Otto schrieb in
Beitrag Nr. 13-720:
Das Ganze ist noch nicht ganz in sich logisch.
Hier noch eine Idee, die ich dich einmal zu prüfen bitte:
Ich hatte hier ja schon früher die spekulative Vermutung geäußert, dass sich die gravitative Beschleunigung möglicherweise auf eine in der Zeit zurückgelegte Kreisbahn zurückführen lässt (vgl. z.B.
Beitrag Nr. 1164-32,
Beitrag Nr. 1164-54,
Beitrag Nr. 2212-102)
Für diese These spricht m.E., dass das aus der Kreisbewegung abgeleitete Gravitationspotenzial φ (siehe "Zeitdilatation" bei Wikipedia Abschnitt 2.1 "Beschleunigung und Gravitation: die rotierende Scheibe") die Dimension m2/s2 - also das Quadrat einer Geschwindigkeit - besitzt.
Vielleicht sind es also nicht die Beschleunigungen, die man als grundlegend äquivalent betrachten sollte (die Beschleunigung ergibt sich im Gravitationsfeld ja durch g = GM/r2). Vielleicht ist vielmehr die Geschwindigkeit der der Gravitation zu Grunde liegenden Kreisbewegung als äquivalent zum Gravitationspotenzial1 zu betrachten.
1Letzteres weist im Gegensatz zur Beschleunigung nur den einfachen Abstand r im Nenner auf: φ = -GM/r
Hallo Claus,
ich habe Deine Frage bzw. Bitte nicht vergessen.
Entschuldige die verspätetet Antwort. Das Ergebnis meiner Überlegungen hat mich nicht so recht befriedigt.
Hier einige Gedanken zum Thema "Was unterscheiden Gravitationskräfte bzw. das Gravitationspotential von Kräften infolge von beschleunigten Massen, zum Beispiel bei einer Kreisbewegung?"
Zentralkräfte:
Beide, sowohl die Gravitationskraft als auch die Zentripetalkraft, werden als Zentralkräfte bezeichnet, denn sie sind auf einen festen Punkt gerichtet.
Die Richtungen dieser beiden Kräfte sind jedoch verschieden; nur für den speziellen Fall einer Kreisbahn fallen beider Richtungen zusammen. Die Zentripetalkraft ist in Richtung des Krümmungsmittelpunktes der Kurve gerichtet, die Gravitationskraft in Richtung des Brennpunktes der Bahn, z.B. von Ellipsen, Parabeln oder Hyperbeln.
Die Zentripetalkraft hat nur eine Komponente senkrecht zur Bahn, während Gravitationskräfte zusätzlich zur Normalkomponente eine tangentiale Kraftkomponente in Bahnrichtung aufweisen. Nach dem zweiten Keplerschen Gesetz ergeben sich dadurch verschiedene Geschwindigkeiten auf der Bahn im Perihel und Aphel. Die Kepplerellipse ist ein Spezialfall des schiefen Wurfes, der sich in seiner Bahn schließt. Die Bewegung von Trabanten und Planeten sind nichts weiter als ein freier Fall auf einer geodätischen Linie.
(1)
Werte von Gravitationskraft und Zentripetalkraft:
(a) Zentripetalkraft
Die Zentripetalkraft berechnet sich mit einer Winkelgeschwindigkeit ω und einem Radiusvektor r senkrecht dazu mit
F
zp = mω²r = mv²/r mit ω = 2πf = v/r
die Beschleunigung mit a
zp = F
zp/m zu
a
zp = ω²r = v²/r
und das Potential mit
φ
z = ω²r²/2 = v²/2
Die Zentrifugalkraft im d’Alembertschen Sinn ist immer an die Zentripetalkraft, die Gegenkraft, gekoppelt.
Das Reaktionsprinzip „actio=rectio“ ist hier jedoch nicht anwendbar, da dieses Prinzip als Kräftepaar an
verschiedene Körper gebunden ist. Zentrifugalkraft und Zentripetalkraft greifen jedoch am gleichen Körper an.
(b) Gravitations-Kraft
Die Gravitations-Kraft mit der sich zwei Massepunkte m
1 und m
2 anziehen und die den Abstand r zueinander haben ist
F
G = Gm
1m
2/r² mit G als universelle Gravitationskonstante.
Die Beschleunigungen sind dann
a
1 = Gm
2/r² und a
2 = Gm
1/r²,
sowie das Schwerkraftfeld um einen Massepunkt m zu
φ
G = -Gm/r
Der Gradient des Potentials kann formal als Gravitations-Feldstärke angesehen werden. Die Gravitationskraft auf den Probekörper ergibt sich dann aus dem Produkt seiner Masse mit der Feldstärke.
(2)
(c) Diskussion der Gleichungen
Der Vergleich der Gleichungen zur Berechnung der Kräfte und Beschleunigungen läßt m.E. keine Gleichsetzung der Potentialgleichungen für Gravitation und Zentripetalkräfte auf den ersten Blick zu.
Der Radius bzw. die Entfernung gehen mit unterschiedlichen Faktoren 1/r bzw. 1/r² ein. Das wäre zwar damit erklärbar, daß die Zentripetalkraft nicht von der Quelle eines anderen Feldes bestimmt wird, sondern einen festen Wert gegenüber dem Rotationsmittelpunkt r hat. Die Gravitationskraft ist demgegenüber über die Entfernung r veränderlich, und zwar nicht durch die Masse (m
1) am Ort r selbst, sondern durch eine
andere Masse (m
2) in der Entfernung r.
Man könnte also versuchen, mathematisch die Gravitation von der Rotation einer Masse nur durch den Faktor 1/r zu unterscheiden.
Im Zähler der Gleichungen wird die Zentripetalkraft durch die Geschwindigkeit bestimmt, während die Gravitationskraft durch Massen und die Gravitationskonstante G bestimmt ist. Es wäre sicher einen Versuch wert, einen physikalischen Zusammenhang zwischen Masse, Relativgeschwindigkeit und Gravitation herzustellen.
Die Tatsache allein, daß die Zentripetalkraft vom Quadrat der Geschwindigkeit v² [m²/s²] abhängt, würde ich nicht als hinreichend für eine Analogie zur Gravitation sehen. Der Term v² kommt in vielen Gleichungen vor unds ohne jede Beziehung zur Gravitation (kinetische Energie, Schallgeschwindigkeit von Longitudinal- und Transversalwellen, Umfangsspannung am Umfang rotierender elastischer Scheiben, …).
Daraus ergeben sich für mich folgende Fragen:
- Ist Masse eine Art von „kondensierter“ Relativ-Geschwindigkeit infolge von Rotation?
- Bewegt sich eine um ein geometrisches Zentrum rotierende Punktmasse (unter Zentripetalkraft) auf einer Geodäte?
- Ist die Bewegung zweier Körper um ihren gemeinsamen Schwerpunkt, dem Baryzentrum, eine spezielle Form des freien Falls der Körper?
- Soviel ich weiß, behandelt die ART nur lineare Relativbewegungen mit Dehnungen bzw. Stauchungen von Entfernungen/Zeit (Rechteck → Trapez, Quadrat → Rechteck).
Was passiert jedoch bei Rotationen?
Kann es zu Winkelverzerrungen in der Raumzeit kommen (Rechteck → Parallelogramm, Quadrat → Raute)?
Ergänzend zu diesem Thema noch einige Notizen zum Baryzentrum, dem Äquivalenzprinzip und der Gravitation als Scheinkraft - in einem separaten Kommentar, um die Übersichtlichkeit möglichst zu erhalten.
Gruß vom Otto
(1) Geodäten sind besondere Kurven in der Differentialgeometrie. Diese Kurven sind identisch mit den Bahnen, auf denen sich Licht und Teilchen ohne Einwirkung von äußeren Kräften bewegen. In der Relativitätstheorie werden verschiedene Geodätentypen relativ zum Lichtkegel in Raum-Zeit-Diagrammen unterschieden: Zeitartige Geodäten (ds²>0), lichtartige Geodäten (ds²=0), raumartige Geodäten (ds²<0).
(2) Es sei daran erinnert, daß Gravitationspotentiale eine Art von "umarmenden" Äquipotential-Flächen um zwei Plus-Pole (also gleicher Potentiale) aufweisen, die zur "Verklumpung" von Massen m1 und m2 infolge der entgegengesetzt gerichteten Beschleunigungen (a1+a2) führen. Die Äquipotential-Flächen/Linien sind hier um beide Plus-Pole geschlossen. Anziehende Gravitationskräfte werden von gleichen Vorzeichen der Ladungspotentiale verursacht, im Gegensatz zu den Coulombschen Kräften, bei denen entgegengesetzte Ladungen zu anziehenden elektrischen Kräften führen. Im anziehenden Fall verhalten sich die Coulombschen Kräfte ganz entsprechend wie die Kraft zwischen zwei Punktmassen nach dem Gravitationsgesetz.