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Beitrag Nr. 13-362
20.03.2015 00:53
Hallo Claus, hallo Eugen und andere,
zunächst sei festgestellt, dass der zustande kommende Altersunterschied der Zwillinge allein mit der SRT und dem ihr zugrunde liegenden Formalismus, den Lorentztransformationen, richtig und empirisch bestätigt vorausgesagt werden kann ohne die Lichtlaufzeiten zu bemühen.
Dabei findet im Ruhesystem vom Daheimgebliebenen die Zeitdilatation, die beim Reisenden beobachtet wird, Anwendung, da keine Lorentzkontraktion beobachtet wird, da das Reiseziel im gleichen Inertialsystem ruht. Im Ruhesystem des davonfliegenden Reisenden hingegen findet die Lorentzkontraktion Anwendung. Er hat eine kürzere Wegstrecke zurückzulegen als die vom Daheimgebliebenen gemessenen und benötigt dazu weniger Zeit. Das gilt gleichermaßen für die Hin- wie für die Rückreise auch unter Beachtung der unterschiedlichen Ruhesysteme für Hin- und Rückreise.
Das Problem:
Für den Daheimgebliebenen ist nur die Zeitdilatation relevant, eine Längenkontraktion trifft für ihn nicht zu; weder stellt er den für sich noch für den Reisenden fest. Für den Reisenden hingegen trifft neben der Längenkontraktion bei Hin- und Rückreise ebenso die Zeitdilatation zu. Er stellt eine Verlangsamung der Uhr vom Daheimgebliebenen gegenüber seiner fest und kommt somit zum falschen Ergebnis, der Daheimgebliebene sei beim Wiedersehen der Jüngere.
Das scheint im Widerspruch zum Relativitätsprinzip zu stehen.
Auswege:
Zunächst folgende Betrachtung: Was beide Kontrahenten eindeutig voneinander unterscheidet und was maßgeblich für das Zustandekommen des Altersunterschiedes ist, ist die Tatsache, dass der Daheimgebliebene während der gesamten Prozedur in einem Inertialsystem verbleibt, egal, ob er in diesem ruhe oder gleichmäßigt bewegt ist (der Einfachheit halber wird zur Beschreibung dasjenige Inertialsystem gewählt, in dem der ruht). Der Reisende hingegen kann sich nicht während seiner Reise fortwährend in einem Inertialsystem als ruhend betrachten. Er muss umkehren, sein Ruhesystem aufgeben und ein neues finden, was ohne Beschleunigungsphasen nicht möglich ist. Zwar herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass diese Beschleunigungsphasen gegen Null betrachtet werden können, das heißt aber nicht, dass er sich gleichermaßen wie der Daheimgebliebene während der ganzen Zeit als ruhend betrachten kann. Andererseits gibt es Gedankenexperimente, die tatsächlich auch ohne Idealisierungen ohne Beschleunigungsphasen auskommen – dazu später.
In meinem Physikbuch, "Physik" Paul A. Tipler, Spektrum akademischer Verlag, wird zunächst das ZP wie üblich ohne Einbeziehung der Lichtlaufzeiten berechnet, wie es hier im Forum schon etliche Male geschah. Dann wird aber auf das oben genannte Problem hingewiesen.
Auch wenn die Beschleunigungsphasen vernachlässigt werden können, was passiert beim Wechsel des Ruhesystems eigentlich? Weiter heißt es:
"
macht nichts, hätte ich eh nicht verstanden und schon gar nicht mathematisch nachvollziehen können.
Aber es wird eine Alternative angeboten:
"
und was dann folgt, können wir bei Claus nachlesen.
Zu beachten ist aber die Formulierung " . . . zu einem gewissen Verständnis . . . "
Jürgen Freund, "spezielle Relativitätstheorie für Studienanfänger, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich zeigt unter dem Kapitel "Die Zwillingsparadoxie und der k-Kalkül" ebenfalls mit vielen Worten, Formeln und Grafiken eine Möglichkeit vor, im Rahmen der SRT unter Zuhilfenahme des relativistischen Dopplereffekts das ZP-Paradoxon zu lösen.
Ulrich Schröder redet in "Spezielle Relativitätstheorie", Verlag Harri Deutsch, von der Wegabhängigkeit der Eigenzeit. Die vergangene Eigenzeit des Reisenden zwischen Start und Rückkehr stellt er dar als Integral unter der gekrümmten Weltlinie. (Hoffe, das so richtig wiedergegeben zu haben. Mathematisch kann ich das nicht mehr nachvollziehen.)
Er folgert daraus, dass das Bezugssystem des Reisenden kein inertiales mehr ist. Da die SRT für beschleunigte Objekte nur auf Inertialsysteme bezogen zuverlässige Voraussagen zulässt, und somit das ZP aus Sicht des Reisenden bezüglich der Eigenzeit des Daheimgebliebenen die ART bemüht werden muss. Zur Erklärung des ZP reicht trotzdem die SRT, solange man sich auf das inertiale Bezugssystem des Daheimgebliebenen bezieht.
Noch einmal zu den Beschleunigungsphasen.
Es gibt Gedankenexperimente, bei denen Beschleunigung gänzlich eliminiert wird. Hier geht es aber nicht um Massen, die reisen und wenden, sondern um reine Information, und zwar den Zeigerstand von Uhren betreffend. Gleichförmig bewegte Raumfahrer in entgegengesetzte Richtungen unterwegs tauschen über Lichtsignale Informationen aus, wenn sie an der Erde vorbeikommen und wenn sie aneinander vorbeifliegend, da gibts verschiedene Varianten, alle ohne jegliche Beschleunigung. Schließlich benötigt Information, ebenso wie das Licht, keine Beschleunigungsphasen beim Übergang von einem zum anderen Bezugssystem.
Eine andere Möglichkeit ohne Beschleunigung zurückzukehren, selbst für Massen, ist die swing-by Methode:
Der Reisende nähert sich mit gleichförmiger geeigneter Geschwindigkeit in einem geeigneten Winkel einem Stern so, dass er vom Schwerefeld eine halbe Umdrehung um jenen macht und in entgegengesetzter Richtung davonfliegt. Im Sinne Der ART stellt das keine Beschleunigung dar, er befindet sich währenddessen im freien Fall, was ein intertialer Zustand bedeutet. Interessante Idee, hab ich irgendwo gelesen, weiß nur nicht mehr wo.
Mein Fazit:
- Der Effekt beim ZP ergibt sich aus der Nichtgleichberechtigung der Zwillinge
- Das ZP kann allein mit der SRT gelöst werden, wenn man sich auf das Inertialsystem des Daheimgebliebenen bezieht.
- Um das ZP im Bezugssystem des Reisenden bezogen auf die Eigenzeit des Daheimgebliebenen hinlänglich zu beschreiben, wird die ART benötigt.
- man kann den relativistischen Dopplereffekt in seine Berechnungen hinzuziehen und somit auf die ART verzichten, gelangt dann aber nur zu einem "gewissen Verständnis", welches sich nicht auf das Zustandekommen des Altersunterschied bezieht, sondern auf das, was die Zwillinge tatsächlich beobachten.
@Claus
Das finde ich so formuliert, wenn auch richtig gemeint, problematisch.
1. Die Lichtlaufzeiten können, ebenso wie die Zeitdilatation und die Längenkontraktion nichts bewirken im Sinne von ursächlich. Ursächlich für die relativistischen Effekte ist die Metrik der Raumzeit. Diese ist letztendlich nur mit der ART beizukommen. Bemerkbar macht sich das bei der Eingangs festgestellten Verletzung des Relativitätsprinzip.
2. Die Lichtlaufzeiten werden gerne von Starrköpfen benutzt, um Einstein als Narr oder Scharlatan darzustellen und nicht, um das ZP zu erklären. Insofern könnte eine solche Formulierung gänzlich falsch verstanden werden von einem unbedarften Leser, was sicher nicht in deinem Sinne wäre.
so, jetzt reichts, muss morgen früh raus.
mfg okotombrok
PS: Die ISBN-Nummern, Seitenzahlen usw. schiebe ich bei Bedarf gerne nach, aber heute nicht mehr!"Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln können"
(Francis Picabia)
zunächst sei festgestellt, dass der zustande kommende Altersunterschied der Zwillinge allein mit der SRT und dem ihr zugrunde liegenden Formalismus, den Lorentztransformationen, richtig und empirisch bestätigt vorausgesagt werden kann ohne die Lichtlaufzeiten zu bemühen.
Dabei findet im Ruhesystem vom Daheimgebliebenen die Zeitdilatation, die beim Reisenden beobachtet wird, Anwendung, da keine Lorentzkontraktion beobachtet wird, da das Reiseziel im gleichen Inertialsystem ruht. Im Ruhesystem des davonfliegenden Reisenden hingegen findet die Lorentzkontraktion Anwendung. Er hat eine kürzere Wegstrecke zurückzulegen als die vom Daheimgebliebenen gemessenen und benötigt dazu weniger Zeit. Das gilt gleichermaßen für die Hin- wie für die Rückreise auch unter Beachtung der unterschiedlichen Ruhesysteme für Hin- und Rückreise.
Das Problem:
Für den Daheimgebliebenen ist nur die Zeitdilatation relevant, eine Längenkontraktion trifft für ihn nicht zu; weder stellt er den für sich noch für den Reisenden fest. Für den Reisenden hingegen trifft neben der Längenkontraktion bei Hin- und Rückreise ebenso die Zeitdilatation zu. Er stellt eine Verlangsamung der Uhr vom Daheimgebliebenen gegenüber seiner fest und kommt somit zum falschen Ergebnis, der Daheimgebliebene sei beim Wiedersehen der Jüngere.
Das scheint im Widerspruch zum Relativitätsprinzip zu stehen.
Auswege:
Zunächst folgende Betrachtung: Was beide Kontrahenten eindeutig voneinander unterscheidet und was maßgeblich für das Zustandekommen des Altersunterschiedes ist, ist die Tatsache, dass der Daheimgebliebene während der gesamten Prozedur in einem Inertialsystem verbleibt, egal, ob er in diesem ruhe oder gleichmäßigt bewegt ist (der Einfachheit halber wird zur Beschreibung dasjenige Inertialsystem gewählt, in dem der ruht). Der Reisende hingegen kann sich nicht während seiner Reise fortwährend in einem Inertialsystem als ruhend betrachten. Er muss umkehren, sein Ruhesystem aufgeben und ein neues finden, was ohne Beschleunigungsphasen nicht möglich ist. Zwar herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass diese Beschleunigungsphasen gegen Null betrachtet werden können, das heißt aber nicht, dass er sich gleichermaßen wie der Daheimgebliebene während der ganzen Zeit als ruhend betrachten kann. Andererseits gibt es Gedankenexperimente, die tatsächlich auch ohne Idealisierungen ohne Beschleunigungsphasen auskommen – dazu später.
In meinem Physikbuch, "Physik" Paul A. Tipler, Spektrum akademischer Verlag, wird zunächst das ZP wie üblich ohne Einbeziehung der Lichtlaufzeiten berechnet, wie es hier im Forum schon etliche Male geschah. Dann wird aber auf das oben genannte Problem hingewiesen.
.Zitat:Die Schwierigkeit einer Analyse des Problems . . . liegt darin, dass er nicht in einem Inertialsystem bleibt
Auch wenn die Beschleunigungsphasen vernachlässigt werden können, was passiert beim Wechsel des Ruhesystems eigentlich? Weiter heißt es:
"
Aha, jetzt wird's spannend –Zitat:Um diese Frage detailliert zu untersuchen, müssten wir beschleunigte Bezugssysteme betrachten. Das ist aber nur mit den Methoden der allgemeinen Relativitätstheorie möglich . . .
:-(Zitat:. . . und geht über den Rahmen des Buches hinaus
macht nichts, hätte ich eh nicht verstanden und schon gar nicht mathematisch nachvollziehen können.
Aber es wird eine Alternative angeboten:
"
"Zitat:Wir können zu einem gewissen Verständnis der Vorgänge gelangen, wenn wir annehmen, die Zwillinge sendeten regelmäßig Signale aus . . .
und was dann folgt, können wir bei Claus nachlesen.
Zu beachten ist aber die Formulierung " . . . zu einem gewissen Verständnis . . . "
Jürgen Freund, "spezielle Relativitätstheorie für Studienanfänger, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich zeigt unter dem Kapitel "Die Zwillingsparadoxie und der k-Kalkül" ebenfalls mit vielen Worten, Formeln und Grafiken eine Möglichkeit vor, im Rahmen der SRT unter Zuhilfenahme des relativistischen Dopplereffekts das ZP-Paradoxon zu lösen.
Ulrich Schröder redet in "Spezielle Relativitätstheorie", Verlag Harri Deutsch, von der Wegabhängigkeit der Eigenzeit. Die vergangene Eigenzeit des Reisenden zwischen Start und Rückkehr stellt er dar als Integral unter der gekrümmten Weltlinie. (Hoffe, das so richtig wiedergegeben zu haben. Mathematisch kann ich das nicht mehr nachvollziehen.)
Er folgert daraus, dass das Bezugssystem des Reisenden kein inertiales mehr ist. Da die SRT für beschleunigte Objekte nur auf Inertialsysteme bezogen zuverlässige Voraussagen zulässt, und somit das ZP aus Sicht des Reisenden bezüglich der Eigenzeit des Daheimgebliebenen die ART bemüht werden muss. Zur Erklärung des ZP reicht trotzdem die SRT, solange man sich auf das inertiale Bezugssystem des Daheimgebliebenen bezieht.
Noch einmal zu den Beschleunigungsphasen.
Es gibt Gedankenexperimente, bei denen Beschleunigung gänzlich eliminiert wird. Hier geht es aber nicht um Massen, die reisen und wenden, sondern um reine Information, und zwar den Zeigerstand von Uhren betreffend. Gleichförmig bewegte Raumfahrer in entgegengesetzte Richtungen unterwegs tauschen über Lichtsignale Informationen aus, wenn sie an der Erde vorbeikommen und wenn sie aneinander vorbeifliegend, da gibts verschiedene Varianten, alle ohne jegliche Beschleunigung. Schließlich benötigt Information, ebenso wie das Licht, keine Beschleunigungsphasen beim Übergang von einem zum anderen Bezugssystem.
Eine andere Möglichkeit ohne Beschleunigung zurückzukehren, selbst für Massen, ist die swing-by Methode:
Der Reisende nähert sich mit gleichförmiger geeigneter Geschwindigkeit in einem geeigneten Winkel einem Stern so, dass er vom Schwerefeld eine halbe Umdrehung um jenen macht und in entgegengesetzter Richtung davonfliegt. Im Sinne Der ART stellt das keine Beschleunigung dar, er befindet sich währenddessen im freien Fall, was ein intertialer Zustand bedeutet. Interessante Idee, hab ich irgendwo gelesen, weiß nur nicht mehr wo.
Mein Fazit:
- Der Effekt beim ZP ergibt sich aus der Nichtgleichberechtigung der Zwillinge
- Das ZP kann allein mit der SRT gelöst werden, wenn man sich auf das Inertialsystem des Daheimgebliebenen bezieht.
- Um das ZP im Bezugssystem des Reisenden bezogen auf die Eigenzeit des Daheimgebliebenen hinlänglich zu beschreiben, wird die ART benötigt.
- man kann den relativistischen Dopplereffekt in seine Berechnungen hinzuziehen und somit auf die ART verzichten, gelangt dann aber nur zu einem "gewissen Verständnis", welches sich nicht auf das Zustandekommen des Altersunterschied bezieht, sondern auf das, was die Zwillinge tatsächlich beobachten.
@Claus
Zitat:Dieser beobachtete Unterschied des Ganges der Uhren auf der Hin- und Rückreise ist durch die verschiedenen Lichtlaufzeiten bewirkt.
Das finde ich so formuliert, wenn auch richtig gemeint, problematisch.
1. Die Lichtlaufzeiten können, ebenso wie die Zeitdilatation und die Längenkontraktion nichts bewirken im Sinne von ursächlich. Ursächlich für die relativistischen Effekte ist die Metrik der Raumzeit. Diese ist letztendlich nur mit der ART beizukommen. Bemerkbar macht sich das bei der Eingangs festgestellten Verletzung des Relativitätsprinzip.
2. Die Lichtlaufzeiten werden gerne von Starrköpfen benutzt, um Einstein als Narr oder Scharlatan darzustellen und nicht, um das ZP zu erklären. Insofern könnte eine solche Formulierung gänzlich falsch verstanden werden von einem unbedarften Leser, was sicher nicht in deinem Sinne wäre.
so, jetzt reichts, muss morgen früh raus.
mfg okotombrok
PS: Die ISBN-Nummern, Seitenzahlen usw. schiebe ich bei Bedarf gerne nach, aber heute nicht mehr!
Signatur:
(Francis Picabia)
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