Zitat:
Horst schrieb in
Beitrag Nr. 1809-32:
Henry im
Beitrag-Nr. 1809-30
Deine Argumentation beginnt mit einer falschen Schlussfolgerung. Von einer Gegenwart sprechen zu können, muss es ein Bewusstsein geben, dass darüber spricht – das ist banal.
Hallo Henry.
Eine Kugel ist rund, das ist auch banal, aber ist es deswegen falsch?
Es besteht aber keine zwingende Notwendigkeit dafür (deine Schlussfolgerung), dass Ereignisse erkannt werden müssen, damit sie zeitlich existent werden.
Hier scheint ein semantisches Missverständnis vorzuliegen, ich habe nicht geschrieben, daß Ereignisse erst durch unser Bewusstsein zeitlich existent werden – die Veränderung von Ereignisse kann man nicht durch erkennen entstehen lassen - sondern ich sprach davon, dass es eines Bewusstseins bedarf, um Informationen aus der Umwelt als Gegenwart empfinden zu können.
Und eine Empfindung ist nun mal keine materielle objektive Realität
Meine Schlußfolgerung daraus war eben die Frage:
Wie und von wem sollte also ohne Bewusstsein welches Ereignis als „Jetzt“ - als Gegenwart empfunden werden?
Hast du darauf eine befriedigende Antwort?
Allerdings zieht sich die Vermischung unterschiedlicher Ebenen durch die gesamte Diskussion, bzw. wird das individuelle Erleben als Argument für objektive Existenz / Nichtexistenz von Zeit hergenommen.
Nun Henry, was sonst als das individuelle Erleben steht uns denn noch zur Verfügung um daraus für das Mysterium unseres kosmischen Dasein Erklärungen zu suchen und zu finden?
Gruß Horst
Hi, Horst, beinahe hätte ich dich vergessen!
Die Frage nach dem Sein, die ontologische Ebene, ist letztlich der Dreh- und Angelpunkt. Sie ist die entscheidende Frage und sie lässt sich nicht per Beweis beantworten, nämlich: Gibt es eine objektive Wirklichkeit oder nicht. Selbst das berühmte „Ich denke, also bin ich“ könnte ich noch anzweifeln, denn kann ich tatsächlich beweisen, dass ich selbst es bin, der da denkt? Aber immerhin müssten meine Gedanken gedacht werden, ein Sein scheint es also zu geben, und jeder für sich ist wird selbstbewusst genug sein, sich selbst erst einmal als gegeben zu nehmen.
Nicht, dass die Kugel rund ist, ist banal (wir wissen seit Sepp Herberger, dass das nicht banal ist) sondern dass es eines Bewusstseins bedarf, um darüber reden zu können.
Bernhards Intension war zu zeigen, dass die Zeit durch Materie beeinflussbar und somit real ist – wenn ich ihn richtig verstehe. Deine Intension ist es zu zeigen, dass die Zeit nur durch unser Bewusstsein existiert – das wirst du nicht bestreiten. Deshalb ist deine Argumentationskette nicht schlüssig, denn du beginnst mit dem Empfinden der Gegenwart durch ein Bewusstsein und schließt mit der Behauptung, dass es keine objektive Realität von Zeit gäbe, weil die Zeit nur in unserem Bewusstsein existiert . Du behauptest also sehr wohl, dass Ereignisse erst und nur durch ein Bewusstsein ZEITLICH existent werden. Wenn du die objektive Existenz der Zeit bezweifelst – was man durch aus tun kann, verstehe ich sehr wohl -, dann beweise diese Nichtexistenz, und zwar warum es sie logisch oder ontologisch oder physikalisch nicht geben kann, und nicht über unsere inneren Erfahrungen, die uns schon sehr häufig in die Irre geführt haben.
Wenn du schreibst, dass es kein Ereignis gäbe, das ein Bewusstsein als „Jetzt“, - als Gegenwart empfindet, vermengst du unzweifelhaft die objektive Realität mit dem individuellen Empfinden. Wenn dir ein Stein in Gegenwart eines Kumpels auf den Kopf fällt, ist das ein eindeutiger Beleg für ein „Jetzt“, über das du dich – falls dann noch möglich – mit deinem Kumpel gewiss austauschen wirst. Ob ich auf deine Frage eine befriedigende Antwort habe? Nein, die habe ich nicht, weil du keine befriedigende Antwort gelten lassen willst, deine Ansicht über die Natur der Zeit steht doch fest. Konsequenter Weise müsstest du aber auch die Realität des Steines infrage stellen, denn in deinem Sinne Beweisen lässt sich auch die nicht. Wie kommt denn deiner Meinung nach ein Austausch über die individuelle Erfahrung zustande? Mit wem überhaupt? Wenn alles individuelle Erfahrung ist, muss ich es als Individuum in einem anderen Individuum auch sein. Wen gibt es dann überhaupt?
Du vergisst den Austausch über eine Vielzahl individueller Erfahrungen und die Tatsache, dass sich eine Gemeinschaft auf einen Konsens einigen kann; für die Existenz einer objektiven Wirklichkeit -einschließlich der Zeit - gibt es einen Konsens, nicht zuletzt in der Wissenschaft. Ich will nicht am kosmischen Mysterium kratzen; was Zeit, Raum, Materie usw. letztlich SIND, werden wahrscheinlich niemals wissen.
Henry
Herr Oberlehrer
Die Wolken ziehen hin. Sie ziehen auch wieder her.
Der Mensch lebt einmal. Dann nicht mehr.
(Donald Duck)