Zitat von Ireland:
ich denke schon, dass der beob. auch die katze (makrosk. ) verändert. wohl nicht in form von quantenzuständen. aber beobachtung ohne eingriff
ist wohl in keiner ebene möglich.
Zum Doppelspaltexperiment schreibe ich etwas ausführlicher; ich hoffe, das ist genehm, der Widerspruch liegt aber woanders. als du denkst.
wo denn ?
dieses experiment war für mich auslöser einer ganzen philosophie. und es wäre fatal sollten sich hier schon gedankenfehler eingeschlichen haben
Hallo also, Ireland!
Jetzt weiß ich nicht, ob es noch opportun ist, meine gesammelten Gedanken zu posten, aber da ich nun mal gesammelt habe…
Um deine Frage nach der Katze zu beantworten: Du veränderst die Katze nicht, wenn du sie beobachtest. Die Katze als „Ansammlung“ von Quantenteilchen ist nicht kohärent, die ungeheure Anzahl ihrer „inneren“ Wechselwirkungen macht sie zu einem dekohärenten Objekt, so wie jedes makroskopische Objekt. Wenn du die Katze aber als einzelnes Quantenobjekt betrachten möchtest, so ist das ziemlich sinnlos, denn die Wellenfunktion, die ihr zugeordnet ist, ist so unterirdisch klein, dass es zu keiner Wechselwirkung mit dir kommt. Folglich ist die Frage nach direkter oder indirekter Beobachtung ebenfalls sinnlos. Anders ausgedrückt: Die Katze ist real und nicht in irgendwelchen Zwischenstadien.
Gut, also systematisch. Worum geht es überhaupt? Wird ein Objekt durch einen Beobachter verändert? Was hat das mit dem Doppelspaltexperiment zu tun?
Zum einen haben wir den Welle-Teilchen-Dualismus. Er bedeutet grob gesagt, dass Wellen – also z. B. elektromagnetische Wellen wie das sichtbare Licht – auch einen Teilchen-Charakter haben. Energie ist also nicht kontinuierlich, sondern kommt in „Paketen“ vor, im Falle des Elektromagnetismus sind das die Photonen. Die Idee stammt von Max Planck, beschrieben wurde das von Albert Einstein in seiner Arbeit über den „Photoelektrischen Effekt“ (Nobelpreis!).
Ob das Licht Wellen- oder Teilchencharakter hat, ist eine alte Frage. Isaac Newton ging z. B. von Teilchen aus, und ein gewisser Thomas Young, Physiker, führte – ich glaube am Anfang des 19. Jh. – das erste Doppelspaltexperiment durch, um den Wellencharakter des Lichtes nachzuweisen- ist ihm auch gelungen. Im Experiment zeigt sich auf dem Schirm hinter den beiden Spalten ein Interferenzmuster, ein eindeutiger Beleg für Wellen. Entscheidend für ein Interferenzmuster ist unter anderem, dass die Wellen, die durch die beiden Spalten gehen, in ihren Phasen übereinstimmen, (Phase hat mit der Beschreibung der Wellen durch die Winkelfunktionen zu tun). WENN die Phasen übereinstimmen, befinden sich die Wellen in einer Überlagerung, der „Superposition“. Sind sie in Übereinstimmung, nennt man das „kohärent“.
Superposition meint also nicht den Ort, sondern allgemein die Überlagerung gleicher physikalischer Größen, also hier in der klassischen Physik z. B. die Phasen von Wellen und analog in der Quantenmechanik die Überlagerung von Zuständen, und zwar, weil in der Quantenmechanik die Zustände von Quantensystemen, also z. B. von Photonen, mit einer Wellenfunktion beschrieben werden (müssen). Gemeint ist das Quadrat der so genannten „Wahrscheinlichkeitswelle“. Man kann in der Quantenmechanik nämlich den Zustand eines Systems nur als „wahrscheinlich“ beschreiben, als einen statistischen Wert. Auf das Doppelspaltexperiment bezogen: Der Ort, an dem ein Photon auf den Schirm treffen wird, kann nur mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit angegeben werden.
Und damit kommen wir zum anderen, mysteriösen Teil des Doppelspaltexperimentes.
Ich kann einzelne Photonen zu den beiden Spalten schicken, und dennoch erscheint auf dem Schirm ein Interferenzmuster! Decke ich einen Spalt zu, kommt es zu keiner Interferenz, ist klar, aber lasse ich beide Spalten geöffnet und messe an den Spalten, wenn ein Photon durchgeht, gibt es ebenfalls kein Interferenzmuster!
Das heißt, ich bestimme durch den Messvorgang, ob sich das Licht als Welle oder als Teilchen zeigt. Die Interpretation dieser Seltsamkeit ist auch heute nicht eindeutig. Sie schwankt zwischen der Annahme, die grundlegende Struktur des Elektromagnetismus ist tatsächlich nicht bestimmt und wird es erst durch eine Wechselwirkung mit den real existierenden Objekten im Kosmos und der Annahme, unsere Theorien sind noch nicht ausreichend ausformuliert bzw. es fehlt eine Theorie über diese Strukturen, aber die Strukturen wären dann schon bestimmt.
Soweit das Doppelspaltexperiment in Bezug auf Photonen, aber es hat sich gezeigt, dass es in abgewandelter Form auch für Materieteilchen durchgeführt werden kann, z. B. für Elektronen. Auch diese „haben“ eine Frequenz, sind also als Welle interpretierbar und erzeugen in entsprechender Versuchsanordnung Interferenzen.
Was heißt das nun für die Beziehung von Beobachter und Objekt allgemein, also über das Experiment hinaus? Ich denke, es zeigt uns, dass wir in einem Kosmos mit einem Geflecht gegenseitiger Wechselbeziehungen leben, wobei man über eine „unter“ dem Kosmos liegende Struktur (noch) nichts aussagen kann.
Der Experimentator verändert nicht, er deckt auf. Und was unbedingt zu beachten ist: Es ging hier nur um Objekte, die für sich betrachtet zu Quantenwelt gehören, aber es gibt diese Quantenobjekte, sobald sie in unserem Kosmos erscheinen und das Labor verlassen, gar nicht für sich betrachtet. Schrödingers Katze ist so wenig unbestimmt, wie es die Sonne ist oder ich es bin.
Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Alles, was auf die Katze zutrifft, trifft auch auf einen Beobachter zu. Und wo sind wir, wenn auch der Beobachter unbestimmt ist?
Herr Oberlehrer
Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
Der Mensch lebt einmal. Dann nicht mehr.
(Donald Duck)