Hallo Highlaender
Zitat:
Tomm schrieb in
Beitrag Nr. 956-3
Also wenn du es logisch betrachtest, kann vor der Zeit jedenfalls keine Zeit gewesen sein, obwohl es sich sprachlich wie Vergangenheit anhört. "Nichtzeit" oder "Zeitlosigkeit" kann sich nur keiner vorstellen. Und beweisen kann man da auch nichts. Ob aber Logik ausreicht, um eine solche Frage zu beantworten, wage ich zu bezweifeln.
Hallo, ja da has du recht,ich habe mich falsch ausgedrückt !
Für mich beginnt die Zeit da wo Alles, egal was, Anfängt !
aber was war vor dem Anfang ?
Wenn du deine Signatur ernst nimmst, darfst du eine solche Frage eigentlich nicht formulieren, denn logisch gesehen kann vor dem Anfang von allem nichts mehr sein. Mit deiner Signatur hast du dir also selbst Fesseln angelegt, denn hier hast du eine klassische Aporie. Da gibt es nun zwei Haltungen gegenüber dieser Aporie: Du kannst die Frage, weil logisch nicht lösbar, als unbeantwortbar oder gar als sinnlos einstufen oder aber zu der Erkenntnis kommen, dass deine Signatur nicht die ultima ratio sein kann. Und du scheinst ja auch deine Signatur nicht 100 % befolgen zu wollen, denn du stellst die Frage trotzdem. Oder muss ich dir logisches Unvermögen unterstellen? Die Erkenntnis, dass die Logik nicht die ultima ratio ist, hat schon eine uralte Tradition und ist der Grund für die Entwicklung der Koans, deren Lösung durch logisches Schließen schlechterdings unmöglich ist. Denn ein Koan ist ein widersprüchlicher Satz, der dennoch Sinn ergibt. Aber gewisse Leute, die es nicht besser wissen, halten Zen-Buddhisten für irrationale Spinner oder gar Esoteriker, Kampfbegriff zur Abwehr allen störenden Denkens. Dabei sind sie arational, was nichts anderes bedeutet, als dass sie dem Glauben an die Allmacht der logischen Welterklärung abgeschworen haben. Das Argument, sie seien keine Wissenschaftler, zählt auch nicht, denn sie sind jedenfalls eher drauf gekommen.
Auf diesen Foren gibt es eine Reihe von Leuten, die ihr wissenschaftliches, methodisches Vorgehen, das Postulat der Konsistenz, der Widerspruchsfreiheit derart ernst nehmen, dass sie sie offenbar für eine Eigenschaft jener Wirklichkeit halten, die sie uns zu erklären versuchen. Ich behaupte, dass die Paradoxieninflation, die seit der Relalitivtätstheorie im Zusammenhang mit dem Zeitbegriff, aber nicht nur mit ihm, über uns hereingebrochen ist, uns eigentlich zu der Erkenntnis bringen müsste, dass etwas mit diesen wissenschaftlichen Mehtoden und mit dieser Logik, kurzum: mit unserem wissenschaftlichen Weltbild, dass das Produkt dieser Denkungsart ist, nicht in Ordnung sein kann. Die Einführung einer mehrwertigen Logik ist eigentlich ein Widerspruch in sich: entweder etwas ist logisch oder es ist mehrwertig, dann entbehrt es der Logik, aber nicht beides zusammen. Das heißt erstens, dass es nichtlogische Welterklärungen geben muss, die dennoch wahr sein können, und zweitens, dass die Rettung der Logik durch einen Widerspruch in sich betrieben werden soll. Der Begriff macht ungefähr so viel Sinn wie "Nullwachstum". Aber manchen reicht es halt aus, dass er existiert, und weil er existiert, darf er nicht mehr hinterfragt werden. Das bedeutet für mich, man muss sich von der Logik (selbstverständlich nicht vollständig) als der einzig gültigen Referenz für die Welterklärung endlich verabschieden. Und auch das Argument, dass ich dieses neue Denken, was die Logik und das, was über sie hinausreicht, vereint, hier nicht präsentieren kann, ändert meines Erachtens nichts an diesem Befund.
Bin ich vom Thema abgeschweift? Wenn ja, nur ein bisschen, denn die Frage, was vor der Zeit ist oder war, liegt außerhalb der logischen Erschließbarkeit. Und ob das, egal welches Denken man nun zugrundelegt, eine beantwortbare Frage ist, vermag ich zurzeit nicht zu beurteilen.
Bearbeitet von Tomm am 15.11.2006 um 12:36 Uhr.