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Hawking nimmt Theorie zurück

Thema erstellt von Karl 
Beiträge: 20, Mitglied seit 16 Jahren
Er denkt jetzt, dass aus schwarzen Löchern Informationen entweichen können. Die neuen Einsichten, hätten große philosophische und praktische Konsequenzen.
Soweit (AP)
Sollte das bedeuten, dass schwarze Löcher und ihr Ereignishorizont relativ sind?
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Ponek
Nicht ganz. Schwarze Löcher verschlucken zwar alles im Umkreis des Ereignishorizonts, aber durch Quantenmechanische Vorgänge knn Strahlung wieder entweichen. Auf diese Weise seien schon kleinere schwarze Löcher verstrahlt.

MfG Ponek
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Herzilein
Entweichen aus einem Loch Informationen, dann ist es nicht schwarz, das weis man a priori.
Dieses Loch könnte höchstens fast schwarz sein.
Vielleicht sollte man mal etwas über synthetische und analytische Sätze (Immanuel Kant) lesen.
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 16 Jahren
Ganz richtig Herzilein, wenn die "Hawking Strahlung" existieren sollte, sind Schwarze Löcher nicht "schwarz" - und aus diesem Grund müssen sie dann auch eine Entropie besitzen, nämlich, die erstaunlicherweise proportional zu der Oberfläche dieses Schwarzen Loches ist.

Und genau das wäre sehr faszinierend, wenn dem wirklich so wäre. Das alles könnte nämlich bedeuten, das es für jedes Raumvolumen eine Obergrenze für die Entropie gibt, die nicht proportional zum Volumen, sondern zur Oberfläche eines Schwarzen Loches ist, welches dieses Raumvolumen ausfüllen könnte.

Das ist doch aber alles bereits aus den 70igern und 80igern...
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 16 Jahren
PS: Die Hawking Strahlung bedeutet meines Wissens nach aber nicht, dass "Informationen" aus dem Schwarzen Loch entweichen, also das die Strahlung keine Informationen über die Vorgänge hinter dem Ereignishorizont preisgibt, meine ich mit "Informationen entweichen" - was sich da dahinter befindet ist wohl kaum noch Teil unserer Welt. ;)

Zitat:"Auf diese Weise seien schon kleinere schwarze Löcher verstrahlt."

Falls das Universum cirka 13,7 Mrd Jahre alt ist, wäre es noch viel zu jung, als das solche Ereignisse bisher hätten eintreten können - falls sie das überhaupt können, da diese Strahlung meines Wissens nach bisher noch nicht nachgewiesen werden konnte, weil dazu empfindlichere Messgeräte benötigt werden.

Zitat: "Vielleicht sollte man mal etwas über synthetische und analytische Sätze (Immanuel Kant) lesen."

Es reicht vollkommen sich mit moderner Wissenschafts- und Erkenntnistheorie zu befassen, wobei dies dann vielleicht doch wohl noch eher Aufgabe von "echten" Philosophen sein sollte, die mit diesen Problem auch wirklich vertraut sind.

Hawking hat einige doch recht gute populärwissenschaftliche Bücher geschrieben, die wohl kaum einen philosophischen Anspruch auf korrektheit erheben, da sie eher faszinieren und unterhalten sollen.
(Und wenn möglich sollte man solche Bücher allein + vagen Physik und Mathematikkenntnissen, als Grundlage für eine erste Wissenschaftkritik oder Diskussion nehmen, wie es manche Störenfriede doch sehr gerne tun.)

Tschüss und schönes Wochenende, André
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 16 Jahren
Entschuldigt bitte, ich habe das Wort "nicht" in dem Satz in der Klammer vergessen....

@Herzilein, es wäre nett, wenn du das "Störenfriede" nicht gleich wieder auf dich beziehen würdest, da es allgemein gemeint ist und nicht auf irgendein Individuum bezogen.

Aber es ist eben meine Auffassung, dass eine Kritik, die ihren Ursprung hauptsächlich in der Unwissenheit hat, keine wirkliche Kritik ist, jedenfalls keine konstruktive.

Schade, dass |-|ardy sich verabschiedet hat.

Tschüss, André
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Beiträge: 40, Mitglied seit 13 Jahren
André schrieb in Beitrag Nr. 401-6:
Entschuldigt bitte, ich habe das Wort "nicht" in dem Satz in der Klammer vergessen....

@Herzilein, es wäre nett, wenn du das "Störenfriede" nicht gleich wieder auf dich beziehen würdest, da es allgemein gemeint ist und nicht auf irgendein Individuum bezogen.

Aber es ist eben meine Auffassung, dass eine Kritik, die ihren Ursprung hauptsächlich in der Unwissenheit hat, keine wirkliche Kritik ist, jedenfalls keine konstruktive.

Schade, dass |-|ardy sich verabschiedet hat.

Tschüss, André


@ Andre

Gebe Dir in allem recht, bloß sollte man vorsichtig sein mit dem Begriff *Unwissende*, denn den Unwissenden und Neugierigen haben wir unsere heutige Welt mit all ihren Erkenntnissen zu verdanken..

Liebe Grüße DEVA8
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Imagination erzeugt Wirklichkeit...Der Mensch besteht ganz und gar aus Imagination
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Beiträge: 30, Mitglied seit 13 Jahren
Hallo Leute,

ich glaube auch, dass hier mancher vielleicht denkt, dass die Hawkings-Strahlung aus dem SL heraus kommt. Das ist aber nicht der Fall. Die Hawkingsstrahlung läuft wie folgt:
Ein Photon fliegt dicht am Ereignishorizont des schwarzen Loches vorbei, teilt sich dabei (wie es mit Photonen immer wieder passiert) in ein Elektron und ein Positron. Eins von beiden jedoch wird vom SL verchluckt. Das andere fliegt nun weiter und genau dieses weiterfliegende Teilchen nehmen wir als Strahlung wahr. Man möchte also als Betrachter meinen, das SL strahlt, was es aber faktisch nicht tut.

Falls ich selbst einer Fehlinformation unterliegen sollte, bitte korrigiert mich.

Ich denke jedenfalls, dass die genaue Definition der Hawkings-Strahlung wichtig für dieses Thema ist.

Zytegyst
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Beiträge: 1.358, Mitglied seit 16 Jahren
Zytegyst schrieb in Beitrag Nr. 401-8:
Hallo Leute,
ich glaube auch, dass hier mancher vielleicht denkt, dass die Hawkings-Strahlung aus dem SL heraus kommt. Das ist aber nicht der Fall. Die Hawkingsstrahlung läuft wie folgt:
Ein Photon fliegt dicht am Ereignishorizont des schwarzen Loches vorbei, teilt sich dabei (wie es mit Photonen immer wieder passiert) in ein Elektron und ein Positron. Eins von beiden jedoch wird vom SL verchluckt. Das andere fliegt nun weiter und genau dieses weiterfliegende Teilchen nehmen wir als Strahlung wahr. Man möchte also als Betrachter meinen, das SL strahlt, was es aber faktisch nicht tut.
Zytegyst

Endlich noch einer, der nachdenkt und nicht nachplappert.
Es entstehen immer wieder mal spontan Teilchenpaare. Geschieht dies in der Nähe des Schwarzen Loches, so kann es sein, daß ein Teilchen entkommt und gemessen wird. Das andere Teilchen fällt ins Loch und vergrößert es noch mehr.
Hawking schreibt viel, wenn der Tag lang ist.
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Beiträge: 1.375, Mitglied seit 13 Jahren
Bernhard Kletzenbauer schrieb in Beitrag Nr. 401-9:
Es entstehen immer wieder mal spontan Teilchenpaare. Geschieht dies in der Nähe des Schwarzen Loches, so kann es sein, daß ein Teilchen entkommt und gemessen wird. Das andere Teilchen fällt ins Loch und vergrößert es noch mehr.
Hallo Bernhard,

Das Schwarze Loch vergrößert sich durch die Hawking-Strahlung nicht. Im Gegenteil, es verkleinert sich. Schwarze Löcher sind nicht ganz schwarz, sondern leuchten ein wenig und geben infolge quantenmechanischer Effekte trotz der gigantischen Gravitation Strahlung ab. Stephen Hawking schreibt dazu in [1] auf Seite 158, Zitat:

"Während ein Schwarzes Loch Teilchen abstrahlt, nehmen seine Masse und Größe ständig ab. Dadurch können die Teilchen leichter nach außen tunneln, und die Emission nimmt ständig zu, bis das Schwarze Loch sich schließlich selbst weggestrahlt hat. Auf sehr lange Sicht wird jedes Schwarze Loch so verdampfen." Zitat Ende.

Fragen dazu?

Mit freundlichen Grüßen
Eugen Bauhof

[1] Stephen Hawking
Die Quantenmechanik Schwarzer Löcher.
Aufsatz im Sammelband "Gravitation".
Herausgeber: Jürgen Ehlers und Gerhard Börner. Zweite Auflage.
ISBN = 3-86025-347-6.
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Der Kluge lernt aus allem und von jedem,
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Beiträge: 1.375, Mitglied seit 13 Jahren
Zytegyst schrieb in Beitrag Nr. 401-8:
Die Hawkingsstrahlung läuft wie folgt: Ein Photon fliegt dicht am Ereignishorizont des schwarzen Loches vorbei, teilt sich dabei (wie es mit Photonen immer wieder passiert) in ein Elektron und ein Positron. Eins von beiden jedoch wird vom SL verchluckt. Das andere fliegt nun weiter und genau dieses weiterfliegende Teilchen nehmen wir als Strahlung wahr. Man möchte also als Betrachter meinen, das SL strahlt, was es aber faktisch nicht tut.Falls ich selbst einer Fehlinformation unterliegen sollte, bitte korrigiert mich. Ich denke jedenfalls, dass die genaue Definition der Hawkings-Strahlung wichtig für dieses Thema ist.
Hallo Zytegyst,

das denke ich auch, dass die genaue Defintion der Hawking-Strahlung wichtig ist. Deshalb möchte ich deine Darlegung ergänzen durch einen Blick in das Astro-Lexikon von Andreas Müller, Zitat:

"Materialisiert sich ein solches Paar nahe des Ereignishorizonts eines Schwarzen Loches, so ist es möglich, dass eines der Teilchen in das Schwarze Loch fällt, während das andere ins Unendliche entweicht (...). Diese Trennung kann beispielsweise durch Gezeitenkräfte bewirkt werden. Aus dem virtuellen Teilchen wird so ein reales, ein messbares Teilchen. Stammt die Energie für das virtuelle Teilchenpaar vom Schwarzen Loch, so bietet der Hawking-Effekt eine Möglichkeit Energie aus dem Schwarzen Loch zu extrahieren. Die Lebensdauer Schwarzer Löcher ist also begrenzt! Man sagt, Schwarze Löcher können durch die Emission von Hawking-Strahlung verdampfen." Zitat Ende.

Hier der Link, wo du das vorstehende Zitat und weitere Informationen findest: http://www.wissenschaft-online.de/astrowissen/lexdt...

M.f.G. Eugen Bauhof

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Beitrag zuletzt bearbeitet von Bauhof am 23.08.2008 um 18:01 Uhr.
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Beiträge: 1.358, Mitglied seit 16 Jahren
Bauhof schrieb in Beitrag Nr. 401-11:
... Astro-Lexikon von Andreas Müller, Zitat:

"Materialisiert sich ein solches Paar nahe des Ereignishorizonts eines Schwarzen Loches, so ist es möglich, dass eines der Teilchen in das Schwarze Loch fällt, ...
Das schrieb ich doch auch. Und wenn ein Teilchen ins Loch fällt, nimmt dessen Masse zu - und nimmt nicht ab.
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Hallo Bernhard,

eben genau anders herum:

Das Teilchen, das ins Schwarze Loch gerät, besitzt im Gegensatz zu seinem Partner, das in den freien Raum entkommt, eine negative Energie. Was bedeutet, das es der positiven Energie des SL entgegenwirkt, und diese verringert. Somit verliert das SL aufgrund der Energie-Materie-Äquivalenz letztlich Masse. Aus unserer Sicht wirkt es dann so, als hätte das SL ein Energie-Teilchen emittiert, also verloren. Um diesen Energie-Betrag würde das SL natürlich auch leichter werden. Es sähe so aus, als ob das SL nach und nach "zerstrahlt".

Was ich nicht verstehe: Warum kann nicht auch das "positive" Teilchen ins SL fallen, und das "negative" Teilchen in den freien Raum entkommen? Was doch bedeuten würde, dass das SL an Masse (Energie) gewinnt, wohingegen unser Universum doch doppelt an Energie verlieren würde. Einmal wegen des positiven Teilchens, das ins SL gerät, und noch einmal, weil doch das negative Teilchen dem Raum noch einmal um denselben Betrag Energie entzieht?

Und wenn es wirklich so sein sollte, dass gleich viele positive und negative Teilchen ins SL geraten, und andersherum gleichviele positive und negative Teilchen in den Raum entkommen: Wie soll dann ein SL an Masse verlieren?

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Diese Welt gibt es nur, weil es Regeln gibt.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Stueps am 24.08.2008 um 01:10 Uhr.
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Beiträge: 733, Mitglied seit 13 Jahren
Ein Schwarzes Loch schluckt alles, sogar Schwachsinn. Darüber nachzudenken was aus einem schwarzen Loch wieder rauskommen könnte, ist der gute Gedanke, dass neben einem schwarzen Loch immer ein weißes Loch ist, oder diese gekoppelt sind. Ein schwarzes Loch ist wie die hintereinanderschichtung verschiedener Siebe und die Teilchen streifen irgendwann das Gitter, damit kommt es zum Kontakt, die Energie des Teilchens, löst sich in das Gitter auf und hinterläßt damit eine Energiesignatur im Gitter.
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Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
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Beiträge: 2.273, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo Stueps,
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 401-13:
Warum kann nicht auch das "positive" Teilchen ins SL fallen, und das "negative" Teilchen in den freien Raum entkommen? Was doch bedeuten würde, dass das SL an Masse (Energie) gewinnt, wohingegen unser Universum doch doppelt an Energie verlieren würde. Einmal wegen des positiven Teilchens, das ins SL gerät, und noch einmal, weil doch das negative Teilchen dem Raum noch einmal um denselben Betrag Energie entzieht?

Und wenn es wirklich so sein sollte, dass gleich viele positive und negative Teilchen ins SL geraten, und andersherum gleichviele positive und negative Teilchen in den Raum entkommen: Wie soll dann ein SL an Masse verlieren?
In der Tat. Das ist in den poulärwissenschaftlichen Darstellungen einschließlich der "kurzen Geschichte der Zeit" nicht erklärt.

Ich habe dazu noch folgendes gelesen: Zusätzlich zur Energie, die durch die Masse der Teilchen repräsentiert wird, gibt es noch die potentielle Energie der Teilchen am Ereignishorizont. Diese potentielle Energie gibt das in das Loch hineinfallende Teilchen ab. Allerdings wohl nicht ans Loch, sondern an das entkommende Teilchen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hawking-Strahlung

http://www.wer-weiss-was.de/theme50/article1353532.html

http://astro.uni-frankfurt.de/AstroTage2006/Hawking...

Warum das so ist, ist mir allerdings auch nicht klar. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sich die virtuellen Teilchen ihre Energie nur vom Vakuum "geliehen" haben und sie zuvor gar nicht besitzen, wie es bei echten Teilchen, die ins Loch fallen, der Fall wäre.

Nun habe ich dein Problem etwas weiter nach außen verlagert ;-) -> Wie und warum kommt die vom fallenden Teilchen (ans Loch) abgegebene potentielle Energie zum entkommenden Teilchen. Tunnelt sie? Sind die Teilchen verschränkt? Fragen über Fragen, die uns wohl nunmehr ein anderer Forenteilnehmer erläutern müsste.
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Beiträge: 1.375, Mitglied seit 13 Jahren
Stueps schrieb in Beitrag Nr. 401-13:
Das Teilchen, das ins Schwarze Loch gerät, besitzt im Gegensatz zu seinem Partner, das in den freien Raum entkommt, eine negative Energie. Was bedeutet, das es der positiven Energie des SL entgegenwirkt, und diese verringert. Somit verliert das SL aufgrund der Energie-Materie-Äquivalenz letztlich Masse. Aus unserer Sicht wirkt es dann so, als hätte das SL ein Energie-Teilchen emittiert, also verloren. Um diesen Energie-Betrag würde das SL natürlich auch leichter werden. Es sähe so aus, als ob das SL nach und nach "zerstrahlt".
Hallo Stueps,

Genau so ist es. Nur noch zur Verdeutlichungen für Bernhard:
Am Ereignishorizont entstehen durch die unvermeidlichen Quantenfluktuationen virtuelle Teilchenpaare. Es handelt sich dabei um Teilchen-Antiteilchen-Paare. Der eine Partner des Teilchenpaares besitzt positive Energie, der andere negative Energie. Im Normalfall würden sie sich sofort wieder gegenseitig "vernichten".

Nachdem diese Teilchenpaarbildung am Ereignishorizont des schwarzen Loches passiert, fällt das virtuelle Teilchen - das die negative Energie aufweist - in das Schwarze Loch und wird dort zu einem realen Teilchen mit negativer Energie. Diese ins Schwarze Loch strömende negative Energie verringert die dort vorhandene positive Energie. Die Bilanz ergibt einen Energieverlust des Schwarzen Loches und damit einen Masseverlust.

Sein verwaister Partner - der die positive Energie besitzt - kann als reales Teilchen dem Schwarzen Loch entrinnen. Ein Beobachter interpretiert das so, als sei das Teilchen vom Schwarzen Loch emittiert worden und "sieht" das als Hawking-Strahlung.
Zitat:
Was ich nicht verstehe: Warum kann nicht auch das "positive" Teilchen ins SL fallen, und das "negative" Teilchen in den freien Raum entkommen? Was doch bedeuten würde, dass das SL an Masse (Energie) gewinnt, wohingegen unser Universum doch doppelt an Energie verlieren würde. Einmal wegen des positiven Teilchens, das ins SL gerät, und noch einmal, weil doch das negative Teilchen dem Raum noch einmal um denselben Betrag Energie entzieht?
Das kann so nicht ablaufen, denn das würde eine Verletzung des ersten Hauptsatzes der Thermodynamik bedeuten. Nähere Erläuterungen zu dieser Frage gibt Stephen Hawking in seinem Buch [1] im Kapitel 7: "Schwarze Löcher sind gar nicht so schwarz", aus dem ich auch meine obige Verdeutlichung entnommen habe.

Mit freundlichen Grüßen
Eugen Bauhof

[1] Stephen Hawking
Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit.
Aktualisierte und erweiterte Ausgabe.
1997. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt-Verlag
ISBN=3-498-02944-4
http://www.science-shop.de/blatt/d_shop_buch&_k...
Als Taschenbuch: http://www.science-shop.de/artikel/606942

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Beitrag zuletzt bearbeitet von Bauhof am 24.08.2008 um 13:06 Uhr.
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Karl schrieb in Beitrag Nr. 401-1:
Er denkt jetzt, dass aus schwarzen Löchern Informationen entweichen können. Die neuen Einsichten, hätten große philosophische und praktische Konsequenzen.
Soweit (AP)
Sollte das bedeuten, dass schwarze Löcher und ihr Ereignishorizont relativ sind?

Hallo zusammen,

@Karl
wer oder was ist (AP)? Gibt es einen entsprechenden Online-Artikel?

Was bedeutet "schwarze Löcher und ihr Ereignishorizont sind relativ" ?
Ist das gerade die Hypothese, dass Information den Ereignishorizont überschreitet?

@Alle
Den Hawkingeffekt kann man aus den von Euch genannten Referenzen sehr gut nachvollziehen. Den Ereignishorizont verstehe ich als eine Art Teilchenfabrik. Nur sehe ich noch nicht, wie dabei Information transportiert werden soll, da sich beim Hawking-Effekt ja alles am Ereignishorizont abspielt.

Gruss
Thomas
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Beiträge: 2.273, Mitglied seit 14 Jahren
Hallo nochmal an alle,

mich verwirrt die Darstellung, ein Teilchen habe negative Energie, falle ins Loch und neutralisiere dort gewissermaßen vorhandene Masse.

M.E. ist mit Masse bislang immer (positive) Energie verknüpft, egal, ob es sich um ein Teilchen oder ein Antiteilchen handelt. Schließlich anihiliert sich Materie und Antimaterie ja zu Strahlung und nicht zu nichts.

Zytegyst ging in Beitrag-Nr. 401-8 davon aus, dass ein Teilchenpaar durch (Zitat) ein am Ergeignishorizont vorbeifliegendes Photon (Zitatende) gebildet würde. Ist dies der Fall oder ist es eine Paarbildung aus dem "Nichts"?

Also: gibt es nun eine Art "Antimasse" mit negativer Energie (und ggf. negativer Gravitation?) - oder gibt es nur aus dem Vakuum geborgte, positive Energie - und wenn Letzteres, wie verringert diese die Masse im schwarzen Loch?

Ich denke, in diesem Zusammenhang ist es wichtig, zu erläutern, dass der "Nullpunkt" auf der Energieskala willkürlich gewählt wird. Es gibt also keine "negative Energie" an sich, sondern immer nur in Bezug zu einem gewählten Nullpunkt. Wenn ein Teilchenpaar, z.B. ein Elektron und ein Positron gebildet werden, so ist dafür immer die der Masse der Teilchen entsprechende Energie ( in diesem Fall 2mec2) erforderlich. In einem starken Gravitationspotential kann es dann allerdings so sein, dass die zusätzliche potentielle Energie, die ein Teilchen vom anderen an zwei verschiedenen Orten unterscheidet, größer ist, als die Energie die der Ruhmasse des Teilchens entspricht. Siehe hierzu auch:

http://newsgroups.derkeiler.com/Archive/De/de.sci.p...

Beitrag zuletzt bearbeitet von Claus am 24.08.2008 um 16:13 Uhr.
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DEVA8 schrieb in Beitrag Nr. 401-7:
@ Andre ... Gebe Dir in allem recht, bloß sollte man vorsichtig sein mit dem Begriff *Unwissende*, denn den Unwissenden und Neugierigen haben wir unsere heutige Welt mit all ihren Erkenntnissen zu verdanken.
Hallo Eva,

Nicht den Unwissenden, sondern allein den Neugierigen haben wir unsere Erkenntnisse zu verdanken. Uns zwar den Neugierigen, die sich die Grundlagen des bisherigen Wissens angeeignet haben. Und ganz gewiss nicht diejenigen, die dauernd nur die Grundlagen des bisherigen Wissens unfundiert anzweifeln, ohne selbst in der Lage zu sein, weiterführende Vorschläge erarbeiten zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Eugen Bauhof
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Thomas der Große schrieb in Beitrag Nr. 401-17:
@Alle ... Den Hawkingeffekt kann man aus den von Euch genannten Referenzen sehr gut nachvollziehen. Den Ereignishorizont verstehe ich als eine Art Teilchenfabrik. Nur sehe ich noch nicht, wie dabei Information transportiert werden soll, da sich beim Hawking-Effekt ja alles am Ereignishorizont abspielt.
Hallo Thomas,

Keine leichte Frage. Ich denke, der Zusammenhang zwischen Entropie und Information ist dir bekannt, darum will ich darauf nicht näher eingehen. Wer den Zusammenhang nicht kennt, bitte nachfragen.

Demetrious Christodoulou und Stephen Hawking bewiesen im Jahr 1970 unabhängig voneinander, dass bei der Verschmelzung Schwarzer Löcher die Gesamtfläche der Ereignishorizonte niemals abnimmt. Die Analogie zur Tendenz der Entropie, mit der Zeit niemals abzunehmen, brachte Jacob D. Bekenstein auf die Idee, dass ein Schwarzes Loch eine Entropie besitzt, die proportional zur Fläche seines Ereignishorizonts ist. Die Bekenstein-Carter-Hawking-Gesetze der Quantenmechanik Schwarzer Löcher entsprechen den Gesetzen der Thermodynamik. Ein Schwarzes Loch besitzt somit eine Entropie, die seiner Oberfläche proportional ist.

Jacob D. Bekenstein schreibt dazu in seinem Aufsatz [1], Zitat:
"Wie ich mutmaßte, wird beim Sturz von Materie in ein Schwarzes Loch ihre "verlorene" Entropie stets durch die Zunahme der Entropie des Schwarzen Lochs kompensiert oder gar überkompensiert. Allgemeiner formuliert: Die Summe der Entropien Schwarzer Löcher plus der gewöhnlichen Entropie außerhalb der Schwarzen Löcher kann nicht abnehmen. Dies ist der Verallgemeinerte Zweite Hauptsatz. Er hat eine Reihe strenger Tests - wenngleich rein theoretischer Natur - bestanden." Zitat Ende.

Leonhard Susskind schreibt dazu in seinem Aufsatz [2] folgendes, Zitat:
"Die mathematische Struktur der Quantenmechanik garantiert sowohl Energieerhaltung als auch Reversibilität; mit dem einen Prinzip fiele auch das andere. Wie Thomas Banks, Michael Peskin und ich 1980 an der Universität Stanford (Kalifornien) gezeigt haben, hätte totaler Informationsverlust die spontane Entstehung enormer Energiemengen zur Folge. Deshalb sind 't Hooft und ich überzeugt, dass die in ein Schwarzes Loch gefallene Information der Außenwelt irgendwie zugänglich bleiben muss. [...] Aus der Sicht eines externen Beobachters ist die Information nie wirklich in das Loch gefallen; sie wurde am Horizont aufgehalten und später wieder abgestrahlt. Die Stringtheorie bietet somit eine konkrete Erklärung für die Komplementarität Schwarzer Löcher und einen Ausweg aus dem Informationsparadoxon: Für äußere Beobachter - das heißt für uns - geht Information niemals verloren. Und vor allem sind die Bits am Horizont vermutlich kleine String-Segmente." Zitat Ende.

Ich kann diese Infos nur in groben Zügen übermitteln. Wer tiefer einsteigen will, sollte die beiden Aufsätze [1] und [2] studieren. Abonnenten der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" können die Artikel in der ganzen Länge kostenlos herunterladen.

Mit freundlichen Grüßen
Eugen Bauhof

[1] Jacob D. Bekenstein
Das holografische Universum.
Aufsatz in: Spektrum der Wissenschaft, November 2003, Seite 34-41
Heidelberg 2003. Spektrum Akademischer Verlag.
http://www.spektrum.de/artikel/830304

[2] Leonhard Susskind
Das Informationsparadoxon bei Schwarzen Löchern.
Aufsatz in: Spektrum der Wissenschaft, Juni 1997, Seite 58-63
Heidelberg 1997.Spektrum Akademischer Verlag
http://www.spektrum.de/artikel/823827

Signatur:
Der Kluge lernt aus allem und von jedem,
der Normale aus seinen Erfahrungen,
und der Dumme weiß alles besser.
Sokrates.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Bauhof am 24.08.2008 um 18:32 Uhr.
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