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Kausalität in der SRT ?

Thema erstellt von Harti 
Beiträge: 1.593, Mitglied seit 13 Jahren
Hallo zusammen,

ob eine Verbindung/Information zwischen zwei Ereignissen A und B möglich ist, kann auf der Grundlage der SRT zwar bestimmt werden; nicht aber ob die Entwicklung des Systems von A nach B oder umgekehrt von B nach A erfolgt. Dies ist im Prinzip eine Folge des Relativitätsprinzips. Kausale Abläufe sind daher nicht Gegenstand der SRT. Dies gilt auch für Uhren, die mir zwar anzeigen, wie lange z.B. der Flug einer Biene vom Bienenstock zur Blüte dauert; nicht aber ob der Flug hin oder zurück erfolgt.

Diese Gegebenheiten werden durch den allgemeinsprachlichen Zeitbegriff verdeckt, weil dieser durch kausale Abläufe eine Richtung von der Vergangenheit in die Zukunft erhält (Zeitpfeil).

Auch in der Quantentheorie werden Geschehensabläufe beschrieben, bei denen Ursache und Wirkung nicht zu unterscheiden sind. Es besteht daher in Bezug auf Kausalität keine prinzipielle Differenz zwischen Relativitäts- und Quantentheorie.

MfG
Harti
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Hallo Harti,

Harti schrieb in Beitrag Nr. 2340-1:
Auch in der Quantentheorie werden Geschehensabläufe beschrieben, bei denen Ursache und Wirkung nicht zu unterscheiden sind.

das ist wohl richtig.
Das gilt aber für unsere makroskopische Welt nicht (wird nicht beobachtet).
Bei Vielteilchensystemen interferrieren sich die Wahrscheinlichkeiten für solche Geschehensabläufe einfach weg.
Kein Naturgesetz spricht dagegen, dass in heißem Kaffee gestreutes Zucker sich zufällig zu einem Würfel zusammemfindet.
Die Wahrscheinlichkeit aber geht gegen Null.

Was aber hat das mit der SRT zu tun?
Sie befasst sich nicht mit Quanten.

mfg okotombrok
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"Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln können"
(Francis Picabia)
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Beiträge: 1.404, Mitglied seit 13 Jahren
Zitat von Harti:
Dies gilt auch für Uhren, die mir zwar anzeigen, wie lange z.B. der Flug einer Biene vom Bienenstock zur Blüte dauert; nicht aber ob der Flug hin oder zurück erfolgt.

Die Uhr vielleicht nicht, aber es wird sich zeigen, dass hinter der fliegenden Biene weniger Luftmoleküle beschleunigt sind als vor ihr.
Eine Richtung ist somit ausgezeichnet wie bei allen makroskopischen Vorgängen, denke ich.
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Beiträge: 1.593, Mitglied seit 13 Jahren
Hallo Okotombrok,

unsere Erfahrung in der makrokosmischen Welt besteht darin, dass sich Systeme in einer bestimmten Richtung entwickeln. Aus einer Apfelblüte wird ein Apfel. Das nennen wir einen kausalen Ablauf. Kausalität ist damit eine Grunderfahrung unserer unmittelbaren Wahrnehmungswelt. Dass wir Kausalität erfahren, will ich selbstverständlich nicht in Abrede stellen. Diese Erfahrung ist so allgegenwärtig, dass wir sie unbewußt als Bestandteil unserer Zeitvorstellung auffassen.

Wenn wir uns bewußt machen, dass Kausalität nicht Gegenstand der SRT ist, können wir uns die Argumentation, dass antikausale Abläufe äußerst unwahrscheinlich sind und noch nie beobachtet wurden, sparen. Dies bedeutet, der allgemein empfundene Widerspruch zwischen SRT, die antikausale Abläufe nicht ausschließt, und allgemeiner Lebenserfahrung, die antikausale Abläufe ausschließt, wird aufgelöst.

Meines Wissens ist es der Philosoph Wittgenstein, der die Klärung solcher Begrifflichkeiten zur Grundlage seiner Philosophie und zur Erlangung von Erkenntnis gemacht hat.

MfG
Harti
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Beiträge: 1.593, Mitglied seit 13 Jahren
Hallo Okotombrok,

Okotombrok schrieb in Beitrag Nr. 2340-2:
Bei Vielteilchensystemen interferrieren sich die Wahrscheinlichkeiten für solche Geschehensabläufe einfach weg.

Selbstverständlich laufen in der Natur (jedenfalls im Makrokosmos) Veränderungen kausal in dem Sinne ab, dass die Ursache zeitlich vor der Wirkung liegt. Diese Richtung einer Veränderung wird allerdings durch die SRT selbst nicht festgelegt. Deshalb ist auch die Aussage richtig, dass die SRT prinzipiell Zeitreisen in die Vergangenheit nicht ausschließt.
Wahrscheinlichkeitsüberlegungen (Statistik) erfolgen deshalb außerhalb der SRT, um zu belegen, dass die Kausalität makroskopischen Geschehens durch die SRT nicht in Frage gestellt wird, obwohl die SRT sich zur Kausalität gar nicht verhält.
Einstein hat mit seiner Äußerung "Zeit ist das, was die Uhr anzeigt" erkannt, dass in der SRT ein anderer Zeitbegriff als im allgemeinen Sprachgebrauch gilt. Uhren zeigen nämlich reine Dauer ohne kausale Richtung (ohne Zeitpfeil) an.

Zitat von Okotombrok:
Kein Naturgesetz spricht dagegen, dass in heißem Kaffee gestreutes Zucker sich zufällig zu einem Würfel zusammemfindet.
Die Wahrscheinlichkeit aber geht gegen Null.

Spricht nicht der Entropiesatz dagegen ?
Manche Physiker wollen dem Zeitbegriff ja auch nicht durch Kausalität sondern mit dem Entropiesatz eine Richtung (Zeitpfeil) geben.
Bestandteil des Zeitbegriffs soll der 2. Hauptsatz der Thermodynamik sein. Der allgemeinsprachlichen Vorstellung von "Zeit" entspricht dies jedenfalls nicht; denn wer denkt bei Zeit schon an Entropie ?

"Zeit" wird in der SRT im Gegensatz zu unserer alltäglichen Vorstellung nicht nur relativ angenommen, weil das alleinige Fundament der Theorie der Elektromagnetismus in Form der Lichtgeschwindigkeit ist, sondern auch die Kausalität ist nicht Bestandteil des Zeitbegriffs der SRT. Der Zeitbegriff der SRT unterscheidet sich damit von der Vorstellung, die dem allgemeinsprachlichen Zeitbegriff zugrunde liegt.

MfG
Harti
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