Was ist eigentlich Zeit? - Mein Versuch:
Was ist Zeit? Keiner weiß es. Es gibt die unterschiedlichsten Vorstellungen. Willkürlich erscheinende Einteilungen von Zeit nach Uhr und Kalender können unser Empfinden für Zeit aus der Folge von Ereignissen, für das Davor und Danach beschreiben. Selbst nach zahlreichen Kalenderreformen vergangener Jahrhunderte laufen unsere Uhren aber nicht genau, sondern müssen von Zeit zu Zeit neu justiert werden (Schaltjahre). Da Sonne und Mond nicht unseren Ansprüchen genügen, werden die Schwingungen eines Caesiumatoms zugrunde gelegt, um eine Sekunde dieser Zeit zu definieren. Völlig andere Zeiteinteilungen wären ebenso möglich. Gibt es Zeit losgelöst von einer Ereignisabfolge überhaupt oder entspringt sie vielmehr nur unserer Phantasie? Zeit, ein menschliches Kunstprodukt? Einstein hat die Zeit in ein relatives Bezugssystem gestellt. Die Uhren gehen überall anders. In der Quantenphysik kommt Zeit kaum vor. Hier gelten Wahrscheinlichkeiten, keine Zeiten. Die Physik des Großen (Relativitätstheorie) und die Physik des Kleinen (Quantentheorien) passen nicht zusammen. Ist die Zeit der Schlüssel für eine Übereinstimmung? Fachrichtungen der Theologie, Philosophie und Physik haben sich schon seit Jahrhunderten mit ihr ausführlich befasst, ohne bis heute selbst mit dem Ergebnis zufrieden zu sein.
Neue Theorien der Kosmologie beflügeln die Phantasie. Seit wenigen Jahren ist die String-Theorie eine sehr interessante Variante dieser Art. Nicht ein einzelner dimensionsloser Punkt, sondern Resonanzen kleinster Schwingungen mit Ausdehnung im Raum sind „atomarer“ Ausgangspunkt für die Welt, die wir überall sehen. Warum sollte die Zeit nicht ebenfalls eine solche Schwingungsstruktur aufweisen? Naturprinzipien der Selbstähnlichkeit sprechen vielleicht sogar dafür. Ist der Raum mit den in ihm von uns zu beobachtenden Ereignissen vielleicht nur so, weil die Zeit dafür die Voraussetzungen schafft? Ist der Raum vielleicht flexibel in die Zeit integriert und schwingt an bestimmten Resonanzpunkten der Zeit? Versagt deshalb die Relativitätstheorie, wenn man sie auf den kleinsten Punkt (Singularität) bringt?
Ich denke, dass die Zeit, verstanden in einem völlig anderem Sinne, einen Lösungsbeitrag leisten kann. Seitdem ich vor einigen Jahren zufällig begann, Zeit grafisch darzustellen und das Ergebnis zu analysieren und zu verfeinern, neige ich zu dieser Vorstellung. Ich möchte die Ansatzpunkte meiner Gedanken kurz wie folgt zusammenfassen:
Die Zeit selbst ist eine Schwingung aus Zukunft und Vergangenheit
Die Zukunft
Viele Menschen, so auch mit zunehmenden Alter ich, haben das Gefühl, die Empfindung für die Dauer der Zeit nehme mit dem Alter ab. Nach dieser unter Menschen offenbar unbestreitbaren Tatsache verläuft Zeit völlig anders als eine Uhr . Diese andere Zeit ist nicht vergleichbar mit der immer in gleiche Segmente unterteilten Uhr- oder Kalenderzeit. Diese empfundene Zeit hebt sich von dem Zeitpfeil üblicher Grafiken ab, obwohl damit eine zeitliche Entwicklung aufgezeigt werden soll. Diese Zeit ändert sich altersabhängig mit dem Zeitpfeil: sie nimmt ab! Ich kam auf die Idee, anstelle von Leistungsdaten die Dauer für das Empfinden von Zeit auf dem Zeitpfeil anzuordnen. Es ergab sich zunächst ein rechtwinkliges Dreieck auf dem Zeitpfeil, das nun den Verlauf der Zeitempfindung in der Kalenderzeit aufzeigen sollte. Die senkrecht vom Zeitpfeil z.B. nach oben weisende Kathete trifft auf die Hypothenuse, die in einem spitzen Winkel später in der Zeit zum Zeitpfeil verläuft. Von einem Maximum an Anfang erreicht die Empfindung für Zeit am Ende den Wert Null. Der Bestand an Zeitempfindung ist identisch mit dem Bestand an Zukunft, die ungewiss ist. Dies gilt zu jedem Messpunkt am Zeitpfeil, der mit der Uhrzeit identisch ist, somit für jedes Ereignis. Am Anfang einer Entwicklung sind Prognosen zum weiteren Verlauf ausschließlich aus Erfahrung über ähnliche Ereignisse durch Dritte möglich, nicht aber aus diesem Ereignis selbst heraus. Vom anfänglichen Maximum nimmt der Bestand ungewisser Zukunft im Verlaufe des weiteren Ereignisses ab. Erst am Ende wissen wir alles über den Verlauf dieses Ereignisses.
Vergangenheit
Im Gegensatz zur Zukunft nimmt das Wissen über den Verlauf eines Ereignisses kontinuierlich zu. Es ist die vollständig bewusste Vergangenheit, die die Abnahme unbewusster Zukunft ausgleicht. Dieser Vorgang lässt sich durch ein weiteres rechtwinkliges Dreieck symbolisieren, welches unterhalb des Zeitpfeiles unter der Zukunft angebracht ist, bei dem sich aber die Hypothenuse im spitzen Winkel vom Zeitpfeil entfernt und das Maximum am Ende der Entwicklung erreicht.
Gegenwart besteht aus Zukunft und Vergangenheit im Kleinen (Selbstähnlichkeit)
Die nun vor mir liegende Grafik aus Zukunft und Vergangenheit konnte den altersabhängigen Wandel in den Inhalten der Zeit zu jedem Moment, der auf dem Zeitpfeil einer Uhr- oder Kalenderzeit zuzuordnen ist, symbolisieren. Die Verbindung der Hypotenusen der Dreiecke aus Zukunft und Vergangenheit über den Zeitpfeil hinweg zeigt somit einen Gegenwartsmoment im Wandel der Zeit. An einem Anfang besteht Gegenwart ausschließlich aus ungewisser Zukunft, am Ende nur aus der Gewissheit der Vergangenheit, zur Mitte sind die Anteile ausgeglichen.
Zeigte diese bildliche Darstellung unser Leben auf? Ich konnte den Verlauf der Zeit unseres Lebens aus diesen wenigen Erkenntnissen interpretieren, z.B. die Wechseljahre zur Lebensmitte, fand jedoch Kanten von Dreiecken kaum geeignet, eine Vorstellung der von mir empfundenen Zeit zu vermitteln. Ist die Zeit nicht vielmehr eine unablässige Schwingung entlang des Zeitpfeiles?
Immerhin bekam ich eine Vorstellung davon, dass ich eine Struktur für zahlreiche Gegenwartsmomente aufgezeichnet hatte, die gewissermaßen eine zeitliche Hülle für darin eingeschlossene Ereignisse darstellten. Ein einzelner Moment Gegenwart enthält zugleich sämtliche Strukturelemente, die sich auch insgesamt ergeben. Es lassen sich zeitlich begrenzte Abläufe vorstellen: der Gedankenmoment, ein Tag, das Leben, die Menschheitsentwicklung, immer scheint die Struktur der Zeit gleich zu sein: etwas Unbekanntes wird analysiert, beurteilt, erregt zur Handlung und ist schon Vergangenheit. Die Analyse erfordert den größten Aufwand, die Entscheidungen zum Handeln oder Abwarten sind relativ schnell getroffen. Ein weiterer Moment ist erforderlich, das Ergebnis zu bewerten und ggf. die Handlung auszulösen. Selbst die bei diesen Vorgängen entstandenen Empfindungen bleiben ggf. als Erinnerung erhalten.
Die Zeit: ein eigenartiger Abstand zwischen Zukunft und Vergangenheit begrenzt und öffnet zugleich!
An meiner Zeitgrafik störte mich etwas. Das erste Gegenwartsteilchen meines Lebens bestand mit Sicherheit ausschließlich aus ungewisser Zukunft. Kann aber das zweite Teilchen bereits einen, wenn auch nur winzigen Anteil bewusster Vergangenheit mit sich tragen, wie es meine Grafik zunächst zeigte? Es gibt sicherlich unbewusste Vergangenheit wie auch, für uns unvorstellbar, bewusste Zukunft, darum aber kann es sich hier keineswegs handeln: nur bewusste Vergangenheit ist als Gegenpol der unbewussten Zukunft anzusehen und diese sollte mit aktivem Handeln verknüpft sein, also zumindest ein Ergebnis einer Gedankenarbeit erbringen. Dies aber setzt zwingend Erinnerung voraus. Wann mag ein Baby eine erste bewusste Erinnerung für die Dauer eines Gegenwartmoments an ein Ereignis haben und daraus das erste Mal in seinem Leben Konsequenzen ziehen? Ich habe vier Kinder und denke, dass erst einige Tage nach der Geburt eine erstes bewusstes Erkennen der Stimme oder des Gesichts der Mutter möglich sein wird. Das Maximum an ungewisser Zukunft dieses Lebens muss bereits bei der Befruchtung der Eizelle vorgelegen haben, seine bewusste Vergangenheit begann aber erst einige Tage nach der Geburt.
Es gibt folglich etwas besonderes in der Vorstellung dieser empfundenen Zeit: eine Lücke, einen Abstand in der Zeit.
Dieser Abstand ist spürbar an jedem Anfang und an jedem Ende: am Anfang besteht die Zeit der Gegenwart ausschließlich aus ungewisser Zukunft. An den Anfang können wir uns deshalb nicht erinnern. Entsprechendes gilt für das Ende, dann besteht ein Gegenwartsteilchen ausschließlich aus bewusster Vergangenheit (die Situation sehr alter Menschen?).
Die Zeit: eine asymmetrische Doppelhelix-Struktur am Zeitpfeil mit der Gegenwart als selbstähnliches Austauschteilchen
Ein Gegenwartsteilchen folgt dem anderen. Nur eines ist jeweils aktiv. Wie eine Perlenkette sind die Teilchen aneinandergereiht. Die Zeit fließt mit dem Zeitpfeil, nur Gegenwart bleibt, wenn auch in Form eines neuen Teilchens, welches sich kontinuierlich ändernde zeitliche Inhalte beisteuert. Die jeweilige Gegenwart ist dabei voll in die Zeit aus Zukunft und Vergangenheit und die sich daraus ergebende Rahmenvorgabe integriert. Jedes Teilchen trägt zudem den Abstand in den Zeiten mit sich (Selbstähnlichkeit). Jedes Teilchen Gegenwart ist deshalb sowohl zur Zukunft als auch zur Vergangenheit hin offen und ist so in der Lage, deren Bestsandteile aufzunehmen. Wir erinnern uns vielleicht ganz plötzlich und unvorhergesehen (aus der Vergangenheit) oder bekommen eine Idee wie den Gedankenblitz (aus der Zukunft). Wir erahnen häufig sofort, was wir mit unseren Handlungen anrichten. Diese Empfindungen begleiten uns weiter. Diese Gegenwart ist unablässig unser Aktivitätszentrum, aus dem wir unsere Empfindungen, Erinnerungen und Handlungen beeinflussen.
Dreiecke erschienen mir tatsächlich wenig geeignet, die auf diese Weise voranschreitende Zeit zu symbolisieren. Es müsste eine unablässige Folge von Dreiecken geben. Nur zwei Schwingungen im Abstand um den Zeitpfeil mit der Gegenwart als aktives Austauschteilchen der Wechselwirkung von Zukunft und Vergangenheit dazwischen schienen mir als Symbol voranschreitender Gegenwart geeignet. Dieser Gedankenmoment ist über diesen Gedanken bereits zur Vergangenheit geworden und übergegangen in ein neues Gegenwartsteilchen gleicher Grundstruktur, welches mir nun ein neues Gedankenerlebnis beschert. Ja, die Zeit ist selbst eine uns stets begleitende Schwingung! Diese Zeit ist vielschichtig, aus einem Moment werden größere Ereignisse, ein Leben, davor, danach, daraus noch größere, die Menschheitsentwicklung. Vielleicht hat alles seine Eigenzeit aus dieser Schwingungsstruktur, das Atom, die Blume, die Galaxie, das Weltall, wir. Vom Kleinen zum Großen, vom Großen zum Kleinen, alles schwingt im Takt seiner Zeit vielleicht mit unterschiedlicher Amplitude und Periode. Die Zeit, eine Vorgabe für jede Entwicklung aus Resonanzen? Phantasie? Oder die Stringtheorie der Zeit?
Die Schwingung der Vergangenheit folgt der Zukunft nicht unmittelbar im Abstand eines kleinsten Gegenwartsteilchens, sondern erst im Abstand zahlreicher Gegenwartsteilchen. Bezogen auf die Gesamtperiode dieser Schwingung, die ein Ereignis umfasst, ist dieser jedoch klein, aber immerhin, er ist vorhanden.
Und, die Zeiten verändern sich. Mit der Zeitempfindung ändert sich auch das Ausmaß der Bestandteile von Zukunft und Vergangenheit in jeden Gegenwartmoments. Was war vor dem Maximum der Zukunft und dem Minimum der Vergangenheit? Was danach? Gibt es eine Zeit mit ungewisser Vergangenheit und gewisser Zukunft? Ändern sich gewissermaßen die Vorzeichen der Zeit? Was passiert am Tag, was im Schlaf? Warum ist Schlaf Voraussetzung für unser Leben? Verhalten sich die Aktivität des Tages und die Passivität der Nacht wie Teilchen und Anti-Teilchen? Tauchen wir mit unserer Aktivität der Träume in eine andere Welt ein?
Nach dem Prinzip der Selbstähnlichkeit ist nicht nur eine Gegenwartsmoment am Anfang und Ende offen, es ist die Zeit ebenso in ihrer Gesamtheit. So sind auch die Schwingungen aus Zukunft und Vergangenheit in unserem Leben minimal zeitlich versetzt: Die Zukunft (Ungewissheit) steht zum Zeitpunkt des Werdens im Maximum, die ihr folgende Vergangenheit ist aber noch oberhalb des Zeitpfeiles angeordnet (Interpretationsbedarf: hier als unbewusste Vergangenheit spürbar!) und erreicht den Zeitpfeil erst nach dem Beginn des Werdens im Maximum der Zukunft. Zur Mitte sind die Anteile von Gegenwart und Zukunft ausgeglichen. Umgekehrt als am Anfang ist es am Ende der Entwicklung: die Zukunft hat den Zeitpfeil durchschritten (Interpretationsbedarf: sie wird dann gewiss!), die Vergangenheit hat ihr Maximum noch nicht erreicht (Zustand hohen Alters: es wird nichts Neues erlebt, das Leben besteht aus der Vergangenheit, es kommen aber schemenhaft Bilder der Zukunft).
Auswirkungen?
Vorhersagen scheinen möglich, z.B.:
- die Zeit schwingt nicht in voller Symmetrie. Daher wird es auch die gesuchten supersymmetrischen Partner nicht geben.
- Die Zeit öffnet und schließt den Raum. Daher wird sich das Weltall auch nicht, wie derzeit Stand des Wissens, auf ewig und mit noch zunehmender Geschwindigkeit ausdehnen. Zudem ist auch ein Proton vergänglich.
- Die Zeit als Schwingung ist nicht in die Raumzeit integriert, sondern Träger von Energie. Wenn Alles seine Schwingung hat, die im Großen aufgeht, kommt trotz winziger Einzelbeiträge ein beträchtlicher Beitrag zur bisher fehlenden Massebilanz des Alls hinzu: Die Lösung des Problems sog. schwarzer Materie?
- Das kleinste Teilchen aller Zeitschwingungen, die Gegenwart, nimmt Raum in Anspruch, ist also kein Punkt. Von gängigen Theorien einer Weltformel gebe ich der String-Theorie die größte aller menschlich möglichen Chancen eines Volltreffers.
- Der Abstand in der Zeit verhindert die perfekte Lösung jeden Problems, weil er den Blick zurück in die eigene Vergangenheit (selbstähnlich auch des Alls) ebenso versperrt wie den Blick in die eigene Zukunft. Der Blick zeigt nur das Jetzt: Heisenberg`sche Unschärferelation?
Wie ist die Zeitschwingung des Menschen beschaffen? Wie groß ist der Abstand in der Zeit dieses einen aktiven Moments von 1 sec. Dauer? Ca. 1/1000 sec sind naturwissenschaftlich belegt (zuerst hörbarer Abstand zweier Töne). Dann beträgt er bei einem Hundertjährigen ca. 36 Tage. Zuzüglich üblicher Empryonalentwicklungzeit von 9 mal 30 und hochgerechnet auf ein mögliches Leben ergibt eine biblische Dimension. Auch die Amplitude dieser Schwingungen beträgt einige Hundert Lichtjahre.
Ist der Abstand in der Zeit anfangs in unserem Leben ein Teil vom Paradies? Bereitet uns dieser Abstand später auf unsere Zukunft vor? Ermächtigt er uns nicht gerade in diesem Moment zu besonderer Aktivität? Geben die Schwingungen Zeugnis von Gottes Wort, das (schwingend) am Anfang war. Also noch vor dem Urknall! Was denke ich da? Muss die Welt, also das, was wir feststellen, durch die Brille dieser Zeit gesehen werden?