symbolisierung von Gefühlen, was es ihm ermöglicht über diese nach zu denken und sie mit seinen Handlungsweisen in Verbindung zu bringen.

Im übrigen hat dieses Anerkennen des Ichs und des Körpergefühls wohl auch dazu geführt, dass Tiere vor dem Gesetz nicht mehr als Gegenstände gelten.

Im übrigen gibt es da noch einen Aspekt der mir persönlich sehr wichtig ist. Ich denke bei all solchen Dingen auch immer an ethische und moralische Konsequenzen.
Zum Beispiel ist es deswegen auch sehr wichtig, anzuerkennen, welche Rolle der Körper und damit die Emotionen für den Geist spielen, weil sich dies auch auf die Kindererziehung auswirkt und auch auf die Therapierung von Krankheiten.
Wenn ich mit diesem Wissen zum Beispiel dafür sorgen kann, dass geistig zurückgebliebene Kinder auf ein normales Niveau gelangen können, dann ist dies ein großer und wichtiger Schritt.

Sollte allerdings die mehrheit denken, für Intelligenz wären die Gene verantwortlich oder ein nicht mit dem Gehirn verbundener Geist, hätte dies katastrophale folgen - es hat ja schon sehr negative Konsequenzen das man sehr lange annahm, Gefühle müssten und könnten durch Vernunft kontrolliert werden, dabei ist es genau umgekehrt.
Die Gene sind im übrigen nicht absolut auschlaggebend, nur wenn die Umweltbedingungen für eine Population vollkommen gleich sind, was aber unrealistisch ist, so etwas gibt es in der Wirklichkeit nicht.


Aber bei einem irrst du |-|ardy, das Körpergefühl ist sehr wohl eine Sinneserfahrung. Es wäre reine Informationsverschwendung, solche Informationen zu Codieren.
Irgendwie vergessen wohl viele, dass die Entwicklung des Menschen und seines Gehirns nicht erst mit der Geburt beginnt?
Was ist mit den 9 Monaten davor? Du kannst schon hören, schmecken, fühlen bevor du geboren wirst. Das Gehirn hat schon lange vor der Geburt zeit sich ein wenig zu strukturieren und gewisse "Grundstrukturen" werden wohl Genetisch bedingt sein, zum Beispiel ob das Baby sehr empfindlich auf Sinneseindrücke reagiert, oder ob eher eine stärkere Stimulation notwendig ist, um dem Kind eine Reaktion zu entlocken - und solche Eigenschaften entscheiden über die weitere Entwicklung, wie die Eltern nämlich auf die Reaktionen des Kindes reagieren.
Das heißt, dass Kind nimmt unfreiwillig einfluss auf seine Entwicklung - ein sehr empfindliches Kind muss eben anders behandelt werden und so weiter.


Zitat: "Mich würde brennend interessieren, was mein Gehirn unter Hypnose verzapft - aber bei mir funktioniert das irgendwie nicht..."

Hi Modran, bei mir funktioniert das auch nicht... es ist auch nicht jeder dafür geeignet.


Zitat: "...sondern die Quantenverschränkung als notwendiger Teil des Messvorgangs selbst... Ist diese Erkenntnis nicht bereits Jahrzehnte alt?"

Hm, eigentlich schon, aber den "Quantenradierer" gab es doch in dieser Art bisher noch nicht als Experiment, oder doch? Nach dem Artikel gab es dieses Experiment nur theoretisch seit vielen Jahren / Jahrzehnten.

Zitat: "Doch all mein analytisches Denken stützt sich auf die Hoffnung, Du hast damit unrecht ;)"

Manchmal hoffe ich selbst, dass ich unrecht habe ;)
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Beiträge: 683, Mitglied seit 14 Jahren
Hi André,

ich gebe Dir völlig Recht, zumal meine Bemerkung tatsächlich etwas fahrlässig war; das Sinnliche wollte ich aus dem Körpergefühl eigentlich gar nicht ausschließen. Um es neu zu formulieren:

Ich glaube, das "Koordinatensystem" des eigenen Körpers, also auch des eigenen Tastsystems, auch der Lokalisierung der eigenen Sinnesorgane selbst (die ja ebenso körperliche Teile sind), -- dieses gesamte System ist offenbar hunderte von Millionen Jahre alt und -- vermutlich werden seine Grundfunktionen genetisch weitergegeben. Mit anderen Worten, wenn es mich an meinem nullten Geburtstag auf meinem Rücken juckt, dann finde ich anhand eines vererbten, sinnlich-geistigen "Raummodells" sofort die betroffene juckende Stelle im 3D-Raum; ich bin mir der 3D-Form meines Rückens bewusst, ohne ihn jemals vorher gesehen oder mit der Hand vermessen haben zu müssen.

Die Grundlage meiner Vermutung entspringt meiner ältesten, in meinem persönlichen Gedächtnis gespeicherten Erinnerung, auf die ich Zeit meines Lebens bis heute ununterbrochen Zugriff habe; es geht um die ersten Sekunden nach meiner Geburt. Wobei ich jetzt in diesem Augenblick so intensiv darüber nachdenke, dass ich mir in einem wesentlichen Detail gar nicht mehr so sicher bin, ob selbiges Detail noch als Fakt oder inzwischen als reine Einbildung angesehen werden kann: In dieser Detailfrage geht es darum, ob mein Ich damals durchgehend "in" meinem Körper war, oder ob es kurzzeitig meinen Körper aus etwa 10 bis 50 Zentimeter Entfernung "sah". (Allerdings nicht von oben, sondern seitlich aus der Richtung anblickend, aus der ich kam, beziehungsweise von dem Ort aus, von dem ich "gewaltsam" getrennt wurde. -- Psychologen möchte ich an dieser Stelle sagen, dass ich keinerlei Ödipus-Komplexe habe!! :-))

Ein paar Sekunden später, da bin ich mir sicher, befand sich mein Ich nicht mehr neben meinem Körper -- wenn es jemals überhaupt "daneben" war. Ich hatte zuviel Fruchtwasser gesoffen, und das musste man mir kurz absaugen mit einem Schlauch. Spätestens beim Einführen dieses Schlauches war Körper und Ich definitv eins. Ich erinnere mich noch an diverse andere Details, aber das führt jetzt zuweit. Und hier ist dann auch schon der "Filmriss" (erst ein paar Wochen später legte sich meine nächste kurze Erinnerung ab).

Interessant ist dabei auch, dass ich in diesem hektischen Augenblick das Gefühl hatte, schon seit längerer Zeit zu existieren. Ich kann aber nicht sagen, für wie lange. Möglicherweise nur Minuten, oder vielleicht Monate. Völlig undefinierbar. Keine konkreten Erinnerungen, vor allem nicht an ein "früheres Leben", da muss ich manche Leser leider enttäuschen. Das war so ein Gefühl wie beim Aufwachen nach einer sekundenkurzen Ohnmacht: Man meint, eine halbe Stunde lang weg gewesen zu sein, als ob vor der Aufwach-Phase ein undefinierbar langer Film vorausgegangen wäre; was aber "körperlich" offenbar niemals stattgefunden hat.

Cheers,
|-|ardy
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Karlheinz
@Andre: Ich glaube nicht, dass die anderen Säugetiere ein Selbstbewusstsein - so wie ich es verstehe - haben. Das Handeln der Tiere wird durch den Instinkt gesteuert. Bewusstes Handeln ist fast ausschließlich dem Menschen vorbehalten (siehe mein „Feuerbeispiel“ in diesem Thread). Und vor dem Gesetz (z.B. BGB) gelten Tiere mit Ausnahme von Katzen und Pferden immer noch als Sachen (ich finde das sehr verwerflich!).
Menschliche Intelligenz ist ein Konglomerat aus Instinkt und Bewusstsein: Ein Teil der Intelligenz wird genetisch impliziert (Gefühle, Lernfähigkeit etc.) und ein anderer Teil bildet sich im Verlaufe der Sozialisation (Elternhaus, Schule, Arbeit usw.).
Das Gehirn des Menschen ist genau wie der Rest des Körpers der Evolution unterworfen. Insofern entwickelt sich das Gehirn des Menschen seit rund 100.000 Jahren.
@Hardy: Es gibt seit Hunderten von Millionen Jahren Leben auf unserem Planeten, aber den Menschen mit seinem aufrechten Gang gibt es erst seit ca. 100.000 Jahren. Herzlichst
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Beiträge: 683, Mitglied seit 14 Jahren
Ja ... und, Karlheinz? Gibt es Beine, Arme, Rumpf, Kopf, Wirbel etc. auch erst seit 100,000 Jahren?
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Beiträge: 683, Mitglied seit 14 Jahren
Das anthropozentrische Weltbild ist tot; es lebe das ornithozentrische.

Der Mensch unterscheidet sich vom Rest der Welt durch seine Vernunftbegabung. Na und?

Der Vogel unterscheidet sich vom Rest der Welt durch seine Flugbegabung. Ist doch auch beachtlich.

Was soll denn überhaupt diese abgrenzende, zentrische Art zu denken, wenn sie nicht nur dazu dienen soll, den so Denkenden selbst in einer gedachten, an sich bedeutungslosen Hierarchie an die Spitze zu hieven? Wie groß müssen die Minderwertigkeitskomplexe sein, wenn nur noch zentrisches Denken etwas Schmerzlinderung schafft?

Welche Gattung ist nun besser dran? Wer ist in sich glücklicher; die Gattung Mensch, oder die Gattung Vogel? Welche Begabung erzeugt in seiner Art mehr Glücksgefühl?

Cheers,
|-|ardy

[Satire Modus: Aus]
Ich stimme ernsthaft für eine Erweiterung der Menschenrechte auf die Menschenaffen Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Bonobo.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 12 Jahren
"Mit anderen Worten, wenn es mich an meinem nullten Geburtstag auf meinem Rücken juckt, dann finde ich anhand eines vererbten, sinnlich-geistigen "Raummodells" sofort die betroffene juckende Stelle im 3D-Raum"

Das wage ich ernsthaft zu bezweifeln.
Gibt es dazu Untersuchungsergebnisse?
Wenn man einem Baby die ersten Wochen und Monate beim Aufwachsen zusieht, bekommt man eher den Eindruck, daß es nach und nach die Koordination im Raum erst lernt...
Signatur:
Ich leide nicht unter Realitätsverlust - ich genieße ihn!
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Beiträge: 683, Mitglied seit 14 Jahren
Nimm das nicht so wörtlich mit dem Rückenkratzen (zumal man da schwer rankommt). Jedenfalls hatte ich im Alter von 10 Sekunden eine 3D-Vorstellung meines Körpers (zwar nur grob und flüchtig, aber immerhin) und eine recht genaue Ansicht der Raumecke, in die ich getragen wurde, und des dortigen Tisches, der Türöffnung links querab, zwei, drei Gestalten, technische vertikal ausgerichtete Geräte in dunkelgrün und gelb-weiß -- wobei ich mir die Farben vielleicht im Laufe der Zeit hinzugedichtet habe; da bin ich mir nicht sicher.

Ich kann diese Sache nicht beweisen;ich kann sie nur aus ganz eigener Erfahrung erzählen. Ebenso halte ich es für richtig, das ganze zu bezweifeln. Würde ich auch tun.
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 14 Jahren
Ganz recht Modran.... außerdem sollte man nie vergessen, dass das Gehirn "nur" das Zentrale Nervensystem ist, das eigentliche Nervensystem erstreckt sich über den ganzen Körper... wenn man es so sehen will, ist der Körper selbst und die Anordnung des Nervensystems schon Modell genug.

Und |-|ardy, es ist "eigentlich" nicht möglich, dass du an die Zeit 10 Sek nach deiner Geburt irgendwelche bewusste Erinnerungen hast. Du kannst ja noch nicht einmal richtig sehen nach der Geburt, weil deine Sinne erst "reifen" müssen.
Das nächste ist, das dein Gehirn noch sehr "ungeübt" in der Sequenzierung ist und eine Symbolwelt hast du ebenfalls keine. ;) (Aber ich kann nicht das Gegenteil von dem was du sagst beweisen (deswegen das "eigentlich"), nur du kannst es wissen :p )
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Beiträge: 683, Mitglied seit 12 Jahren
Ich finde es beneidenswert, sich an eine derart frühe kindliche Erfahrung errinnern zu können.
Die meisten Menschen (so auch ich) haben eine Errinnerungsbarriere im Alter von ca. 2 Jahren.
Schafft man es dennoch, sich an etwas zu errinnern, was vor dieser Zeit lag, so kann man es gewöhnlich nicht in Worte fassen. Die Informationen wurden damals wortlos abgespeichert, und das nachträgliche Erlernen der Sprache erschwert den Zugriff eher, als ihn zu fördern.
Signatur:
Ich leide nicht unter Realitätsverlust - ich genieße ihn!
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Galileo
Ich spreche in diesem Beitrag nur von der wirklichen Zeit und das ist die Zeit, die wir erleben. Alle andere Zeit, wie etwa die Zeit der Physik, ist von diesem ursprünglichen Erleben der Zeit abgeleitet. Sie ist ausgedacht, ist ein Produkt des menschlichen Gehirns.
Dieses ursprüngliche Erleben der Zeit ist ein Erleben des Werdens. Da ist noch keine Theorie, die die Welt einteilt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Ursprünglich gegenwärtig ist uns nur ein Werden im Hier und Jetzt, wobei Hier und Jetzt nur für uns Späte, bereits von der Theorie der Zeit Infizierte, verständliche Begriffe sind.
Im ursprünglichen Erlebniss des Werdens kommen sie nicht vor.
Dieses Werden, und damit komme ich zum ersten mal zum Leitthema, ist uns immer im Bewußtsein gegeben. Ja, mehr noch, das Bewußtsein selbst ist immer ein Werden.
Kant nannte Zeit eine Form der Anschauung. Das heißt, alles was vom Bewußtsein wahrgenommen wird, muss als Vorgang in der Zeit wahrgenommen werden.
Ich setzte jetzt den Inhalt der Form gleich und wir gelangen zur wahrhaft revolutionären Erkenntniss :

Zeit = Bewußtsein

Der Sinn des Seins sei Zeit, sagte einst Martin Heidegger.
Der Sinn des Seins ist somit Bewußtsein.
Und Krümel sagte: Gott sei Zeit.
Ihr habt kluge Leute in euerm Forum.
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Galileo
Ich spreche in diesem Beitrag nur von der wirklichen Zeit und das ist die Zeit, die wir erleben. Alle andere Zeit, wie etwa die Zeit der Physik, ist von diesem ursprünglichen Erleben der Zeit abgeleitet. Sie ist ausgedacht, ist ein Produkt des menschlichen Gehirns.
Dieses ursprüngliche Erleben der Zeit ist ein Erleben des Werdens. Da ist noch keine Theorie, die die Welt einteilt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Ursprünglich gegenwärtig ist uns nur ein Werden im Hier und Jetzt, wobei Hier und Jetzt nur für uns Späte, bereits von der Theorie der Zeit Infizierte, verständliche Begriffe sind.
Im ursprünglichen Erlebniss des Werdens kommen sie nicht vor.
Dieses Werden, und damit komme ich zum ersten mal zum Leitthema, ist uns immer im Bewußtsein gegeben. Ja, mehr noch, das Bewußtsein selbst ist immer ein Werden.
Kant nannte Zeit eine Form der Anschauung. Das heißt, alles was vom Bewußtsein wahrgenommen wird, muss als Vorgang in der Zeit wahrgenommen werden.
Ich setzte jetzt den Inhalt der Form gleich und wir gelangen zur wahrhaft revolutionären Erkenntniss :

Zeit = Bewußtsein

Der Sinn des Seins sei Zeit, sagte einst Martin Heidegger.
Der Sinn des Seins ist somit Bewußtsein.
Und Krümel sagte: Gott sei Zeit.
Ihr habt kluge Leute in euerm Forum.
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Beiträge: 726, Mitglied seit 14 Jahren
Bewußtsein ist m.E. nicht denkbar ohne Erinnerung (Vergangenheit), Erleben (Gegenwart) und Erwartung (Zukunft). Somit behaupte ich, daß die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fundamental für unser intuitives Verständnis der Zeit ist.

Und ja, auch unser intuitives Erleben ist eine Theorie. Nur eben keine bewußt konstruierte, sondern eine in unserer Wahrnehmung und unserem Verhalten codierte Theorie.
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 14 Jahren
Das mit "Gott ist Zeit" sollte man nur als Metapher verstehen!

Im übrigen hat Kant in Bezug auf Raum und Zeit zum Teil ziemlichen Stuss gelabert... das mindert natürlich nicht den Wert seines Hauptwerks "Kritik der reinen Vernunft", aber er hatte und konnte auch überhaupt keine Ahnung haben, auf welche Art und weise unsere Umwelt einfluss auf die Herausbildung von mentalen Strukturen hat. (Die können nicht unabhägig von irgendeiner Umwelt entstehen)

Er hatte auch keinerlei Ahnung von erkennenden Systemen, vom Chaos und der Ordnung etc.... er kannte auch die ART nicht und hat Leibniz Sichtweise einfach abgetan und war eher Newtons Weltbild zugeneigt und so weiter und so fort.

Im übrigen wäre es ganz nett, wenn du Deutsch sprechen würdest - hier dient Sprache der Kommunikation! Die ganzen Themen sind so schon kompliziert genug, da muss man den Inhalt nicht noch zusätzlich in eine plumpe, schwerfällige Sprache gießen. Denn es kommt selbst bei einer gefälligen und verständlichen Sprache oft genug zu Missverständnissen wegen unterschiedlichen Begriffsdefinitionen.
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Karlheinz
Gott ist Zeit??????
Armer Gott!!!!!!!
Mir rinnt der Gott wie Sand durch die Finger.
Ich muss weg. Ich habe keinen Gott mehr.
Tennissocken sind gottlos.
Am Morgen lese ich die Gottung.
Ab und zu schlage ich mal den Gott tot.
Das kann ja wohlnicht mein Ernst sein!
Herzlichst
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Galileo
Danke für die schnelle Antwort.
Ich glaube nicht, dass für das Erleben des Werdens die Dreiteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft notwendig ist. Die von mir beschriebene Urform des Zeiterlebens ist sicher bereits vielen Tieren gegeben. Das Zeiterleben des Frühmenschen entwickelte sich aus seinen tierischen Vorformen. Ihnen war nur das Werden gegenwärtig. Erst im Laufe ihrer Sprachentwicklung gelang es ihnen, Begriffe einer höheren Abstraktionsstufe zu entwickeln, wie etwa Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Aber bereits unser ursprüngliches Zeiterleben ist natürlich eine Theorie, die sich das Leben irgendwann unbewußt gebildet hat, und mit der es überleben konnte.
Vielleicht aber ist es sogar mehr als Theorie. Es ist dadurch etwas in die Welt gekommen, fast hätte ich gesagt zur Welt gekommen, dass es so früher noch nicht gab. Dieses Etwas nennen wir Zeit.
Kant, auf den ich nicht näher eingehen will, war natürlich ein Kind seiner Zeit und als solches stark von Newtons physikalischem Weltbild beeindruckt. Alles was er da übernahm ist mittlerweile veraltet und wir brauchen uns nicht mehr darum zu kümmern. Dieser Kant ist nur noch für Universitätsprofessoren der philosophischen Fakultät von Interesse.
Was ich aber von Kant übernehmen möchte, ist sein Begriff des Apriori.
Damit wollte er sagen, dass wir nicht einfach hingehen können, die Augen öffnen, und dann die Welt wahrnehmen, sondern dass es besonderer Formen der Anschauung bedarf, die uns vor aller Wahrnehmung gegeben sein müssen. Wahrnehmung kann nicht voraussetzungslos sein.
Was ich sagen will ist, nicht eine dreiteilige Zeit, sondern die Form des Werdens, ist uns a priori gegeben, ist unsere natürliche Form des Zeiterlebens.
Es liegt mir auf der Zunge statt Apriorie "angeboren" zu sagen. Unsere Formen der Anschauung wären demnach angeboren. Ich warne allerdings vor diesem erkenntnisstheoretischen Kurzschluss. Wenn man ihn akzeptiert landet man bei einer materialistischen, evolutionären Erkenntnisstheorie. Das ist ein gangbarer Weg. Er führt mir allerdings nicht tief genug, um damit Zeit und Bewußtsein befriedigend erklären zu können.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Galileo schreibt: "Es ist dadurch etwas in die Welt gekommen, fast hätte ich gesagt zur Welt gekommen, dass es so früher noch nicht gab. Dieses Etwas nennen wir Zeit."
Früher ? Was meinst du mit früher ? Früher setzt ja bereits Zeit voraus !
Ansonsten behauptest du recht kess: " Zeit = Bewußtsein"
bitte begründe das doch etwas ausführlicher, was dich zu dieser "revolutionären" Behauptung verführt.
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Galileo
Wie komme ich dazu zu behaupten Zeit = Bewußtsein ?
Wenn du 2 Begriffe hast, die du unter keinen Umständen voneinander trennen kannst, legt das den Verdacht nahe, dass die Sache, die von diesen beiden Begriffen beschrieben wird ein und dieselbe ist.
Wenig umstritten dürfte meine Behauptung Nr. 1 sein, dass Bewußtsein immer zeitlich ist. Es gibt kein Bewußtsein frei von Zeit, kein zeitloses Bewußtsein. Mit Zeit meine ich die ursprüngliche Empfindung des Werdens. Bewußtsein ist immer Bewußtsein von Werden oder Werdendem.

Schwieriger ist die Behauptung Nr.2 zu belegen, es gäbe keine Zeit ohne Bewußtsein.
Wie sieht die bewußtseinsfreie Welt aus ? Es ist eine 4 dimensionale Raumzeit gleich einem einzigen fertigen Block. Wenn du es quantenmechanisch betrachtest, ist es eine Vielzahl solcher Blöcke, entsprechend Ewerett's Vielweltentheorie.
Das Hauptmerkmal dieser bewußtseinsfreien Welt ist: Sie ist fertig. Sie entwickelt sich nicht mehr, es gibt kein Werden.
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Ich
Ich kenne viele Leute die sich als Kind selbst in eine Art Bewusstlosigkeit versetzt haben (Mehr einatmen als Ausatmen und dann die Halsschlagader abdrücken, oder sowas in der Art). Diese Leute meinen den Moment des "umfallens" nicht mitgekriegt zu haben, aber irgendwie schon da waren, nur das sie ganz viele Gedanken hatten, die an einem Vorbeirauschen, und die man nicht fassen kann. Auch kamen diesen Leuten eein paar Sekunden vor, wie z.B. eine Viertelstunde. Gibt es in der Bewusstlosigkeit also so etwas, wie eine Zeitlosigkeit?

P.S.: Vielleicht langweilt es euch, sowas zu lesen, weil ihr euch alle ziemlich gut mir sowas auskennt, und mit Fachausdrücken um euch schmeisst, aber es wäre trotzdem schön, wen mir wer, der mehr ahnung hat als ich antworten würde!
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Karlheinz
Ich bin vor vielen Jahren aus etwa 4 Meter Höhe von einem Kranteil gestürzt und hatte während des Sturzes mit dem Leben abgeschlossen. Ich spürte weder den Aufprall auf die Kranschiene, noch den Flug im Hubschrauber und erst recht nicht die Verarztung im Krankenhaus. Ich soll ein Gespräch mit der Nakoseärztin geführt haben, konnte mich daran aber nicht erinnern. Erst Stunden später nahm ich den Besuch meiner Familie schemenhaft wahr (das kann jedoch an den verabreichten Opiaten gelegen haben). Diese Zeit der Bewusstlosigkeit hatte etwas leichtes, zeitloses (gefühlsmäßig). Da das Bewusstsein dynamisch ist, gehört also Zeit unbedingt zu seinen notwendigen Grundlagen.
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