Claus, Otto, hallo!
Ich möchte etwas ins Gedächtnis rufen, nämlich die eigentliche Ursache für die Zeitdilatation: Die Lichtgeschwindigkeit. Relativ zueinander bewegte Systeme haben unterschiedlich gehende Uhren, wenn sie in Bezug auf die Lichtgeschwindigkeit unterschiedliche Werte haben. Es geht immer die Uhr langsamer, die näher an der Lichtgeschwindigkeit ist. Diese „näher an der Lichtgeschwindigkeit“ ist NICHT relativ, weil die LG eine konstante und ein höchste Geschwindigkeit darstellt. Und sie gilt für JEDES System.
Was geschieht bei Beschleunigung? Die Geschwindigkeit wird erhöht, und mit der Geschwindigkeitserhöhung wächst auch die Zeitdilatation! Ein beschleunigtes System unterliegt nicht einfach der Zeitdilatation, sondern einer wachsenden Dilatation, weil die Geschwindigkeit wächst.
Diesen Effekt findet man auch im Gravitationsfeld, denn je näher ein Objekt dem Massezentrum kommt, desto größer ist die Zeitdilatation (eine Uhr auf der Erdoberfläche geht langsamer als auf einem Berg). ABER – beide Uhren gehen immer um denselben Dilatationsbetrag langsamer als außerhalb des Gravitationsfeldes und in Bezug aufeinander, obwohl sie beschleunigt sind! Klar, es wirkt ein Kraft gegen den Fall zum Massezentrum hin, die elektromagnetische Kraft.
Claus, du schreibst in
Beitrag Nr. 13-729 (mich zitierend):
Henry hatte Uhren auf konzentrischen Kreisscheiben mit verschiedenen Durchmessern positioniert. Seine These lautete: "Die Zeitdilatation ist ausschließlich von der Geschwindigkeit der Uhren, nicht von deren Beschleunigung abhängig. Die Uhren laufen also synchron, wenn sie dieselbe Bahngeschwindigkeit aufweisen."
Zwei solche Uhren (gleiche Geschwindigkeit auf konzentrischen Kreisen verschiedener Radien) sind nun aber notwendigerweise unterschiedlich beschleunigt. Dies führt m.E. zu einem Widerspruch zum o.a. Äquivalenzprinzip. Zitat ende.
Es liegt aber kein Widerspruch in meiner Aussage, denn die These lautet ja, dass es NICHT die Beschleunigung ist, die für die Zeitdilatation verantwortlich ist, sondern allein die Geschwindigkeit; und dann gehen die Uhren „im Gleichtakt“, wenn sie dieselbe Bahngeschwindigkeit haben, unabhängig vom Radius der Bahnen.
Eine kräftefreie Bewegung liegt aber vor, wenn sich ein Objekt in einem Gravitationsfeld ohne Wirkung einer Kraft bewegen kann, dann fällt es äquivalent zu einem Objekt fern von jeder Masse, und dann unterliegt es im Gravitationsfeld einer wachsenden Zeitdilatation, die umso größer wird, je näher sich das Objekt dem Massezentrum nähert. Und da liegt der springende Punkt! Ein Objekt - z. B. eine Uhr – auf einer Kreisbahn nähert sich nicht dem Massezentrum!
Was hier zum Tragen kommt ist die Äquivalenz von schwerer und träger Masse. Der Ort in einem Gravitationspotential (die Feld-Stärke) ist gleich dem Radius r für einen Massepunkt an dieser Stelle. Das Gravitationspotential bestimmt die „Schwere“ einer Masse und der „Massepunkt“ die Trägheit. Gesetzt, das Gravitationsfeld ist homogen und der Massepunkt bewegt sich stets mit gleichbleibendem r – was der Fall ist, wenn keine Kraft von außen wirkt – bewegt sich ein Objekt auf einer Kreisbahn mit gleichbleibender Zeitdilatation in Bezug auf das Massezentrum. Es wirkt keine „Rotationskraft“, sondern die Bewegung ist eine Folge der Masseträgheit.
Ich hab mir überlegt - nach obigen Gedankengängen -, dass für die Zeitdilatation nicht die Geschwindigkeit an sich maßgebend ist, sondern der Betrag der Geschwindigkeit (Geschwindigkeit ist ja Betrag und Richtung, man denkt nur viel zu selten dran). Eine Richtungsänderung ist zwar eine Beschleunigung, aber der Betrag der Zeitdilatation ändert sich nicht, wenn der Betrag der Geschwindigkeit beibehalten wird. Das scheint mir auch deshalb sinnvoll, weil die Lichtgeschwindigkeit unabhängig von jeder Richtung ist. Es ist m. E. der Betrag einer Geschwindigkeit im Verhältnis zur Lichtgeschwindigkeit, der den Betrag der Zeitdilatation ausmacht. Und was sollte das wohl auch heißen: Richtung in Bezug auf eine Geschwindigkeit?
In der ART gibt es mathematisch keine Gravitationskraft, sondern nur die Raumkrümmung, hervorgerufen durch die Masse, und es gibt keinen Unterschied zwischen schwerer und träger Masse.
So, erst mal genug Futter für die Löwen, denke ich!
Das Leben ist zu ernst, um es nur ernst zu nehmen.