Okotombro
Du widersprichst den in
Beitrag Nr. 13-523 zu Beginn von dir zitierten Punkten grundlegend und es ist bedauerlich, dass du es nicht sehen willst. Dort ist eindeutig und unübersehbar gesagt, dass ein Gravitationsfeld eine Beschleunigung bewirkt, was von dir einfach geleugnet wird.
Dort steht nirgends, es gäbe keine Beschleunigung, wenn ich sie nicht messen kann, sondern es wird der Fall diskutiert, dass ich sie nicht messen kann. Aber es geht in Wahrheit gar nicht darum, ob ich bewegt bin oder nicht, sondern um die Konsequenzen die sich ergeben, wenn c als Naturkonstante in eine Theorie der Gravitation aufgenommen wird.
Eine Behauptung, etwas würde nicht existieren, weil ich es nicht messen kann, ist völlig unhaltbar, man stelle sich nur vor, ich kann keine Messung durchführen, aber ein Experimentator außerhalb meines Fahrstuhls stellt die Messung an - bin ich dann beschleunigt und nicht beschleunigt, ist der Mond nicht da, wenn er nicht gesehen wird?
Die Aussage der Äquivalenz behauptet keine Identität, sondern eine Gleichwertigkeit.
Aus dieser Unmöglichkeit einer Unterscheidbarkeit in einem System ohne Informationen aus der Außenwelt von gravitativer Beschleunigung und der Abwesenheit von Masse wird auf die Äquivalenz von freiem Fall und Abwesenheit von Masse geschlossen. Warum ist das überhaupt nötig, das ist nämlich ganz außen vor? Es ist nötig,weil die Beschleunigung durch die Gravitation zur Beschleunigung allgemein führt, es ist nötig, weil Einstein einen Weg gesucht hat, die SRT, die eine Theorie ohne Gravitation ist, auf eine Theorie zu erweitern, in die die Gravitation eingebunden ist.
Einstein hat zehn Jahre gebraucht, um das zu erreichen, es ist also nicht verwunderlich, dass seine Überlegungen nicht gleich eingängig sind.
Eine ganz grundlegende Überlegung zur Entwicklung der SRT war die Forderung, die Naturgesetze und -konstanten müssen bezüglich jeder Transformation invariant sein, und weil Einstein c als Naturkonstante postuliert hatte, kam es zur Entdeckung der Zeitdilatation, also zur Relativität der Zeitmessung.
Minkowski erkannte die Einheit von Raum und Zeit. Wenn nun Raum und Zeit nicht zu trennen sind, wenn außerdem die Messung von Raum und Zeit vom gleichförmigen Bewegungszustand eines Beobachters abhängen, wie ist dann mit einem beschleunigten Beobachter bestellt? Wenn die SRT nicht zu widerlegen ist, muss eine Theorie der Gravitation - also die Beschleunigung - in irgendeiner Weise mit den Beobachtungen in einem Inertialsystem äquivalent sein. Und die Naturgesetze und -konstanten müssen natürlich für Transformationen in beschleunigte Systeme invariant sein. Die Forderung ist also, dass beschleunigte Systeme Inertialsystemen äquivalent sind. Wohlgemerkt: Äquivalenz heißt nicht Identität, sondern Gleichwertigkeit.
Und damit komme ich noch einmal auf das - unvollständige - Zitat Einsteins in meinem
Beitrag Nr. 13-522. Einstein kommt nämlich aufgrund der Überlegung, dass man in einer Fahrstuhlkabine - die ist mit dem erwähnten Kasten gemeint - nicht unterscheiden kann, ob man sich in einem frei fallenden System befindet oder fern von jeder Masse zu dem Schluss, man kann das auch dann nicht unterscheiden, wenn eine Beschleunigung messbar ist. Zum Verständnis der Überlegung gehört aber, dass man sich darüber klar ist, dass Körper in einem Gravitationsfeld beschleunigt werden, und zwar unabhängig davon, ob man das messen kann oder nicht.
Die Überlegung in seinem Gedankenexperiment ist: wenn ich in einem Fahrstuhl nicht weiß, dass ich mich in einem beschleunigten System befinde, wenn ich keine Beschleunigung messen kann,aber eine Beschleunigung möglicherweise durch ein Gravitationsfeld vorliegt, bedeutet das doch für den Fall, dass ich die Beschleunigung messen KANN, ich dann nicht unterscheiden kann, ob ich durch irgendeinen Mechanismus beschleunigt werde, oder ob ich mich z. B. auf der Erdoberfläche befinden, also in einem Gravitationsfeld, in dem aber die Erdoberfläche verhindert, dass ich frei falle. Wie gesagt, dazu muss ich zwingend die Beschleunigung durch ein Gravitationsfeld anerkennen, und zwar unabhängig von einer Messung.
Damit ist aber ein beschleunigtes System äquivalent zu einem Inertialsystem, das heißt, ich kann eine schlüssige Begründung dafür angeben, warum die Erweiterung der SRT auf eine Gravitationstheorie möglich ist unter Beachtung der Invarianz der Naturgesetze und -konstanten einschließlich c und der Relativität der Raumzeit.
Soweit dazu. Auf deine einzelnen Punkte möchte ich nicht weiter eingehen, weil ich denke, dass Einstein selbsterklärend ist, ich denke, ich hab das schlüssig dargelegt.
Außer auf deine Bemerkung zur Materie: zwar ist es richtig, dass die elektromagnetische Kraft um viele Größenordnungen stärker ist als die Gravitation, aber was hier zählt ist die Größe, nämlich die Größe der Masse z. B. der Erde, es ist schließlich die gesamte Masse der Erde notwendig, um zu verhindern, dass ich durch die Erde falle, die Anzahl der Elektronen, die das verhindern, ist dagegen verschwindend gering, es sind nur die, die sich unter meinen Füßen bzw, unter meinem Hintern befinden.
Zwar ist es richtig, dass die elektromagnetische und die Kernkraft die Materie zusammenhalten, aber davon sprach ich gar nicht, sondern ich sprach davon, dass die Kernfusion in einer Sonne erst durch die geballte Gravitation möglich wird, die im Inneren eines Sterns herrscht. Die Gravitation sorgt durch ihren Druck dafür, dass die beteiligten Atomkerne genügend Energie erhalten, um eine Kernfusion zu ermöglichen. Ich dächte, das wäre bekannt?
Siehe also z. B. dort:
http://www.physik.wissenstexte.de/sterne.htmDas Leben ist zu ernst, um es nur ernst zu nehmen.
Bearbeitet von Henry-Dochwieder am 03.05.2015 um 10:16 Uhr.