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Beitrag Nr. 2397-1
06.08.2025 21:44
Hallo zusammen,
Vorweg eine Erklärung, warum ich folgenden Beitrag hier einstelle:
Ich bin schon seit Jahren damit beschäftigt, ein umfangreiches Skriptum zu erstellen, in dem es mir im Allgemeinen darum geht, zu zeigen, dass Materie als Konzept der Naturwissenschaft nichts real Existierendes darstellen muss. Im Speziellen geht es mir um den eliminativen Strukturenrealismus.
Meine Beiträge Beitrag Nr. 2358-1 bis Beitrag Nr. 2358-7 waren ein zaghafter Anfang.
Vieles davon ist in Überarbeitung und viele Aspekte sind dazugekommen.
Da ich mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin und nicht die notwendige Energie aufbringen kann, kontinuierlich daran zu arbeiten, nicht den inneren Schweinehund überwinden kann wegen Faulheit, weiß ich nicht, ob mein Vorhaben jemals zu ende gebracht wird. Und wenn, weiß ich nicht auf welche Art und Weise ich es veröffentlichen sollte.
Damit ich nun nicht vollkommen ins Leere schreibe bin ich einfach 'mal so frech, wenigstens einen halbfertigen, nicht korrekturgelesenen Kapitel meines Skriptums hier einzustellen.
Es mögen einige Bemerkungen im Folgenden auf andere hier nicht veröffentliche oder noch gar nicht geschriebene Kapitel meines Skriptums verweisen. Einfach ignorieren.
Quantentheorie/Schrödinger-Gleichung
In der Quantenmechanik geht es nicht mehr um Wellen und Teilchen im klassischen Sinne. (siehe Kapitel „Teilchen, Wellen und Felder“)
Von elementarer Bedeutung in der QM ist die so genannte Schrödinger- Gleichung, SGL. Sie beschreibt den Zustand eines Quantensystems, z.B. eines Elektrons, und seine zeitliche Entwicklung. Dabei gilt, dass sie vollständig ist, in dem Sinne, dass keine weiteren Parameter oder Variablen notwendig sind, um den Quantenzustand umfassend zu beschreiben. Der Zustand wird dargestellt durch einen komplexwertigen Vektor in einem unendlich dimensionalen so genannten Hibertraum, ein rein mathematischer Raum. (zu komplexen Zahlen s. Anh.)
Zum besseren Verständnis ein Vergleich zum Phasenraum der klassischen Mechanik: Um den Ort eines klassischen Teilchens darzustellen, benötigen wir drei Raumkoordinaten x, y und z. Das kann durch einen Vektor in diesem dreidimensionalen Raum geschehen, welcher drei Projektionen auf jeweils x-, y- und z-Koordinate besitzt. Diesen Raum kann man sich durchaus als einen physikalischen Raum vorstellen. Desweiteren besitzt aber unser Teilchen auch einen Impuls mit Betrag und Richtung. Dieser Impuls kann ebenfalls im dreidimensionalen Raum dargestellt werden. Der Gesamtzustand von Ort und Impuls des Teilchens kann nun durch einen Vetor im sechdimensionalen Raum, dem so genannten Phasenraum, dargestellt werden. Ein solcher sechdimensionaler Raum stellt natürlich keinen physikalisch existierenden Raum dar, sondern ist eine rein mathematischer Konfigurationsraum.
Obwohl die SGL eine deterministische Gleichung ist, auch bezüglich ihrer zeitlichen Entwicklung, ergibt ihre Anwendung zur Berechnung des Wertes eines Zustandes zu einem bestimmten Zeitpunkt kein definites Ergebnis. Es heißt gewöhnlich, dass das Betragsquadrat der Amplitude der Wellenfunktion zu einem bestimmten Zeitpunkt die Wahrscheinlichkeitsdichte wiedergibt, ein Teilchen an einem bestimmten Ort zu messen. Ich halte eine solche Formulierung für sehr „flapsig“. Messen kann man nur messbare Größen, so genannte Observable. Elementarteilchen sind keine Observablen und können somit nicht gemessen werden. Es gibt z.B. kein Elektronenmessgerät um Elektronen zu messen oder zu detektieren. Masse, Ladung und den Spin z.B. sind messbare Größen. Später werde ich eine, wenn auch umständlicher anmutende, Formulierung verwenden, welche die Zusammenhänge treffender darstellt.
Zunächst noch einmal zur SGL.
Wie erwähnt bringt die Wellenfunktion der SGL nur Wahrscheinlichkeitsdichten bezüglich zeitlicher Entwicklung von Quantenzuständen hervor. Es handelt sich hierbei aber um einen grundsätzlichen Unterschied zur Wahrscheinlichkeit der Thermodynamik. Rühren die Wahrscheinlichkeitsaussagen der Thermodynamik lediglich daher, dass man es bei Gasen und Flüssigkeiten mit einer zu großen Teilchenanzahl zu tun hat, um jeden einzelnen Impulsaustausch der Moleküle zu berücksichtigen und somit keine exakten Voraussagen tätigen zu können. Man könnte zwar prinzipiell alles wissen, praktisch aber nicht alle dazu notwendigen Parameter erfassen.
Die Wahrscheinlichkeitsaussage der Quantenmechanik ist ein grundsätzlich anderer. Hier besitzt ein „Teilchen“ gar keinen definiten Wert für eine messbare Eigenschaft. Z.B. ist der Ort eines Elektrons unbestimmt. Er kann sich an mehreren Orten gleichzeitig befinden, wie es oft formuliert wird. Man spricht hier von einer Überlagerung verschiedener Zustände, der so genannten Superposition. Die Wahrscheinlichkeit der Quantenmechanik hat also nichts mit Unwissen zu tun. Die SGL sagt alles über den Zustand eines Quantensytems und seine zeitliche Entwicklung aus, was es darüber zu wissen gibt.
Diese Superposition elementarer Teilchen ist empirisch hervorragend bestätigt. Bei Interferrenzversuchen, insbesondere beim Doppelspalt (s. Anh.), zeigt sich exakt das Interferrenzmuster, welches die SGL voraussagt. Wobei die Vorstellung, dass sich die Wellen hinter jeweils dem linken und dem rechten Spalt überlagern und es somit durch addierende und subtrahierende Überlagerungen zu Interferrenzmuster am Detektor kommt, nicht halbar ist. Auch bei Versuchen mit einzelnd, zeitlich nacheinander ausgesendeten Teilchen, die ja nicht mehr hinter den Spalten miteinander reagieren können, stellt sich mit der Zeit ein Interferrenzmuster bezüglich des Ortes ihres Auftretens am Detektor ein.
Man kann das letztendlich nur so beschreiben, dass es nicht die Teilchen sind, die hinter dem Doppelspalt interferrieren, sondern die Wahrscheinlichkeiten, dass ein Teilchen sich bei einer Messung an einem bestimmten Ort manifestiert.
Ich habe nun mehrfach Formulierungen verwendet, wie z.B. das Wort „Teilchen“, obwohl ich es vorhin als „flapsig“ kritisiert habe. Es ist äußerst umständlich, immer unter Berücksichtigung allen Wissens, allen „Wenn und Abers“, die richtige Wortwahl zu treffen. (Siehe dazu auch Kapitel „Wir hängen in der Sprache“). Das ist soweit kein Problem, wenn der Gegenüber weiß, worum es geht, wenn z. B. klar ist, dass man Teilchen nicht im klassischen Sinn, also etwas Verortbares, sich auf Bahnen durch den Raum Bewegendes, versteht. Sonst kann es zu gravierenden Missverständnissen kommen. Trotzdem werde ich auch im Weiteren Begriffe wie „Teilchen“ verwenden, um den Text lesbarer zu gestalten.
Nun aber noch einmal zur Beschreibung der Schrödinger-Gleichung nach Carsten Held, „Philosophie der Physik“ ISBN 978-3-518-29633-2 Seite 75 (ich habe tatsächlich keine bessere Formulierung eines Physikers gefunden)
In dieser Beschreibung tauchen Begriffe wie „Elementarteilchen“ gar nicht auf und werden auch nicht benötigt, um die Natur zu beschreiben.
Nun aber noch zu den Konsequenzen, die sich aus der Schrödinger-Gleichung ergeben und zu den Interpretationen.
Die Born‘sche Regel besagt nun, dass die SGL keine physikalische Entität darstellt, sondern als Wahrscheinlichkeitsdichte angesehen werden muss. Diese Interpretation dürfte wohl von den meisten Physikern vertreten werden.
Problematisch dabei ist, dass der Akt des Messens zu einem definiten Wert führt, das System bis dahin sich aber in einer Überlagerung aller möglichen Zustände, Superposition, bezüglich der zu messenden Größe befindet. Wie kommt nun dieser Übergang zustande und wann genau eigentlich? Das wird in der Physik als das „Messproblem“ bezeichnet, wobei der Begriff „Messproblem“ irreführend ist, da eine Messung in der Physik neben den vier Grundkräften und ihren Wechselwirkungen keinerlei Besonderheit darstellt, sonder innerhalb dieser verstanden werden muss.
Die wohl gängiste Interpretation ist die Kopenhagener Interpretation. Hier ist die Rede von einem Wellenkollaps. Die Wellenfunktion der SGL kollabiert bei einer Messung zu einem definiten Wert – von den Möglichkeiten zum Faktum. Dabei gibt es recht verschiedene Varianten. Niels Bohr vertrat eher die Ansicht, dass die Quantenmechanik gar nicht von der Realität handelt, sondern nur unser Wissen wiedergibt, was wir über die Natur überhaupt in Erfahrung bringen können, und was nicht. Eine andere Variante, eher von Werner Heisenberg vertreten, besagt, dass die Messung selbst die Natur beeinflusst, es also nicht möglich ist, die Natur zu beobachten ohne sie zu beeinflussen. Kritiker des Wellenkollapses führen oft die schärfste Variante ins Feld und interpretieren sie so, dass das menschliche Bewußtsein überhaupt die Natur erst erschafft. Eine solche Variante ist sicherlich nicht ernst zu nehmen, impliziert sie doch, dass es erst mit dem Erscheinen des Menschen ein Universum gibt.
Dann gibt es noch die Viele-Welten-Interpretation nach Everret. Sie besagt, das alle Möglichkeiten realisiert werden und sich nach jeder Wechselwirkung das Universum teilt, so dass für jeden möglichen Wert einer gemessenen Observablen ein neus Universum entsteht. Das rettet zwar den klassischen Determinismus und stellt eine vollständige Lösung des Messproblems dar, ist aber eine sehr willkürliche und schwer zu akzeptierende Annahme, die prinzipiell nicht fallszifizierbar ist und stellt somit m.E. keine ernst zu nehmende physikalische Theorie dar.
Eine interessante Interpretation stellt die GRW Interpretation des Wellenkollapses dar. Danach kommt es in sehr seltenen Fällen auch ohne Messung/Wechselwirkung zu einem Kollaps. Das erklärt auch die Tatsache, dass Superpositionen bei makroskopischen Objekten, die aus einer unvorstellbar hohen Anzahl von Teilchen bestehen, nie beobachtet werden. Durch quantenmechanische Verschränkungen fast aller Teilchen eines makroskopischen Objektes stellt sich fast augenblicklich ein definiter Wert für alle beteiligten Teilchen bezüglich ihres Ortes ein und das makroskopische Objekt ist lokalisiert.
Allerdings gibt es bei allen Interpretationen bezüglich ihrer mathematischen Beschreibung und der empirischen Bestätigung noch etliche, mehr oder weniger gravierende Probleme.
Ich stelle infrage, ob die SGL sich überhaupt auf ein wie auch immer geartetes Teilchen bezieht.
„Das Betragsquadrat der Amplitude gibt die Wahrscheinlichkeitsdichte an, ein Teilchen an einem bestimmten Ort messen zu können“, heißt es.
Aber das kann so nicht gesagt werden. Das, was wir auf einem Detektor ablesen, ist kein Quant/Teilchen, kein Elektron oder Photon, sondern eine erhöhte elektrische Felddichte, ein Impuls, ein Spin etc., also eine Eigenschaft an einem bestimmten Ort, ein Relata (philos.) und kein Ding an sich.
Bsp. schwarzer Punkt auf Fotoplatte, Klick im Geiger-Müller-Zähler.
Hinter der SGL steht also kein Ding an sich, sie macht auch keine Aussage darüber.
Sie macht nur Aussagen über Ereignisse bezüglich Zustände von Quantenfeldern."Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln können"
(Francis Picabia)
Vorweg eine Erklärung, warum ich folgenden Beitrag hier einstelle:
Ich bin schon seit Jahren damit beschäftigt, ein umfangreiches Skriptum zu erstellen, in dem es mir im Allgemeinen darum geht, zu zeigen, dass Materie als Konzept der Naturwissenschaft nichts real Existierendes darstellen muss. Im Speziellen geht es mir um den eliminativen Strukturenrealismus.
Meine Beiträge Beitrag Nr. 2358-1 bis Beitrag Nr. 2358-7 waren ein zaghafter Anfang.
Vieles davon ist in Überarbeitung und viele Aspekte sind dazugekommen.
Da ich mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin und nicht die notwendige Energie aufbringen kann, kontinuierlich daran zu arbeiten, nicht den inneren Schweinehund überwinden kann wegen Faulheit, weiß ich nicht, ob mein Vorhaben jemals zu ende gebracht wird. Und wenn, weiß ich nicht auf welche Art und Weise ich es veröffentlichen sollte.
Damit ich nun nicht vollkommen ins Leere schreibe bin ich einfach 'mal so frech, wenigstens einen halbfertigen, nicht korrekturgelesenen Kapitel meines Skriptums hier einzustellen.
Es mögen einige Bemerkungen im Folgenden auf andere hier nicht veröffentliche oder noch gar nicht geschriebene Kapitel meines Skriptums verweisen. Einfach ignorieren.
Quantentheorie/Schrödinger-Gleichung
In der Quantenmechanik geht es nicht mehr um Wellen und Teilchen im klassischen Sinne. (siehe Kapitel „Teilchen, Wellen und Felder“)
Von elementarer Bedeutung in der QM ist die so genannte Schrödinger- Gleichung, SGL. Sie beschreibt den Zustand eines Quantensystems, z.B. eines Elektrons, und seine zeitliche Entwicklung. Dabei gilt, dass sie vollständig ist, in dem Sinne, dass keine weiteren Parameter oder Variablen notwendig sind, um den Quantenzustand umfassend zu beschreiben. Der Zustand wird dargestellt durch einen komplexwertigen Vektor in einem unendlich dimensionalen so genannten Hibertraum, ein rein mathematischer Raum. (zu komplexen Zahlen s. Anh.)
Zum besseren Verständnis ein Vergleich zum Phasenraum der klassischen Mechanik: Um den Ort eines klassischen Teilchens darzustellen, benötigen wir drei Raumkoordinaten x, y und z. Das kann durch einen Vektor in diesem dreidimensionalen Raum geschehen, welcher drei Projektionen auf jeweils x-, y- und z-Koordinate besitzt. Diesen Raum kann man sich durchaus als einen physikalischen Raum vorstellen. Desweiteren besitzt aber unser Teilchen auch einen Impuls mit Betrag und Richtung. Dieser Impuls kann ebenfalls im dreidimensionalen Raum dargestellt werden. Der Gesamtzustand von Ort und Impuls des Teilchens kann nun durch einen Vetor im sechdimensionalen Raum, dem so genannten Phasenraum, dargestellt werden. Ein solcher sechdimensionaler Raum stellt natürlich keinen physikalisch existierenden Raum dar, sondern ist eine rein mathematischer Konfigurationsraum.
Obwohl die SGL eine deterministische Gleichung ist, auch bezüglich ihrer zeitlichen Entwicklung, ergibt ihre Anwendung zur Berechnung des Wertes eines Zustandes zu einem bestimmten Zeitpunkt kein definites Ergebnis. Es heißt gewöhnlich, dass das Betragsquadrat der Amplitude der Wellenfunktion zu einem bestimmten Zeitpunkt die Wahrscheinlichkeitsdichte wiedergibt, ein Teilchen an einem bestimmten Ort zu messen. Ich halte eine solche Formulierung für sehr „flapsig“. Messen kann man nur messbare Größen, so genannte Observable. Elementarteilchen sind keine Observablen und können somit nicht gemessen werden. Es gibt z.B. kein Elektronenmessgerät um Elektronen zu messen oder zu detektieren. Masse, Ladung und den Spin z.B. sind messbare Größen. Später werde ich eine, wenn auch umständlicher anmutende, Formulierung verwenden, welche die Zusammenhänge treffender darstellt.
Zunächst noch einmal zur SGL.
Wie erwähnt bringt die Wellenfunktion der SGL nur Wahrscheinlichkeitsdichten bezüglich zeitlicher Entwicklung von Quantenzuständen hervor. Es handelt sich hierbei aber um einen grundsätzlichen Unterschied zur Wahrscheinlichkeit der Thermodynamik. Rühren die Wahrscheinlichkeitsaussagen der Thermodynamik lediglich daher, dass man es bei Gasen und Flüssigkeiten mit einer zu großen Teilchenanzahl zu tun hat, um jeden einzelnen Impulsaustausch der Moleküle zu berücksichtigen und somit keine exakten Voraussagen tätigen zu können. Man könnte zwar prinzipiell alles wissen, praktisch aber nicht alle dazu notwendigen Parameter erfassen.
Die Wahrscheinlichkeitsaussage der Quantenmechanik ist ein grundsätzlich anderer. Hier besitzt ein „Teilchen“ gar keinen definiten Wert für eine messbare Eigenschaft. Z.B. ist der Ort eines Elektrons unbestimmt. Er kann sich an mehreren Orten gleichzeitig befinden, wie es oft formuliert wird. Man spricht hier von einer Überlagerung verschiedener Zustände, der so genannten Superposition. Die Wahrscheinlichkeit der Quantenmechanik hat also nichts mit Unwissen zu tun. Die SGL sagt alles über den Zustand eines Quantensytems und seine zeitliche Entwicklung aus, was es darüber zu wissen gibt.
Diese Superposition elementarer Teilchen ist empirisch hervorragend bestätigt. Bei Interferrenzversuchen, insbesondere beim Doppelspalt (s. Anh.), zeigt sich exakt das Interferrenzmuster, welches die SGL voraussagt. Wobei die Vorstellung, dass sich die Wellen hinter jeweils dem linken und dem rechten Spalt überlagern und es somit durch addierende und subtrahierende Überlagerungen zu Interferrenzmuster am Detektor kommt, nicht halbar ist. Auch bei Versuchen mit einzelnd, zeitlich nacheinander ausgesendeten Teilchen, die ja nicht mehr hinter den Spalten miteinander reagieren können, stellt sich mit der Zeit ein Interferrenzmuster bezüglich des Ortes ihres Auftretens am Detektor ein.
Man kann das letztendlich nur so beschreiben, dass es nicht die Teilchen sind, die hinter dem Doppelspalt interferrieren, sondern die Wahrscheinlichkeiten, dass ein Teilchen sich bei einer Messung an einem bestimmten Ort manifestiert.
Ich habe nun mehrfach Formulierungen verwendet, wie z.B. das Wort „Teilchen“, obwohl ich es vorhin als „flapsig“ kritisiert habe. Es ist äußerst umständlich, immer unter Berücksichtigung allen Wissens, allen „Wenn und Abers“, die richtige Wortwahl zu treffen. (Siehe dazu auch Kapitel „Wir hängen in der Sprache“). Das ist soweit kein Problem, wenn der Gegenüber weiß, worum es geht, wenn z. B. klar ist, dass man Teilchen nicht im klassischen Sinn, also etwas Verortbares, sich auf Bahnen durch den Raum Bewegendes, versteht. Sonst kann es zu gravierenden Missverständnissen kommen. Trotzdem werde ich auch im Weiteren Begriffe wie „Teilchen“ verwenden, um den Text lesbarer zu gestalten.
Nun aber noch einmal zur Beschreibung der Schrödinger-Gleichung nach Carsten Held, „Philosophie der Physik“ ISBN 978-3-518-29633-2 Seite 75 (ich habe tatsächlich keine bessere Formulierung eines Physikers gefunden)
Zitat:1.) Ein Quantensystem S wird dargestellt durch einen komplexwertigen unendlichdimensionalen mathematischen Konfigurationsraum, dem so genannten Hilbertraum. Der Zustand von S zur Zeit t ist representiert durch einen Vektor ψ(t) im Hilbertraum.
2.) Eine physikalische Größe A wird representiert durch einen Operator A im Hilbertraum und die Werte von A an S durch die Zahlen im Spektrum von A. (ein Operator ist ein mathematisches Werkzeug, das eine physikalische Größe (wie z.B. Energie, Impuls oder Position) in einem physikalischen System beschreibt) Anm. okotombrok
3.) Wenn ψ (t0) der Zustand von S zur Zeit t0 ist, dann ist der Zustand ψ (t) für alle Zeiten t gegeben durch e-iHtψ(t0) (wobei H, der Hamiltonoperator, ein Operator im Hilbertraum ist, der die Gesamtenergie von S repräsentiert). Anm. okotombrok
4.) Wenn S im Zustand ψ(t) ist, A eine Observable an S mit einem Wert a und ψa ein Zustand, für den gilt A ψa = a ψa , dann ist die Wahrscheinlichkeit P (a) dafür, dass A den Wert a hat, gegeben durch: P = |ψ (t) ψa |2
5.) Wenn an S die Observable A gemessen und der Wert a gefunden worden ist, dann ist der Zustand von S gegeben durch ψa.
In dieser Beschreibung tauchen Begriffe wie „Elementarteilchen“ gar nicht auf und werden auch nicht benötigt, um die Natur zu beschreiben.
Nun aber noch zu den Konsequenzen, die sich aus der Schrödinger-Gleichung ergeben und zu den Interpretationen.
Die Born‘sche Regel besagt nun, dass die SGL keine physikalische Entität darstellt, sondern als Wahrscheinlichkeitsdichte angesehen werden muss. Diese Interpretation dürfte wohl von den meisten Physikern vertreten werden.
Problematisch dabei ist, dass der Akt des Messens zu einem definiten Wert führt, das System bis dahin sich aber in einer Überlagerung aller möglichen Zustände, Superposition, bezüglich der zu messenden Größe befindet. Wie kommt nun dieser Übergang zustande und wann genau eigentlich? Das wird in der Physik als das „Messproblem“ bezeichnet, wobei der Begriff „Messproblem“ irreführend ist, da eine Messung in der Physik neben den vier Grundkräften und ihren Wechselwirkungen keinerlei Besonderheit darstellt, sonder innerhalb dieser verstanden werden muss.
Die wohl gängiste Interpretation ist die Kopenhagener Interpretation. Hier ist die Rede von einem Wellenkollaps. Die Wellenfunktion der SGL kollabiert bei einer Messung zu einem definiten Wert – von den Möglichkeiten zum Faktum. Dabei gibt es recht verschiedene Varianten. Niels Bohr vertrat eher die Ansicht, dass die Quantenmechanik gar nicht von der Realität handelt, sondern nur unser Wissen wiedergibt, was wir über die Natur überhaupt in Erfahrung bringen können, und was nicht. Eine andere Variante, eher von Werner Heisenberg vertreten, besagt, dass die Messung selbst die Natur beeinflusst, es also nicht möglich ist, die Natur zu beobachten ohne sie zu beeinflussen. Kritiker des Wellenkollapses führen oft die schärfste Variante ins Feld und interpretieren sie so, dass das menschliche Bewußtsein überhaupt die Natur erst erschafft. Eine solche Variante ist sicherlich nicht ernst zu nehmen, impliziert sie doch, dass es erst mit dem Erscheinen des Menschen ein Universum gibt.
Dann gibt es noch die Viele-Welten-Interpretation nach Everret. Sie besagt, das alle Möglichkeiten realisiert werden und sich nach jeder Wechselwirkung das Universum teilt, so dass für jeden möglichen Wert einer gemessenen Observablen ein neus Universum entsteht. Das rettet zwar den klassischen Determinismus und stellt eine vollständige Lösung des Messproblems dar, ist aber eine sehr willkürliche und schwer zu akzeptierende Annahme, die prinzipiell nicht fallszifizierbar ist und stellt somit m.E. keine ernst zu nehmende physikalische Theorie dar.
Eine interessante Interpretation stellt die GRW Interpretation des Wellenkollapses dar. Danach kommt es in sehr seltenen Fällen auch ohne Messung/Wechselwirkung zu einem Kollaps. Das erklärt auch die Tatsache, dass Superpositionen bei makroskopischen Objekten, die aus einer unvorstellbar hohen Anzahl von Teilchen bestehen, nie beobachtet werden. Durch quantenmechanische Verschränkungen fast aller Teilchen eines makroskopischen Objektes stellt sich fast augenblicklich ein definiter Wert für alle beteiligten Teilchen bezüglich ihres Ortes ein und das makroskopische Objekt ist lokalisiert.
Allerdings gibt es bei allen Interpretationen bezüglich ihrer mathematischen Beschreibung und der empirischen Bestätigung noch etliche, mehr oder weniger gravierende Probleme.
Ich stelle infrage, ob die SGL sich überhaupt auf ein wie auch immer geartetes Teilchen bezieht.
„Das Betragsquadrat der Amplitude gibt die Wahrscheinlichkeitsdichte an, ein Teilchen an einem bestimmten Ort messen zu können“, heißt es.
Aber das kann so nicht gesagt werden. Das, was wir auf einem Detektor ablesen, ist kein Quant/Teilchen, kein Elektron oder Photon, sondern eine erhöhte elektrische Felddichte, ein Impuls, ein Spin etc., also eine Eigenschaft an einem bestimmten Ort, ein Relata (philos.) und kein Ding an sich.
Bsp. schwarzer Punkt auf Fotoplatte, Klick im Geiger-Müller-Zähler.
Hinter der SGL steht also kein Ding an sich, sie macht auch keine Aussage darüber.
Sie macht nur Aussagen über Ereignisse bezüglich Zustände von Quantenfeldern.
Signatur:
(Francis Picabia)
Bearbeitet von Okotombrok am 06.08.2025 um 21:46 Uhr.
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