Hallo Harti,
(und ggf. auch Bauhof, da ich im Folgenden die Ableitung des Dopplereffekts aus den Lichtlaufzeiten noch etwas näher erkläre),
Ein Signal, das der Erdzwilling aussendet, wird vom Reisezwilling rot- bzw. blauverschoben wahrgenommen.
Ja,
rotverschoben bspw. dann, wenn sich Quelle und Empfänger voneinander entfernen. Warum ist das so? Weil das Licht
zusätzliche Zeit benötigt, um zum Empfänger zu gelangen. Schaue dir die Tabelle in meinem
Beitrag Nr. 13-457 an. Du kannst es dir zunächst einfach machen, dich ausschließlich auf den Dopplereffekt konzentrieren und so tun, als gäbe es keine Zeitdilatation.
Das erste beim Start ausgesendete Signal erreicht den Empfänger
umgehend, da sich Sender und Empfänger am selben Ort befinden. Anders dagegen die darauf folgenden Signale: Sie brauchen einige Zeit länger, um den stetig größer werdenden Weg zum Empfänger zurückzulegen.
Eine Sekunde nach dem Start sind Quelle und Empfänger in einer Distanz von 0,6 Ls. Folglich erreicht das nach einer Sekunde ausgesandte Signal den Empfänger erst nach 1 + 0,6 = 1,6s. Zwei Sekunden nach dem Start braucht das Licht bereits 2* 0,6 = 1,2 zusätzliche Sekunden zurück zum Empfänger. Das nach 2 Sekunden ausgesandte Signal erreicht den Empfänger also erst nach 2 + 1,2 = 3,2s - usw.
Die durch die stetig wachsende Entfernung des Senders verursachte zusätzliche Lichlaufzeit zurück zum Empfänger hat zur Folge, dass die
innerhalb einer Sekunde vom Sender ausgestrahlten Lichtwellen beim Empfänger nicht ebenso innerhalb von 1s, sondern gedehnt, nämlich innerhalb von 1,6s ankommen. Die Anzahl der pro Zeiteinheit beim Empfänger ankommenden Wellenberge ist also geringer als die in derselben Zeiteinheit vom Sender ausgesandte Anzahl. Anders ausgedrückt heißt das: Die beim Empfänger ankommende Frequenz ist geringer als die ausgesendete.
Nun ist die Frequenz einer Lichtquelle ein perfekter Taktgeber. Nehmen wir an, der Sender sendet das Licht mit 700 Terahertz ab (also 700 Billionen Wellenlängen pro Sekunde - das entspricht der Farbe blau). Dann kommt beim Empfänger also Licht mit 700 / 1,6 = 437 Terahertz (Farbe rot) an. Nehmen wir nun an, bei der Quelle wird innerhalb einer Sekunde ein Schluck Kaffee getrunken und währenddessen werden die angegebenen 700 Billionen Wellenlängen Licht ausgesendet, dann können wir schon ahnen, was der Empfänger innerhalb einer Sekunde sieht:
Wie oben gezeigt sieht der Empfänger innerhalb einer Sekunde nicht 700 Billionen, sondern nur 437 Billionen Wellenberge und somit auch nur, wie der Sender einen halben Schluck Kaffee trinkt. Um den vollen Schluck Kaffee des Senders zu beobachten muss der Empfänger 1,6 Sekunden warten. Der Empfänger sieht folglich, dass der Sender seinen Kaffee in Zeitlupe trinkt!
Durch die zusätzliche Lichtlaufzeit - oder anders ausgedrückt: durch den Dopplereffekt - sieht der Empfänger die Uhr des Senders also verlangsamt laufen.
Der Faktor, mit dem die Uhr des Senders infolge des Dopplereffekts langsamer läuft ist 1/ 1,6 = 0,625
1
1 Anmerkung: siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Doppler-Effekt
Im ersten Abschnitt "Beobachter in Ruhe, Signalquelle bewegt" beschreibt Formel (1) den akustischen Dopplereffekt. Der Effekt gilt aber für elektromagnetische Wellen in analoger Weise. Es gilt: fB = fS / (1 - v/c). Man beachte: Für sich voneinander entfernende Quellen und Sender ist v negativ einzusetzen. Für sich aufeinander zu bewegende dagegen positiv! Setzt man v = +- 0,6c, so ergeben sich die Faktoren der durch den Dopplereffekt verursachten Frequenzerniedrigung bzw. -Erhöhung in derselben Weise, wie ich sie in der Tabelle in Beitrag Nr. 13-457 aus den Lichtlaufzeiten abgeleitet habe.