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Komplexität

Thema erstellt von Modran 
Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Hi Modran,
das würde ich so nicht unterschreiben. Auch ohne freien Willen ist eine Messung faktizitätschaffend. Auch die von einer Maschine durchgeführte Messung könnte Faktizität schaffen. Ich bin aber tatsächlich der Privatmeinung, dass nur Bewußtsein Faktizität schaffen kann. Aber auch in diesem Falle wäre ein freier Wille nicht erforderlich.
Was soll das auch sein, ein freier Wille ?
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Beiträge: 683, Mitglied seit 15 Jahren
"Auch ohne freien Willen ist eine Messung faktizitätschaffend."
Je nachdem, was man unter 'erschaffen' versteht.
Ich meine jedenfalls, daß die Messung keine andere Wahl hat, als das Ergebnis zu liefern, welches sie letztlich liefert, und daß dies nicht der Heisenbergschen Unbestimmtheit widerspricht.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 16 Jahren
Zara, eine Messung soll Faktizität schaffen?? Eine Messung ist doch nichts weiteres als der Vergleich zwischen A und B (wobei B zum Beispiel ein Zollstock sein kann). Ein Mensch kann messen, eine Maschine kann messen. Oder meinst Du speziell den Akt der Sinneswahrnehmung im Bewusstsein? Alles mögliche kann schließlich "messen", wenn man so will. Das ist doch alles Wischiwaschi. Was genau in diesem Akt des Vergleichens soll hier Faktizität schaffen? Die Feststellung des Unterschiedes durch ein menschliches Bewusstsein? Das maschinelle visuelle Ausdrucken des Unterschiedes auf Papier? Oder ist es das Echo eines Blitzeinschlages reflektiert an einer Bergwand, das damit irgendwelchen Schall-Laufzeit-Unterschied für irgendjemand "misst", auch wenn das Bewusstsein von Luis Trenker gerade nicht vor Ort ist? Die Unterschieds-Feststellung durch ein "Irgendetwas" macht den Unterschied zum Faktum? Das kann doch alles mögliche sein. Das ist so sehr poetisches Wischiwaschi, dass die These sich selbst auslöscht, bevor sie überhaupt etwas auszusagen in der Lage ist. Das ist so, wie wenn ich sagen würde, wenn ich meinen Zauberstab schwinge und Simsalabim sage, rutscht Zara auf einer Bananenschale aus, weil: Es gab irgendwelche Möglichkeiten, und irgendwelche Unterschiede existierten ebenfalls. Komm schon, die These verhakt sich doch hinten und vorne.

Gut' Nacht,
|-|ardy
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Doch, das widerspricht der Unschärferelation. Das würde nämlich bedeuten, dass das Ergebniss bereits vor der Messung irgendwie in der Welt codiert wäre. Meinetwegen in einer Art und Weise, dass wir es nicht lesen können ( = verborgene Parameter ), aber es müsste irgendwie bereits vorhanden sein. Ansonsten macht deine Aussage überhaupt keinen Sinn. Sie wäre ein reine Tautologie.
Meiner Privatmeinung nach können wir das Messergebniss sogar "mental" beeinflussen. ( siehe Parapsychologie, aber das gehört jetzt nicht hierher und verwirrt nur eine ansonsten klare Argumentation )
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Hardy meint :
"Eine Messung ist doch nichts weiteres als der Vergleich zwischen A und B"
Eben nicht. A ist in der Regel vor einer Messung nicht vorhanden. siehe meine Aussage genau oben drüber.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 16 Jahren
"A ist in der Regel vor einer Messung nicht vorhanden."

Vorher nicht. Einverstanden.

Aber während der Messung ist A vorhanden.

Meine Frage war jedenfalls dahingehend, was Du unter Messung an sich verstehst. Ist es der Aufprall von Photonen auf unserer Netzhaut, von Teilchen auf einem Geigerzähler, ist es erst das Klicken des Geigerzählers? Wo fängt der Akt des Messens an und wo endet er? Wer oder was ist fähig zu messen?

So, ich muss dringend in's Bettchen ...
\-\
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Hi Hardy,
das sind natürlich genau die Kernfragen.
Meiner heute schon des öfteren strapazierten Privatmeinung nach, ist eine Messung erst beendet wenn ein Bewußtsein davon Kenntniss genommen hat.
Diese meine Meinung ist in der scientific community bei weitem nicht mehrheitsfähig.
Alternativ könnte man sagen, eine Messung sei beendet, wenn ihr Ergebniss irreversibel makroskopisch gespeichert ist. Schwärzung einer Photoplatte, Eintrag auf Festplatte, Klicken eines Geigerzählers, Zeigerstellung irgendwelcher Messgeräte....
Oder ganz alternativ die Sicht der MWI.....
Ich hoffe du siehst, dass das alles andere als Wischidingens Dings sind. Oder ?

Wünsche angenehme Träume
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Aber zurück zum Thema Komplexität.
Unser Universum ist ein sehr komplexes Gebilde. Je tiefer wir aber schürfen, bei der Erforschung der letzten Gesetze, um so einfacher werden diese. Das ist sehr erstaunlich. Wir kennen noch keinen Grund, der die Erwartung rechtfertigen würde, das so komplexe Universum würde von ein paar einfachen Gesetzen regiert.
Die Gesetze scheinen nicht nur einfach, sondern sogar von minimaler Einfachheit zu sein.
Noch einfacher und uns könnte es nicht mehr geben.
Claro, ich will immer auf dasselbe hinaus.
Guets Nächtle
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Beiträge: 16, Mitglied seit 15 Jahren
Einfache Naturgesetze? Newtons oder Keplers Gesetze, die waren einfach ... Schrödinger vielleicht auch noch, aber die Mathematik der Stringtheorien ist so kompliziert, dass sie kein Mensch versteht, vielleicht nie verstehen wird ... klar die Idee ist simpel, aber der mathematische Formalismus zur Beschreibung dieser einfachen Idee ist ziemlich ... ich wage kaum das Wort zu benutzen ... komplex!
Also sei so nett und gib mal ein Beispiel für ein einfaches Naturgesetz, dass wirklich elementar ist!
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Wenn Theorie und Realität nicht übereinstimmen, muß entweder die
Theorie oder die Realität geändert werden. Das erste nennt man
Wissenschaft, das zweite Religion.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 15 Jahren
Hallo zara,
Zitat "Das würde nämlich bedeuten, dass das Ergebniss bereits vor der Messung irgendwie in der Welt codiert wäre. Meinetwegen in einer Art und Weise, dass wir es nicht lesen können ( = verborgene Parameter )"

'Verborgene Parameter' ist ein adäquater Name dafür, aber ich fürchte, er ist zu stark vorbelastet.
Seis drum. Wir sind uns sicher auch einig, daß diese Parameter nichtlokaler Natur sein müßten - völlig offensichtlich, denn wenn die 'Messung bereits
in der Welt codiert' ist, ist jegliche 'Lokalität' nur ein Aspekt dieses Codes.

Das klingt, als würde ich einer mechanistischen Sichtweise anhängen, aber dem ist nicht so.
Die 'intrinsische(!) Unschärfe', die die Quantenmechanik verlangt, erzwingt nicht die Existenz von Everetts multiplen Wirklichkeiten! Letztere sind ein Hilfskonstrukt, daß eine Entsprechung im Univerum haben kann, aber nicht muss. FALLS sie KEINE Entsprechung i.U. haben, so verwirklicht die Welt nur EINE Möglichkeit, damals wie in Zukunft, auch wenn sich die Zukunft nicht mathematisch aus der Vergangenheit ableiten läßt.

Was ich meine, ist folgendes: Wenn der Versuchsleiter sich entschließt, die horizontale Ausrichtung eines von zwei verschränkten Photonen zu messen, und das andere verschränkte Photon im selben Moment einen konkreten Wert in der Eigenschaft 'horizontale Polarität' annimmt - so weigere ich mich, den Versuchsleiter als Ursache und die Polarität des zweiten Photons als Wirkung zu betrachten (zusammen mit Einstein - nur er bestritt, daß das Experiment überhaupt so ausgeht). Denn genausogut ist das zweite Photon Ursache und das erste Wirkung, beides ist beides.
Dieser Symmetriegedanke degradiert uns Menschen jedoch in extremen Maße zu Robotern, die nur ihre Quantenpflicht erfüllen, indem sie im richtigen Moment die richtige Polarität beschließen zu messen.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 15 Jahren
p.s. @Moleman:
Drei Körper, die sich durch eine Anziehungskraft umkreisen, sind auch für die Natur extrem simpel, für die Mathematiker jedoch ein Problem, das man mit hohem Rechenaufwand gerademal einigermaßen annähern kann.
Puh, damit hab ich wieder die Kurve zurück zum Thema gekriegt.
In welchem Sinn ist das Drei-Körper-Problem simpel, in welchem ist es komplex?
Es ist BEIDES! Oder?
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Beiträge: 683, Mitglied seit 15 Jahren
p.p.s.: ein Professor (dessen Name mir zum Glück entfallen ist) hat behauptet, die Realisierung eines Quantencomputers ergäbe den besten Beweis für die Existenz von Everetts vielen Welten, denn die unendlich vielen Rechenschritte, die dieser in einem einzigen Zyklus ausführt, müßten ja schließlich irgendwo stattfinden.
M.E. müßte für ihn die Existenz des Drei-Körper-Problems ein genausoguter Beweis sein, denn wir Menschen brauchn unendlich viele Rechenschritte, um es zu lösen, während das Universum das 'mal eben so' erledigt.
Damit will ich nur sagen, daß der gute Mann sich wohl irrt, wenn er meint, das Universum wäre auf unsere primitiven (da in diskreten Schritten stattfindenden) Rechenmethoden angewiesen...
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Beiträge: 683, Mitglied seit 16 Jahren
Guten Morgen Zara,

315-47: "Ich hoffe du siehst, dass das alles andere als Wischidingens Dings sind. Oder ?"

Ja, jetzt sehe ich's ein. Ich hatte vergessen, dass Du ausschließlich vom Quantenkosmos redest und nicht auch von Messungen im Makrokosmos (beispielsweise mit dem Zollstock). Außerdem bitte meine letzten selbstkarikierenden Provokationen nicht allzu todernst nehmen. Aber das tust Du auch nicht, glaube ich ;-)

Übrigens, was ist der Unterschied zwischen Deiner Meinung und Deiner Privatmeinung?

Salve,
|-|ardy
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Beiträge: 683, Mitglied seit 16 Jahren
Noch was ...

Was Modran in Nr. 315-50 schreibt, gefällt mir sehr gut. Die These über die "Ursache" des Versuchsleiters besticht durch ihre Klarheit. Und alles was klar ist, bietet sich auch klar zur Falsifikation an, und bietet somit der Wissenschaft die Chance, ein Stück näher an diesen Teil der objektiven Realität zu kommen.

Zum Thema Komplexität habe ich auch noch eine offene Frage, zu deren Antwort ich nicht drängen will, aber meine Neugier dürstet wenigstens nach einem knappen "ich weiß es nicht" oder "keine Lust auf eine Erklärung". Folgende Frage ist offen:

Warum soll das Rauschen eines Gaskessels komplexer sein als das Rauschen meines Buntstiftes über ein Papier?
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Beiträge: 683, Mitglied seit 16 Jahren
Hi Modran, 315-52,

zumal unser Drei-Körper-Problem hauptsächlich wohl darin besteht, dass wir die absolute Ausgangssituation nicht kennen, während das Universum sein Ursprung sehr wohl "kennt" (in sich trägt) und bequem darauf aufbauen kann. Wir haben nichts, auf dem wir unsere Rechnung aufbauen können. Auch dann nicht, wenn wir rückwärts extrapolieren, denn wir wissen ja nicht sicher, wo die Extrapolation enden soll. Allein diese spezielle Wissenslücke ist das Problem, denke ich, nicht die Komplexität der Rechnung an sich.

Ich glaube, ich verwende in letzter Zeit zu oft den Ausdruck "an sich". Kann das sein? ;-)
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Beiträge: 683, Mitglied seit 16 Jahren
Korrektur:
Warum soll das Rauschen eines Gaskessels NICHT komplexer sein als das Rauschen meines Buntstiftes über ein Papier?
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Morgen Hardy, gut geschlafen?
Das mit dem Gaskessel, da weiß ich nicht genau, ob ich was zum Thema weiß ( ich fürchte nein ), was dazu zu sagen, würde also Arbeit erfordern, da mich das Thema im Moment nur am Rande interessiert, komm ich zur Aussage: "keine Lust auf eine Erklärung, mangels Wissen".

Meine Meinung ist streng genommen meine unter meinem "richtigen" Namen veröffentlichte Meinung, meine Privatmeinung ist die des zara.t., welcher mir tatsächlich näher steht, als meine öffentliche Persona.

zu Modrans Beitrag muss ich auch noch was schreiben, hab heute aber keine Zeit mehr.
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Beiträge: 1.851, Mitglied seit 16 Jahren
Hi Moleman,
die Gesetze Newtons, Hooks, Coulombs und Amperes waren nicht wirklich einfach. Für jedes Phänomen gab es ein Spezialgesetz. Die logische Struktur der Welt schien ungeheuer verworren. Es gab hunderte von Gesetzen, um sie bruchstückweise zu berechnen. Und zu allem Übel waren diese Berechnungen nur näherungsweise gültig.
Nimm als Beispiel die Unmenge Gesetze, die die unzähligen elektrischen und magnetischen Phänomene regeln sollten.
In einem genialen Wurf gelang es Maxwell das alles in 4 Gleichungen zusammenzufassen.
Und dann kam Einstein und machte aus den schon einfachen Maxwellschen Gleichungen eine einzige. Die Struktur war durchschaut ! Und sie war so einfach !
Darüber kann man sich nicht genügend wundern.
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Beiträge: 683, Mitglied seit 15 Jahren
Mal etwas ganz anderes, aber zum selben Thema 'Komplexität':

Ich suche seit geraumer Zeit nach Literatur über Formalismen, die zwischen System mit verschiedener Dimensionalität transformieren (also zum Beispiel von einem zweidimensionalen in ein dreidimensionales und umgekehrt), und zwar OHNE daß dabei Redundanz entsteht oder Information vernichtet wird.
Dabei denke ich zum Beispiel NICHT an holographische Prinzipien, da diese die letztgenannte Bedingung nicht erfüllen.

Kennt vielleicht jemand irgendwelche Literatur darüber?
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Beiträge: 1.177, Mitglied seit 16 Jahren
Ich habe die einzelnen Posts mit durchgelesen - ist aber zu viel, um auf alle zu Antworten, deswegen Poste ich hier mal etwas, dass ich in einem ganz anderen Zusammenhang mal geschrieben habe, hier aber dennoch gut rein passt.

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Zitat:
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Deshalb stelle ich explizit den provokativen Gedanken in den Raum, ob sich Licht und hertzsche Wellen nicht doch prinzipiell in ihrem Wesen unterscheiden? Das ist wohlbemerkt eine Frage und nicht eine Feststellung. Es genügt hier nicht, auf die Mawellschen Feldgleichungen allein zu verweisen; denn rein formal mögen sowohl Licht als auch EM-Wellen denselben Gesetzmässigkeiten unterliegen. Doch besagt solches nichts über die Struktur und Natur des Lichtes aus.
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Sunier... vielleicht bekommst du weniger Probleme mit dieser Überlegung, wenn du einfach noch mal genau festhältst, dass eine „Theorie“ nicht die Natur selbst ist und unsere Erkenntnis der Natur rein hypothetischen Charakter hat.

Ich habe dazu mal ein anderes Beispiel. Das Flughafennetz, die Gesellschaft und Neuronale Netzwerke, Internet etc sind nur einige wenige Beispiele für „Small World“ Netzwerke.
Man kann eine allgemeine Theorie über solche Netzwerke und ihr Verhalten und mögliche Entwicklung aufstellen, die auf alle gleichermaßen anwendbar ist, doch niemand würde auf die Idee kommen, dass das Flughafen Netz das gleiche wie ein Neuronales Netzwerk ist.

Es ist nur eine abstrakte Theorie, mehr nicht, mit der sich Arbeiten lässt.



Zitat:
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Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass das Licht nicht Teilchen oder Welle, sondern "Teilchen und Welle zugleich" ist.
--


Und was ist mit der dritten Möglichkeit: Licht ist weder Welle noch Teilchen, da man die Eigenschaften eines Objektes nicht mit dem Objekt selbst verwechseln soll?

Du hast es doch bereits selbst schon erkannt Sunier, es sind nur „Modelle“, die wir da haben. Je nach Situation ist es sinnvoll anzunehmen, wir haben es mit einem „Teilchen“ zu tun, oder mit „einer“ Welle.

Ich finde, die verschiedenen Experimente zeigen recht gut, dass es sich hier weder um Teilchen noch um Wellen handelt (Experiment der verzögerten Wahl mit verschränkten Photonen), es sind einfach nur Analogien, die wir unseren Erfahrungen im Mesokosmos entnehmen. Es handelt sich um ein teilchenartiges oder wellenartiges Verhalten, aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es eine Welle oder ein Teilchen ist. Im Gegenteil, nehmen wir nämlich an, dass es sich tatsächlich um Teilchen – Welle handelt, oder auch beides zusammen, geraten wir in ziemliche Wiedersprüche.

Es sind nur Arbeitshypothesen? Ebenso ist es doch eine Arbeitshypothese, dass es eine von uns unabhängige Wirklichkeit gibt.
Solche Annahmen sind recht nützliche, bis man an eine Grenze stößt.

Von daher kann man schon sagen, ist das Licht, so wie wir es verstehen, oder das Photon, eine Fiktion. Das Photon ist Teil einer Theorie, dass es auch Teil der Natur ist, wird damit nicht gesagt.
Was ich damit aber auf gar keinen Fall sagen will, ist, dass es sich bei der Natur selbst um eine Fiktion handelt.

Interessant für das ganze Thema ist auch das Buch „Doing Physics“ von Martin Krieger.

Wir stellen der Natur mit einem Experiment Fragen und sie Antwortet und je nachdem wie man die Frage formuliert, wird man natürlich auch die Antworten verstehen.

Bist du ein Teilchen? JA
Bist du eine Welle? JA

Ein möglicher Schluss daraus wäre es, es handelt sich entweder um ein Teilchen oder um eine Welle.

Weniger problematisch ist es, wenn man die Fragen nur so formuliert:

Kannst du dich wie ein Teilchen verhalten? JA
Kannst du dich wie eine Welle verhalten? JA

Ein möglicher Schluss hieraus wäre es, dass ich nur Informationen über die Natur besitze und die wirklich entscheidende Frage „Photon, was bist du?“ an die Natur nicht stellen kann, weil es kein dementsprechendes Experiment gibt, weswegen auch die ersten beiden Fragen in dieser Formulierung bereits unzulässig sind.

Die Frage nach der Natur des Lichtes bleibt deswegen wohl für immer ungelöst, weil diese Frage einfach nicht gestellt werden kann.

Wir können aber etwas anderes machen, wir können uns verschiedene Antworten ausdenken und nehmen einfach die mit den wenigsten Annahmen. ;)

Eine andere Frage, die nicht gelöst werden kann, wäre es, was dies alles zu bedeuten hat?

Wenn ich keine „Frage“ formulieren kann, mit der ich eindeutig erfahre, was die Natur ist, dann ist Eindeutigkeit kein Prinzip der Natur. Vielleicht – und das ist meine persönliche Meinung – steckt in jedem Modell, jeder Theorie ein klein wenig „Natur“ – das Wort „Wahrheit“ meide ich ganz bewusst.
Vielleicht bringt dir das ein oder andere eine kleine Anregung Sunier.


Ach, vielleicht noch das ein oder andere Zitat zu Thema „Wahrnehmung“.

Zitat:
--
„Die konstruktive Leistung des Gestaltwahrnehmung zeigt sich vor allem bei Gestalten, die „in Wirklichkeit“ gar nicht da sind. Selbst dort, wo vordergründig keine Ordnung zu erkennen ist, in Felsenmeeren oder Tintenklecksen, erfindet unsere Einbildungskraft Strukturen: Wir entdecken einen Mann im Mond und Gesichter im Feuer.
Bekannt ist auch die Bewegungsillusion, die Film, Fernsehen oder Leuchtreklame erzeugen. Diese konstruktive Leistung der Wahrnehmung können wir auch wider besseres Wissen nicht ausschalten.“
--


Es ist ein sehr interessantes Thema, wenn man erst einmal bemerkt, wie viel das Gehirn bei der Wahrnehmung einfach „hinzudichtet“. Ein unvollständiges Bild wird schlichtweg vervollständigt – was mit der Wirklichkeit in den seltensten Fällen etwas zu tun hat. Wie diese „Konstruktion“ abläuft, hängt von der Erfahrung ab.
Zum Beispiel ist es keine allgemeine Eigenschaft des Gehirns, das wir eine 2 D Zeichnung als einen Würfel interpretieren und nicht etwa als zwei in der Papierebene gegeneinander verschobene Quadrate.

Es gibt nämlich Naturvölker, die diese Fähigkeit nicht besitzen, sie erkennen im „Neckerwürfel“ kein 3 D Objekt und unterliegen deswegen auch weniger optischen Täuschungen.
Wir dagegen haben sehr große Schwierigkeiten das ganze als zwei in der Papierebene gegeneinander verschobene Quadrate zu sehen.

Oh, da fällt mir noch etwas interessantes ein, man kann in dieser simplen Zeichnung zwei verschiedene 3 D Würfel sehen, beide schließen sich natürlich gegenseitig aus, unser Gehirn ist immer nur in der Lage, einen der beiden Wahrzunehmen – es handelt sich um zwei Möglichkeiten.

Ist doch eine „witzige“ Analogie zum Welle – Teilchen Dualismus. ;)

Oder noch etwas anderes:

Zitat:„... An der Farbwahrnehmung lässt sich nicht nur die selektive, sondern auch die konstruktive Leistung der subjektiven Wahrnehmungsstrukturen ablesen: Erstens werden die physikalischen Reize (Wellenlängen) mit ganz neuen Qualitäten (Farben) belegt. Zweitens ist der Farbenkreis –wie der Name sagt – topologisch geschlossen; das Spektrum der Regenbogenfarben ist dagegen linear und zweiseitig offen. Drittens lassen sich zwar die Spektralfarben durch einzelne Wellenlängen erzeugen, nicht aber weiß und Purpur, die nur durch Farbmischung entstehen. Aber auch alle Regenbogenfarben können durch Farbmischung erhalten werden. Viertens entsteht bei der „Mischung“ zweier Wellenlängen eine dritte Farbe. Die beiden Wellenlängen dagegen bleiben unabhängig und können – z.B. durch ein Prisma – wieder getrennt werden. Das Auge leistet also eine spektrale Zerlegung des Lichts (während das Ohr für den Schall diese Zerlegung nach Wellenlängen vornimmt!).
Der Wahrnehmungsapparat der Bienen konstruiert aus den sinnlichen Gegebenheiten eine ganz andere Farbwelt. Ihr „optisches Fenster“ ist gegen das unsrige verschoben. Sie sind Wellenlängen zwischen 300 und 650 nm empfindlich, sehen also kein Rot , dafür aber Ultraviolett. Für eine Biene zeigt deshalb eine blühende Wiese oder auch eine einzelne Blüte eine ganz andere Farbstruktur als für uns....“


Zitat:„... Dieser Vergleich zeigt deutlich, warum man bei der Untersuchung der Farbwahrnehmung zwischen physikalischen und psychologischen Fragestellungen streng trennen muss. Er erklärt, warum ein Blinder sich niemals vorstellen kann, was „Farbe“ ist, auch wenn er sehr gut verstehen lernt, was elektromagnetische Wellen sind. Auch die ungerechtfertigte Polemik von Goethes Farbenlehre gegen Newton ist z.T. auf die Vernachlässigung dieser Trennung zurückzuführen. Newton hat – wie nach ihm Huygens, Fresnel, Maxwell, Einstein – die physikalische Natur des Lichtes untersucht; Goethe, Ostwald, Hering haben vor allem Hypothesen über die psychologische Seite der Farbwahrnehmung aufgestellt....“


Zitat:„... Auf die selektive Rolle unseres Erkenntnisapparates hat Uexküll in seiner Umweltlehre deutlich und überzeugend hingewiesen. Nach ihm filtert jeder Organismus aus der realen Welt ein Stück heraus, das ihm zur Umwelt wird. Für das Einzelliege Pantoffeltierchen z.B. gibt es nur eine einzige Reaktion, mit der es auf alle möglichen Stimuli (chemische, thermische, Licht – oder Berührungsreize) antwortet, nämlich Flucht.
Räume, Gegenstände, Tiere existieren gar nicht für dieses Wesen. Für die Seegurke macht es keinen Unterschied, ob eine Wolke, ein Schiff oder ein wirklicher Fressfein die Sonne verdunkelt. Sie zieht sich bei jeder Verdunkelung zusammen. So mag die Umgebung der Seegurke zwar recht vielfältig sein; ihre „Umwelt“ enthält nur ein Merkmal: das Dunklerwerden.“
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