[...] so scheint es für dich nicht die Frage zu sein, ob es den freien Willen gibt oder nicht, sondern vielmehr, ob du dich dafür entscheiden solltest, das wie auch immer Vorhandene so zu sehen.
Diese Sichtweise ist m.E. ein Freibrief, alles glauben und behaupten zu können. Kein Experiment kann dir es streitig machen, wenn du sagst: "Für mich ist es aber so, weil ich mich dafür entschieden habe". Damit ist aber auch jegliche Diskussion um das sosein oder anderssein hinfällig bzw. nutzlos. Es gäbe dann kein objektives Sein mehr, sondern ausschließlich ein subjektives.
Hallo Claus!
Du hast Recht, für mich ist die einzig wichtige Frage, was ich glaube, und nicht, wie es wirklich ist.
Das berufe ich aber auf der Erfahrung, nichts endgültig wissen zu können; ich verdrehe mir also nicht irgendwie die Welt nach meinen Wünschen.
:)
Ich komme auch nicht dahin mir einfach Dinge anders "zu erträumen":
Ein Grundsatz auf dem ich nach viel Erkenntnistheorie aufgebaut habe, ist, die Erscheinungen für so zu nehmen, wie sie sich zeigen, ohne Überlegungen über ihre Wirklichkeit anzustellen, oder über eine "Ideenwelt" oder dergleichen.
Bitte aber nicht in Solipsismus verdrehen; ich nehme meine Erscheinungen für bedeutend.
Aber der freie Wille ist ja nichts, das ich mit meinen Augen sehe.
Eher ist er eine Reflektion oder auch eine Interpretation, und bei solcherlei Dingen entscheide ich mich nach der Wirkung, die es auf mich hätte.
Ehrlich gesagt war diese Entscheidung wohl mehr intuitiv, d.h. durch Erfahrung, was aber nicht heißt, dass ich sie nicht logisch aufbröseln könnte.
:)
Und du hast Recht, diese Sichtweise ist wohl tatsächlich ein Freibrief in Glaubenssachen, aber ich sehe das nicht negativ, sondern einfach neutral: Du bist doch so oder so frei zu glauben, was du willst.
Diskutieren kann man über Meinungen schon; allerdings nicht auf der Basis von Wahrheit, sondern eher im Sinne von Meinungsaustausch und wie sinnvoll oder "vernünftig" eine Meinung sein mag.
Bisher klappt es doch auch ganz gut.
Und wie gesagt, hege ich ja auch keinen Wahrheitsanspruch auf meine Meinung, sondern wollte sie hier bloß mitteilen, mit der Hoffnung, anderen auf ihrem Weg helfen zu können.
Zitat:
Henry schrieb in Beitrag Nr. 1849-81:
Chaoslee,
1.)wenn ich grob deinen Beitrag-Nr.1849-51
zusammen fasse, gibt es die Vergangenheit nicht mehr und die Zukunft noch nicht, alles, was ist, ist ein einer Sphäre von der Größe Null. Das ist nicht viel, oder?
(...)
2.)Dann aber ergibt sich ein anderes Problem: Die Willensfreiheit.
Nun gut, du hast für dich entschieden, keinen Wert auf die Willensfreiheit zu legen, bzw. kann ich dir erst einmal zustimmen, dass es vordergründig keinen Unterschied macht, ob wir letztlich frei in unseren Entscheidungen sind oder nicht – wir können es so wie so nicht wissen. Aber wie gesagt, nur vordergründig. In der Konsequenz ist es aber von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren einer Gesellschaft, ob ihre Mitglieder davon überzeugt sind, sich frei entscheiden zu können oder nicht. Mit welchem Recht könnte ich jemandem verbieten, ganz nach eigenem Gutdünken zu morden oder ihn dafür bestrafen, wenn er letztlich darauf hinweisen kann, dass er gar nicht anders könne, schließlich sei es nicht sein Wille, der ihn handeln lässt! Das hieße, der Willkür Tor und Tür öffnen, wir hätten das „Recht“ des Stärkeren.
3.)Allerdings denke ich, das Festhalten an der Vergangenheit, so wie du es meinst, ist eher ein psychologisches als ein philosophisches Problem. Ich kann mir auch dann vergeben, wenn ich von der Existenz der Vergangenheit überzeugt bin.
Hallo Henry!
Zu 1.) -ich habs mal nummeriert
:)
- :
Es gibt weder Vergangenheit, noch Zukunft. Nicht bloß "nichtmehr" und "noch nicht". Sondern sie sind beide Teil der Gegenwart; und ich glaube jetzt zu wissen, was du mit Größe Null meinst, du siehst das zeitlich, oder?
Ich würde aber nicht von Größe Null sprechen, sondern eher von Unendlich.
:)
Zeitlich, wie materiell; meinetwegen raum-zeitlich.
Zu 2.):
Dein soziologischer Einschub ist natürlich sehr interessant, aber auch entsprechend komplex, so dass wir allein dafür fast ein neues Thema eröffnen könnten.
Kurz dazu: Das Recht für Strafe erschließt sich mir eh nicht ganz und Verbote sind philosophisch gesehen auch nicht konsequent. Man erklärte mir einmal Strafe sei ein präventives Mittel, aber dann sehe ich in Politik und Medien die Leute auf Rache und Gerechtigkeit durch Ausgleich von Übeltaten sinnen..
Ich denke, Gesellschaft sollte auf dem gemeinsamen Wunsch nach Zusammenleben aufbauen. Nicht auf Gesetzen, Grenzen, Währung, Sprache, oder Zeitzone, et cetera.
:)
Hast du mal was von Christiania in Kopenhagen gehört? Ich finde das Prinzip ziemlich interessant.
Und zu 3.):
Den Gedanken finde ich auch interessant.
Themengebiete grenzen häufig aneinander.
Natürlich hast du Recht: Ich kann mir auch mit Vergangenheit vergeben.
Was sagst du aber zur Überwindung der Angst?
An meiner Überzeugung wird es aber wohl nicht rütteln, denn was ich vertrete ist nichteinmal nur eine Meinung, sondern eine Meinung, die auf Erfahrung beruht.
Eigentlich müssten wir also anders herangehen, wenn du meine Meinung verstehen willst.
Und Ernst Ellert II,
die Texte mit den einfachsten Worten sind oft die schwersten.
Du hast von Karma gesprochen.
Karma ist für mich etwas anderes als Schicksal:
Schicksal hat für mich die Bedeutung eines "Ablaufes von Ereignissen", der je nach Meinung (nicht) vorherbestimmt ist.
Karma aber ist für mich das Prinzip, nach dem Ereignisse auf mich wirken, in dem Sinne auch, was mir widerfährt:
Wenn ich voll Liebe bin, ist für mich auch die Welt voll Liebe. Und das verfestigt sich in mir durch meine Taten.
Karma im Sinne von: Ich tu Gutes und mir passieren dann als Belohnung gute Dinge, sehe ich als Aberglauben; die abergläubische Variante der Lehre des Buddha von Ursache und Wirkung.
Und zum Abschluß noch eins:
Ich hoffe nicht, denn Hoffnung braucht ein Ziel.
Ich aber lebe mein Leben ohne ein Ziel auf das es gerichtet ist.
Durch das Bewußtsein von meiner Einheit mit dem Universum in Form und Zeit, kann ich das Leben genießen, ohne die Zwänge, die das Nichtwissen mit sich führt.
Bitte versuche nicht dauernd mich anzufeinden; es bringt die Diskussion vom Thema ab und ist außerdem noch unangenehm.
Ich bin offen für Fragen, die an mich gestellt werden, wenn sie ein Interesse bergen.
Wenn du aber weiterhin versuchst meine Aussagen aus den Zusammenhängen zu reißen und dann von mir forderst ich möge mich erklären, werde ich solche Beiträge von dir demnächst übergehen.
"Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne die, welche ihre eigene Tugend erfinden - sie hassen den Einsamen. "