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Von der Quantenphysik zum Bewußtsein

Thema erstellt von Zara.t. 
Beiträge: 708, Mitglied seit 2 Jahren
Hallo Zara.t.,

ich stelle mir die Frage, welche zusätzlichen Erkenntnisse ein Blockuniversum bilden könnte, wenn Raum und Zeit so unauflöslich miteinander verbunden anzusehen sind, dass tatsächlich an jedem Punkt in unserem Universum von Anfang an bis zum Ende Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Einheit bilden sollen. M.E. heißt das: „Schön“ dasitzen, weiter beobachten und abwarten. Es beschreibt treffend den Zustand der Physik, den wohl Frau Hossenfelder m.E. zutreffend beschrieben haben wird. Ich glaube nicht, dass dies der Status für unser Bewusstsein sein sollte, der zum weiteren Nachdenken anregen muss. Meine Vorstellungen sind vielleicht provokativ, wie vielfach hier gezeigt, es scheint aber für mich jedenfalls nicht so völlig falsch zu sein, dass es sich nicht lohnen würde, daran festzuhalten.

Nun zu den Raumzeitpunkten:

Ich glaube, dass die hier mit dir Diskutierenden übereinstimmend zu dem Schluss gekommen sind, dass

- Raum und Materie eine Einheit bilden,
- es im Vakuum an Raum mangelt, dieser nur als Energie fluktuiert.
- Raum, also die Materie, die Zeit krümmt (abweichend glaube ich, dass die „gekrümmte“ Zeit den Raum, die Materie, schafft.
- Raumzeitpunkte kreisförmig um eine Materiezusammenbildung zu finden sind.

Können wir uns darauf einigen?

PS: Ich könnte deine in Beitrag Nr. 2306-304 aufgeworfenen Frage vorab alle mit „Nein“ beantworten, denn aus meiner (unserer?) Sicht sind Raumzeitpunkte lediglich Wirkungen zwischen Massen, deren gravitative Ursachen noch unbekannt sind.

Kirsche
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Die Vergangenheit ist über die Gegenwart verbrauchte Zukunft.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Kirsche am 11.12.2018 um 09:46 Uhr.
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Beiträge: 708, Mitglied seit 2 Jahren
Hallo Zara.t.,

wahrscheinlich warte nicht nur ich auf deine Replik. In Beitrag Nr. 2306-304 kommst du unter anderem auch zur Frage, ob die Raumzeit quantisiert werden kann und muss? Sprichst du damit die Quantenloopgravitation an? Ich kenne sie genauso wenig wie „Böhm“. Smolin hat sie jedenfalls wieder als aussichtslos verworfen. Soweit grob meine Kenntnis.

In meiner Vorstellung ist allerdings die Zeit gequantelt und bildet als solche aber auch den Raum, der als isolierte Größe deshalb aber nicht existiert. Insofern hat Raum bei mir den Informationsgehalt Null, es sei denn, er ist mit Energie bzw. Materie gefüllt. Dies wiederum schließt für mich einen Raum-Zeit-Punkt aus. M.E. gibt es nur 0 Nichts oder 1 Inhalt.

Ich möchte dich bitten, doch einmal deine eigenen Vorstellungen /Antworten zu den von dir aufgeworfenen Fragen vorzustellen. Was meinst du in Beitrag Nr. 2306-311: „Nur eine verrückte Idee, nicht durchdacht: Wenn wir das Lochargument ernst nehmen und die Substantialität der Raumzeitpunkte beibehalten wollen, erhalten wir ein indeterministisches Universum.“ Das klingt für mich sehr interessant, nicht jedoch dein Blockuniversum.

Kirsche
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Die Vergangenheit ist über die Gegenwart verbrauchte Zukunft.
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Beiträge: 711, Mitglied seit 6 Jahren
Claus schrieb in Beitrag Nr. 2306-315:
nicht so gemeint, dass ich eine Erläuterung über den Unterschied von kleinen und großen SLs erwartete.

Vielmehr wollte ich meine Vermutung bekräftigen, dass der Ereignishorizont gewissermaßen die Grenze zweier verschiedener Historien (von Objekten) sein könne, die sich an dieser Grenze befinden, bzw. die diese Grenze überschreiten: Versuchen wir es einmal anschaulich

Von links komme ein Objekt aus unserm Universum und bewege sich auf den Horizont eines SL zu. Von außerhalb des Horizonts gesehen nähert sich das Objekt dabei der Lichtgeschwindigkeit an und seine Zeit "friert ein", so dass es den Horizont letztlich nie erreicht. Das ist wichtig zur Wahrung unserer Kausalität, denn bei Überquerung des Horizonts würden sich Raum- und Zeitachse vertauschen und der Zeitverlauf des Objekts liefe von da an rückwärts (von der Zukunft in die Vergangenheit), was nicht sein darf. Zeitreisen von der Zukunft in die Vergangenheit darf es zur Wahrung der Kausalität nicht geben - daher die "kosmische Zensur" durch das von außen so zu sehende "Einfrieren" des Objekts.

Tatsächlich überquert das Objekt - aus seiner eigenen Sicht - aber den Horizont. Dabei tritt es in ein "reziprokes" Universum ein, welches sich für das Objekt selbst allerdings wahrscheinlich gar nicht "reziprok" darstellt. Das Objekt könnte sich so erleben, dass es sich - diesmal von rechts (also aus Richtung der Singularität kommend) - auf den Horizont zubewegt, wobei dieses Erlebnis eine andere Historie für das Objekt bedeuten könnte, als diejenige, die das von links (aus unserem Universum) kommende Objekt durchlebt hat.

Man träfe sich dann in einem (beiden Geschichten gemeinsamen) Weltpunkt, nämlich dem Horizont - sozusagen aus unterschiedlichen Zeitrichtungen - wieder.

Hallo Claus,
ich habe Deinen Kommentar nicht vergessen.

Meine Idee ist, daß beide Geschichten keine separaten Geschichten sind, sondern ein und die selbe Geschichte, nur verschieden betrachtet.
Ich gehe nicht davon aus, daß ein Objekt den Ereignishorizont überschreitet.

Spiegelt man einen Kreis(prozess) an einem Einheitskreis, entsteht wiederum ein Kreis. Einfach ausgedrückt, das Spiegelbild eines kleinen Kreises, der im Inneren eines Einheitskreises lokalisiert ist, ist wiederum ein Kreis außerhalb des Einheitskreises, allerdings mit einem größeren Durchmesser.
Wird dem kleinen Kreis ein Drehsinn zugeordnet, dann hat der gespiegelte Kreis auch einen Drehsinn, jedoch in umgekehrter Richtung.
Prozesse laufen deshalb m.E. zeitlich nicht rückwärts in der Spiegelung, sondern die Kausalität bleibt erhalten.

Dies gilt allerdings so nur in einer reellen Zahlenebene.
Es gilt nicht in der Gaußchen Ebene. Dort hat der gespiegelte Kreis den gleichen Drehsinn wie der ursprüngliche Kreis.
Allein durch die Verwendung komplexer Zahlen entsteht ein Zeitpfeil, der nicht umkehrbar ist.
Aber genau das macht die ART mit ds² = (c·dt)² - dr².
ds = Ereignis,
c·dt = Zeitanteil des Ereignisses,
dr = Raumanteil des Ereignisses.

Gruß, Otto
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Claus (Moderator)
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Hallo Otto,

Otto schrieb in Beitrag Nr. 2306-323:
ds² = (c·dt)² - dr².
ds = Ereignis,
c·dt = Zeitanteil des Ereignisses,
dr = Raumanteil des Ereignisses.

Ich verstand unter ds bislang das sogenannte "Linienelement" des Minkowski-Raums, welches nicht ein Ereignis, sondern den vierdimensionalen Abstand ("Viererabstand") zwischen zwei Ereignissen bezeichnet.

Der Viererabstand ist bei der Lorentztransformation eine Invariante.

Linienelement
Abstand im Minkowski-Raum
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Claus schrieb in Beitrag Nr. 2306-324:
Ich verstand unter ds bislang das sogenannte "Linienelement" des Minkowski-Raums, welches nicht ein Ereignis, sondern den vierdimensionalen Abstand ("Viererabstand") zwischen zwei Ereignissen bezeichnet.

Hallo Claus,
ich habe an mehreren Stellen meiner Bücher nachgelesen, um genau das zu klären.
Nirgends fand ich eine klare Aussage, ob ds den Abstand zwischen zwei Ereignissen darstellt oder ob ds nur einen Ist-Zustand (Punkt) in einem 4-D-Koordinatensystem darstellt.
Alle waren sich nur einig, daß es ein Linienelement des Minkowski-Raumes ist.
Bei Wikipedia fand ich unter Ereignis die einzig klare Aussage.
Es macht auch einen gewissen Sinn, weil die ART die Krümmung des Raumes beschreibt, in dem man die Lichtablenkung berechnen kann.
Aber sicher bin ich mir keineswegs.
Gruß, Otto
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Beiträge: 708, Mitglied seit 2 Jahren
Hallo Otto, hallo Claus,

ich glaube zwar nicht, dass ich euch bei euren Gedanken weiterhelfen kann, aber ich trage Senf meines Bewusstseins weiter in diesen Thread:

Was ist überhaupt Bewusstsein als Ziel der Überlegungen hier in diesem Thread? Ist es aus einem statischen Blockuniversum o.Ä. erklärbar? M.E. nein! Vergangenheit und Zukunft als ewige Gegenwart? Gibt es eine statische Gegenwart? Ebenfalls nein!

In unserem Leben ändert sich das, was unsere Gegenwart ausmacht, beständig. Wir lernen hinzu, unser Gedächtnis, unsere Vergangenheit, unser Wissen, vergrößert sich ständig. Wir vergessen aber auch, erinnern uns anders, die vergangene Realität verschwimmt, wird undeutlich. Wir betrachten unsere Gegenwart mit dem sich ändernden Alter kontinuierlich anders.

Dabei bleibt die Größe eines Gegenwartsmoments immer gleich klein. Mit wachsender Vergangenheit passt also nicht etwa immer mehr in unsere kleine Gegenwart, sondern es gibt irgendwo (Gehirn?) einen Speicher für die Vergangenheit, der über Tage, ja, ein Leben lang mit unserer Vergangenheit gefüllt wird, und das sind nicht nur die bewussten, sondern auch die unbewussten Momente des Traums, der Empfindungen. All diese Inhalte werden über die Gegenwart in kleinsten Mengen beständig aus der Zukunft verbraucht und als Vergangenheit angesammelt.

Erst unser gesamtes Leben beim letzten Atemzug wäre mit einem Blockuniversum vergleichbar. Ich glaube nicht, dass diese Situation unser Universum richtig beschreibt.

Kirsche
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Die Vergangenheit ist über die Gegenwart verbrauchte Zukunft.
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Otto schrieb in Beitrag Nr. 2306-325:
Bei Wikipedia fand ich unter Ereignis die einzig klare Aussage.
Es macht auch einen gewissen Sinn, weil die ART die Krümmung des Raumes beschreibt, in dem man die Lichtablenkung berechnen kann.
Otto schrieb in Beitrag Nr. 2306-323:
ds² = (c·dt)² - dr²

Ergänzung:
dt und dr sind infinitesimale (beliebig kleine) Werte eines Zustands. Erst das Integral über diese Zustände ergibt die Zustandsänderung.
ds ist dabei eine willkürliche mathematische Verknüpfung der beiden Variablen Raum und Zeit zur Raumzeit.
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Beiträge: 711, Mitglied seit 6 Jahren
Claus schrieb in Beitrag Nr. 2306-324:
Der Viererabstand ist bei der Lorentztransformation eine Invariante.

Linienelement
Abstand im Minkowski-Raum

Hallo Claus,
Der Abstand im Minkowski-Raum definiert die zahlenmäßigen Differenz zwischen zwei Ereignissen.
(Die Invarianz wird in der graphischen Darstellung durch den Lichtkegel repräsentiert.)
Das Linienelement ist die Länge eines Kurvenstücks, berechnet durch das Integral zwischen zwei Ist-Zuständen (Integral von ... bis) in der Raumzeit.
Deshalb bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ds sich auf ein Ereignis oder zwei Ereignisse bezieht.

Interessant finde ich den Abschnitt "Kausalstruktur" zum Minkowski-Raum.
Gruß, Otto
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Beiträge: 1.376, Mitglied seit 11 Jahren
Hallo Otto,
Otto schrieb in Beitrag Nr. 2306-327:
dt und dr sind infinitesimale (beliebig kleine) Werte eines Zustands. Erst das Integral über diese Zustände ergibt die Zustandsänderung.

Nach meiner Auffassung sind Zeitpunkt/Ortspunkt (in der Terminologie der Raumzeit ein Ereignis) die mathematische Fiktione eines Ruhezustandes, den es in der Natur nicht gibt, weil sich alles ständig verändert.

Zitat von Otto:
ds ist dabei eine willkürliche mathematische Verknüpfung der beiden Variablen Raum und Zeit zur Raumzeit.

Eine Veränderung in der Raumzeit von Ereignis1 zu Ereignis 2 (Weltlinie oder Raumzeitintervall) erscheint in einem vereinfachten Minkowskidiagramm, das nur eine Raumachse hat (kartesisches Koordinatensystem) als Vektor, der einen zeitlichen und einem räumlichen Anteil hat.

Die mathematische Verknüpfung von Raum und Zeit zur Raumzeit erfolgt nicht willkürlich. Sie ist erforderlich, um den wahrnehmbaren Bereich unserer Welt vom nicht mehr wahrnehmbaren Bereich zu trennen, wobei die Bewegung des Lichts (der Elektromagnetismus) die Grenze markiert.

Die Berechnung des Raumzeitintervalls erfolgt wie folgt: Raumzeitintervall = √Zeitdifferenz2 - Raumdifferenz2

Bei einem zeitartigen Vektor ist die Zeitdifferenz größer als die Raumdifferenz. Der Vektor ist stärker in Richtung Zeitachse geneigt. Der Wert des Raumzeitintervalls ist reell. Eine Verbindung zwischen Ereignis1 und Ereignis 2 in unserer wahrnehmbaren Welt ist möglich. Eine Bewegung von Ereignis 1 zu Ereignis 2 erfolgt mit Unterlichtgeschwindigkeit.


Bei einem lichtartigen Vektor sind Zeitdifferenz und Raumdifferenz gleich groß. Der Vektor hat den Wert 0. Er verläuft in einem 45°-Winkel zu den Achsen. Es handelt sich um eine durch Licht vermittelte Verbindung zwischen den beiden Ereignissen. (Meine Definition von Gleichzeitigkeit für die Relativitätstheorien).


Bei einem raumartigen Vektor ist die Zeitdifferenz kleiner als die Raumdifferenz. Der Vektot ist stärker in Richtung Raumachse geneigt. Der Wert des Raumzeitintervalls ist imaginär. Eine Verbindung zwischen Ereignis 1 und Ereignis 2 ist in unserer wahrnehmbaren Welt nicht möglich. Eine Bewegung von Ereignis 1 zu Ereignis 2 wäre nur mit Überlichtgeschwindigkeit möglich.


MfG
Harti
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Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. A.E.
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Claus (Moderator)
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Hallo Otto,

Otto schrieb in Beitrag Nr. 2306-328:
Deshalb bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ds sich auf ein Ereignis oder zwei Ereignisse bezieht.

Bis auf den konstanten Faktor c entspricht das Linienelement ds der Eigenzeit zwischen zwei Ereignissen.

Zitat von Wikipedia:
Als Eigenzeitelement gilt der Quotient dieses relativistischen Linienelements oder Abstands ds und der Lichtgeschwindigkeit

Quelle: Wikipedia - Zeitdilatation siehe dort den Abschnitt "Eigenzeit"
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Claus schrieb in Beitrag Nr. 2306-330:
Bis auf den konstanten Faktor c entspricht das Linienelement ds der Eigenzeit zwischen zwei Ereignissen.

Wenn du mit nem Raumschiff von Ereigniss E1 zu Ereigniss E2 reist, entspricht die Länge deiner dabei zurückgelegten Weltlinie deiner Eigenzeit. Für unterschiedliche Raumschiffe, die (von E1 nach E2) unterschiedliche Routen bereisen, können das durchaus sehr unterschiedliche Zeiten sein (siehe auch Zwillingsparadox)

Metrik: eine Metrik ist sowas wie ein mathematischer Automat. Du gibst zwei Ereignisse ein und der Automat spukt eine Zahl aus - den inv arianten Abstand. Der Abstand heißt invariant, weil er für alle Bezugssysteme die gleiche Zahl ergibt.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Zara.t. am 15.12.2018 um 23:38 Uhr.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Unser Thema ist ja Quantentheorie und Bewußtsein. In dem alten Bewußtseinsthread hab ich schon vor 10 Jahren versucht plausibel zu machen, dass ein an sich totes Blockuniversum kein Bewußtsein enthalten kann (so ab Seite 31, glaub ich).

Ein Wesenszug der Quantentheorie ist die Aufteilung der Welt in Potentialität - Faktizität und der dynamische Wandel von Potentialität zu Faktizität. Um diesen quantentheoretischen Wesenszug der Welt in einem Blockuniversum darzustellen, muß dieses grundlegend neu konzipiert werden.
Beitrag zuletzt bearbeitet von Zara.t. am 16.12.2018 um 10:29 Uhr.
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Claus (Moderator)
Beiträge: 2.038, Mitglied seit 12 Jahren
Hallo Zara.t.,

Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 2306-332:
...hab ich schon vor 10 Jahren versucht plausibel zu machen, dass ein an sich totes Blockuniversum kein Bewußtsein enthalten kann

Ich glaube das nicht.

Es ist eine Frage des Erlebens, der Sichtweise des "Blockuniversums".

Um zu verdeulichen, was ich meine, betrachten wir einmal ein Tonband oder einen Film:
(das ist wohl etwas altmodisch von mir, wir können auch eine CD oder eine DVD nehmen) ;-)

Dieses "Ding" an sich, z.B. der Film, ist "tot", solange man es nicht zum Leben erweckt, indem man es abspielt.

Genauso könnte m.E. auch ein Blockuniversum "abgespielt" werden. Für denjenigen, der sich innerhalb des Blockuniversums - sagen wir: auf einer gedanklichen Reise - entlang seiner Zeitrichtung "bewegt", ist das Blockuniversum äußerst dynamisch. Und dazu ist es umso interessanter, je weniger der so Reisende über seine dortige Zukunkft weiß (im übertragenen Sinne also: wenn er den "Film" noch nicht gesehen hat und daher nicht weiß, was noch kommen wird).

Man könnte natürlich einwenden1, dass auch die Gedanken des Reisenden ja Teil des Blockuniversums sind und daher keiner Veränderung unterliegen - also gewissermaßen "tot" sind...

...aber das weiß der gedanklich Reisende ja nicht. Daher ist das Blockuniversum für ihn (d.h. für den in der Zeit Lebenden) nicht tot, sondern lebendig.

1 Sogar den Einwand, dann sei die Dynamik des Blockuniversums (d.h. das sich "gedanklich darin Bewegen") nur eine Illusion, lasse ich nicht gelten2: Denn auch im determinierten Blockuniversum gilt das Gesetz von Ursache und Wirkung. Insoweit können bspw. Gedanken eine Handlung verursachen. Insoweit wäre der Handelnde an der Gestalt (und das hieße aus der Sicht des Handelnden: an der dynamischen Gestaltung) des Blockuniversums beteiligt.

2 vgl. auch mein Beitrag Nr. 117-619
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Beiträge: 708, Mitglied seit 2 Jahren
Zitat von Zara.t.:
Beitrag Nr. 2306-304: "der Behandlung dieser Fragen können wir nicht mehr hinter SRT und ART zurückgehen, die Raum und Zeit unauflöslich miteinander verbunden haben. Unser Ausgangspunkt ist also die Raumzeit. Die Raumzeit bildet in SRT und ART ein sog. Blockuniversum. Alles, was -von unserem Heute aus betrachtet- einst geschah und alles was einmal noch geschehen wird, ist mit einem Schlag, als Blockuniversum, da. Unser JETZT oder Heute kann nicht definiert werden, spielt keine irgendwie bevorzugte Sonder-Rolle."

Hallo Zara.t., hallo Claus,

ich glaube nun, dich, Zara.t. mit dieser Aussage irgendwie vollständig missverstanden zu haben, denn irgendwie waren wir doch gedanklich damals schon einen großen Schritt weiter.

Das Blockuniversum erscheint mir wie die Inkarnation des Buddhismus, dem Ziel des ewigen „Jetzt“ näherzukommen, also das Bewusstsein des Gestern und Morgen völlig abzuschalten. Dies mag ein Ziel sein, wie meine Schwingungsvorstellung der von Ereignissen gefüllten Kette zum Buddhismus durchaus Parallelen erkennen lässt. Dieses Denken im ewigen Positiven mit der Negierung des Negativen entspricht aber jedenfalls nicht meiner bewussten Realität.


Zara.t. schrieb in Beitrag Nr. 2306-332:
Ein Wesenszug der Quantentheorie ist die Aufteilung der Welt in Potentialität - Faktizität und der dynamische Wandel von Potentialität zu Faktizität.

So kann man Gegenwart ausdrücken, beschränkt sich dann aber auf diese. Die Zeit ist jedenfalls mehr. Das Potenzial liegt in der Gesamtheit der Vergangenheit, welches ich über das Bewusstsein der Gegenwart in die Zukunft transferiere.


Claus schrieb in Beitrag Nr. 2306-333:
Dieses "Ding" an sich, z.B. der Film, ist "tot", solange man es nicht zum Leben erweckt, indem man es abspielt.

Genauso könnte m.E. auch ein Blockuniversum "abgespielt" werden. Für denjenigen, der sich innerhalb des Blockuniversums - sagen wir: auf einer gedanklichen Reise - entlang seiner Zeitrichtung "bewegt", ist das Blockuniversum äußerst dynamisch. Und dazu ist es umso interessanter, je weniger der so Reisende über seine dortige Zukunkft weiß (im übertragenen Sinne also: wenn er den "Film" noch nicht gesehen hat und daher nicht weiß, was noch kommen wird).

Das glaube ich nicht, denn man bemerkt an Dynamik in höchstem Fall lediglich den „Verfall“ von Ordnung zu Unordnung, m.E. aber nicht einmal das.

Kirsche
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Beitrag zuletzt bearbeitet von Kirsche am 16.12.2018 um 12:35 Uhr.
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Ergänzung meiner Vorstellung vom Blockuniversum:
Einerseits ist es ein gutes Beispiel, ein Musikstück von der Platte zu hören, weil man sich auf die Gegenwart der Klangwirkung perfekt konzentriert, also meditiert. Andererseits hört man dies im Blockuniversum so, als würde man keine Musik hören, sondern alle Noten gleichzeitig ansehen.
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Kirsche schrieb in Beitrag Nr. 2306-335:
Ergänzung meiner Vorstellung vom Blockuniversum:
Einerseits ist es ein gutes Beispiel, ein Musikstück von der Platte zu hören,...

Das Beispiel zeigt etwas, worauf ich schon im Bewußtseinsthread hingewiesen habe: wir haben ontologisch unterschiedliche Zeiten.

1. die auf der Platte festgefrorene Zeit, die vollständig fertig schon da ist. In dieser Zeit gibt es aber keine Musik. Diese Platte ist keine Musik.
2. die Zeit des Hörens. In dieser Zeit wird Musik erlebt.

Die festgefrorene Zeit ist die Zeit des Blockuniversums, die ich Einstein-Zeit nenne.
Die Zeit, in der die Musik erlebt wird, könnte ein Beispiel für die Zeit des Bewußtseins bilden.

Das Beispiel hinkt aber an einer entscheidenten Stelle. Die Musik, die von der Platte kommt, ist durch die Struktur der Platte determiniert, sie ist immer dieselbe. Das Bewußtsein ereignet sich frei im Augenblick. Spontan, kreativ, lebendig.....Diese Lebendigkeit steckt nicht in der Platte. Wir müssen das Blockuniversum aber so neu gestalten, dass diese Freiheit, Spontaneität, Lebendigkeit in ihm enthalten ist, dass sie ihm wesentlich ist.

Dabei kann uns die Quantentheorie den Weg weisen.
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Hallo Zara.t.,

ich stimme dir vollständig zu, dass die Gegenwart unseres Bewusstseins keiner fest beschriebenen Schallplatte entspricht. Der Meinung war ich nie. Ich glaube aber auch nicht, dass man ein Blockuniversum weiterentwickeln kann, wie es wahrscheinlich der Vorstellung von Lee Smolin entsprechen wird. Wie bei den vielen Religionen dieser Welt muss man wahrscheinlich jedenfalls auch die beiden maßgeblichen Theorien zusammentun, um das Optimum zu erzielen.

Ich jedenfalls sehe keinerlei Determinismus in der realen Welt, so dass mir die Quantentheorie, soweit ich davon etwas verstehen kann, dem Realismus eher nahe erscheint. Es fehlt ihr bisher jedenfalls die Zeit, die jedoch doch dann existiert, wenn man die Ereignisse selbst als in der Zeit geschehen begreift. Dann verschwindet das Spukhafte, die Zeit tritt hervor mit dem Ereignis der Wahrscheinlichkeit, ein Teilchen an einer unvorhersehbaren Stelle zu identifizieren. Diese Stelle ist absolute Gegenwart, die Zukunft bleibt offen, die Vergangenheit wurde ohnehin nicht analysiert, was immerhin theoretisch möglich gewesen wäre.

Ebenso verhält es sich mit einem völlig unbekannten Menschen, dem wir auf der Straße begegnen, ihm einen guten Tag wünschen, und schon ist diese Begegnung Vergangenheit, ohne dass wir die Vergangenheit und die Zukunft des Unbekannten kennen würden. Wo ist der Unterschied zu einem Photon?

Kirsche
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Hallo Harti und Claus,

Harti schrieb in Beitrag Nr. 2306-329:
Nach meiner Auffassung sind Zeitpunkt/Ortspunkt (in der Terminologie der Raumzeit ein Ereignis) die mathematische Fiktion eines Ruhezustandes, den es in der Natur nicht gibt, weil sich alles ständig verändert.
Sehe ich auch so.

Harti schrieb in Beitrag Nr. 2306-329:
Die mathematische Verknüpfung von Raum und Zeit zur Raumzeit erfolgt nicht willkürlich. Sie ist erforderlich, um den wahrnehmbaren Bereich unserer Welt vom nicht mehr wahrnehmbaren Bereich zu trennen, wobei die Bewegung des Lichtes (der Elektromagnetismus) die Grenze markiert.
Erst die mathematische Verknüpfung mit unterschiedlichen Vorzeichen von Raum und einer "verräumlichten" Zeit führt zum Lichtkegel, nicht umgekehrt.
Dies ist aber ein willkürlicher Akt, der physikalisch nicht begründet ist.
Ich sage nicht, daß die Raumzeit eine sinnlose Verknüpfung eines Zeitanteils und eines Raumanteils ist. Sie ist nur nicht fundiert.

Harti schrieb in Beitrag Nr. 2306-329:
Bei einem lichtartigen Vektor sind Zeitdifferenz und Raumdifferenz gleich groß. Der Vektor hat den Wert 0. Er verläuft in einem 45°-Winkel zu den Achsen.
Man kann auch die üblichen Koordinatenachsen der Raumzeit um 45° drehen.
Dann wird die Raumzeit zu einer Schar von Hyperbelästen der Form y = A/x, bei der der Raumanteil "y" und der Zeitanteil "x" deutlicher sichtbar werden.
Vorallem erklärt sie, daß der Raumanteil der Kehrwert des Zeitanteils ist. y und x können mathematische vertauscht werden x = A/y. Deshalb ist der Zeitanteil auch der Kehrwert des Raumanteils.

Zur den verwendeten Begriffen:
Ein Ereignis wird durch Ort und Zeit beschrieben, also durch einen Raumanteil und einen Zeitanteil in Form von Koordinaten.
So hat selbstverständlich auch die Differenz "ds" zweier Ereignisse einen (Differenz)-Raumanteil "dr" und einen (Differenz)-Zeitanteil "dt".
Beide Differenzanteile werden zusammengefügt durch die Zuordnung (mit Zeichen :=).
ds² := (c∙dt)² - dr².
"ds" ist hier also eine Ereignis-Differenz als "Abstand" in der flachen Raumzeit, mit einem Raumanteil und eine Zeitanteil.
Die Differenz beschreibt den zugeordneten Zahlenwert zweier (gegenwärtiger) Ist-Ereignisse.
Je nach Vorzeichen von "ds" wird diese Ereignisdifferenz als zeitartig (ds²>0 mit v<c), als lichtartig (ds=0 mit v=c) oder als raumartig (ds²<0 mit v>c) charakterisiert.
Sowohl die Relativgeschwindigkeit "v" als auch die Zeit selbst sind hier konstant.

Gruß, Otto
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Zitat:
Erst die mathematische Verknüpfung mit unterschiedlichen Vorzeichen von Raum und einer "verräumlichten" Zeit führt zum Lichtkegel, nicht umgekehrt.
Dies ist aber ein willkürlicher Akt, der physikalisch nicht begründet ist.

Die gesamte SRT ist physikalisch wohl begründet. Sie basiert, wie ich nicht müde werde zu betonen, auf dem Relativitätsprinzip. Aus ihm allein folgt die Symmetriegruppe der Raumzeit, bekannt als Poincarégruppe ( https://de.wikipedia.org/wiki/Poincar%C3%A9-Gruppe)

Aus der Symmetriegruppe folgt die gesamte Struktur der Raumzeit inklusive Metrik, Invrianz des Linienelemtes, Lichtkegel,......
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 14 Jahren
Claus schrieb in Beitrag Nr. 2306-333:
Dieses "Ding" an sich, z.B. der Film, ist "tot", solange man es nicht zum Leben erweckt, indem man es abspielt.

Genauso könnte m.E. auch ein Blockuniversum "abgespielt" werden. Für denjenigen, der sich innerhalb des Blockuniversums - sagen wir: auf einer gedanklichen Reise - entlang seiner Zeitrichtung "bewegt", ist das Blockuniversum äußerst dynamisch.

Um das Blockuniversum zu beleben, mußt du etwas Außerweltliches einführen: ein Bewußtsein, das sich durch das Blockuniversum bewegt, das sich in seiner ihm eigenen Zeit durch das Blockuniversum bewegt. Diese Zeit ist qualitativ eine ganz andere als die festgefrorene des Blockuniversums.

Ich glaube wir sind hier am entscheidenten Punkt dieses Threads angelangt. Ein Punkt der in aller Tiefe durchdacht werden muss.
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